Weihnachtskleidung

Dieses Jahr habe ich nicht beim Weihnachtskleid-Sewalong mitgemacht. Der Dezember war vollgestopft mit beruflichem Stress, Kita-Infekten und anderen Rückschlägen, dass ich annähernd alle Weihnachtsgeschenke und ein wenig Deko zusammenbekommen habe, erscheint mit rückblickend wie ein Wunder. Da wollte und konnte ich nichts kompliziertes oder auch nur planvolles mehr nähen. Dennoch hatte ich einen Weihnachtskleidungsplan in derHinterhand. Denn schon seit einigen Monaten wartete ein bodenlanger Wollrock aus Tartan auf Weihnachtsrotem Grund, den ich von meiner Schwiegermutter vermacht bekam, auf Umarbeitung. Und das war ein Projekt, das ich auch noch in den letzten Tagen vor Weihnachten meistern konnte. So gab es dann doch noch einen Weihnachtsrock. Und auch ein Weihnachtsoutfit für den Minimensch.

Der Karorock war lange Zeit das ‚festliche Outfit‘ meiner Schwiegermutter, zusammen mit einer weißen Bluse. Tatsächlich kannte ich ihn schon von Fotos von großen Feiern. Erstaunlicherweise war der Rock, den meine Schwiegermutter schon komplett aufgetrennt hatte, gar nicht so sehr wallend weit, wie man von Fotos gedacht hätte. Er bestand aus vier Bahnen und hatte keinen Bund, war oben nur verstürzt. Aus der Weite des unteren Saums konnte ich gerade so einen 1/3-Teller rauskriegen, das Futter war sogar noch schmaler und ich konnte keinen ausreichend weiten Futterrock für meine Hüfte rausbekommen ohne stückeln.
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Ich habe meinen Standard-Tellerrock-Schnitt benutzt und den Formbund von Simplicity 2451. Da ich das Muster für Bund und Rock schräg zum Fadenlauf hatte (sonst hätte es nicht gepasst), habe ich es mit einer Paspel abgesetzt. Gesäumt mit Schrägbanimage

Da ich den Saum aber erst am ersten Feiertag morgens fertig bekommen habe, trug ich am heiligen Abend für unser Kernfamilienweihnachten zu dritt mein Weihnachtskleid 2011. Am 1. Feiertag zum Großfamilienweihnachten dann den Rock mit blauem Pulli und meinem neuen Nina Cardigan in Weihnachtsrot, aus feinem Walk, auch von meiner Schwiegermutter. image

Das Fest verließen wir recht übereilt mit fiebrigem Minimensch, so dass der Rock bequem am 2. Feiertag zum Schwiegermutterbesuch nochmal zum Einsatz kam. image

Am ‚3. Feiertag‘ den wir beim Brunch mit Eltern und Geschwistern bei uns verbrachten, trug ich dieses Jerseykleid.image

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Vorn

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Hinten

Weil ich beim Post dazu gefragt wurde, wie ich das Füttern gemacht habe: hier ein Foto von innen.

Und der Minimensch trug dieses Ensemble

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Sonntagssachen #16/2015

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Nachdem wir am Samstagabend gleich doppelt aus waren und recht früh am Sonntagmorgen erst im Bett, ließen wir den Tag gemütlich beginnen. Mit Brötchen und Plausch mit der Babysitterin aka des Minimenschen Patentante L. Dann auf zum Weihnachtsbaumverkauf im Ort, der Minimensch mit Laufrad und viel Energie. Badebomben sind dieses Jahr Teil unserer selbst gemachten Geschenke, nur die Hälfte gelang allerdings. Selbstverständlich wurde die vierte Kerze entzündet. Außerdem Weihnachtsgrußkarten genäht (ich nähe dieses Jahr viel Papier…) und gestrickt. Nur einige Reihen, ob der Schal wohl je fertig wird? Als der Minimensch schlief erstmal ein Espresso gegen die Müdigkeit und dann ab an des Minimenschn Weihnachtsgeschenk. Mit verpeilten Eulen. Appliziert. Und noch schnell ein paar liebe Päckchen gepackt, damit sie heute zur Post konnten. Produktiver Tag.

Meine Nähmaschine: Janome Sewist 625 E

Marja Katz sammelt auf ihrem Blog Nähmaschinenberichte. Das ist eine super Idee. Ich wollte schon ewig etwas über meine Maschine schreiben und so eine Sammlung ist toll, vor allem auch, weil ich öfter mal nach Kaufempfehlungen gefragt werde. Die anderen Berichte habe ich mit viel Interesse gelesen.

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Anschaffung und Folgekosten

Welches Modell hast Du, welchen Preis hatte Deine Nähmaschine und wann hast Du sie gekauft?
Ich nähe auf einer Janome Sewist 625 E. Sie hat im Jahr 2011, als ich sie gekauft habe, 449,- € gekostet.

Findest Du das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen?
Ja. Es ist eine wirklich gute mechanische Nähmaschine mit ein bisschen elektronischer Unterstützung, da finde ich den Preis ok.

Welche Eigenschaften waren für Dich ausschlaggebend für die Kaufentscheidung?
Ich hatte eigentlich nur ein Budget von 400€ und wollte dafür eine möglichst langlebige und zuverlässige Maschine. Ich hatte mich beim Händler informiert, der mir von den Niedrigpreismodellen von Pfaff und Singer sehr vehement abriet und mir sehr nachdrücklich Brother, Janome und Bernina ans Herz legte. Ich legte keinen großen Wert auf Computersteuerung, hielt diese eher für ein weiteres mögliches Feld, wo eine Maschine im relativ günstigen Segment anfällig sein könnte, auch eine große Zahl an Zierstichen war mir nicht wichtig.
Ich schaute daher gezielt nach höherpreisigem mechanischen Modellen und landete schnell bei Janome. Wichtig war mir der Horizontalgreifer für den Unterfaden, solide Verarbeitung, guter Umgang mit elastischen Stoffen, regulierbarer Füßchendruck. Die elektronischen Extras, die die Maschine im Vergleich zu ihrer kleinen Schwester, der 525 S, mitbringt – automatischer Füßchendruck, automatische Geschwindigkeit, elektronische Motorsteuerung – haben mich dann letztlich überzeugt. Die automatische Nadelposition hat mich beim Kauf überhaupt nicht interessiert, ich würde sie aber heute nicht mehr missen wollen.

Wieviel Zubehör wird mitgeliefert und wie teuer ist ein eventuelles Nachrüsten von Zubehör, z.B. Nähfüßchen?
Die Maschine kommt mit relativ viel Zubehör, normaler Fuß, normaler RV-Fuß, Blindstichfuß, Kantennähfuß, Biesenfuß und Knopflochfuß, zwei Garnhaltern und Schraubendreher, Pinsel, 3 Unterfadenspulen, harte Haube. Weitere Füßchen sind sehr günstig (7-15€), nur der Obertransportfuß ist teurer (25€).

Wieviel Zubehör gibt es insgesamt für Deine Nähmaschine, welches davon hast Du und welches davon nutzt Du am meisten? Welches möchtest Du unbedingt noch anschaffen?
Es gibt recht viele Füßchen, die auch mit fast allen anderen Janome-Maschinen kompatibel sind. Ich glaube, ich habe tatsächlich alle Füßchen. Sehr viel nutze ich den Blindstichfuß, den Paspelfuß, die Rollsaumfüße (es gibt drei verschiedene), den nahtverdeckte RV-Fuß und neuerdings auch den Bandeinfasser.

War Deine Nähmaschine schon einmal kaputt? Kannst Du eine Aussage darüber machen, ob die Reparatur- oder Wartungskosten hoch sind (z.B. aufgrund aufwendiger Elektronik)?
Die Maschine war noch nie kaputt, wenn sie lauter wird, schraube ich sie auf, reinige und öle sie, dann läuft sie wieder super.

Wo würdest Du Dein Modell einordnen (Holzklasse, Mittelklasse, Luxusklasse) und für wen würdest Du es empfehlen (Anfänger, Fortgeschrittene, Profi)
Mittelklasse. Bzw. Oberklasse für mechanische Maschinen, aber es gibt noch viel Luft nach oben, wenn man in den Semi-Profibereich geht. Die Maschine ist mit etwas Lektüre des Handbuchs auch gut für Anfänger geeignet, aber erfüllt auch für Fortgeschrittene noch gut die Anforderungen, Profis brauchen sicher doch noch eine Schippe oben drauf.

Praktikabilität
Wie groß und wie schwer ist Deine Nähmaschine?
Sie ist eher klein, aber recht massiv gebaut, daher nicht ganz leicht aber sicher auch nicht schwer.

Kommt Deine Nähmaschine für einen Auf- und Abbau bei flexiblen Arbeitsplätzen in Frage oder ist sie eher für feste Arbeitsplätze geeignet?
Auf- und Abbau sind vollkommen unproblematisch.

Wie aufwendig ist Abbau/Verpackung/Transport für gemeinsame Nähkränzchen?
Kabel abstecken, die harte Haube drauf und fertig. Sie ist schon viel gereist und macht das gut mit.

Lässt sich die Nähmaschine gut reinigen oder kommst Du an einige Stellen gar nicht heran?
Die linke Seite kann man komplett öffnen, die rechte Seite, wo der Motor sitzt ist etwas kniffliger, da habe ich bisher keinen Erfolg gehabt, obwohl es so aussieht, als müsse das auch gehen.

Wie ist die Helligkeit der Beleuchtung?
Da bin ich unzufrieden, das ist mir deutlich zu funzelig. Es gibt nur eine Birne, die auch recht warm wird.

Wie laut ist die Maschine?
Ab Werk war sie sehr leise, wenn sie lauter wird, verlangt sie eine Reinigung, dann surrt sie wieder.

Ist die Maschine intuitiv bedienbar?
Ja, vollkommen.

Ist die Bedienungsanleitung ausführlich genug?
Ja, die Anleitung ist sehr gut.

Kann man die Nähmaschine auch ohne Pedal bedienen?
Nein.

Näheigenschaften

Welche Nähmaschine(n) hattest Du bisher? Wie schätzt Du Deine Maschine im Vergleich dazu ein?
Ich hatte vorher eine vollmechanische Pfaff aus den 80ern und habe gelernt auf einer mechanischen Singer aus den 90ern. Im Vergleich mit beiden Maschinen ist die Maschine um Lichtjahre besser. Sie transportiert eigentlich alles Stoffe, auch Jersey problemlos, macht nie Murks mit dem Unterfaden und schafft auch sehr dicke Stofflagen, das alles war mit den anderen Maschinen sehr mühsam.

Wie oft nähst Du? Was nähst Du hauptsächlich und findest Du Deine Nähmaschine dafür ungenügend, perfekt ausreichend oder etwas oversized?
Ich nähe 3-4 mal pro Woche. Zum weit größten Teil Kleidung für mich aus Webstoff. Für normale Kleider und Röcke ist die Maschine perfekt ausreichend. Grenzwertig sind Mäntel. Da ist einfach rechts der Nadel arg wenig Platz und manchmal bräuchte ich da auch eine höhere Füsschenstellung. Bei meinem letzten Mantel kriegte ich die bis zu 4 Lagen dicken Walks kaum unter das Füßchen. Allerdings hat sie dann trotzdem tadellos durchgenäht.

Welches Feature fehlt Dir für Deine Näharbeiten und auf welches Vorhandene möchtest Du auf gar keinen Fall verzichten?
Ganz oben auf der Wunschliste stünde ein größerer Durchlass. Auch helleres Licht wäre toll. Sehr großer Fan bin ich sowohl vom verstellbaren Füßchendruck (3 Stufen) als auch von der verstellbaren Geschwindigkeit (stufenlos). Und auch den „automatischen“ Einfädler liebe ich außerordentlich.

Hat Deine Nähmaschine Features, die Du für unsinnig hältst?
Hm, nö.

Welche Knopflochfunktion(en) hat Deine Nähmaschine und bist Du damit zufrieden? Was könnte besser sein?
Die Maschine hat ein automatisches und ein manuelles Knopfloch. Ganz zufriedenstellend sind die nicht, die beiden Seiten des Knopflochs werden nicht ganz gleich und manchmal, bei raueren Stoffen, bleibt die Maschine mitten im Knopfloch hängen. Knopflöcher sind fast das einzige, wo das Stichbild nicht schön ist.

Potentielle Problemzonen
Wie näht Deine Nähmaschine enge Rundungen?
Wenn man dran denkt, die Geschwindigkeit zu reduzieren, gut. Leider vergesse ich das gern mal.

Ist das Stichbild sauber, auch bei sehr dickem Nähgut oder sehr schnellem Nähen?
Meist bin ich mit dem Stichbild zufrieden. Dickes Nähgut ist prinzipiell unproblematisch. Unsauber wird es manchmal bei Leder und bei Funktionsstoffen. Hier geht es besser mit dem Obertransportfuß.

Ist der Stofftransport gerade und gleichmäßig, auch wenn Du den Stoff nicht aktiv führst?
Ja.       

Ist ein sauberes Nähen an Stoffkanten möglich, ohne dass sich die Naht oder der Stoff zusammenzieht? (Nahtanfänge, versäubern)
Ja. Auch hier tut die Geschwindigkeitsregulierung gute Dienste.

Werden elastische Stoffe problemlos genäht oder wellt der Stoff?
Vollkommen problemlos. Ich reduziere dann den Füßchendruck, dann wellt nix.

Wie ist die Kontrolle über Nähgeschwindigkeit? Ist sehr schnelles oder sehr langsames Nähen (Stich für Stich) möglich?
Man kann die Geschwindkeit vorregulieren, das Pedal spricht zudem gut an und die Maschine näht zusätzlich bei ‚Hindernissen‘ langsamer. Sie näht für meine Begriffe recht schnell, aber sicher gibt es im Semiprofi-Bereich schnellere. Langsam nähe ih prinzipiell selten, geht aber schon auch.       

Bei welchen Nähfragen kommst Du an die Grenzen Deiner Nähmaschine? Was funktioniert überhaupt nicht?
Quilten finde ich eine große Qual. Mäntel sind auch nicht sehr spaßig. Leder, ist zwar von der Dicke kein Problem, die Maschine ist sehr schlagkräftig, aber wird manchmal schlecht transportiert, mit dem Obertransportfuß geht das was besser. Auch die Kinder-Softshell war eine ziemliche Qual.

Wie ist Dein abschließendes Gesamturteil in Kurzform? Auf einer Skala von 1 bis 5 – wieviel Sterne würdest Du Deiner Nähmaschine geben und warum?

Die Maschine ist sehr robust und zuverlässig und hat günstige gute Füßchen, normale Bekleidung näht sie sauber, schnell und zufriedenstellend. Auch Jeans und andere dicke Stoffe schafft sie vollkommen problemlos. Ich habe trotzdem Lust auf ein Upgrade und spare auf eine Quiltmaschine. Vorrangig wegen des größeren Durchlasses und des Differentialtransports. Gegeben der Preisdiskrepanz ist da ja klar, dass es noch Luft nach oben gibt, der Vergleich wäre also unfair.

In ihrer Klasse kriegt sie von mir daher 4,5 von 5 Sternen.

Vermischtes zum Klima

Ich habe in den letzten Tagen zwei Podcast-Episoden aus der Reihe dradio Wissen Hörsaal zum Thema Klimapolitik gehört, die ich beide sehr empfehle:

Naomi Klein: Geld oder Leben

Und

Prof. Reimund Schwarze, Helmholtz-Institut für Umwelt: Geschichte der internationalen Klimapolitik

Beide Vorträge waren interessant wenn auch naturgemäß sehr unterschiedlich. Etwas gestört hat mich, dass beide bei den Klimawandelfolgen sehr auf Industrieländer fokussiert waren, das wird dem Problem nicht gerecht, finde ich.

Und dann ist es natürlich irgendwie auch witzig, dass der Wirtschaftswissenschaftler im Grunde sehr viel weniger über die wirtschaftliche Dimension des ganzen spricht, als Naomi Klein, deren VWL-Kenntnisse, so finde ich, etwas begrenzt sind. Das ist in gewisser Weise symptomatisch. Fachleute, die sich von Meteorologie-, Energietechnik- und Wirtschafts-Seite mit dem Klimawandel beschäftigen, werden in eine ideologische politische Debatte hineingezogen, weil – natürlich – die Lösung eine politische sein muss. Aber im Grunde müsste die Politik nicht danach entscheiden, was diplomatisch und politisch machbar, sondern was aus wissenschaftlicher Sicht notwendig und durchführbar ist. Leider sieht die Realität, wie Prof. Schwarze sie beschreibt, anders aus. Und ich denke, auch das nun historisch genannte Abkommen von Paris zeigt zwar große internationale Entschlossenheit, aber doch nur Andeutungen konkreter Lösungen. Ohne Sanktionen.

Ein Punkt kam bei Naomi Klein gar nicht, bei Prof. Schwarze nur am Rande vor und wird auch im Rahmen der Abkommen indirekter behandelt, als möglich und richtig wäre: Carbon Leakage. Ein nennenswerter Anteil der in EU und Nordamerika erreichten Reduktion des CO2-Ausstoßes ist mitnichten auf Umstellung auf saubere Energie und emissionsreduzierte Autos zurückzuführen, sondern darauf, dass stark verschmutzende industrielle Produktion aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer verschoben wurde. Dass China zum größten Emittenten der Welt wurde liegt bei weitem nicht nur daran, dass jetzt alle Chinesen Auto fahren (was zudem nicht stimmt), sondern daran, dass die „Werkbank der Welt“ auch die „Dreckschleuder der Welt“ ist. Jedes Konsumgut, dass wir importieren enthält ganz erheblich Emissionen, die andernorts entstanden sind. Und natürlich, die die durch den Transport entstanden sind, das hat Prof. Schwarze ja sehr betont. Das heißt, es ist sehr scheinheilig mit dem Finger auf Indien, Brasilien, Argentinien und China zu zeigen ohne infrage zu stellen, wie sich in der Zeit unser Konsum verändert hat. Nun. Er ist massiv gestiegen. Und indem wir den weit größten Anteil unseres Konsums importieren, entledigen wir uns elegant der Emissionen, die in der Produktion entstehen. Da können wir noch so viel Ökostrom beziehen und sparsame Autos fahren.

Nun kann man darauf reagieren, indem man den Kapitalismus verbannt und nach einer neuen Wirtschaftsordnung ruft, wie Naomi Klein. Ich bin sicher keine glühende Anhängerin des Kapitalismus, allerdings sehe ich noch nicht, wie wir aus dem Aktivismus heraus eine gerechtere Wirtschaftsordnung erreichen wollen. Vor allem nicht weltweit. Und einen politischen Willen nennenswert in diese Richtung zu gehen kann ich nicht ausmachen. Solang können wir uns schonmal an unsere eigene Nase packen und uns fragen, was und wieviel wir konsumieren müssen und woher. Regionalität ist bei Lebensmitteln ja schon etwas mehr in den Fokus gerückt (also in manchen Käuferschichten natürlich nur), bei vielen anderen Produkten denkt man vielleicht nicht so stark darüber nach.
Aus ökonomischer Sicht gibt es zwei Ansätze, gescholtene Markt-Ansätze, aber immerhin, die aber beide politisch wenig Gehör finden. Prof. Schwarze spricht die Besteuerung von internationalem Flug- und Schiffsverkehr an. Hier wäre ein Hebel, die Transport-Emissionen zu sanktionieren und die Einnahmen in einen Fonds zur Klimafolgen-Bekämpfung einzuzahlen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ohne eine solche Maßnahme gehen sollte.

Ein anderer Vorschlag, den einzelne Länder versuchen umzusetzen, der aber eigentlich nur im Welt-Rahmen Sinn macht, ist die Bezollung von CO2. D.h. bei Import eines Produktes wird ein Zoll relativ zur Emissionsintensität seiner Produktion und seines Transportes erhoben. Auch hier würde es Sinn machen, die Einnahmen in einen Fonds einzuzahlen, denn ansonsten entstünden den Entwicklungsländern sehr nennenswerte Nachteile aus solchen Regelungen. Auf diese Art und Weise wäre ein in China auf sehr dreckige Art und Weise produziertes Gut dann eben fast so teuer wie oder teurer als ein nachhaltig produziertes Äquivalent. Dann würde sich die Produktion nachhaltiger Produkte eher lohnen und – da kommt schon das aber – der Konsum insgesamt zurückgehen.

Warum machen wir das – bisher – nicht? Weil es eines weltweiten Konsens bedürfte und weil es ans Geld geht. Ein weltweiter Konsens ist erforderlich weil einzelne Länder sich durch solche Regelungen finanziell ins eigene Fleisch schneiden würden, vor allem wenn sie Energie-intensive Vorprodukte importieren. Zudem sind die meisten Länder im Kontext der WTO eine Verpflichtung zur Zollsenkung eingegangen, so dass eine solche neuerliche Zollerhebung wiederum eines WTO-Abkommens bedürfte. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn in der WTO haben, genau wie in den UN alle Länder das gleiche Stimmrecht, was die Findung von tragfähigen Übereinkünften extrem langwierig und schwierig macht.
Und ja, es geht um Geld. Der Welthandel ist für viele Länder die entscheidende Einnahmequelle für Devisen, die sie umgekehrt zur Importfinanzierung benötigen. Und was würden wohl die Öl-Produzenten dazu sagen, wenn Emissionen bezollt würden? Und nicht zuletzt: was würden denn die Konsumenten in Industrie- und Schwellenländern dazu sagen, wenn sich der Konsum fast aller unsere Konsumgüter wesentlich verteuern würde? Denn es müsste ein wesentlicher Zoll sein, damit es funktioniert. Es ginge ja exakt darum, dass sich das kaufen nicht mehr lohnt. Da müssten wir dann doch an der einen und anderen Seite Korrekturen vornehmen.

Und dann kommt ja immer das Argument: Wachstum ist nicht mit Klimaschutz vereinbar. Also die Forderung nach Wachstumsdrosselung oder Schrumpfung. Und das bedeutet Verzicht. Oh, da werden wir empfindlich getroffen, da folgen dann gleich auch Schuldzuweisungen. OK wenn wir jetzt teilen sollen, weil es nicht mehr für alle reicht, dann doch bitte erstmal die anderen (China, USA, …). Und voilà, eine verkürzte Argumentation, die Blockade nach sich zieht. Die Argumentation, dass Volkswirtschaften aufgrund begrenzter Ressourcen kein dauerhaftes Wachstum erreichen können, ist im Grunde älter als die Volkswirtschaftslehre, sie geht zurück auf Robert Malthus, der argumentierte, dass wir, weil der Boden begrenzt ist, nicht genug Essen für eine wachsende Bevölkerung produzieren können. Malthus ahnte noch nicht, dass wir im Zuge der Industrialisierung beginnen würden, nicht-landwirtschaftliche Produkte in nennenswertem Umfang zu produzieren und erst recht nicht, dass technischer Fortschritt selbst die Agrarproduktion deutlich effizienter machte. Dennoch ist natürlich am Kerngedanken was dran. Solange unsere Produktion endliche Ressourcen verbraucht, wird ihr Wachstum irgendwann ein Ende haben und technischer Fortschritt kann dieses Ende zwar verzögern, aber nicht aufhalten. Allerdings bedeutet das nicht, dass kein Wachstum denkbar ist. In entwickelten Volkswirtschaften ist der Anteil, den der Wert der Primärressourcen an der fertigen Produktion hat verschwindend gering. Ein Großteil des kapitalistischen Wachstums wird durch die Veredelung der Ressource, nicht die Ressource selbst erreicht. Gelänge es uns, endliche Ressourcen, wo immer es geht, durch nachwachsende zu ersetzen, wäre das Wachstum nachhaltig. Und dass das nicht gelingt, hat, so denken zumindest Ökonomen, damit zu tun, dass es sich wirtschaftlich noch nicht lohnt. Fossile Ressourcen sind zu günstig oder nachwachsende zu teuer. Und das gilt insbesondere für sog. Allmende-Güter wie das Klima. Also Güter, die durch Nutzung verschlechtert werden, von deren Nutzung aber niemand ausgeschlossen werden kann. Unsere Atmosphäre ist für den einzelnen Verschmutzter umsonst. Aber sie verbraucht sich. Schlimmer noch, nicht nur sind fossile Energieträger gerade noch im Preiswettbewerb überlegen, viele Staaten machen sie sogar noch durch Subventionen billiger (in Deutschland z.b. Diesel und Kohle) und versäumen es, durch die Energieträger entstehende Kosten auf die Preise umzulegen. Durch bspw. staatliche Beteiligung an der Ewigkeitsschädenhaftung aus der Kohleförderung legen wir die Verschmutzungskosten sogar noch auf die Allgemeinheit um.

Das Wachstum, das die Welt derzeit hat, das auf geradezu verschwenderischer Nutzung von Ressourcen und Konsumausdehnung auf Kosten des Klimas basiert, ist also tatsächlich nicht weiterhin möglich. Aber Wachstum, auch innerhalb der bestehenden Wirtschaftssysteme, ist durchaus möglich, wenn wir das durch die Wiederverwendung endlicher Ressourcen, die Nutzung nachwachsender Ressourcen und emissionsfrei generieren. Denn es ist ja nicht so, als sei reparieren keine wirtschaftliche Aktivität, als würden erneuerbare Energien ohne Wertschöpfung generiert oder als wären Innovationen kostenlos. Wir brauchen also in gewisser Weise sogar Wachstum, um klimaschonender zu werden. Nur eben an den richtigen Stellen. Dass das passiert ist eine politische Aufgabe aber auch die Aufgabe jeder einzelnen verantwortlichen Konsumentin.

Sonntagsbilder #13/2015

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Playmais-Architektur. Viele viele Vorleseeinheiten. Drei Kerzen. Schon? Ohje. Wir sind spät dran mit Advent und Weihnacht dieses Jahr. Also so gefühlt. Aber Plätzchen haben wir inzwischen alle Dosen voll. Mit tatkräftiger Hilfe. Faltwäsche. Sonntagsfrühstück. Serverprobleme in Weihnachtswichtelhausen.