anNÄHerung in Bielefeld 2016

Am letzten Wochenende war ich mit meinen Nähmaschinen und der Bügelpresse mal wieder auf Reisen. Es ging nach Bielefeld, wo sich ja nun schon traditionell im Januar die Creme de la Creme der Nähnerdszene versammelt um ungestört und nach Lust und Laune mal bis zu 42 Stunden durchzunähen. Wie immer noch großen Treffen mit nähnerds bin ich angefüllt mit Eindrücken, die vermutlich den Rahmen eines einzelnen Posts sprengen und die zum Teil auch noch in mir nachreifen müssen. Aber ich beginne einfach mal mit einem „Reisebericht“ und hebe mir die weitergehenden Gedanken dann für später auf. Kommt Zeit, kommt Post, gewissermaßen.
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Ich hatte das Glück, schon auf der Fahrt beste Gesellschaft der Pott-nähnerds Frau Fantipanti und Ella Mara zu haben. Das Auto aber ächzte ziemlich unter der Last von 5 Nähmaschinen, 1 Bügelpresse, 1 Bügelstation und diverser Taschen. Ein bisschen spät waren wir auch, aber alle bekamen noch einen Platz und das Abendessen kriegten wir auch noch mit. Bei der Vorstellungsrunde waren mir tatsächlich die allermeisten bekannt, es ist ja irgendwie auch wie nach Hause kommen, so ein nähnerd-Treffen. Die Nervosität, die ich bei meinen ersten Bloggerinnentreffen hatte ist längst einer kribbeligen Vorfreude gewichen. Spannend auch, dass locker 1/3 bis die Hälfte der Teilnehmerinnen sich – heimlich oder öffentlich – als #projektbrotundbutter-Mitstreiterinnen entpuppten und ich so schon einen ersten Eindruck von einigen der geplanten Stücke bekommen konnte. Wie schön das war!

Ich hatte mir für das Wochenende vorgenommen, endlich meinen schon lang geplanten Blazer zu nähen und war wegen dieses Projektes ordentlich nervös. Im Vorfeld hatte ich schon mit dem Stoff und fehlenden Schnittteilen gekämpft und meine Notizen zu den notwendigen Änderungen waren auch recht unvollständig. Zum Glück hatte ich auch einiges hier im Blog notiert.

Am Freitagabend stellte ich den Korpus fertig, am Samstagmorgen beschäftigte ich mich lange mit Passform-Optimierung der Ärmel, am Nachmittag nähte ich meine allerersten Paspeltaschen und am Abend folgte das Futter. Kurz nach 23 Uhr am Samstag nähte ich die Knöpfe an und platzte fast vor Stolz. Am Sonntagmorgen begann ich noch ein Trägerkleid, schaffte aber nur das Oberteil fertig.

Es ist für mich etwas ganz besonderes, wirklich lang am Stück nähen zu können. Ich nähe oft in Häppchen von halben Stunden am Abend. Da schleichen sich Fehler ein und es stellt sich nicht so richtig ein „Flow“ ein. So wundervoll lang am Stück nähen zu können, ist sehr motivierend. Zusätzlich habe ich dieses Mal auch sehr von der Expertise der vielen Nähnerdettes profitieren können. Immer war eine da, um etwas zu stecken, einen Passformrat zu geben, das Händchen zu halten vor dem entscheidenden Schnitt in die Paspeltasche. Ich habe viel gelernt, das ist auch sehr gut.

Und natürlich blieb Zeit für spannende Gespräche, wühlen auf dem Tauschtisch, Sekt und Knabberkram, fachsimpeln, lachen und ernst sein. Es ergab sich die Möglichkeit in Büchern zu blättern, Schnitte anzugucken, Kleidungsstücke anzuprobieren und Nähgadgets zu testen. Taktisch geschickt saßen Frau Crafteln, die eine wundervolle Sitznachbarin ist, und ich in der Nähe der Bügelbretter, so dass wir stets guten Nachschub an Gesprächspartner innen hatten, die sich während des Wartens kurz zu uns gesellten. Auch die schwarz gefädelte Overlock war da ein guter Magnet für Besuch.

Auch wenn ich früher als andere ins Bett gegangen bin (und  mich dann jeweils noch lang mit meinen <3-Zimmerkolleginnen verquatscht habe), war ich doch am Sonntag unendlich müde, vollkommen gesättigt mit Eindrücken und doch motiviert, direkt weiterzunähen. Und natürlich noch tagelang bezaubert von der wundervollen Atmosphäre und den vielen tollen Frauen dort.

Mit vielen hätte ich gern noch länger geredet, wie immer bleibt auch der Eindruck, nicht jede lang und breit genug gesprochen zu haben. Aber was soll’s, es wird weitere Gelegenheiten geben und das ist doch auch eine wundervolle Aussicht.