Handarbeiten mit Kleinkind

Bei der AnNÄHerung kam mehrfach beim nähen und auch am Essenstisch die Sprache auf das Nähen mit Kind. Sowohl unter dem Aspekt, ob das Kind irgendwann selbst nähen will und wann und was, als auch, ob man nähen oder anderes Handarbeiten macht, während das Kind dabei ist oder gar unter Einbeziehung des Kindes. Es scheint mir, dass erste selbständige Nähprojekte so etwa ab Grundschulalter sinnvoll sind. Nun ist mein Minimensch da natürlich noch sehr viel kleiner (2,5) und ich habe seitdem etwas darüber nachgedacht, wie und warum ich ihn in handarbeitende Tätigkeiten einbinde.
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Tatsächlich machen wir insgesamt viel von dem, was wir so tun, mit Kind. Das heißt, ich handarbeite oft mit Kind, der Mann schreinert mit dem Kind und schraubt am Motorrad (ja, wir sind voll die Hobby-Stereotypen. Naaaa und?). Aber wir putzen auch mit ihm und falten mit ihm zusammen die Wäsche. Generell lassen wir ihn erstmal an allem teilhaben, was wir so tun, bzw. unterscheiden nicht zwischen „Sachen, die Kinder machen“ und „Sachen, die große machen“ (also jetzt bis auf wenige, ausgewählte Dinge). Es ist uns, denke ich, wichtig nur möglichst selten zu sagen „nein, das ist nichts für dich“ und „nein, das kannst du nicht“. Allerdings hat die Teilhabe an unseren schaffenden Hobbys für mich noch zwei darüberhinausgehende Aspekte:

  1. Eine gewisse Grundmentalität vermitteln, die zeigt „man kann total viele Sachen selbst machen“. Also den Spaß daran vermitteln, etwas mit den Händen zu tun, etwas zu schaffen und auch klar zu machen, dass die Sachen, die wir so benutzen von jemandem gemacht wurden und nicht einfach im Supermarkt/Bekleidungsgeschäft/Möbelhaus appariert sind. Ich hoffe sehr, dadurch Respekt für Menschen, die unsere Sachen herstellen vermitteln zu können und damit auch zu gutem und schonendem Umgang mit diesen Dingen anregen zu können. Es ist mir wichtig, dass der Minimensch sieht, dass es Zeit und Mühe kostet, Dinge zu machen und dass es Alternativen dazu gibt, kaputte Dinge wegzuschmeißen und neue zu kaufen, oder überhaupt Alternativen zum kaufen. Dabei geht es mir nicht darum, dass der Minimensch dann nachher zwingend auch seine Kleidung selbst macht. Aber vielleicht, dass er sich insgesamt ein schaffendes Hobby zulegt und daran Freude hat. Ob das dann Teppiche weben, Bildhauen, Töpfern oder eben schreinern, nähen oder stricken ist, das ist mir da dann wirklich egal. Solang ich die Freude daran vermitteln kann, etwas selbst zu machen, hab ich das Ziel erreicht. Und solang das Kind versteht, dass man nicht alles kaufen muss, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, ob ich etwas selbst machen oder selbst reparieren kann.

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2. Selbst meinen Hobbys nachgehen können, und zwar nicht nur wenn das Kind schläft. Dieser Punkt ist mir nochmal klar geworden, als ich heute morgen eine ältere Episode des ausfasernd-Podcast von @DamnedSnob gehört habe (große Hörempfehlung!). Sie berichtet da, dass sie gern handspinnt, während das Kind spielt, weil das Kind beim Spielen gern Gesellschaft hat. Das kenne ich sehr sehr gut. Der Minimensch ist eigentlich gut im sich selbst beschäftigen. Die besten Spielideen kommen ihm, wenn man ihn einfach lässt. Und ich möchte ihn gern dieses selbstbestimmte Spielen auch ausleben lassen, es dadurch fördern, dass ich ihn nicht die ganze Zeit bespaße und ihm letztlich auch zeigen, dass ich nicht nur dazu da bin, ihn zu beschäftigen, sondern dass ich auch selbst Dinge mache. Er fordert schon dann ab und zu ein, dass man mit ihm interagiert, ihn mal kuschelt oder was vorliest, aber dann spielt er auch wieder versunken. Allerdings auch am liebsten in Gesellschaft. Und da habe ich dann schon auch das Bedürfnis etwas sinnvolles mit mir anzufangen. Wenn ich lese findet das Kind irgendwie uncool und immer nur mittels schlauem Telefon im Internet rumhängen finde ich nicht sehr vorbildlich. Ich habe aber festgestellt, dass der Minimensch völlig akzeptiert, wenn ich etwas mit Sinn nebenher mache, also Handnähte, Stricken, Filzen. Das Wobei beim filzen möchte er dann lieber gleich mitmachen. Nicht so gut klappt Schnitte abpausen und Zuschneiden ist etwas Glückssache. Es scheint mir tatsächlich so, dass er es vollkommen ok findet, wenn ich was anderes mache, solang er sieht, was dabei herauskommt. Ich nähe auch schonmal Sachen für den Minimensch mit ihm zusammen an der Maschine. Das ist ja zeitlich überschaubar und er kann Stoff aussuchen. Er drückt dann an der Maschine den Nadelpositionsknopf, schneidet am Ende die Fäden ab oder zieht Stecknadeln raus. Das geht nicht unendlich aber ist für Regen nachmittags durchaus eine gangbare Alternative, wenn schon 20 Bilder gemalt und Geschichten vorgelesen sind. Noch findet er es auch ziemlich toll, von mir selbst genähte Sachen zu bekommen und zu tragen. Diese Phase will ja auch ausgenutzt werden.

Ob diese Geduld mit der handarbeitenden Mama anhält, bleibt natürlich abzuwarten. Aber ich finde zumindest sehr positiv, dass er anerkennt, dass ich etwas sinnvolles tue und das entweder OK findet, oder mitmachen will.
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9 Gedanken zu “Handarbeiten mit Kleinkind

  1. Christine schreibt:

    Genau so ist es hier auch! Stecknadeln sortieren, rausziehen, dabei Farben lernen und zählen wieviele es noch bis zur grünen sind, Knöpfe drücken usw. Und es verinnerlicht haben, dass sowas Zeit und Mühe kostet, dass man aber auch Lieblingsteile retten kann mit Knieflicken oder einer kurzen Naht, ich finde es gut, wenn Kinder sowas selbstverständlich erleben!

  2. Himmel * und Zwirn schreibt:

    Danke für den schönen Post und den Einblick in euer Familienleben! Ich wollte das Thema im Blog auch mal ansprechen, gabe aber noch nicht die richtigen Worte dafür gefunden. Deine Erfahrungen machen mir Mut, dass auch wir hier auf einem guten Weg sind. Manchmal hatte ich in den vergangenen Wochen Sorge, zu egoistisch zu sein, wenn ich weiter meinen Hobbys nachgehen, auch im Beisein meines kleinen Mannes und nicht ausschließlich zu nachtschlafender Zeit. Obwohl ich von Berufswegen her eigentlich weiß, wie wichtiges für Kinder ist, nicht ständig bespaßt zu werden, sondern eigene Ideen entwickeln zu können und das, was die Eltern tun, mitzuerleben. Als Eltern zu Hause hinterfragt man sich dann doch ständig….

    Ach, und unsere Hobbys sind auch sehr klassisch verteilt: ich schneidere, stricke und backe. Mein Freund liebt es zu Schmieden, Messer zu bauen, Holzarbeiten zu machen und Gemüse in Töpfen und Säcken zu ziehen. Aber es gibt auch schöne Überschneidungen. So ist mein Freund viel besser als ich im Stricken von Mützen, und ich mache mir beim Gärtnern sehr gern die Hände mistig und bin hier zu Hause zuständig für das Abschleifen und Streichen von Möbeln. Mal sehen, was unser kleiner Mann so an kreativen Ideen mit sich bringt … für eine Sache Leidenschaft zu empfinden ist auch einer meiner größten Wünsche für ihn und seine Zukunft.

    Viele Grüße, K* (:

  3. FAIRYKNITS schreibt:

    Klappt hier leider nicht ganz so gut. Wir nähen auch mal zusammen und er darf Knöpfe drücken, aber ihm wird das dann schnell zu langweilig. Er entwickelt dann schnell eigene Spielkonzepte mit der Nähmaschine oder dem Stoff, die mit dem, was ich unter Nähen verstehe, inkompatibel sind. Und alleine spielen klappt noch gar nicht. Ich bespaße ihn zwar nie, aber er bindet mich immer in sein Spiel mit ein. Er ist die Lokomotive und zieht mich, den Wagon; er ist ein Bagger und füllt mich, den Kipplaster; er ist der Fahrkartenkontrolleur und ich muss ihm meine Fahrkarte geben usw. Er ist wohl einfach der geborene Rollenspieler und nicht so der Baumeister. Da ist es nach wie vor schwierig überhaupt nebenbei ein gesundes Essen zuzubereiten. Dabei hilft er zwar auch manchmal mit, aber meistens sind Baustellenspiele eben gerade viel spannender. Im Sommer wollen wir auch ein bisschen Salat und Gemüse auf dem Balkon anpflanzen, aber ich fürchte das wird mit seinen Plänen für die schöne Bagger-Erde auch nicht ganz konform gehen.
    Naja, auch wenn es mich manchmal nervt nur nachts handarbeiten zu können, ist mir die intensive Zeit mit meinem Kind wichtiger. Und letztendlich ist es ja sowieso nur eine kurze Phase in meinem Leben, in der er mich als (Spiel-)Partner wählt.

    • siebenhundertsachen schreibt:

      Das kommt mit dem größer werden vielleicht noch.
      Allerdings muss man tatsächlich etwas flexibel sein in der Auslegung, was genau da gewerkt wird. Hier wird schon auch viel Stoff in Kleinstschnipsel zerschnitten, Wolle zu unentwirrbaren Knäulen „verstrickt“ und sowas. Ich hab dafür halt Reste, die ich eh nicht mehr brauchte…

  4. schildkroete schreibt:

    Meine sind ja schön größer und wir haben auch immer unsere Hobby & Alltagstätigkeiten mit unseren Kindern geteilt. In Phasen, mal mehr mal weniger, haben sie altersentsprechend mitgemacht. Aktuell ist es so, dass die fast18jährige eine begeisterte Köchin und Bäckerin ist, gerne experimentiert und einfach eine Genießerin ist. Handarbeiten jeglicher Art hat sie nie länger interessiert. Der Sohn (15) ist der Eitlere von beiden, er hat phasenweise gestrickt, aktuell ist Klamotten pimpen ein Thema. Wobei er auch gel. kocht……Für beide ist es „normal“, dass bei uns vieles selbst gemacht wird, sie greifen auch gerne mal darauf zurück. Letzte Jahr „musste“ ich dringend kurzfristig ein Faschingskosüm nähen, wurde aber bekocht, um Zeit zu haben.
    Herzliche Grüße
    Sabine

  5. Bele schreibt:

    Die Erfahrung, dass die Kinder viel eher Tätigkeiten neben ihrem Spiel akzeptieren, deren Ergebnis sichtbar ist (oder die nichts mit Bildschirmen zu tun haben), habe ich auch gemacht. Zum Teil wollten die Kinder aber auch „artverwandte“ Dinge machen und haben sich beispielsweise mit Stickkarten (auch mit selbstgemalten Motiven, ansonsten von Labbé) oder mit dem mustermäßigen Feststecken großer Pailletten in dicke Kissen mit Stecknadeln (tatsächlich war das zu meiner Verblüffung lange ein Renner) vergnügt. Und ja, Stricken, Bügeln und Handnähen geht auch heute noch deutlich besser parallel als Schnitte kopieren… (wobei der 8-jährige gerade wieder dringend Nebelmaschine mit der Bügelanlage spielen wollte, während ich bügele?!).

    Eine meiner Sternstunden war, als ein Kind der Erzieherin, die gerade den Tisch mit gekaufter Deko verschönerte, erstaunt sagte, dass man das aber doch selber machen könne. Da hat sich zwischenzeitlich allerdings vieles verwachsen. Inzwischen können sie sehr gut kaufen! Trotz zwei „machender“ Eltern.
    LG, Bele

  6. Kraut und Kleid schreibt:

    Was Du beschreibst, kenne ich ansatzweise aus meiner Kindheit. Die Grundregeln der Holzbearbeitung und einfacher Elektrobastelei habe ich bei meinem Vater quasi „per Osmose“ in seinem Bastelkeller gelernt. Hausarbeiten und Handarbeiten nur teilweise auf die gleiche Art von meiner Mutter, oft bekam ich auch ein Buch in die Hand gedrückt. Das hat mich geprägt: wenn ich etwas Neues lernen will, kaufe ich erst mal ein Buch.
    Ich habe versucht, beides an meine Kinder weiter zu geben, mit nicht ganz so viel Erfolg glaube ich manchmal. Wir hatten einen phantastischen Kindergarten, in dem wir angeregt wurden, die Kinder so viel wie möglich ausprobieren zu lassen. Die Kinder sollten ihre Fähigkeiten austesten. Ich habe das auch für mich eingefordert und selber dann ganz viel ausprobiert und die Kinder oft dabei mitmachen lassen, wenn sie Lust hatten. Manchmal glaube ich aber, dass die Kinder neben der Arbeit, dem Garten und meinen Hobbies etwas zu kurz gekommen sind, das bedaure ich heute. Auf der anderen Seite sind sie aber enorm selbstständig und können kochen, sich um einen Haushalt kümmern und IKEA – Möbel allein zusammenbauen. Es ist schwierig, den Mittelweg zu finden,denn es ist ja auch wichtig, an sich selber zu denken, wenn man Kinder hat. Aber was Du beschreibst, finde ich toll. Wenn ich heute nochmal ein Kind groß ziehen würde, würde ich es wohl mehr wie Du tun.
    Liebe Grüße, Stefanie

  7. Calina schreibt:

    Ja, dem kann ich nur zustimmen! Vor allem die Kleinen lernen ja noch sehr durchs Zuschauen und Nachahmen und wir versuchen auch, die Kinder in (fast) alle Aktivitäten mit einzubinden. Allerdings funktioniert bei uns das Einbinden in die Tätigkeiten oder das Nebeneinander-Her-Arbeiten nur bedingt und sehr altersabhängig. Die Neugierde meines bald zweijährigen ist noch sehr speziell. Selbst mein fast vier jähriger ist von der Nähmaschine so fasziniert (Mama, ich drück das Pedal für Dich!), dass zumindest das zur Herausforderung wird. Nur mit meinem Großen (der ist jetzt 8) ist das inzwischen wirklich toll! Der filzt und strickt und näht inzwischen selbst. Wir suchen zusammen das Material heraus und ich helfe ihm lediglich bei technischen Aspekten. Seine Begeisterung fürs Handarbeiten hat er bestimmt teilweise aus Kindergarten und Schule mitgebracht, sich aber sicher auch zu Hause viel abgeschaut. Und seine Nähbegeissterung hat einen großen Schub durch eine alte Nähmaschine bekommen, die er alleine Benutzen kann.

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