Der Falten-Tellerrock

Beim Sommerrock-Sewalong möchte Meike gern einen Faltenrock mit Streifen nach dem Vorbild dieses Rockes von Frau grueneblume nähen. Auch in meinem Kopfkleiderschrank war jahrelang ein nicht-realisierter Faltenrock nach diesem Vorbild. Ich habe viele Schnitte ausprobiert und niemals einen tragbaren Faltenrock produziert. Das Problem war: durch meine große Taille-Hüft-Differenz sprangen die Röcke immer ab der Hüfte sehr unschön auf. Ich gab entnervt die Suche nach einem Faltenrock auf. Bis ich zu einer Hochzeit meinen langjährig geliebten schwarzen Faltenrock von H&M anzog und dachte „Geht doch!“.

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Irgendwas musste an diesem Rock anders sein, als an all den Faltenrockschnitten, die ich getestet hatte. Langes Grübeln und vergleichen brachte mich darauf: Der Basisrock, in den die Falten eingebaut wurden, hatte eine andere Form: Fast alle Faltenröcke, die solch schöne tiefe Falten haben, werden aus einem rechteckigen oder annähernd rechteckigen Stück Stoff genäht. Die Variation sind vor allem Faltentiefe und -verteilung sowie die Breite des Bundes. Mein Lieblingsrock hat dagegen einen Tellerrock als Basis. Dadurch wird der Rock selbst um die Hüfte schon weiter und nicht die Falten müssen die Taille-Hüft-Differenz ausgleichen. Gemerkt habe ich das übrigens, weil ich beim Bügeln gesehen hab, dass die Stücke zwischen den Falten nicht rechteckig sondern trapezförmig sind. Das passende Fachwort hatte ich in Köln bei Plissee Becker schon gelernt: Sonnenplissee! Das war der sprichwörtliche Groschen, als ich das einmal raus hatte, war die Konstruktion gar nicht schwer. Ich fand eine Anleitung im Buch „Kleider nähen“ und machte mich an die Nachkonstruktion.

Ich vermaß zunächst die Falten genau und berechnete den gesamten Falteninhalt. Dann maß ich den Saum aus, zog die Falteninhalte ab und konnte so die Saumlänge des zugrundeliegenden Tellerrocks bestimmen. Diese verglich ich mit meinen existenten Tellerröcken und bekam so heraus, dass ich etwa einen 2/5 Teller zugrunde legen sollte, also etwas weniger Saumweite als ein halber Teller. Ich schob also meinen Halbteller-Basisschnitt etwas zusammen und pauste diese Basis auf festem Papier zweimal neu ab.

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Dann fügte ich die vermessenen Falten ein, indem ich das Schnittteil an den entsprechenden Stellen durchschnitt und um die Faltentiefe parallel auseinanderzog. Das Vorderteil hat in der Mitte eine 15cm tiefe Kellerfalte und links und rechts davon zwei 8cm tiefe Quetschfalten, das Rückteil hat drei 10cm tiefe Quetschfalten gleichmäßig verteilt.
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Diese verbreiterten Schnitteile pauste ich erneut ab, diesmal auf Folie, und markierte mir die Falten. Den Bund konnte ich vom Rock abpausen, es ist ein relativ schmaler Formbund, der in der Taille sitzt.

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Dem Original folgend, steppte ich die Quetschfalten jeweils 6cm tief zu, die Kellerfalte in der vorderen Mitte öffnet sich direkt unterhalb des Bundes. Ich fügte noch eine Seitennahttasche hinzu und setzte das ganze zusammen. Das Ergebnis kommt dem Original sehr nahe und ist genau was ich mir gewünscht hatte. Ein Futter ließe sich leicht hinzunehmen, da kann man nämlich einfach den Basis-Tellerrock ohne Falten nehmen und ist fertig… ich denke, um die Proportionen zu erhalten, würde ich in größeren Größen die Falten auch breiter wählen, so dass die Mehrweite in den Falten etwa proportional mit der Saumweite skaliert. Daher als Orientierung: Mein Rock hat eine Saumweite ohne Falten von ca. 2,50m und mit Falten ca. 3,15m.

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