Sonntagssachen 33/2016

Ausgeschlafen dank Minimensch betreuender Oma. Frühstück mit Quittengelee. Im Auto gestrickt. Immer noch sooo viele Äpfel an den Bäumen und das kurz vor November. Bäume geschnitten. Rote Weinberge bestaunt. Tee getrunken, Kuchen gegessen und zugehört was der Minimensch derweil so gemacht hat. Gespielt, bzw beim Spielen assistiert. Spätzle mit Linsen gegessen. Wein getrunken und die Zukunft der Arbeit, der Bildung und der Rente diskutiert. 

Podcastempfehlung: Einblick in die DDR

Die Stasi hatte scheinbar eine Abteilung, die sich mit der Auswertung von Briefen von Bürgern an ranghohe Parteikader, Minister und den Staatsratsvorsitzenden beschäftigte. Ausschnitte aus diesen Briefen, sortiert und kommentiert stellt das WDR 5 Feature „Briefe an Honecker“ zusammen. 

Das zuhören hat mich wirklich beeindruckt. Zu hören, wieviel Hoffnung und Vertrauen gehört zu werden gerade aus den früheren Briefen spricht. Aber auch wieviel Missgunst und Wut aus den Briefen älterer Frauen zur Situation junger Mütter. Wie auch die Unzufriedenheit mit zeitlicher Folge immer deutlicher wird. Am bedrückensten allerdings die Briefe von Punks zu Gewalt von Skinheads und der Tatsache, dass die Volkspolizei scheinbar schon zu der Zeit auf dem rechten Auge blind war. Geschichte ist eben doch meist nicht vorbei. 

WDR 5 Neugier genügt – Das Feature: Volkes Stimme – Privatbriefe an Erich Honecker 

Me made Mittwoch: Das störrische Tea Dress

Gestern trug ich zu einer Fortbildung mein nagelneues 1940s Tea Dress, und heute trage ich es gleich nochmal (aber habe keinen so schönen Spiegel zur Hand wie im Fortbildungshotel).

 

wp-1477489499800.jpgDas 1940s Tea Dress von Sew Over it hat in Nähbloggerinnen-Kreisen einen ziemlich katastrophalen Ruf. Mir ist keine bekannt, die es einfach so ohne großen Änderungsmarathon nähte. Eher kenne ich Berichte von Wut, Verzweiflung und langem Kampf um dieses Kleid. Also stehen alle Zeichen auf: NICHT NACHMACHEN! Leider ist es aber halt ein echt schönes Kleid. Und leider bin ich ja auch von Natur aus etwas trotzig veranlagt. Also hatte es sich schon ein bisschen in meinem Kopf festgesetzt, dass ich das Kleid trotzdem (ätschi) haben möchte. In der wunderbaren Drehumdiebolzeningenieurin fand ich da eine Schwester im Geiste, auch trotzig entschlossen das Kleid zu nähen. Und weil es sich terminlich spontan ergab fanden wir uns letzten Samstag zu einem Nähkränzchen zusammen und gingen das Projekt an. Allerdings mit zwei unterschiedlichen Strategien. Ich nahm den Originalschnitt, nähte im Vorfeld zwei Probeoberteile und passte den Schnitt auf Basis von anderen gut passenden Schnitten an. Die Drehumdiebolzeningenieurin konstruierte sich aus ihrem Grundschnitt einen Schnitt mit den Designmerkmalen des Originalschnittes nach. Zeitmäßig scheint mir, kam es etwa auf das selbe hinaus – alles in allem viel Arbeit, so viel sei zur Warnung potenzieller trotziger Nachmacherinnen gleich gesagt. Ich habe zwei Abende gebraucht um die Proben anzupassen und einen Nachmittag und zwei Abende für Zuschnitt, nähen, anpassen des Kleides.

Leider habe ich versäumt, meine Proben zu dokumentieren. Die erste Probe habe ich in meiner Größe laut Maßtabelle genäht, das wäre Größe 12, das ist soweit auch sonst meine Größe. Das Ergebnis war ein Oberteil, das im Rücken locker 6 vielleicht sogar 8 cm zu weit war. Das Taillenband vorn war 4 cm zu weit. Unter den Armen und über der Brust  war auch reichlich überflüssiger Stoff, um die Brust war das Oberteil aber dennoch zu eng.

Mein Eindruck ganz klar: vollkommen unprofessionell gradiert. Mir scheint, der Schnitt wurde für ein A-Körbchen erstellt und dann basierend auf den Brustweiten der einzelnen Größen überall gleichmäßig weiter gemacht. Da die Schnittteile aber schon recht speziell sind, ist es gleichzeitig nicht trivial, das ganze anzupassen.

Die Differenz im Rücken habe ich zu gleichen Teilen i der Teilungsnaht, der Mittelnaht und der Seitennaht rausgenommen. Beim Taillenband habe ich 2cm mittig und je 1 cm an den Teilungsnähten rausgenommen. Die Brustteile habe ich mit dem Schnitt New Look 6069 abgeglichen, den ich sehr gut angepasst habe und der eine ähnliche Form der Brustteile hat.  Daraus ergab sich das zweite Probeteil.

Das war dann um die Brust etwas eng und über der Brust etwas weit. Ich habe also nochmal 1cm FBA gemacht und dann das Kleid zugeschnitten. Mein Stoff ist ein Wollstoff, Kammgarn, klassische Anzug/Kostümware mit feinen Streifen in blau und dunkelgrau. Gekauft bei alfatex letztes Jahr im Winterschlussverkauf. Nur so halb die richtige Wahl, kann ich jetzt sagen.

Beim nähen ergab sich dann noch, dass die Schultern etwas zu breit waren, dass über der Brust zu viel Stoff war, der interessanterweise zu einer Beule neben der Brust führte. Zum Glück hatte ich ja fachkundige Unterstützung und kurzweilige Unterhaltung dank Frau Drehumdiebolzen, steo konnte mich das nicht allzu sehr aus der Ruhe bringen. Der Schnitt sieht übrigens keine Einlage nirgends vor. Vollkommen eigenmächtig haben wir aber das Mittelteil des Taillenbandes und den Ausschnitt-Beleg einfach trotzdem bebügelt. Der Rock in Gr. 12 passte irritierenderweise fast perfekt an das insg. 8cm engere Oberteil, ich musste nur hinten die Abnäher etwas versetzen – was immer das zu bedeuten hat.

Das zu viel Stoff über der Brust konnte ich nur mit Hilfe eines recht unkonventionellen Abnähers ins Armloch bannen, da muss ich dann nochmal ans Schnittteil ran. Ansonsten sitzt das ganze aber prinzipiell wie ich mir das vorstellte. Einzig dass die Ausschnittkante trotz Staystitchens erheblich leierte und der Ausschnitt dann auch zu tief wurde, das war ziemlich doof. So trug ich das Kleid gestern notgedrungen mit Shirt drunter und das Baumwollshirt und der Wollstoff sind keine guten Partner. Zuppelig. ußerdem zeichnete sich der Beleg durch den Oberstoff ab und rutschte an den Schultern auch etwas raus trotz understitching. Mit Schal gings natürlich, ich bekam für das Kleid zahlreiche Komplimente, das motivierte mich, das Ausschnittproblem anzugehen.

 

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Ich trennte den Beleg raus und verstürzte die Ausschnittkante mit einem minimal gedehnten Spitzen-Wäschegummi. Jetzt steht nichts mehr ab, nichts krabbelt raus und der Einblick ist auch nicht mehr so tief. Somit kann ich das Kleid nun mit einem Seidenunterkleid tragen, da klebt dann auch der Wollstoff nicht mehr ganz so dran. So sieht das ganze also dann heute optimiert aus:

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Ich bin ganz zufrieden. Dem Rock hatte ich schon 2cm an Saumlänge zugegeben, dennoch konnte ich nur 1cm umbügeln für den Saum. Der Wollstoff ist eine Spur  zu steif, ein Stoff mit weicherem Fall wäre besser, die Optik des strengen schlichten Stoffes mit dem eher blusigen Schnitt finde ich allerdings sehr super.

Für eine zweite Version, die ich fest plane, würde ich mal Feingabardine mit Viskoseanteil versuchen. Crepe, der sicher geeignet wäre, mag ich von der Haptik einfach nicht. Aber es muss ein Stoff mit einem weichen aber schweren Fall sein, Baumwolle wäre definitiv zu steif. Dann würde ich auch nochmal das Brustschnittteil und die Ausschnittlinie anpassen, 1 cm höherer Ausschnitt wäre nicht gänzlich verkehrt.

Das Fazit zum Schnitt: Nett gedacht, schlecht umgesetzt. Nur mit Blut, Schweiß und Tränen gut umzusetzen. Definitiv kann man am fertigen Kleid nicht mehr viel anpassen, Anpassungen gehen hier nur mittels Probeteilen. Also eigentlich so gar nicht mein Ding – aber der Trotz hat gesiegt.

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Frau Prinzenrolle fordert uns heute auf, einfach mal Komplimente zu machen. Ich kann das nur befürworten, schon ein freundliches Lächeln macht echt viel aus! Also auf auf zum MMM-Blog und die vielen schönen Kleider komplimentieren!

Sonntagssachen 32/2016


Noch vor dem Frühstück Äpfel für den Apfelkuchen vorbereitet. Beim Brötchenholen nicht viel von der Welt zu sehen. Frühstück mit Rosinenbrötchen, Croissants waren schon aus. Streusel geknetet für einen Marzipan-Apfelkuchen. Mittagsschlaf gemacht, 2 Std statt der geplanten 20 Minuten. Der Minimensch trug heute erstmals den Pullunder, dessen Entstehung die letzten Sonntags zu sehen war. Beim Freundebesuch das Kind mit Domino bespielt. Und Socken gestrickt. Börek gegessen. Und dem Tea Dress einen unkonventionellen Abnäher verpasst, der die Passform entscheidend verbessern konnte.

Me made Mittwoch: Vortragsoutfit

Heute habe ich einen beruflichen Vortrag gehalten. Da das der erste Vortrag im neuen Job war, war ich ein bisschen nervös. Um so besser, kleidungstechnisch auf der sicheren Seite zu sein, in einem wohlerprobten Outfit für feine Bürotage:

Das Kleid nach dem Schnitt Retro-Simplicity 7275 habe ich wohl zum Ende des Winter 2011/2012 genäht. Der Stoff ist ein sehr feiner grau-blau karierter Wollstoff, den ich sehr günstig bei einer Geschäftsauflösung gekauft habe und von dem ich noch ein komfortables Reststück horte. 

(Leider sieht man das Muster auf keinem meiner Fotos)

Ich habe an diesem Kleid erstmals ein FBA gemacht, es markiert damit auch den Beginn der Phase, in der ich Anpassungen systematisch anging und nicht länger so hinschluderte. Das Innenleben des Kleides wäre mir allerdings heute dann doch unangenehm. 

Darunter trage ich eine Kaufbluse. Und eigentlich trug ich darüber noch ein gekauftes Cordjackett und einen Schal.

Lucy zeigt heute schon Strickware, das hätte ich heute mittag im Regen-Wind-Wetter auch gut gefunden. 

Sonntagssachen 31/2016

Drei Schlafanzugkindern Schorle und Obst serviert. Gestrickt. Losgewandert. Leider ein Pflaster holen müssen. Bestes Wetter genossen. Schminken erklärt. Wartezeit mit bestem lazy parenting überbrückt. Snacks gereicht. Lieblingsbuch zum einschlafen vorgelesen. Wundervoller Sonntag. (Vergessen, Frühstück, langes quatschen am Mittagstisch, packen und fahren zu fotografieren)

Me made Mittwoch: Cowgirl-Rock

Heute trage ich nagelneue Klamotten. Den Rock habe ich am Sonntag beim Nähkränzchen genäht und das Shirt entstand gestern abend, als ich kurzfristig befand, dass meine blau-gemusterten Shirts alle schon zu abgenutzt sind und mir einfarbig blau zu monochrom zum Rock war. Schnell den Stoffbestand gecheckt und diesen hübschen Baumwolljersey gefunden. Und dann mal eben in unter einer halben Stunde ein Plaintain-Top genäht. Es ist einfach großartig, nähen zu können.

Der Rock ist eine weitere Variante des Lotti-Rocks. Diese Variante in Jeans-Optik mit Punktepaspel war schon ewig in meinem Kopfkleiderschrank. Der Stoff ist ein Chambray von „The Sweet Mercerie“. Die Paspel hatte ich im Sommer lang in Dortmund auf dem Stoffmarkt gekauft. Als ich dann vor ein paar Wochen online nach passendem Schrägband für den Saum suchte, wurde mir auch diese Rüschenpaspel angezeigt. Da konnte ich nicht widerstehen. Punkte, Rüsche und Paspel – das kann nur gut sein. Als es dann am Rock war und auch noch die vielen Knöpfe drauflagen, da drängte sich dann schon eine gewisse Cowgirlassoziation auf. Aber geht noch, oder?

Der Rock gefällt mir sehr, ich hoffe, der Stoff ist von guter Qualität. Das könnte nämlich ein Garderobenliebling werden.

Das Shirt ist auch eine x-te Version eines bewährten Schnittes. Plaintain von Deer and Doe. Vor ein paar Tagen habe ich meinen knickigen auseinanderfallenden Papierschnitt neu kopiert und dabei meine Änderungen an dem Shirt protokolliert:
Ich nähe Größe 38 mit den Armlöchern von 34 und ab der Taille so verschmälert, dass er körpernah sitzt. Außerdem kürze ich in der Länge 8-10cm, da ich zu Röcken eh relativ kurze Shirts bevorzuge. Für dieses Shirt habe ich außerdem den Halsausschnitt 1cm nach oben gelegt, weil die letzten Varianten mir etwas offenherzig für’s Büro waren. (Das seht ihr hier nicht, weil ich für kein Foto den schal ausgezogen hab… schlau, nicht wahr?)

Der Stoff ist Baumwollstretchjersey vom Stoffmarkt und ich bevorzuge Baumwolljersey auch definitiv für diesen Schnitt. Auch das Shirt mag ich sehr.

Und trotz herbstlicher Dunkelheit im Büro, hab ich immerhin drei brauchbare Fotos geschafft und kann mich beim Me made Mittwoch einreihen, wo heute Katharina auch in blau vortanzt.

Sonntagssachen 30/2016

Aufgestanden um 7.20, dem Kind Fieber gemessen und erfreut festgestellt: Fieber weg, Kind topfit, folglich in Ruhe gespielt und gestrickt. Frühstück mit Hörnchen und Milchkaffee. Danach ein wenig umgeräumt denn Birgit, Ella und Frau Pepita trafen kurz darauf mitsamt Nähmaschinen ein. Juhuu, wir nähten zwar alle nur mittelerfolgreich aber mit viel Spaß, dem Minimensch mit Feuereifer mit von der Partie und hervorragendem Essen. Mein neuer Lotti-Rock in Jeans-Cowgirl-Optik wurde auch fertig, heute abend beim Tatort nähte ich noch die Knöpfe an. Derweil baute der Mann im Keller eine Garderobe (fertig), die es dann nach dem Nähkränzchen noch hochzutragen, leicht zu kürzen und aufzuhängen galt (ächz!). Danach noch rustikales schnelles Abendessen. Und Apfel-Birne-Kompott gekocht. Guter Sonntag.

Sonntagssachen 29/2016

Kaffee und Croissant zum Frühstück bei der Schwiegermutter. Der Minimensch blieb bei der Oma, der Mann und ich saßen früh im Auto, ich das Strickzeug in der Hand. An unserer Obstwiese angekommen ab ins gute Schuhwerk. Und beherzt durch ein Dickicht aus Weinreben und Brennnesseln gearbeitet. Und ein paar – wenige – Äpfel gepflückt. Derweil hatte der Mann ein großes Stück Buschland gerodet und ich konnte einen recht imposanten Haufen Gestrüpp aufschichten, genug Platz für eine Igel-Großstadt. Ganz schön erschöpft die Beine hochgelegt. Und zu guter letzt das glücklich spielende Kind wieder vorgefunden. 

Herbst-Plan-Along: Materialplanung

So, letzte Woche haben wir uns alle überlegt, was wir im Herbst so werkeln wollen, nun wollen wir wissen, was wir dafür brauchen.

Gibt es noch was zu besorgen? Oder habt ihr schon alles Material zusammen. Wirklich? Nicht dass nachher ein Knäuel Wolle, ein farblich passender Reißverschluss oder Knöpfe fehlen…

Also: wie ist eure Materialliste?

(Meine Materialsammlung folgt im Verlauf des Wochenendes)