Ein bisschen Geburtsbericht

Das ist jetzt hier eine schwierige Angelegenheit. Ich habe im Prinzip immer nur andeutungsweise von der Geburt des Minimenschen und der Schwangerschaft berichtet. Ich finde dass die Privatsphäre der Kinder es gebietet, ihre Geburt und den Beginn ihres Lebens nicht ohne ihr Einverständnis zu veröffentlichen. Aus dem gleichen Grund gibt es hier auch keine Briefe an die Kinder zu Monats- und Geburtstagen. 

Nun ist es aber so, dass es andererseits wichtig erscheint, ein wenig von den Umständen der Geburt des Mikromensch zu berichten. Ich habe da echt lang drüber nachgedacht und möchte einfach eine kurze Schilderung als eindringliche Warnung da lassen.

Disclaimer: Operation, Geburtskomplikationen

Ich wollte wirklich gern nach der primären Sectio beim Minimensch nun spontan entbinden. Ich hatte dabei von vorneherein vor in ein Krankenhaus mit Level1-Neonatologie zu gehen. Nicht nur weil wir dort bei der Geburt des Minimensch zufrieden waren, sondern auch weil ich mich informiert hatte und wusste, dass eine Spontanentbindung nach Sectio zwar nicht Ultra Mega gefährlich ist, aber eben ein erhöhtes Risiko aufweist (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ja klar, so eine große Entbindungsstation ist ein Massenbetrieb. Es ist da nicht sehr kuschelig, aber der Kreißsaal kann trotzdem gut besetzt sein, und eine Geburt trotzdem selbstbestimmt, davon war ich überzeugt. Ich hatte allerdings noch nie das Bedürfnis nach einer Hausgeburt – nach guter 1:1-Hebammenbetreuung ja das auf jeden Fall. Aber ehrlich, der medizinische Fortschritt hat viel für die Mütter- und Säuglingssterblichkeit getan. Ich verstehe dieses Hochjubeln von „das haben Frauen immer vollkommen allein geschafft“ oder „Naturvölker machen xyz “ nur sehr begrenzt. Denn naja früher und bei Naturvölkern war das mit dem schwanger sein und gebären alles in allem eine recht lebensgefährliche Angelegenheit. Das finde ich eigentlich gar nicht so erstrebenswert. Und es hat sich gezeigt, dass diese Einstellung für uns genau die richtige Entscheidung war.

Denn tatsächlich kam auch der Mikromensch per Kaiserschnitt zur Welt, auf meinen expliziten Wunsch hin, entgegen der Empfehlung der Ärzte, die zu einer Einleitung rieten und entgegen meiner ursprünglichen Vorstellung. 

Und das kam in etwa so:
Als ich 6 Tage nach Termin einen Blasensprung hatte, da hatte ich 6 Tage lang jede Nacht Wehen gehabt. Schmerzhaft, so dass ich nicht mehr liegen konnte und sehr sehr regelmäßig, alle 6 Minuten. Aber jede Nacht waren sie auch wieder weg gegangen, immer nach drei Stunden, so dass mir Hebammen und Ärzte im Krankenhaus versicherten, dies seien – aller Regelmäßigkeit zum Trotz – nur Übungswehen gewesen. Und als ich dann schon nur noch wenige Stunden vor der Einleitung war, befiel mich ein komisches Gefühl. Während ich mit den üblichen drei Stunden Wehen im Krankenhauszimmer auf und ab lief, wälzte ich das ganze im Kopf & googelte herum. Niemand hatte mit mir explizit das Risiko einer Einleitung nach Kaiserschnitt besprochen. Aber da ist ein Risiko (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Es mag im niedrigen Prozentbereich sein, aber es ist deutlich größer als das einer Spontangeburt ohne einleitende Maßnahmen (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ich begann mich zu fragen, warum die Wehen nicht blieben, nichtmal nach dem Blasensprung. Hielt mein Körper mich unterbewusst vom spontan gebären ab? Ich bat um ein erneutes Gespräch mit der Oberärztin und meinem Mann. Die Ärztin erläuterte nochmal, dass bestimmte Medikamente auch nach Sectio erprobt seien, dass man keinesfalls von einer Einleitung abraten müsse, das werde oft gemacht. Das OP-Risiko sei ja auch nicht zu verachten. Ich blieb unsicher aber tat mich schwer mit dieser Entscheidung . Und nach Rücksprache mit meinem Mann, der mich sehr ermutigte, meinem Gefühl zu vertrauen, bat ich um einen Kaiserschnitt. Das war hart, denn ich hatte es mir ja anders vorgestellt. Und es das Fachpersonal war geschlossen anderer Meinung. Und es war trotzdem die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Denn der Mikromensch hätte nicht spontan auf die Welt kommen können, da er viermal in seine Nabelschnur eingewickelt war. Und eine Not-Sectio wäre womöglich schief gegangen, da ich unter der alten Narbe enorm viele Verwachsungen hatte, die die OP erheblich erschwerten und eine Not-Sectio wäre nötig geworden, da die Gebärmutterwand nur noch papierdünn war. Gleich drei sehr seltene Umstände auf einmal.

Also: Niemand sollte sich leichtfertig für eine Bauch-OP entscheiden und das ich kann sagen, die zweite Sectio ist bei mir heilungstechnisch kein Spaß. Aber es kann dennoch die richtige Entscheidung sein. Und es ist gut, wenn ein Krankenhaus das mitträgt, selbst wenn es unnötig erscheint. Es ist wichtig auf den eigenen Körper zu hören. Und es ist wichtig nachzufragen, sich zu informieren, nicht passiv den vermeintlich einzigen Weg zu beschreiten. Und es ist verdammt gut, dass es moderne medizinische Versorgung und fähige Operateure gibt.