Bloggen gegen die Bequemlichkeit: sichtbar gegen Rechts

Auch so ein Punkt: Was zur Hölle kann man im Alltag gegen die braune Versumpfung dieses Landes tun?

Fangen wir banal an: vernünftig wählen. Nicht nur nicht AfD, Reps, NPD und ProWasauchimmer. Wer konservativ ist, sollte sich dennoch fragen, ob er oder sie durch eine Stimme für die CDU auch der CSU den Weg ebnen will. Wer liberal ist, sollte sich trotzdem fragen, ob er oder sie das offensichtliche Fischen am rechten Rand durch Kubicki und Co mittragen kann. Und wer Links wählt sollte sich fragen, ob die rassistische und pro-russische Politik von Sahra Wagenknecht denn wohl dem eigenen Verständnis von links entspricht. Und lautet die Antwort „Nein“, so wäre es doch gut, die betreffenden konservativen, Liberalen, linken Politiker darüber in Kenntnis zu setzen, dass ihnen ihre Nazi-Verharmloser-Parteifreunde gerade die Wählerbasis wegekeln. Und wo wir schonmal dabei sind: schon über einen Parteieintritt nachgedacht?

Fast genauso banal: Geld hilft. Organisationen wie die Amadeu-Antonio-Stiftung, das Bündnis „unteilbar“, Exit, Netz gegen Nazis oder NSU Watch aber auch unzählige lokale Initiativen leisten wertvolle Arbeit gegen Rechts und sind oft auf Ehrenamt und Spenden angewiesen.

Den Hintern hochkriegen: „Geh mal wieder auf die Straße“ (das zugehörige Ärzte-Lied habe ich vor kurzem dem Minimensch nahe gebracht) – einfach mal auf ne Demo gehen. Oder halt auch öfter mal. Vielleicht sogar wöchentlich. In jedem Fall gilt: Wenn in deiner Stadt eine rechte Demo stattfinden soll, dann musst du zur Gegendemo gehen. Keine Ausreden. Bringt nix? Hast du mal die Bilder vom Women’s March gesehen? Oder wie Beatrix von Storch in München nicht zu verstehen war, weil so viele wackere Gegendemonstranten dagegen angebrüllt, gepfiffen und getrommelt haben? Zu zeigen, dass dem Nazimob die Straße nicht gehört und dass auch nicht nur sog. ‚linke Autonome‘ dagegen stehen, sondern einfach jede*r mit gesundem Menschenverstand ist zwar nicht das einzige was zu tun ist, aber eben doch eine wichtige Basis. #wirsindmehr kann nicht nur auf Twitter gelten, sondern muss auch in der echten Welt sichtbar sein.

Apropos: Nach außen tragen, dass rechter Mist nicht ok ist, sollte jeden Tag selbstverständlich sein. Z.B. mittels Button, Shirt oder Einkaufsbeutel. Zu bestellen hier, hier oder auch hier oder an vielen anderen Stellen (keine affiliate Links, nur was ich so gefunden hab – such dir selbst was aus, es gibt unendlich viel Auswahl). Oder auch selbst zu machen – ich verweise hier auf die wundervolle Tasche der Drehumdiebolzeningenieurin und wetze schonmal die Stofffarbe. Oder vielleicht eine neue Bürotasse bemalen? Ich ersetze erstmal ein paar Stoffbeutel durch welche mit Message, die kommen ja viel rum.

Und dann, ganz wichtig: Gegenrede! natürlich mag es nutzlos sein, zu versuchen eingefleischte Rassisten wie Höcke, Gauland, von Storch und schlimmere wieder auf den Weg des gesunden Menschenverstands diskutieren zu wollen. Aber die richtig schlimmen Rassisten sind nicht die einzigen Wähler der AfD. Aber wie viele Menschen kennst du, die AfD wählen weil „die ja wenigstens den Mund auf machen“, „die anderen Parteien ja nichts tun“, „die da oben uns vergessen haben“ usw? Und wieviele kennst du, die zumindest zugucken und im stillen hier und da zustimmen? Erschreckend viele. An der Kasse in der Schlange, an der Theke beim Bäcker, im Bus, im Treppenhaus, an der verwandtschaftlichen Kaffeetafel, beim Klassentreffen, in der Musikschule oder im Turnverein. Hand aufs Herz. Viele. Wie oft sagt jemand abfällig etwas über „naja, solche halt…“ und meint damit Menschen nicht-weiß-nordeuropäischen Aussehens? Wie oft lästert jemand ein klein wenig über Schwule und Lesben? Wie oft äußert sich jemand mit Unverständnis über Barrierefreiheit oder geschlechtergerechte Sprache? Usw. Ich nehme mir derzeit sehr bewusst vor, einfach immer dagegen zu halten. Diese kleinen Sachen zu spiegeln, kritisch zurück zu fragen. Nicht mitzumachen beim stillen Einverständnis „Wir gegen Die da“. Konsequent Ausgrenzungen verbaler Art verweigern, mich nicht gemein machen mit kleinem feinem gesellschaftlich akzeptiertem Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit etc. Kein „das wird man doch noch mal sagen dürfen“ mehr mit mir.

Oft ist das übrigens erstaunlich wenig konfrontativ. Eine einzige kleine Verständnisfrage „Nein, ich weiß gar nicht was Sie meinen. deuten Sie an, dass Menschen, die nicht weiß sind, generell mit Misstrauen behandelt werden sollten?“ löst oft schon sofortigen Rückzug aus. Und ich habe durch den einfachen Satz „Ich gehöre zum Glück keiner diskriminierten Minderheit an, deshalb maße ich mir nicht an, zu beurteilen, wie über Menschen mit anderem Aussehen oder einer anderen sexuellen Orientierung zu sprechen ist, sondern höre einfach darauf, was diese Menschen sagen.“ schon erstaunlich viele Menschen zum innehalten und nachdenken gebracht. Dadurch wird niemand sofort seine Meinung ändern, aber vielleicht ja zumindest einen Denkprozess anfangen.

Also los: alle ein bisschen was beitragen, damit niemand sich hier klammheimlich breit macht und auf einmal sind wir gar nicht mehr mehr.