Bloggen und Leben in Zeiten von Corona 2/x

Die erste Woche ist rum. Es geht alles irgendwie. Oberflächlich läuft es gut. Wir kriegen irgendwie grob unsere Arbeit hin, das Kind macht täglich alle seine Schulaufgaben und meist ohne Theater, es gab täglich Essen und es wurde aufgeräumt, gespült und Wäsche gewaschen. Dank gutem Wetter waren wir extrem viel im Garten, das hat echt gut getan.

Unten drunter vibrieren die Nerven. Abends bin ich erschöpfter als der Tag rechtfertigen könnte. Ich schlafe unruhig und flach. Die Kinder träumen wild und wälzen sich viel. Ich bin in Gedanken viel bei denen, die ich jetzt lang nicht sehe und die z.T. erheblich mehr in Gefahr sind als wir. Der Anfang der Woche war noch sehr davon geprägt, in den neuen Alltag reinzufinden. Zu organisieren, zu klären, abzusprechen. Gegen Donnerstag war mehr Zeit zum nachdenken und damit auch zum Sorgen. Beide Kinder hatten in den letzten Wochen einen ziemlich heftigen Infekt (Grippe?) und der Mikromensch hustet immernoch und hat Schleim auf den Bronchien. Keine guten Startbedingungen. Die beginnende Heuschnupfensaison ist jetzt auch nicht der Knaller. Abends finde ich schlecht Absprung vom Newsfeed. Man hat das Gefühl, bis zum nächsten Morgen wird sich schon wieder so viel verändert haben. Ein Gedanke an alle Lieben, nah und fern, mit Sorge und Vermissung ist zum täglichen Abendritual geworden.

Am Freitag fragte ich den Mann vorm Schlafen „Ob es so ist, wenn ein Krieg beginnt aber noch keine Bomben vor der Haustür einschlagen?“ Diese absurde Gefühl von vollkommen zeitgleich Ausnahmezustand und Normalität macht beklommen. Es ist unwirklich. Wie muss es da erst denen gehen, die in den Krankenhäusern auf den großen Sturm warten, der sicher kommen wird, in wenigen Tagen… Ich mag die Kriegsvergleiche nicht, aber man kommt nicht umhin an Front zu denken.

Das Wochenende ist schwieriger als die Woche. Weniger Rhythmus, weniger Plan, mehr Gedanken. Schon eine Woche, erst eine Woche.