Bloggen und Leben in Zeiten von Corona 4/x

Pause. Das wäre schön.

Als wir nach den „Ferien“ wieder den Plan für die Schultage erstellten, der ja auch beinhaltet, wann der Mann und wann ich Arbeitszeit haben, habe ich mir jeweils vormittags und nachmittags eine halbe Stunde Pause aufgeschrieben. Denn tatsächlich sitzen wir zwar de facto viel Zeit hier rum, kommen nicht so produktiv zu nix, aber machen doch nie Pause. Nie wirklich.

Der Alltag besteht jetzt aus sehr eng getakteten Fenstern. Das war schon im „normal“ so – aber ist jetzt potenziert. Man ist immer in einem stark eingeengten Zeitfenster in das zudem lauter andere Sachen reindrängen.

Aufstehen, kuscheln, vorlesen. Huch, das war das Dusch-Zeitfenster. Jetzt aber schnell Frühstück, gleichzeitig schminken, denn vor der Telko um 9 müssten noch die Aufgaben für den Tag besprochen, 17 Dinge wiedergefunden und kurz kurz schnell die Unterlagen für das Meeting gelesen werden. Nach dem Meeting aber zacki raus aus dem Arbeitszimmer, kaum noch Zeit zu notieren, was gleich noch schnell gemacht werden muss, besser den Laptop mit ins Kinderzimmer nehmen, der Mann braucht das Arbeitszimmer für Videokonferenz. Das kleine Kind bespaßen, zeitgleich Wäsche sortieren und die Spülmaschine anwerfen denn zack – da kommt das große Kind und hat Frühstückspause. Smoothie und mehrere Brote später. Neuer Versuch Spülmaschine. Ach das war das Sport-Zeitfenster. Nee, das vertagen wir, denn huch – dringende Mail. Derweil malt das kleine Kind mit Wasserfarben ohne Kittel und schüttet den Smoothie auf den Kinderzimmerboden. Während eigentlich nun dran wäre die Küche in betretbaren Zustand zu bringen, passiert leider ein Pipiunfall und das große Kind versteht die Matheaufgaben nicht, Papa kann aber nicht helfen weil Video. Ich überspringe Mittagessen und das „schnell mal Mails checken“-Zeitfenster, das die Kinder „Mittagsmedien“ nennen. Puh, meine Arbeitszeit beginnt, den Mann vom Schreibtisch schubsen und noch schnell den Kaffee auffüllen, da ist auch schon das nächste Videomeeting. Im Rest des Hauses Eskalationsgeräusche, kurz darauf schnaubendes Kind am Schreibtisch neben mir. Scheinbar hat Papa das nächste Lernzeitfenster angemahnt. Nach dem Meeting wäre die Zeit alle Dinge abzuarbeiten, die eigentlich meine Arbeit sind, wenn ich nicht in Videokonferenzen bin. Allerdings sind das Dinge für die ich denken muss und das lohnt eigentlich gar nicht mehr, das für die nächste Stunde noch anzufangen und da kommt auch eh noch ne wichtige Mail und müde bin ich auch. Aber besser schnell machen, in zwei Stunden ist wieder der Mann am Schreibtisch dran. Raus aus dem Arbeitszimmer haben die Kinder schon Quengelstunde, die Sonne scheint, schnell in den Garten, dort etwas rumwerkeln aber halt – wer macht denn eigentlich was zum Abendessen? Sobald die Kinder in den Betten liegen, ist leider alle Energie weg. Aber noch Arbeit da, und Küchenchaos, und besorgniserregende Nachrichten.

Es fehlt sehr konkret Zeit für Sport, selbst die normale 15-minütige Yogapraxis ist einfach nicht unterzubringen, es ist immer irgendwo ein Kind, eine Videokonferenz, Chaos oder Streitschlichtungsbedarf. Und Zeit, die eigenen Gedanken zu hören, die fehlt auch sehr, innehalten. Z.B. Auf dem Heimweg. Einfach mal kurz sortieren. Zeit für Podcasts und für lesen. Und natürlich auch um ohne dass direkt daneben jemand bombenmäßige Chaoseskalation macht, irgendwo irgendwas aufzuräumen und zu putzen. Zeit zu zweit. Zeit allein. Pausen.

Ich mache jetzt, wenn ich aus dem Arbeitszimmer komme, eine halbe Stunde Pause. Ich sage in der Zeit ca. 80 mal „Ich habe gerade Pause, ihr müsst euch gedulden“. Aber ich sitze mit einem Kaffee irgendwo und bemühe mich, Lärm, Chaos und schlechte Nachrichten zu ignorieren. Braucht noch etwas Übung, aber der Wille zählt.

Macht das, alle! Plant euch Pausen ein.