Meine Kochbücher I

Als ich vor Kurzem für den Veggieblogtag die Daten meines Tapas-Buches rausgesucht habe, habe ich gedacht, ich könnte ja mal was über meine Kochbücher schreiben. Denn auch wenn ich viel improvisiere und sehr viel aus dem Internet bekomme, so besitze ich doch eine nicht unerhebliche Anzahl Kochbücher, von denen ich einige auch sehr schätze. Hier sind sie:
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Man sieht deutlich: wenn ich noch mehr Kochbücher bekomme, muss ich welche aussortieren. Das wäre aber gar nicht so schlimm, denn etliche benutze ich nie.

Ich besitze nur sehr wenige Kochbücher, die speziell vegetarisch sind. Diese:
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Gekocht habe ich bisher überhaupt nur aus diesen davon was.
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Warum? Ich finde viele vegetarische Kochbücher sehr an der Realität vorbei. Oft strotzen die Rezepte nur so vor außergewöhnlichen, oft teuren, Zutaten. Auch ist vieles weiß Gott nicht jedermanns Geschmack. Und ich finde vieles auch sehr Gemüse-lastig und damit wenig sättigend. Und ich mag eben eher einfache Gerichte. Vieles was in vegetarischen Kochbüchern steht, ist mir persönlich viel zu abgehoben. Ich fahre besser damit, Fleischgerichte abzuwandeln oder mich in denjenigen Küchen umzusehen, wo eh viele Gerichte vegetarisch sind, wie etwa arabisch, indisch oder thailändisch.

Wichtig finde ich, dass man mindestens ein gutes Grundkochbuch hat. Ich besitze derer zwei und sie sind bei weitem die am häufigsten konsultierten Bücher, meiner Sammlung.
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Nr 1: Das Kiehnle-Grundkochbuch. Ein Klassiker, der bereits in der x-ten Auflage auf dem Markt ist und sich für mich total bewährt hat. Hier findet sich so gut wie jedes Basisrezept sowohl salzig als auch süß und auch einiges zum Backen.

Das Buch ist übersichtlich sortiert und hat – unverzichtbar – ein hervorragendes Register.
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Ich schlage hier sowohl Grundteig- & Suppenrezepte als auch die Herstellung von Klößen, Knödeln und Waffeln, Saucen wie Béarnaise und Hollandaise und auch mal das Rezept für Bayrische Creme nach. Eben alles, was man immer wieder in Millionen Abwandlungen braucht. Es gibt auch eine Nährwerttabelle, ein wenig Grundtechniken.
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Eine solide gute Mischung.

Nr. 2 „Gute Kost“ ist ein Grundkochbuch aus den 70ern und habe ich von meiner Schwiegermutter geerbt. Es wurde von einem Orden in Salzkotten herausgegeben und diente dort wohl auch als Lehrbuch.
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Auch dieses Buch ziehe ich gern zurate, insb. weil es wirklich Grundrezepte enthält, also ein gewisses Grundverständnis für kochen voraussetzt. So gibt es z.B. ein Rezept für Hülsenfrüchtesuppe. Und dann eben Hinweise zu verschiedenen Abwandlungen je nach Hülsenfrucht. Das finde ich sehr viel nützlicher als 20 verschiedene Rezepte für Bohneneintopf. Das Buch enthält zudem recht viele -natürlich teilweise überholte- Informationen zu gesunder Ernährung.
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Natürlich kann das Buch außerdem mit ein paar Kuriositäten zum schmunzeln aufwarten.
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Wenn euch diese neue kleine Reihe zusagt, gibts noch ein paar Kochbücher, die zwei drei Worte wert sind. Z.B. mein sehr geliebtes Italienkochbuch.

Lagebericht 15/2013

Die zweite Abhängwoche ging schon besser über die Bühne. Ich habe einen urlaubsmäßigen Tagesrhythmus gefunden, der sich nun schon gefestigt hat. Nach wie vor fällt es mir schwer, rumliegende Haushaltssachen einfach liegen zu lassen und zu warten, bis Herr Siebenhundertsachen sie erledigen kann. Zum Glück kriege ich auch dauernd Besuch von netten Menschen und auch noch nette Post und Online-Shopping-Lieferungen (ja, das rumhängen ist nicht unbedingt gut für den Kontostand).

Gewerkelt: Die zweite Hälfte der Herbstmütze gestrickt, meinem Hochzeitsgastkleid den Rock angesetzt, der zwar passt aber so ca. 30cm zu lang ist… einen kleinen Kuschelanzug genäht und sehr vielen Stramplern die Füße abgeschnitten und stattdessen Bündchen angenäht.

Gekocht und gegessen: Frisches Pesto, Erdbeershake und Erdbeerquark und Marmelade, mediterrane Tofubällchen mit Reis, Gnocchi, Arabisches Gemüse mit Couscous, Kartoffelsuppe mit Weizenwürstchen

Gegärtnert: Die restlichen Salatpflanzen in Kästen nach draußen gesetzt. Gerade Testbetrieb Ostfensterbank gegen Südfensterbank. Zuckerschoten und Mangold im Vorzuchtgewächshaus. Nächste Woche müssen die Tomaten in größere Töpfe, so groß sind sie schon.

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Gesehen und gelesen: Elisabeth Chadwick – Die englische Rebellin, die neue Knip (ich liebe den Tulpenrock und die Coco-Chanel-Hose) und die aktuelle Knippie, ziemlich viel Onlinepresse. Eine wundervolle Doku über die Arbeit von Jared Diamond, die es in der zdf-Mediathek gibt. Hier auch der erste Teil. Ich habe schon vor längerer Zeit das Buch zu diesen Dokus gelesen, es heisst im Original „Guns, Germs and Steel“, auf Deutsch „Arm und Reich“ und kann es nur empfehlen. Es ist eins der unterhaltsamsten und erhellendsten Sachbücher, die ich kenne. Jared Diamond ist Evolutionsbiologe, der sich ursprünglich mit Sprachentwicklung in Papua Neu-Guinea beschäftigt hat. Hierüber hat er begonnen, sich über die Grundeinflussfaktoren von technologischem, sozialem und wirtschaftlichem Erfolg und Scheitern Gedanken zu machen und, wie ich finde, absolut einleuchtende und erhellende Erkenntnisse gewonnen. Zudem schreibt er sehr nett und gut lesbar. Ausdrückliche Empfehlung für Doku und Buch.

Gelesen: Die Sopranistin

Vor unserem Osterurlaub habe ich mal wieder der Mängelexemplarkiste in der Bahnhofsbuchhandlung einen Besuch abgestattet und dort gleich drei relativ dünne Taschenbücher erworben. Das erste war schonmal ein Volltreffer: Jörg Thadeusz – Die Sopranistin.
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Ich schätze Jörg Thadeusz als Moderator schon seit seinen Anfängen bei 1live und habe vor Jahren seine beiden Romane „Rette mich ein bisschen“ und „Alles schön“ ausgesprochen gern gelesen. Die Existenz dieses neuen Romans war mir aber bisher entgangen, aber ich freue mich, dass ich ihn zufällig gefunden habe. Thadeusz Stil ist sehr unverwechselbar. Eine lakonisch-unaufgeregte Erzählweise verbunden mit total aberwitzigen Geschichten. Das mag ich total. Wie die ersten beiden Romane erzählt auch dieser wieder von einer Katastrophe. Dennoch ist die Handlung kaum vergleichbar, weil wir es bei „Die Sopranistin“ mit einem Thriller zu tun haben.

Worum geht es also?
Der Roman erzählt in 3 zunächst unverbundenen Handlungssträngen die Tage vor einem Terroranschlag. Der Leser folgt dabei der Eventmanagerin Hanna, die die Aftershowparty einer wichtigen Preisverleihung organisiert und mit der Tochter eines Großindustriellen in einer Berliner WG wohnt, dem Friseur Georg, der nach Jahren in den USA nach Deutschland zurückkehrt, um das Erbe seines Onkels, eines Berliner Friseurs anzutreten und schließlich der Sopranistin Sofia, die Georg schon in den USA kennenlernt und die ihn bittet, für ihn in Berlin ein Geschenk zu überbringen. Die Sopranistin steckt, gemeinsam mit ihrem Bruder und drei weiteren hinter einem Anschlag auf die Preisverleihung, die Hanna organisiert hat und plant ein weiteres Attentat. Unheilvoll lässt Jörg Thadeusz seine Charaktere geradewegs auf dieses zweite Attentat zuschlingern, jeder von ihnen gefangen in seiner eigenen Geschichte und sich der Tragweite seiner Handlungen nicht bewusst. Das Ziel des zweiten Attentats ist übrigens die Eröffnungsfeier des Flughafens BER, eine zusätzliche Ironie, die sich bei Herauskommen des Buches im Jahr 2011 so noch nicht erahnen ließ.

Das Buch ist kurzweilig, spannend und amüsant zu lesen, gleichzeitig tragisch, lakonisch und feinsinnig ironisch. Ich mochte es sehr.

Jörg Thadeusz
Die Sopranistin
285 Seiten
Kiepenheuer & Witsch
2011

Lagebericht 14/2013

So, die erste Woche total schonenden Zuhause-Abhängens hab ich nun hinter mir. Also den schweren Teil. Den der ohne Anwesenheit des Gatten auskommen muss. Ich habe in diesen 5 Tagen Abhänglebens einige Erkenntnisse gewonnen:

– Es gibt verdammt viele verschiedene Post- & Paketdienste, die so über den Tag hier durchziehen.
– Das Fernsehprogramm am Tage ist zum abgewöhnen. Ein Hoch auf die Mediathek!
– Ich finde es sehr schwer, ohne konkreten Plan und Aufgaben in einen Tag zu starten.
– Abhängtage vergehen erschreckend schnell.
– Ich bin wahrlich nicht zur Hausfrau geboren. Es fuchst mich tierisch, abends nichts zu erzählen zu haben.
– Wochentags ist in der Innenstadt erstaunlich viel los. So viele Rentner und Arbeitslose, dass man gar nicht merkt, dass nicht Samstag ist.
– Regelmäßige selbstgekochte Mahlzeiten haben entschieden Vorteile
– Sich nicht körperlich anzustrengen erfordert sehr viel Planung am Morgen (danke mein Liebster!)
– Es gibt um mich rum in echt und virtuell sehr viele total nette anteilnehmende Menschen, da kann ich vor Rührung kaum an mich halten!

Ja, was hab ich also diese Woche so gemacht?

Gewerkelt: Das Oberteil vom Hochzeitsgastkleid, außen und Futter. Und es sitzt. Juhuu. Strampler und Schlafanzüge mit Bündchen versehen. Die Babyhängematte fertig genäht. Eine halbe Herbstmütze gestrickt. Für die nächste Woche wäre gut, das Kleid fertig zu kriegen.

Gegärtnert: nix. Kein Gehilfe fürs tragen da… aber vielleicht findet sich da heute oder morgen jemand, der mir Kästen und Töpfe und Erde trägt, denn meine Salatpflänzchen würden gern raus. Die Tomaten gedeihen innen am Südfenster super.

Gekocht: Rote Beete, Bratkartoffeln, Spiegelei, Flammkuchen, Gnocchi-Gemüsepfanne, frisches Pesto, Salat und überbackener Feta

Gelesen und gesehen: Mark Watson: „Ich könnte am Samstag“ – geht so. Seichte Lektüre, ganz nett geschrieben aber auch nicht vom Hocker hauend. David Wagner „Spricht das Kind“ – ein sehr bezauberndes Kurzepisodenbuch. Toller Schreibstil, unaufgeregt und sehr anrührend. Für Eltern und Kindgebliebene sehr empfehlenswert. Jetzt muss ich meinen Stadtbüchereiausweis wiederfinden. Schnellstens.
Im Fernsehen nix so richtig nennenswertes außer Teilen der Frauenquotedebatte, auch pressemässig eher nur aktuelle News zu Boston und einige Kommentare zum Frauenquotenthema.

Lagebericht 12/2013

Letzte Woche musste der Lagebericht wegen Familienbesuch ausfallen. Allerdings hatte ich ja auch schon weitgehend alle Tätigkeiten der Karwoche in täglichen MuFuZi-Berichten festgehalten. Diese Woche waren wir die meiste Zeit unterwegs, Familie besuchen und ein Kurzurlaub im Mittelgebirge (und damit im Schnee -juchee). Trotzdem will ich wenigstens ein bisschen berichten und ausblicken. Gestern in zwei Wochen beginnt mein Mutterschutz. Ein merkwürdiges Gefühl… Die nächsten beiden Wochen werden daher wohl mit Büro ausräumen und Abschied nehmen gefüllt sein. Ich bin derzeit beruflich zwar ohnehin in einer Phase , die mir den vorübergehenden Abschied ziemlich leicht macht, ich denke auch nicht, dass ich zuhause nix mit mir anzufangen weiß und die Arbeit schrecklich vermissen werde. Trotzdem ist es ja nun so, dass ich am 1. April vor 6 Jahren dieses Büro bezogen habe und seitdem eigentlich die meiste Zeit recht gern hingegangen bin. Und dann ist die Uni ja auch ein bisschen wie ein Kindergarten, der Jahresrhythmus ist recht starr vorgegeben. Vorlesungszeit, Ferien, Vorlesungszeit, Ferien. Jedes Winter – bzw. Sommersemester wiederholt sich ein Jahr später erneut. Zwischendurch forschen, Konferenzdeadlines sind auch jedes Jahr zur gleichen Zeit. Das schafft ein schön bequemes Gefühl von Sicherheit. Und genau das empfinde ich im Hinblick auf das Elternsein nun gerade nicht. Da gibt es noch keine einzige Routine, nichts was immer so war. Alles neu und ungewohnt. Ein bisschen kann man da schon die Flatter bekommen. Zum Glück sind wir ja zu zweit und zumindest ich habe Hormone, die mich schön in falscher Sicherheit wiegen… Jedenfalls nun also noch zwei Wochen im Büro… Weil ich das auf- & umräumen sehr befreiend fand, hab ich mir ein Anschlussprogramm überlegt – eine 14-Tage-Challenge – für jeden Tag bis zum Beginn des Mutterschutz eine kleine Aufgabe. Mehr gibts morgen! Jetzt erstmal der Blick zurück: Wohnung und Haushalt hab ich ja schon ausführlich berichtet. MuFuZi und Abstellkammer sind geordnet und in neuen Glanz getaucht. Wobei die Abstellkammer noch ein wenig mehr Glanz bekommen wird, wenn wir Mitte April unseren neuen Keller beziehen können. Kulinarisches: Chili sin Carne, Fast Food, Linsensuppe und Lammbraten bei meinen Eltern (ja, Ostern gibts Ausnahmen), Grünkernbratlinge, Spaghetti Bolognese, Crepes, Frittata, Bechamelkartoffeln, Chili-Ofenkartoffeln mit Salat und überbackenem Feta, viele Ostereier und Rüblikuchen. Garten: Der Kübelgarten muss ja derzeit noch mit der Fensterbank vorlieb nehmen. Die Tomatenpflanzen waren schon so weit, aus der Aufzuchtstation in eigene Töpfe umzuziehen und haben nun Stellung am Südfenster bezogen. Nun werden sich bald Zucchini und Kürbis zu den Mini-Salatpflanzen im Gewächshaus gesellen. Mit Frau 101Dinge habe ich außerdem einen Saatgut-Tausch vereinbart, der mich noch in den Besitz von Zuckerschoten bringen wird… Handarbeiterei: Obwohl unterwegs war ich keinesfalls untätig. Ich habe Baby-Legs und zwei Mützen für den Minimensch gestrickt, außerdem ein wenig an meinem Cadence-Pulli. Genäht habe ich für mich ein dringend benötigtes Unterkleid, einen flutschigen Unterrock und eine Jeans-Umstands-Römö, die mich nicht recht glücklich macht. Ich mag Römö einfach nicht besonders, war aber auch unmotiviert, was mit 5 oder mehr Bahnen zu nähen, was ich nur einige Wochen tragen kann. Außerdem den Himmel und das Nestchen für das Bett des Minimenschen. Fotos davon kann ich allerdings erst zeigen, wenn das Bett mal steht, was noch etwas dauern wird. Nun steht ein Umstands-Anlasskleid dringend an. Ich bin noch vor der Geburt auf einer Hochzeit und einem 80sten Geburtstag eingeladen, da würd ich schon gern schick hin. Ein Taftstoff ist schon dagewesen und der Schnitt auch. Ich habe also hochmotiviert das Schnittquelle-Kleid Bridisi zugeschnitten, stecke jetzt aber fest, weil die erste Anprobe des Oberteils nicht sehr befriedigend war und der Stoff außerdem ungeplantermaßen nach Futter verlangt. Ich denke, dem Kleid werde ich in den nächsten Wochen eine kleine Serie widmen. Gelesen und gesehen hab ich auch noch so das eine oder andere. Unter anderem „Die Sopranistin“ von Jörg Tadeusz, Besprechung folgt, dann einen erschreckenden Artikel darüber wie fernab aller Transparenz hinter verschlossenen Türen über den Atomausstieg geschachert wird. Einen lesenswerten Kommentar in der Zeit zur Auswirkung der Akademisierung auf das duale Ausbildugssystem und die Hochschulen selbst und ein großartiges Essay im Merkur über PR und Außenwirkungskampagnen von Universitäten. Den Münchner Tatort am Ostermontag fand ich hochgradig deprimierend. So viele überflüssige Leichen… nee, nix für mich!

Gelesen: Blasmusikpop

Ein wunderwunderwundervolles Buch. Sofort losgehen und kaufen und loslesen und super finden!
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Dieses Buch ist das Erstlingswerk der jungen österreichischen Autorin Vea Kaiser, die hier wirklich etwas ganz und gar tolles abgeliefert hat. Wieder mal ein Coming-of-Age-Roman, dass es hier gleich zwei hintereinander als Besprechung gibt, ist aber Zufall. Das Buch erzählt die Geschichte des Jungen Johannes A. Irrwein, der in einem abgelegenen Dorf in den Sporzer Alpen aufwächst. Das Dorf ist derart abgelegen, dass es weitgehend isoliert vom Rest Österreichs ist. In diesem vollkommen skurrilen Mikrokosmos wird nun ein Junge als lang ersehnter Sohn eines Schreiners und einer Kindergärtnerin und Enkel des Dorfarztes geboren. Dieser Großvater ist einer der wenigen, der je das Dorf verlassen hatte, um woanders zu leben, er war zum Nachholen des Abiturs und Medizinstudium nach Wien gegangen, mit dem Ziel Parasitenforscher zu werden. Sein Enkel wächst unter seinem Einfluss zu einem neugierigen, wissbegierigen und gänzlich Dorf-untauglichen Jungen heran, der schließlich zum großen Missfallen des gesamten Dorfes auf das Gymnasium geht. Als er dann aber vollkommen überraschend durch die Matura fällt, ist er gezwungen, sich seinem dörflichen Umfeld zu stellen. Was ihn und das Dorf nachhaltig verändern wird.

Die Geschichte ist verschlungen und weitschweifend erzählt und fließt über Jahrzehnte hinweg, ohne je langatmig zu sein. Viel zu amüsant ist dieses schrullige kleine Dorf mit seinen ganz eigenen Regeln. Viel zu sympathisch sind die liebevoll gezeichneten Charaktere. Zu absurd ist auch die gesamte Handlung, um je langweilig zu sein.

Ich habe das Buch nicht schnell gelesen, aber jede Seite genossen und war am Ende sehr betrübt, als es vorbei war. Eine 100%ige Empfehlung also.

Gelesen: Pink Hotel

Das nächste Weihnachtsgeschenkbuch wurde bedeutend schneller und mit bedeutend mehr Lesefreude verschlungen:
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Titel: Pink Hotel

Autor: Anna Stothard

Verlag: Diogenes

Ein absolut tolles Buch! Ich bin restlos und vollkommen begeistert und empfehle es nachdrücklich. Worum es geht? Dieses Buch ist sowas wie ein road movie in Buchform. Die 17jährige Hauptperson des Buches ist ein intelligentes aber in sozialen Beziehungen verwahrlostes junges Mädchen, die in London bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter aufgewachsen ist, nachdem ihre Mutter sie (damals selbst erst 17jährig) verlassen hatte. Von ihrer Mutter hatte sie zwischenzeitlich nichts mehr gehört, Liebe erfuhr sie vor allem von ihren inzwischen verstorbenen Großeltern, als sie plötzlich, wie aus heiterem Himmel vom Unfalltod ihrer Mutter in Los Angeles erfährt. Gerade von der Schule geflogen klaut sie kurzentschlossen die Kreditkarte ihrer Stiefmutter, bucht einen Flug und findet sich mitten in einer bizarren Totenwache-Party im Pink Hotel wieder, das ihrer Mutter gehörte. Sie begibt sich auf die Suche nach Spuren ihrer Mutter seit sie aus London verschwand, rekonstruiert langsam ihr Leben und Lieben in L.A. und findet dabei, mehr zufällig, auch selbst zum ersten Mal Liebe. Die Geschichte ist dabei nie kitschig, nie voraussehbar, bis zur letzten Seite spannend gleichzeitig anrührend und mitreißend und stellenweise nachdenklich. Eine gelungene Mischung aus Coming-of-Age-Roman, Road-Movie, Liebesgeschichte und Krimi, bei der man am Ende todtraurig ist, weil das Buch aus ist und noch in der seltsam-abstrusen Stimmung verbleiben möchte, in der das Buch einen zurücklässt. 368 Seiten schwebender Nachdenklichkeit und melancholischer Romantik, die sich zu 100% lohnen!

Gelesen: Familienalbum

Eins meiner Weihnachtsgeschenkbücher war dieses:
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Familienalbum von Penelope Lively

Ich hab das Buch im Urlaub angefangen und mich dann noch eine ganze weitere Woche hindurchgequält, obwohl es eher ein Büchlein als ein Buch ist. Sehr groß gedruckt bringt es dennoch nur knapp 300 Seiten mit. Ich kann nicht sagen, es wäre ein schlechtes Buch, aber es hat mir auch keine Entzückensschreie entlockt. Ich hatte es mir aufgrund einer absolut euphorischen Buchkritik von Christine Westermann gewünscht, die sonst eigentlich selten daneben liegt, aber hier kann ich nicht zustimmen.

Das Buch erzählt die Geschichte einer Großfamilie in England, beginnend in den 70ern bis heute. Die Geschichte wird unchronologisch in Episoden aus Sicht der einzelnen 9 Familienmitglieder erzählt. Die Autorin wechselt dabei nicht nur die Erzählperspektive sondern innerhalb der einzelnen Episoden auch noch zwischen Ich-Erzähler und dritter Person. Ein überflüssiger Kunstgriff, wie ich finde. Die Familiengeschichte plätschert vor sich hin, es wird hier und da ein DUNKLES GEHEIMNIS angedeutet, das sich am Ende als konstruiertes kleines Geheimnisschen herausstellt. Man wird mit keinem der Charaktere richtig warm, weil man jeden nur kurz begleitet. Auch ist keine wirkliche Entwicklung zu spüren, weder bei den Personen noch im Lauf der Geschichte. Am Ende steht man vor dem Bild einer Familie, die sich entfremdet hat und deren Mitglieder recht orientieungslos herumleben und die hierfür vorgebrachten Gründe sind doch etwas fadenscheinig. Ich fand das Ganze frustrierend und wenig spannend, z.T. völlig abstrus, klischeehaft, zuweilen verworren. Vielleicht liegt es daran, dass mir eigentlich alle handelnden Personen mehr oder weniger unsympathisch waren, vielleicht an der chaotischen Erzählweise. Nicht so meins.

Buchtipp: Familienalbum

Als ich gestern über meine Angewohnheit schrieb, Mängelexemplarkisten zu durchforsten, fiel mir ein guter Fund aus dieser Quelle ein, über den ich noch gar nichts geschrieben hab:

Kate Atkinson – Familienalbum
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Ein sehr schräges, zeitweise zum laut losprusten komisches, zeitweise tief trauriges Buch über die Geschichte einer englischen Familie. Erzählt wird die Kindheit und Jugend des jüngsten Sprösslings, der kleinen Ruby, aus ihrer eigenen Perspektive und das schon im Mutterleib! Die Erinnerungen von Ruby werden unterbrochen von Rückblenden auf die Lebensgeschichten der Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Die Leben all dieser Frauen sind von Schicksalsschlägen und falschen Entscheidungen geprägt, die letztlich bis in Rubys Leben nachwirken. Es gelingt Kate Atkinson dabei nicht nur, die Perspektive des Kindes stringent und absolut überzeugend durchzuhalten. Sie schafft es auch, dass selbst zutiefst schicksalhafte Momente ihre komischen Seiten haben. So wird man zum lachen und weinen gebracht und in den Strudel der Ereignisse gezogen. Das Buch strotzt vor schrägen Charakteren und skurrilen Situationen, ohne jemals lächerlich zu wirken.

Ich habe das Buch zufällig gefunden und im Urlaub von allen Büchern, die ich dabei hatte, am liebsten gehabt.

Buchempfehlung: Mord ist kein Kinderspiel

Ich bin schon fast die ganze Woche krank, während ich mit Tee und Wärmflasche das Sofa hüte, passiert hier im Blog leider wenig.

Ich musste auch feststellen, dass das Fernsehprogramm am Nachmittag nicht wirklich dazu angetan ist, einer kranken Frau Siebenhundertsachen wieder auf die Beine zu helfen. Also habe ich neben exzessivem Blog-Lesen und Pinterest-durchkämmen viel gelesen. Und zwar dieses Buch

Bildquelle: libri.de

Flavia de Luce: Mord ist kein Kinderspiel von Alan Bradley.

Ich habe mir das Buch nach Weihnachten spontan in der Buchhandlung gekauft, weil alle Bücher, die ich eigentlich vom Weihnachtsgeld erwerben wollte nicht vorrätig waren. Und wie so oft hat sich der Spontan-Kauf als echtes Schätzchen entpuppt. Ich bin total begeistert. Das Buch ist so voller schrulliger Charaktere, liebevoller Details und unfriedlicher britischer Idylle, dass ich es nur allerwärmstens empfehlen kann.

Dieser sehr ungewöhnliche Krimi spielt Anfang der 1950er Jahre in der britischen Provinz nahe Haworth, der Heimat der Bronte-Schwestern, in Yorkshire. Die Protagonistin Flavia de Luce ist ein fast elfjähriges Mädchen aus uraltem Adel, die ohne Mutter, dafür aber mit zwei gemeinen Schwestern und einem desinteressierten Vater, einer vollkommen unbegabten Köchin und einem leicht verrückten Butler/Gärtner auf einem Landsitz (Buckshaw) aufwächst. Von ihrem Großonkel Tar de Luce hat sie eine Leidenschaft für die Chemie sowie ein komfortabel ausgestattetes Laboratorium geerbt. Flavia hegt eine große Schwäche für Gifte und verbringt ihre Freizeit mit dem Sammeln von Giftpflanzen, extrahieren der Gifte und leichten Vergiften ihrer Schwestern und eines Schweins. Ansonsten streift sie mit ihrem Fahrrad, welches den Namen Gladys trägt, durch die Gegend rund um den kleinen beschaulichen Ort. So gerät sie mehr oder weniger zufällig mitten hinein in einen Mordfall und ermittelt auf eigene Faust.

Flavia ist ein hinreißender Hauptcharakter, die intelligent, morbide und mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor die Geschichte erzählt. Darüberhinaus wimmelt es in diesem Buch von schrulligen Leuten nur so. Das alles eingebettet in die nur augenscheinliche Idylle des englischen Dorfes ist ein Genuss nicht nur für Krimifans, finde ich. Ich fühlte mich durch das Setting entfernt an Inspektor Barnaby erinnert, Flavia ist aber um ein vielfaches intelligenter, abgründiger und findiger als jeder polizeiliche Ermittler in einem Krimi sein könnte.

Ich werde mir auf jeden Fall noch den ersten Band „Mord im Gurkenbeet“ bestellen und kann dieses Buch nur allerwärmstens empfehlen. Es ist spannend, lustig, morbide, zuweilen gruselig und herrlich schrullig.