Sonntagssachen 16/2018

Deutlich zu früh waren gleich beide Kinder wach und überaus mitteilungsbedürftig – ich erbarme mich und stehe auf, mehr als zombiemäßig rumsitzen geht aber nicht. Frühstück. Vormittagsnickerchen. Eine sehr leckere Griesflammerie-Tarte gebacken. Gestrickt während beide übermüdeten Kinder sich auf der Rückbank erfolgreich wach hielten. Einen erstaunlich entspannten Nachmittag mit Freunden verbracht dafür dass wir alle reichlich übermüdet waren – der Mikromensch war zum ersten Mal im Sand. Nach einer Rückfahrt mit wiederum sich wach haltendem Mikromensch und Wutanfall-Eskalation beim übermüdeten Minimensch ein recht verdientes Feierabend-Malzbier auf dem Sofa.

Sonntagssachen 15/2018

Was ein echtes Digital-Native-Baby ist, anonymisiert sich brav von allein. Paspeln genäht. Gefrühstückt. Einen Body ausgepackt, der dem Mikromensch leider nicht mehr passt und für den bisher die falsche Jahreszeit war – schnüff. Ein von Chrissy geschenktes Kleid getragen. Eis gegessen. Gestrickt. Startrek geguckt.

Sonntagssachen 9/2018

Eine sehr schön mit reverse appliqué geflickte Kinderhose schon wieder zum flicken aufgetrennt. Gefrühstückt feat Toastbrot von @drehumdiebolzen. Einen Rock zugeschnitten. Die Hose nun durch Teilaustausch hoffentlich haltbarer gemacht. Süßkartoffelcurry mit Naan gegessen. Gelesen.

Kein WhatsApp mit Nazis

Diese Woche bekam ich von einer mir nur entfernt bekannten Kita-Mutter eine offensichtliche automatische Massen-WhatsApp-Nachricht, die mich aufforderte, eine Petition an die der CDU-, FDP- und AfD-Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhaus gegen diese Broschüre zu unterzeichnen. Ich war zunächst sehr irritiert. Dann rang ich eine Weile um deutliche Worte. Dann antwortete ich in etwa, dass ich sehr sicher nichts unterstütze, was von der AfD unterstützt wird, dass ich ferner Sensibilisierung von Eltern und Erzieher*innen für die Themen Geschlechtsidentität und sexuelle Vielfalt für wichtig und richtig halte und dass diese Petition vollkommen unhaltbar von Dingen wie „Sexualisierung“ und „Anleitung zum Outing“ rede, was nichts mit dem Inhalt der Broschüre und dem wichtigen Thema zu tun habe sondern populistische Propaganda sei. Die Broschüre richte sich nicht, wie in der Petition behauptet an Kinder, sondern an Erzieherinnen. Dann regte ich mich etwas via Twitter auf. Dann dachte ich noch etwas darüber nach. Dann begegnete ich der Mutter zufällig zur Abholzeit vor der noch geschlossenen Tür des Kindergartens, woraufhin sie ohne ein Wort zu ihrem Auto ging und in ihrem Auto weiter auf Türöffnung wartete. Ich regte mich noch etwas auf, las auf Twitter davon, dass auch in Berliner Boulevardzeitungen diese „Sex-Broschüre“ skandalisiert wird und jetzt muss ich doch nochmal ausholen.

Verdammt nochmal!

Wir haben das immens unfassbar große Glück in einem Land zu einer Zeit zu leben, wo menschheitsgeschichtlich gesehen erst seit sehr kurzem jede und jeder im Wesentlichen lieben darf, wen er möchte und Sex haben darf wie und mit wem er oder sie möchte (Einverständnis und Volljährigkeit beider vorausgesetzt). Ich bin unfassbar froh, dass ich meinen Kindern vermitteln kann, dass Liebe etwas ist, dessen man sich nicht schämen muss und dessentwegen man nicht vor Verfolgung und Strafe fürchten muss. Dass ich mein Kind nicht von Kindesbeinen an in eine Geschlechterrolle zementieren muss, damit es später mal rein passt. Wir schätzen uns glücklich in einem Kindergarten zu sein, wo diese Haltung auch gelebt wird, wo niemand mir mit „typisch Junge/typisch Mädchen“ kommt. Wo selbstverständlich akzeptiert wird dass Jungs eine beste Freundin und Mädchen einen besten Freund haben, ohne dass da gleich romantische Verquickungen hineingedeutet werden.

Und dabei sind wir noch lang nicht an dem Punkt, wo ich sagen kann, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung spielten keine Rolle. Wo ich sagen könnte, „tu was du willst, da wird sich keiner dran stören“. Wo wir als Gesellschaft erkannt haben, dass es nicht unser fucking Business ist, welche Geschlechtsmerkmale unter welchen Klamotten/Frisuren/Kosmetika stecken und ob der Mensch der vor uns steht schon mit den gleichen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde auch nicht. Ich muss meinem Kind erklären, dass andere vielleicht schon finden, ein Junge dürfe keinen Nagellack tragen und rot sei eine Mädchenfarbe. Dass es leider Menschen gibt, die nicht ok finden, wenn ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau liebt.

Wovor zum Henker haben diese Menschen Angst? Dass ihre Kinder womöglich glücklich werden, so wie sie das gern wollen? Dass ihren Kindern mit Verständnis und Toleranz begegnet wird? Was ist das für eine seltsame Haltung, die jede andere Form der Liebe, des Zusammenlebens, der Beziehung so bedrohlich findet, dass darüber augenscheinlich nicht mal gesprochen werden darf?!

Fest steht: diese Petition und wie nonchalant sie mir zugetragen wurde verdeutlicht nur zu genau, dass wir auf einen gesellschaftlichen Backlash zusteuern. Die Repräsentanz der AfD in unseren Parlamenten normalisiert antidemokratisches, freiheitsfeindliches, reaktionäres Gedankengut so sehr dass es scheinbar nicht anrüchig ist für zumindest die CDU hier mit ihr zusammenzuarbeiten*. Und ja, das macht mir Angst.

Angst, dass meine Kinder weniger frei als ich sein werden in der Wahl ihres Partners, ihrer Lebensumstände, ihrer religiösen Überzeugungen oder ihrer Meinungsäußerung. Angst, dass sie mit Repressalien und Gewalt rechnen müssen, wenn sie nicht in das beschränkte Welt- und Menschenbild dieses Nazipacks passen. Diesen gesellschaftlichen Backlash gilt es an allen Fronten zu bekämpfen. Durch deutliche Worte, durch Rückgrat und Haltung, an der Wahlurne, auf der Straße, in jedem Gespräch. Zu oft sind wir geneigt einfach wegzuhören, wenn gehetzt, verunglimpft, vereinfacht und pauschalisiert wird. Über Ausländer, Homosexuelle, Transmenschen, Muslime, Menschen mit Behinderungen. Wir gehen dann vielleicht diesen Leuten aus dem Weg. Oder denken uns unseren Teil. Aber das reicht nicht. Auch wenn es nur eine WhatsApp ist, oder ein belangloses Gespräch beim Bäcker, an der Kasse, beim Friseur. Ignorieren ist nicht genug. Die Freiheit hat mehr verdient als das.

* Ich hatte zuerst hier geschrieben auch die FDP unterstütze das Anliegen der Petition. Dies ist jedoch falsch, nur die AfD und die CDU haben bisher Initiative ergriffen, gegen die Broschüre vorzugehen. Die FDP wird in der Petition nur adressiert.

Sonntagssachen 6/2018

Dem Baby zugeguckt wie es des Minimenschen Duplo-gebautes dekonstruiert (er wollte es so). Durch die Sonne zum Bäcker gelaufen. Getrennt. Die Narzissen ausgepflanzt, die heimlich in ihrer Winter-Sand-Kiste schon ausgetrieben haben. Geschlafen. Blumenkohl mit Kruste bedeckt. Garnschlaufen geflochten.

Silvestersachen 2017

Lang, breit und gemütlich gefrühstückt. Gestrickt und dabei gequatscht. Zusammen mit den Drehumdiebolzeningenieurin die Wanderschuhe geschnürt. Und ziemlich viel Schmelzwasser in den Bächen bestaunt. Kekse, Tee und ganz viel Quatschen. Leckeres Raclette.

Ähnlichkeiten mit den Silvestersachen von @drehumdiebolzen sind keinesfalls zufällig.