Silvestersachen 2017

Lang, breit und gemütlich gefrühstückt. Gestrickt und dabei gequatscht. Zusammen mit den Drehumdiebolzeningenieurin die Wanderschuhe geschnürt. Und ziemlich viel Schmelzwasser in den Bächen bestaunt. Kekse, Tee und ganz viel Quatschen. Leckeres Raclette.

Ähnlichkeiten mit den Silvestersachen von @drehumdiebolzen sind keinesfalls zufällig.

Herz voraus!

Als der Minimensch nach 3,5 Wochen Urlaub vor Kurzem wieder in die Kita kam, da freuten er und seine beste Freundin sich unbändig einander wiederzuhaben. Er redete seit Tagen von nichts anderem und sie wohl auch, so erzählte ihre Mutter. Als der Minimensch allerdings dann am ersten Tag kam, da kam sie zwar strahlend angerannt, erklärte aber dann, sie habe eh nur etwas aus dem Vorraum holen wollen. – Ganz offenbar schämte sie sich ihrer Freude.

Diese Begebenheit geht mir sehr nach. Ist es nicht schlimm, dass schon vierjährige Kinder sich ihrer Gefühle schämen? Dass sie zögern ihre Zuneigung sichtbar sein zu lassen?

Ich bin in einer liebevollen Familie groß geworden. In der es normal war über Gefühle zu sprechen. In der offensichtlich vorgelebt war, dass es etwas großartiges ist, andere Menschen lieben zu dürfen und dass Zuneigung und Vertrauen wertvolle Geschenke sind. In der auch immer klar war, dass es eine Bereicherung ist, anderen Menschen mit Toleranz und einem liebenden Blick zu begegnen. In der ich früh gelernt und oft besprochen habe, dass man sich vielfach, hundertfach in Menschen verlieben kann, dass man sich, mit dem richtigen Blick auf die Welt für viele Menschen begeistern und in vielen etwas besonderes entdecken kann.

Ich hatte das große Glück in der Pubertät in einem Bekannten- und Freundeskreis erwachsen werden zu dürfen, in dem keine Spielchen mit den Gefühlen anderer getrieben wurden. In dem es keine Eifersüchteleien gab. In dem Gefühle haben und zeigen kein Grund war, sich zu schämen, keine Schwäche bedeutete. Ein Freundeskreis, der sehr selbstverständlich alters- und geschlechtsgemischt war. In dem Menschen sehr so genommen und geliebt wurden, wie sie sind. In dem es normal war, miteinander zu kuscheln, sich in den Arm zu nehmen, einander zu vermissen und sich zu freuen einander zu sehen.

Ich kenne auch das andere erleben, das viele in der Pubertät durchlaufen. In meinem Schulumfeld, gerade unter Mädchen, war es oft gefährlich, allzu deutlich Zuneigung zu zeigen. es machte eine schwach und verletzlich. Man konnte ausgenutzt oder ausgelacht werden. Schon wegen kleinen „Verfehlungen“ war man persona non grata. Man hatte die eine Freundin gegrüßt, dann konnte man leider nicht mehr mit der anderen befreundet sein. Pech. Man stand auf den falschen Typen, den hatte doch schon die andere reserviert. Und so weiter. Loyalitäten wechselten täglich. Dieses Umfeld allein, hätte mich verkümmern lassen. Noch etwas schlimmer fand ich das übrigens im Auslandshalbjahr in Frankreich. Da war ich, weil ich auch mit Jungs befreundet war sofort eine Schlampe.

So aber habe ich die meiste Zeit meines Lebens erfahren, dass es eine Bereicherung ist, sich Menschen zu öffnen. Ich zögere selten, Menschen zu zeigen, dass ich sie mag. Ich werfe mein Herz weit voraus und meist kommt es zurück und bringt Freunde mit. Nicht immer natürlich, mein Herz hat auch Blessuren davon getragen. Ich habe Menschen sehr gemocht, geliebt, die das nicht erwidert haben. Ich habe mich Menschen geöffnet, die nicht gut für mich waren. Ich bin verletzt oder ausgenutzt worden.

Aber das war es wert. Denn ohne mein weit offenes Herz hätte ich viele großartige Menschen nie oder nicht näher kennengelernt. Ich hätte den Mann nicht, den ich liebe. Ich hätte nicht geschafft einige Internet-Bekanntschaften in tolle echte Freundschaften zu verwandeln. Ich wäre um viele großartige Erfahrungen ärmer, um Perspektiven, die mein Leben bereichern, um zahlreiche wundervolle Gespräche und sehr viel wärmendes Lachen. Ich hätte sicher einige Tränen gespart, aber auch die ein oder andere Umarmung zur rechten Zeit nicht bekommen. Ich hätte weniger geküsst, weniger geredet, weniger gelacht, weniger getanzt und weniger gechattet. Und ich wäre nicht die, die ich heute bin. Nicht die Frau, die Freundin, die Mutter, die ich bin.

Wenn ich meinen Kindern eins mitgeben möchte, dann das. Dass ein offenes Herz und ein liebender Blick das Leben bereichern. Dass es nicht lohnt zu zaudern. Dass es großartig ist, Menschen kennenlernen zu dürfen. Dass Zuneigung keine Schwäche ist. Dass man begeistert sein darf und sollte, weil es so viel zu gewinnen gibt.

Ich hoffe, das können wir schaffen, allem Gruppenzwang, aller anderslautenden Erfahrungen zum Trotz. Wir können das vorleben, aber es kommt mir wenig vor, was wir Eltern bewegen können verglichen mit dem sonstigen Umfeld. Aber wenn uns das gelänge, das wäre schön für sie und ein bisschen auch für die Welt.

Sonntagssachen 34/2017

Die Uhr vorgestellt. Dem Triceratops beim Basteln assistiert. Gefrühstückt. Taschen ausgepackt. Vorgelesen. Schokolade gehackt. Prä-Schwangerschaftssachen aus dem Lager geholt. Leckeren Kartoffelkuchen gebacken. Hefeteig vorbereitet.

Ein bisschen Geburtsbericht

Das ist jetzt hier eine schwierige Angelegenheit. Ich habe im Prinzip immer nur andeutungsweise von der Geburt des Minimenschen und der Schwangerschaft berichtet. Ich finde dass die Privatsphäre der Kinder es gebietet, ihre Geburt und den Beginn ihres Lebens nicht ohne ihr Einverständnis zu veröffentlichen. Aus dem gleichen Grund gibt es hier auch keine Briefe an die Kinder zu Monats- und Geburtstagen. 

Nun ist es aber so, dass es andererseits wichtig erscheint, ein wenig von den Umständen der Geburt des Mikromensch zu berichten. Ich habe da echt lang drüber nachgedacht und möchte einfach eine kurze Schilderung als eindringliche Warnung da lassen.

Disclaimer: Operation, Geburtskomplikationen

Ich wollte wirklich gern nach der primären Sectio beim Minimensch nun spontan entbinden. Ich hatte dabei von vorneherein vor in ein Krankenhaus mit Level1-Neonatologie zu gehen. Nicht nur weil wir dort bei der Geburt des Minimensch zufrieden waren, sondern auch weil ich mich informiert hatte und wusste, dass eine Spontanentbindung nach Sectio zwar nicht Ultra Mega gefährlich ist, aber eben ein erhöhtes Risiko aufweist (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ja klar, so eine große Entbindungsstation ist ein Massenbetrieb. Es ist da nicht sehr kuschelig, aber der Kreißsaal kann trotzdem gut besetzt sein, und eine Geburt trotzdem selbstbestimmt, davon war ich überzeugt. Ich hatte allerdings noch nie das Bedürfnis nach einer Hausgeburt – nach guter 1:1-Hebammenbetreuung ja das auf jeden Fall. Aber ehrlich, der medizinische Fortschritt hat viel für die Mütter- und Säuglingssterblichkeit getan. Ich verstehe dieses Hochjubeln von „das haben Frauen immer vollkommen allein geschafft“ oder „Naturvölker machen xyz “ nur sehr begrenzt. Denn naja früher und bei Naturvölkern war das mit dem schwanger sein und gebären alles in allem eine recht lebensgefährliche Angelegenheit. Das finde ich eigentlich gar nicht so erstrebenswert. Und es hat sich gezeigt, dass diese Einstellung für uns genau die richtige Entscheidung war.

Denn tatsächlich kam auch der Mikromensch per Kaiserschnitt zur Welt, auf meinen expliziten Wunsch hin, entgegen der Empfehlung der Ärzte, die zu einer Einleitung rieten und entgegen meiner ursprünglichen Vorstellung. 

Und das kam in etwa so:
Als ich 6 Tage nach Termin einen Blasensprung hatte, da hatte ich 6 Tage lang jede Nacht Wehen gehabt. Schmerzhaft, so dass ich nicht mehr liegen konnte und sehr sehr regelmäßig, alle 6 Minuten. Aber jede Nacht waren sie auch wieder weg gegangen, immer nach drei Stunden, so dass mir Hebammen und Ärzte im Krankenhaus versicherten, dies seien – aller Regelmäßigkeit zum Trotz – nur Übungswehen gewesen. Und als ich dann schon nur noch wenige Stunden vor der Einleitung war, befiel mich ein komisches Gefühl. Während ich mit den üblichen drei Stunden Wehen im Krankenhauszimmer auf und ab lief, wälzte ich das ganze im Kopf & googelte herum. Niemand hatte mit mir explizit das Risiko einer Einleitung nach Kaiserschnitt besprochen. Aber da ist ein Risiko (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Es mag im niedrigen Prozentbereich sein, aber es ist deutlich größer als das einer Spontangeburt ohne einleitende Maßnahmen (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ich begann mich zu fragen, warum die Wehen nicht blieben, nichtmal nach dem Blasensprung. Hielt mein Körper mich unterbewusst vom spontan gebären ab? Ich bat um ein erneutes Gespräch mit der Oberärztin und meinem Mann. Die Ärztin erläuterte nochmal, dass bestimmte Medikamente auch nach Sectio erprobt seien, dass man keinesfalls von einer Einleitung abraten müsse, das werde oft gemacht. Das OP-Risiko sei ja auch nicht zu verachten. Ich blieb unsicher aber tat mich schwer mit dieser Entscheidung . Und nach Rücksprache mit meinem Mann, der mich sehr ermutigte, meinem Gefühl zu vertrauen, bat ich um einen Kaiserschnitt. Das war hart, denn ich hatte es mir ja anders vorgestellt. Und es das Fachpersonal war geschlossen anderer Meinung. Und es war trotzdem die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Denn der Mikromensch hätte nicht spontan auf die Welt kommen können, da er viermal in seine Nabelschnur eingewickelt war. Und eine Not-Sectio wäre womöglich schief gegangen, da ich unter der alten Narbe enorm viele Verwachsungen hatte, die die OP erheblich erschwerten und eine Not-Sectio wäre nötig geworden, da die Gebärmutterwand nur noch papierdünn war. Gleich drei sehr seltene Umstände auf einmal.

Also: Niemand sollte sich leichtfertig für eine Bauch-OP entscheiden und das ich kann sagen, die zweite Sectio ist bei mir heilungstechnisch kein Spaß. Aber es kann dennoch die richtige Entscheidung sein. Und es ist gut, wenn ein Krankenhaus das mitträgt, selbst wenn es unnötig erscheint. Es ist wichtig auf den eigenen Körper zu hören. Und es ist wichtig nachzufragen, sich zu informieren, nicht passiv den vermeintlich einzigen Weg zu beschreiten. Und es ist verdammt gut, dass es moderne medizinische Versorgung und fähige Operateure gibt. 

Sonntagssachen 31/2017

Wochenbett-Trägheit und Herbstmüdigkeit. Ein ruhiger Sonntag:


Der Tag beginnt mit Mamazeit für den Minimensch. Frühstück. Wickeln-stillen-kuscheln 1/x. Stricken. Stolzer Kinderwagenpilot und eine Minirunde um den Block. Badeschaumeskalation.

Willkommen Mikromensch

Nach 41 Wochen und dann doch irgendwie überraschend ist der Mikromensch mit einem „fulminanten Start“ (Zitat erster untersuchender Kinderarzt) in unser Leben gekommen.

Ich erhole mich dann mal und kuschel die Kinderchen.

Sonntagssachen 30/2017


Ausgeschlafen (elterntypisch bis 8.00 Uhr). Nägel überlackiert. Mich fertig gemacht, um 9.00 das Haus zu verlassen – mit Wolltuch und echter Jacke. Sehr viel gestrickt während CTG und ewiger Wartezeit für die Kontrolle. Sehr spät gefrühstückt in seliger Ruhe und Zweisamkeit. In die Bücherei gegangen und mir Buchnachschub gegen die Langeweile und Ungeduld besorgt. Kuchen gegessen & dabei den Minimensch zurückerhalten. Eins der neuen Bücher angelesen – nicht sehr überzeugend.