Mutterschutz

Nun bin ich im Mutterschutz. Das fällt mir gar nicht so leicht. Zwar bin ich eigentlich müde und ausruhbedürftig genug, aber ich bin auch etwas rastlos und suche Beschäftigung. Denn nach 3 Jahren als arbeitende Mutter bin ich sehr daran gewöhnt in optimiertem Tagesablauf und bestmöglichem Output zu denken. Nichts hat meine Effizienz am Arbeitsplatz so erhöht wie das Wissen um die Schließzeit der Kita und die Vergänglichkeit der Arbeitsstunden. Nun richtet sich diese antrainierte Effizienz auf die chaotische Wohnung und die Ablage. Mit mäßigem Erfolg denn der Rücken schmerzt und der Nachtschlaf ist wenig und unerholsam. Gut dass mich der Gesetzgeber zur Pause zwingt. Denn das stete schlechte Gewissen, doch weniger zu leisten, weniger Flexibilität zu zeigen, andere Kollegen zu belasten, so schnell geht das nicht weg – wie unangebracht es auch sein mag.

Tatsächlich habe ich in dieser Schwangerschaft im Gegensatz zur ersten bis zum letzten Tag vorm Mutterschutz gearbeitet. Und dass das ging macht mich froh, denn es heißt ja, dass es mir und dem Bauchzwerg gut geht. Gut aber auch, sagen zu können: Und jetzt ist Schluss, ab jetzt Ruhe und Kraft tanken. Denn trotz vieler bemühter Worte („Sie heben aber nicht zu schwer?“ „Wenn Ihnen das Wetter zu schaffen macht, melden Sie sich.“) am Ende wird eine dann doch nicht besonders geschont. Mein letzter wirklich wichtiger Termin war zwei Tage vor Ende, und da gab es noch einiges nachzuarbeiten. Im Grunde ist schon die Erwartungshaltung deutlich: Sie haben einen Job mit Verantwortung, also kommen Sie der bitte auch möglichst uneingeschränkt nach. Ich gewinne latent den Eindruck, dass die Bereitschaft von Eltern ihre angeblichen Nachteile als Arbeitnehmer*innen zu kompensieren ausgenutzt wird. So erhielt ich z. B. mit dem Infoschreiben zum Mutterschutz auch gleich eine Information, dass ich auf eigenen Wunsch den vorgeburtlichen Mutterschutz kürzen kann. What? Ich bin doch nicht irre. 

Ich werde direkt nach dem Mutterschutz wieder mit einer sehr geringen Stundenzahl beginnen zu arbeiten. Auch hier sehe ich jetzt schon, dass ich da scharfe Grenzen ziehen muss, damit ich nicht heimlich weit über das verabredete hinaus an Aufgaben bekomme. Und irgendwie macht mich das alles sauer. 

Es gibt viele, sehr viele Eltern, die aus persönlichem Engagement, Spaß am Job, finanzieller Not, oder wirtschaftlicher Unsicherheit heraus nach kurzer Elternzeit von max. einem Jahr wieder viel und sehr engagiert arbeiten. Der Komplettausstieg für viele Jahre ist heute sicher nicht mehr der Regelfall. Ich arbeite aus innerem Antrieb heraus ohnehin mehr und vor allem engagierter als man eigentlich von mir erwarten kann – bei höchstens mittelmäßiger Bezahlung. Und genauso komme ich eben auch aus Spaß an der Arbeit und aus Verantwortungsgefühl für meine Aufgaben schnell wieder zurück. Aber das darf doch nicht zur Grunderwartung werden. Dass Eltern quasi „unmerklich“ Eltern sind und nach einem kurzen „Urlaub“ (haha!) wieder da sind, als sei nichts gewesen. Denn Elternschaft ist kein Privathobby, das man ausübt wenn es gerade gut passt. Wir tragen damit gleichzeitig zur Zukunft der Gesellschaft bei. Unter Aufbringung erheblicher finanzieller und persönlicher Ressourcen. Und selbst wenn man diesen gesellschaftlichen Aspekt außer acht lässt- sollte ich nicht mehr Herrin über meine Lebenszeit sein, als meine Arbeitgeberin? Sollte mein Engagement und mein Einsatz nicht auch dadurch honoriert werden, dass mir ermöglicht wird, meine Arbeitszeit individuell zu wählen – anstatt dass Engagement als Aufforderung verstanden wird, noch mehr davon zu fordern.

Von daher bin ich froh, dass es den Mutterschutz gibt, der unmissverständlich sagt „jetzt ist mal gut“ und mich davon entbindet, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie sonst. Und um einen guten Start in geteilte, faire, engagierte Elternschaft für beide zu gewährleisten, würde ich sofort auch einen „Vaterschutz“, wie ihn jüngst die SPD-Ministerin Katarina Barley vorschlug unterstützen. (Das Interview ist insgesamt lesenswert!)

Sonntagssachen 19/2017

Nein, das Kind spielt hier weder Handy noch Tablet, es fröhnt seiner neuesten Leidenschaft „Zahlen“ an einem leicht defekten Taschenrechner. Kunstwerke geschenkt bekommen. Kuchen verspeist gemeinsamen mit der besten Drehumdiebolzeningenieurin samt kl kl Mensch. Nägel lackiert. Kleinstreste eines mitgewaschenen Taschentuchs von Kleidungsstücken weggerollert. Kuchen gebacken. Und mit Kuvertüre überzogen.

Sonntagssachen 14/2017

Um 7.00 irgendwie unausgeschlafen erwacht, die morgendliche Abhängzeit für schön machen der Nägel genutzt. Derweil baute der Minimensch innovative Legowerke. Frühstück. Strickzeit – ca. 2/3 sind fertig und Millionen Fäden zu vernähen. Seeausflug mit Kletterpartie. Das nagelneue Kleid angezogen. Um endlich mal das (relativ) neue Bochumer Musikforum zu besichtigen – gefällt sehr, die ehemalige Marienkirche ist nun der Pausensaal des Konzerthauses, die Kirchenglocke fungiert nun als Pausengong. Es gab Kammermusik in eher unüblicher Quintettbesetzung, gut war ’s. Und danach noch was zugeschnitten – der Sommerurlaub naht mit recht flotten Schritten.

Sonntagssachen 13/2017


„Lang“ (7.30) geschlafen und mit aufgebackenen Brötchen gefrühstückt. Nägel lackiert. Rhabarber-Baiser-Kuchen gebacken. Mich in ein schickes neues Kleid geworfen. Und einen Sonnenspaziergang mit demokratischer Rechtewahrnehmung gemacht. Die Kaffeetafel gedeckt und Kuchen geschlemmt. Zugeguckt wie die Großeltern damit dem Minimensch Lego bauen. Und dabei ein paar Reihen gestrickt – langsam wird es warm unter der Babydecke. Pizza gemacht.

Sonntagssachen X/2017


Der Minimensch hat Mittelohrentzündung und entsprechend lief die Nacht und läuft der Sonntag. Frühstück. Viele Runden verschiedenste Spiele. Kuchen zum trösten. Ein FBA beim Anna Dress gemacht – besondere Umstände erfordern Änderungen selbst an alt-bewährten Schnitten. Der Minimensch macht derweil Kinderkunst. Ich schneide das Maternity-Hack-Anna-Dress auch gleich noch zu. Und erfreue mich an den gleich drei riesigen Laufmaschen in meiner nahezu neuen Strumpfhose. Gratinierter Ofenspargel zum Abendessen.

Dämonen

Ich habe etwas länger darüber nachgedacht, ob ich hier im Blog oder überhaupt im Internet von meiner Schwangerschaft berichten soll.

Langjährige Leserinnen wissen, dass die Schwangerschaft mit dem Minimensch im letzten Drittel nicht mehr so ganz glatt verlief.  Auch wenn ich das nicht explizit zum Thema gemacht habe, konnte man raus lesen, dass ich einige Zeit vor der Geburt im Krankenhaus war und in wirklich sehr engmaschiger Überwachung. Der Minimensch stellte einfach irgendwann das Wachstum ein, der Verdacht war damals Plazentainsuffizienz. Nun ist ja bekanntlich ein kleines aber gesundes Kind aus ihm geworden. Dennoch bleibt natürlich die Frage „Kommt das diesmal wieder? Vielleicht mit weniger glücklichem Ausgang?“

Dann hatte ich – und das war hier bisher kein Thema – vor einem Jahr eine frühe Fehlgeburt. Daran hatte ich mehr zu knabbern als mir lieb ist und auch das lässt natürlich Zweifel zurück. Darüber schreiben kann ich erst jetzt, wo ein neues Kind unterwegs ist.

Also vielleicht gar nicht so öffentlich über die Schwangerschaft schreiben? Sie aussparen? So sehr privat ist dieses Blog ja dann doch nicht. Und letztlich geht es dabei ja auch nicht nur um mich, sondern auch um die Privatsphäre und das Leben meiner Familie.

Ich habe mich aus zwei Gründen dafür entschieden, es doch zu tun.

Einerseits weil ich ansonsten nicht mehr hätte bloggen können. Ich kann nicht einen Teil meines Lebens ausklammern und dennoch weiter bloggen. Dieses Blog ist meine virtuelle Wohnung. Es gehört zu mir und ich zu ihm. Es hätte mir sehr gefehlt. Und im offline-Leben haben zwangsläufig viele vollkommen Fremde (Nachbarn, Kolleg*innen, Kindergarteneltern,…) an meiner Schwangerschaft teil. Da ist es dann hier im Blog irgendwie doch viel privater und persönlicher.
Andererseits hat mich dieser Post von Frau Frische Brise ermuntert sowie die Offline-Erlebnisse mit vielen Frauen, die selbst eine Fehl- oder Totgeburt, eine komplizierte Schwangerschaft oder eine schlimme erste Zeit mit Baby hatten. Sehr oft, wenn ich zögerlich von meiner Fehlgeburt erzählte, sagten mir andere Frauen „ja. Das habe ich auch erlebt.“ Viele zweimal. Manche ganz traumatisch nach sehr weit fortgeschrittener Schwangerschaft. Das war gut, denn es hat mir geholfen, mich nicht sprachlos zu fühlen. Und diesen Statistiken „Jede dritte Schwangerschaft endet vorzeitig“ Gesichter zu geben.

Ich finde es nach wie vor sehr sinnvoll in den ersten 12 Wochen nicht über eine Schwangerschaft zu reden. Ich war froh, meinem Chef einfach eine Krankmeldung geben zu können, ohne mich genauer erklären zu müssen. Ich finde es wichtig, entscheiden zu können wann ich mit wem über eine Fehlgeburt spreche. Dennoch finde ich es auch nicht richtig, Komplikationen rund um das schwanger werden, schwanger sein und gebären zu tabuisieren oder zweifelhaften Kinderwunschforen zu überlassen. Und so möchte ich auch ermutigen indem ich darüber schreibe, dass es Komplikationen und Hürden gibt. Dass vermutlich jede Schwangerschaft Momente von Unsicherheit und Angst hat (auch in dieser gab es schon einen Schockmoment, der sich zum Glück erledigt hat). Dass nicht jede sofort schwanger wird und bleibt. Dass ich ein Kind verloren habe und das auch nicht einfach so abschütteln kann.

Denn natürlich sitzen die Dämonen der letzten beiden Schwangerschaften neben mir. Mal mehr mal weniger. Am Anfang wagte ich kaum, mich zu freuen. Versuchte mich innerlich erstmal nicht so drauf einzulassen. Und erzählte gleichzeitig nahestehenden Menschen davon, denen, denen ich auch von meiner Fehlgeburt erzählt hatte, damit andere mit uns hofften.

Noch einige Zeit nach der 12. Woche war mein Schlaf unruhig und meine Träume ziemlich wirr, beängstigend und erschreckend. Mit den ersten zaghaften Kindsbewegungen wurde das besser.

Es bleibt die bange Frage „wächst es genug, wird es genug versorgt?“ die ist immer ein bisschen da. Beim Blick auf die Waage und beim Kontrollieren des Bauchumfangs, bei jeder der wirklich zahlreichen Gyn-Kontrollen. Ich achte viel mehr darauf, eiweißreich zu essen, zähle moch akribischer die Koffeindosen nach, nehme Tabletten, beobachte kritisch jede Eintragung im Mutterpass. Dieser Dämon sitzt da, noch einige Wochen mindestens. Das muss ich wohl akzeptieren. Das selbstverständliche „es ist schon alles in Ordnung“-Gefühl aus der ersten Schwangerschaft fehlt mir. Aber das gehört dann jetzt wohl dazu.

Und so wird auch diese Schwangerschaft hier nicht ausgeklammert werden. Auch wenn ich nach wie vor keine Mamabloggerin bin und es hier weder ein Schwangerschaftstagebuch noch Bauchfotos mit Wochenangabe geben wird. Und auch sicher keine Produktempfehlungen und Bauchshooting-Aufnahmen vom Profifotograf. Aber natürlich selbst genähte Umstandskleidung. Und Einblicke in das Leben, das eben derzeit ein Schwangeren-Leben ist. Und sicher auch niedliche Mini-Kindersachen – wenn die Zeit dafür reif ist. Ohne dass diese Schwangerschaft hochglanz-perfekt aussehen soll oder wird. Keine Schwangerschaft ist hochglanz-perfekt. Muss sie ja auch gar nicht sein.

Sonntagssachen 9/2017

Morgens zunächst Hustensaft und Nasenspray verabreicht. Seufz. Brötchen holen allein und bei strahlendem Sonnenschein. Frühstück. Stricken, rumhängen, Duplo. Den Balkon genießen. Und dass man endlich wieder draußen spielen kann. Rote Bete eingelegt. Früh ins Bett wegen Erkältungskopf. 

Sonntagssachen 7/2017

wp-image-779163617jpg.jpgStifte gespitzt (alle Stifte!!!). Eine Jerseyinventur durchgeführt – Ergebnis: Schwarz, grau und dunkelblau in Kleidermenge, alles andere nur Shirtmenge und z.T. auch eher nicht Umstandsshirtmenge. Orangensaft fabriziert. Die alte Nähmaschine aufgeschraubt, eine hereingefallene Mutter gefunden und die Maschine saubergemacht – mit tatkräftiger Minimensch-Unterstützung. Bolognese vorgekocht. Ein fröhlich-schwarzes Kleid zugeschnitten. Einen sehr leckeren Kuchen gegessen, den Familie Drehumdiebolzen liebenswerterweise mitgebracht hatte und dabei ganz viel gequatscht. In Wald und Matsch und Bach herumgestromert. Wäsche aufgehängt.