Weihnachtssachen 2018

Eine kleine Auswahl: gestrickt, geschmückt, geschenkt, Bratapfelpunsch, Unglaubliche Ausmaße an Kinderchaos, neue Strickliteratur und ein sehr schöner Jahresplaner, Kekse, viele, nach Rotkraut mit Serviettenknödeln und Sojaragout, gab es am 2. Feiertag gebratene Semmelknödel mit Kalamata-Soße und Wintersalat, das Weihnachtskleid wird erst heute fertig…

Sonntagssachen 42/2018

In den kümmerlichen Schnee rausgegangen, für Schneemann reichte es trotz großer Bemühungen nicht. Gefrühstückt. Sirup abgefüllt. Baby-Fäustlinge gesucht und nur 2 rechte in unterschiedlichen Größen gefunden. Ein Geschenk verpackt. Gestrickt. Mit sehr vielen netten Menschen, die wir nur einmal im Jahr sehen gegessen, gequatscht und Kaffee getrunken. Zugeschnitten.

Knüppelhart

Die letzten Monate sind wie im Flug vergangen, viel mehr als Sonntagssachen gibt es hier kaum zu sehen, dass bald Weihnachten ist, merkt man bei uns nur am Adventskalender und der noch höheren Termindichte, nicht jedoch daran, dass schon Geschenke besorgt, womöglich gebastelt wären oder so. Ich beantworte Mails selbst an sehr enge Freunde mit einer Latenz von Wochen. Der Bügelkorb hat bald die Höhe des Bügelbrettes erreicht und die Dreckwäsche sprengt beständig ihre Behältnisse. Das alles aus dem schlichten Grund: hier leben zwei Kinder, eins davon ist gerade 1, ich gehe ins Büro, der Mann ebenfalls und es ist Herbst/Winter. Seit 6 Wochen ist hier immer mindestens einer krank. So ist das, institutionalisierter Ausnahmezustand.

Als der Minimensch gerade auf der Welt war, sagte ein Bekannter zu uns:

Das erste halbe Jahr ist hart, die nächsten eineinhalb Jahre sind knüppelhart, danach wird es besser.

Und genauso ist das, liebe werdende Eltern und liebe Freunde von Menschen mit kleinen Kindern. Unter dem Hashtag #ehrlicheeltern sammeln Menschen auf Twitter gerade genau das. Und ich hatte diesen Beitrag schon sehr passend einige Tage in den Entwürfen liegen.

Wenn man ganz frisch ein Baby bekommt, ist man vollkommen haltlos überfordert, mitten in stark schwankenden Hormonen, total in Alarmmodus und fragt sich: „Ey, wer hat gesagt, dass ich das kann? Diese Verantwortung, wie geht das?“ Wenn man wieder etwas von den Hormonen runter ist (und ja, Männer haben da auch Hormone) und sich ein paar Wochen an den Gedanken gewöhnt hat, merken die meisten Eltern, dass so ein Minibaby relativ anspruchslos ist. Es muss satt werden, schlafen und keinen nassen Po haben. Manchmal muss man es rumtragen oder schieben. Ok, manche haben Reflux und kotzen alle Milch wieder aus. Ja, es gibt Schreibabys, die sind nicht entspannt. Aber die allermeisten Babys sind ganz gut in den Griff zu bekommen, wenn man sie ein bisschen kennt. Routine, Training, man kommt irgendwie wieder klar.

Tja, und dann fangen die an zu Zahnen. Sie weinen ganze Nächte, sind anhänglich und fangen sich jeden vorbeifliegenden Infekt ein. Sie lernen krabbeln und laufen, das ist total toll aber auf einmal muss man ständig Sachen vor ihnen in Sicherheit bringen. Und naja, wenn sie wachsen werden sie auch lauter. Und dann machen sie wirklich viele Geräusche. Süße und lustige aber eben auch laute Geräusche. Und dann ist man ständig müde, dauernd fast krank, aber man kann sich ja auch nicht erholen, denn naja da ist das Kind und das ist laut und wirft mit Sachen und will rumgetragen werden.

Und vielleicht geht man auch noch arbeiten, das wirkt dann manchmal fast erholsam, weil keiner schreit, nicht zwanzig Dinge gleichzeitig zu Bruch gehen und Erwachsene das Konzept „geschlossene Tür“ ein bisschen besser verstehen als Kinder. Aber man ist halt auch müde und dauernd fast krank und dann ist das mit dem konzentrieren schon auch nicht so einfach. Und man muss dauernd die Uhr im Auge haben, denn es naht die Abholzeit, die Abendessenzeit, die Bettbringzeit. Und das berufliche Umfeld ist da auch wenig bis gar nicht verständnisvoll. Wie sagte meine Oberchefin vor Kurzem, als ich ihre Frage „Wie geht’s?“ Mit „müde“ beantwortete:

Ich fand immer das zweite Lebensjahr am härtesten. Kaum können Sie essen und laufen, denkt der Rest der Welt, dass Kinder jetzt keine Aufmerksamkeit mehr brauchen und von allein mitlaufen, dabei geht es dann erst richtig los, das sieht keiner.

Hat man ältere Kinder, dann muss man auch noch Freizeitaktivitäten, Sport, Spielbesuche unterbringen, wo das kleine Kind dann immer noch engmaschiger beobachtet werden muss, weil es sich sonst auf Steckdosen und von Treppen stürzt.

Also ja, das zweite Lebensjahr finde ich knüppelhart. Aber natürlich auch ganz toll, weil das Kind lernt zu kommunizieren und selbständig zu sein. Und bis heute finde ich eigentlich, dass Kinder mit jedem Entwicklungsschritt toller werden, mehr zu richtigen interessanten echten Menschen.

Und zum Glück auch irgendwann zu Menschen die nachts schlafen, Tags auch mal allein oder gar außerhäusig spielen, selbst auf Toilette gehen und manchmal sogar gesund sind. Ich freu mich drauf!

Zero Waste Geschenke verpacken (1)

Kennt ihr das?

Wir bestellen wirklich viel online, Geschenke aber auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Kinderklamotten, Drogerieartikel, verschreibungsfreie Medikamente, Gewürze und andere trockene Nahrungsmittel. Ja ich weiß, das wird alles rumgefahren, allerdings würde ich sonst sehr viel öfter an sehr viele verschiedene Orte mit dem Auto fahren, für vieles in die nächstgrößere Stadt. Und ich finde Innenstädte, gerade mit Kindern, wirklich fürchterlich, hasse shoppen und man kriegt nie alles was man braucht.

Der Effekt sind allerdings unendliche Altpapierberge. Denn alles kommt ja inzwischen mit Papier gepolstert (oder mit diesen verrottenden Verpackungschips, die wandern hier sofort zum Playmais) auch wenn Papier ja gar nicht immer ökologischer ist als Plastik.

Die Kartons werden hier bespielt, zum Versand anderer Dinge genutzt und vielfach dann in der Tonne entsorgt, das Polsterpapier hebe ich aber auf. Daraus werden Bastel- und Malkiste bestückt, klein geschnitten wird es zu Einkaufszetteln und wenn Anlässe wie Weihnachten nahen, werden daraus Geschenkverpackungen.

Und zwar nähe ich die Geschenke darin ein:

Das geht total einfach. Mit der Zickzackschere passend schneiden, Geschenk rein, 90er Nadel, rotes oder goldenes oder geschmacklich ausgewähltes Garn und dann einmal rumsteppen. Auch eine schöne Gelegenheit um mal die Zierstiche alle zu benutzen. Selbst der Minimensch kann das schon.

Kleinere Sachen, z.b. Seifenstücke, Schmuck oder Gutscheine kann man auch toll in die Seiten von ausgemusterten Büchern einnähen.

Außerdem mache ich aus dem Packpapier auch Geschenktüten. Hier ein Beispiel vom letzten Kindergeburtstag:

Zur Verzierung geht hier natürlich auch Goldstift, weihnachtliches Masking-Tape oder Glitzerkleber. Ich hab auch eine kleine Kollektion Weihnachtsstempel. Eine gute Anleitung für Falzbodentüten ist zum Beispiel diese.

Tipp: auch geeignet ist schon benutztes dickes Geschenkpapier, dessen Rückseite ungefärbt ist, oder das keine großen Tesa-Rückstände hat.

Sonntagssachen 40/2018

Gefrühstückt. Am Vortag gebackene Plätzchen eingedost. Vorgelesen. Den Bund des am Vortag genähten Rocks nochmal abgetrennt. Eine Brennprobe gemacht, Ergebnis: hoher Wollanteil. Plätzchen ausgestochen. Eine Maschenprobe gestrickt. Knödel eingewickelt. Abgepaust.

Sonntagssachen 37/2018

Lang geschlafen, ausführlich und lecker gefrühstückt und dann noch Stunden einfach am Frühstückstisch gesessen und mit Familie @drehumdiebolzen gequatscht. Einen Ärmel fertig gestrickt. Ein eher fragwürdiges Buch vorgelesen. Kartoffel-Kürbis-Gratin gegessen. Viele viele kleine Ecken abgeschnitten – mehr kann aus Geheimhaltungsgründen leider nicht gezeigt werden. Dazu den ersten heißen Apfelsaft der Saison getrunken.

Sonntagssachen 36/2018

Dieser Tag war etwas auf Sparflamme, weil wir ein Kind mit sehr langwierigem Magendarminfekt und eins mit Zeitumstellungsverwirrung und Zahnen bespaßen, bekuscheln, trösten und dabei voneinander fernhalten mussten.

Obwohl beide Kinder für Ihre Verhältnisse lang schliefen, war die Schlafausbeute eher bescheiden und ich war versucht meine Schlafanalyse mit Captain Obvious anzureden. Deshalb aufs Croissant noch Nussnougatcreme, weil! Ein paar Reihen Ärmel gestrickt, ich will die verdammte graue Jacke endlich fertig haben, langweiliges Ding! Mango-Apfel-Chutney eingekocht. Mehrere neue Wärmflaschen gemacht. Viele Seiten vorgelesen. Einen Lizzie-Skirt in dunkelrot zugeschnitten. Den Tag mit Weißwein und einem geschenkten Cupcake beschlossen.

Sonntagssachen 35/2018

Nach dem aufstehen, ganz passend zu meinem Wachheitsgrad 5 mal „Gute Nacht Karlchen“ vorgelesen. Hefeteig gemacht. Erster Teil des Hefeteigs wurde Frühstücksbrioche. Zweiter Teil des Hefeteigs wurde Äpfel-Mohn-Streuselkuchen*. Ein neues Kleid angezogen. Zum x-ten Mal zu flickende Hose aufgetrennt. Kürbis-Cakes gebacken. Abgepaust.

* Eine verbesserte Variante dieses Rezeptes: Untendrunter Hefeteig, oben drauf Streusel wie gehabt aber mit Kardamom. Den Hefeteig von diesem Rezept hab ich aufgeteilt auf eine Springform und eine Mini-Königskuchen-Form. Backzeit 40 Minuten bei 170 Grad Umluft.

Sonntagssachen 34/2018

Vorgelesen. Yoga praktiziert. Sehr viel darüber diskutiert, wer den Roller vom Bäcker wieder nach Hause befördern muss. Äpfel geschält und gestückelt. Mini-Mini bis Mini Klamotten durchsortiert. Kuchen gegessen. Dinge für Burrito auf den Tisch gestellt. Futterstoffreststücke gekettelt um sie dem Kindergarten zu schenken.

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Service:

Der Apfelkuchen war schon das zweite sehr leckere Rezept, das ich dieses Jahr probiert hab: Äpfel-Bienenstich. Auch toll und simpelst Französische Apfeltarte.

Bloggen gegen die Bequemlichkeit: Day of the Girl oder Wie ich zur Feministin wurde

Heute ist der #dayofthegirl, der Tag an dem darauf aufmerksam gemacht wird, dass Mädchen auf vielen Ebenen und vielerorts immernoch erheblich benachteiligt sind. Das ist ein sehr guter Anlass, um einen Text fertigzuschreiben, der schon länger in meinen Entwürfen rumliegt.

Vor ein paar Wochen bekam ich (und einige weitere Kolleginnen) eine Mail von einer Kollegin mit einem Feedback zu gemeinsam erarbeiteten Materialien in der der sehr nette Satz stand „Sorry, montags neige ich zu extremem Feminismus.“ Ich schrieb sinngemäß zurück, ich würde ihr beipflichten und das nicht nur montags.

Diese kleine Anekdote hat mir etwas vergegenwärtigt, das ich schon lang mal verbloggen wollte: warum ich Feministin bin. Und ich reihe das hier mal gegen die Bequemlichkeit ein, weil die Zuwendung zum Feminismus, so erlebe ich es bei vielen, zunächst viel mit Unbequemlichkeit zu tun hat und ein großer Schritt aus der Komfortzone ist.

Ich denke, ich spreche von mir als Feministin vielleicht so seit vier bis fünf Jahren. Das fällt nicht zufällig ganz gut mit dem Alter des Minimensch zusammen, das ist aber nur ein Teilaspekt, die halbe Geschichte, das Ende einer längeren Entwicklung.

Aber beginnen wir von vorn. Ich wuchs auf in der absolut festen Überzeugung, dass ich alles werden und alles erreichen kann. Meine Eltern haben, meiner Erinnerung nach niemals irgendetwas mit „Mädchen sein“ oder „Junge sein“ begründet, erklärt oder verboten. In der Grundschule hatte ich zwar ein erstes Erlebnis mit geschlechter-begründeter Ungerechtigkeit, als unsere Lehrerin in der ersten Klasse die Jungen zu wild und im Unterricht störend fand und deshalb zwischen die Jungs jeweils ein Mädchen, quasi als Pufferzone, setzte. Das war unschön und ich habe das Problem der mich von rechts und links störenden Jungs elegant gelöst, indem ich fortan dem Unterricht von unter dem Tisch sitzend folgte. Das hat die Lehrerin im Endeffekt zur Besinnung gebracht. Das nächste Erlebnis, das mir vor Augen führte, dass Mädchen scheinbar anders behandelt werden als Jungs trug sich im Physikunterricht der siebten Klasse zu. Unser Lehrer Herr B. schaffte es nämlich auf beeindruckende Weise, dass in einer Klasse mit 5 Jungs und 13 Mädchen ausschließlich Jungs die Experimente durchführten und ausschließlich Mädchen nachher diese aufräumen mussten. Er nannte außerdem die 5 Jungs beim korrekten Namen, demgegenüber nannte er *alle* Mädchen in der Klasse „Elisabeth“. Ich trug Desillusion und ein mangelndes Interesse an Physik davon. Gut gemacht, Herr B.

Weiterhin stellte ich aber nicht infrage, dass ich im Leben alles machen und erreichen können würde, was ich wollte. Und ich glaube, das ist eine Grundüberzeugung, die Frauen meiner Generation in der Pubertät und ihren frühen 20ern einte. Die Gleichberechtigung war doch durch, oder? Waren wir nicht besser in der Schule als die Jungs, ehrgeiziger, angepasster, zielstrebiger – was sollte uns denn schon aufhalten? Ich werde heute oft etwas wehmütig wenn ich die gleiche Überzeugung an Studentinnen sehe. Diese „ach, wer braucht denn noch Frauenförderung, Gleichstellungsgerede und gendergerechte Sprache? Wir haben doch alles was wir wollen!“-Attitüde. Tja, I beg to differ. Also jetzt.

Ich studierte ein relativ egalitäres Fach, Wiwi hat etwa 52% Absolventinnenquote. Selbst in der Promotion waren noch gefühlt gleich viel Frauen und Männer Wegbegleiter*innen (sind es nicht, etwa 40% sind Frauen, sagt die Statistik). Dennoch mehrten sich Gespräche und Erfahrungen, die mir sagten: „es ist irgendwas schief hier.“ Da wurde eine gefragt, ob sie in eine Berufungskommission gehen könne, weil halt schon die Profs nur Männer seien, da müssten doch wenigstens eine Studentin und eine Mitarbeiterin ran. Da saß ich in Gremiensitzungen, oft als einzige Frau oder eine von zweien und die anwesenden Professoren machten lustig-schlüpfrige Bemerkungen über die Doktorandinnen eines nicht anwesenden Kollegen („Also an der herausragenden Qualifikation liegt es wohl nicht. HAHAHA“) Da standen Studentinnen vor mir und erklärten mir, sie könnten leider die Aufgaben mit Formeln nicht, denn sie seien halt Mädchen und deshalb schlecht in Mathe. Hätte ihre Mama auch gesagt, dass das normal sei. Da bekam ich mehrfach von verschiedenen Professoren gesagt, dass heutzutage ja Frauen geradezu übervorteilt würden im Wissenschaftssystem. Da kriegte ich Texte, die ich gendergerecht verfasst hatte von meinem Chef zurück mit dem Hinweis, ich solle mal nicht so überkorrekt sein. Da war absolut jedem an der Fakultät klar, dass ein bestimmter Professor nur blonde Frauen einstellt, ein anderer besser zu meiden sei bei informellen Anlässen und wenn Sekt im Spiel sei. Und ich begann mich zu fragen, ob ich in dieser Kultur der Männerbünde ständig als einzige Frau den Kampf kämpfen will. Ob ich Lust habe, mein Berufsleben lang an der Grenze zwischen „die hat den Posten ja nur weil sie die Frau war“ und „die kriegt bestimmt Kinder, wie soll das denn gehen“ zu beginnen und in ebensolchem Umfeld weiter zu führen. Und schließlich wurde mir immer offensichtlicher, dass die Art, wie man in Deutschland Professor wird, nämlich über eine Reihe von sehr kurzen Beschäftigungen als Lehrstuhlvertretung an schnell wechselnden Orten und dann über Bewerbungen in mindestens ganz Deutschland so maximal familiengründungs-feindlich ist, dass weder ich noch der Mann das wirklich ernsthaft machen wollten. Und dass dieser Berufseinstieg letztlich dazu führt, dass sich auch in Zukunft dort Männer finden werden, die entweder keine Familie haben oder denen Teilhabe an der Familie weitgehend egal ist, denen eine Frau „den Rücken frei hält“. Das reproduziert die gleichen Boys-clubs die jetzt schon da sind, halt nur in jünger.

Und ohne es recht greifen zu können, wurde ich feministisch radikalisiert. Mit dem krönenden Abschluss der Erfahrung Kinder zu bekommen und sofort einem solch riesigen Paket an Rollenerwartungen ausgesetzt zu werden, dass einer ganz schwindelig werden kann. Und sah mit welchen krassen Rollenerwartungen schon minikleine Kinder konfrontiert sind. Mein lieber Scholli, wo ist denn die heile Welt der 80er hin? Als alles bunt und für Kinder und nicht blau-technisch für Jungs und rosa-crappy für Mädchen war?

Und so begann ich meine Karriere als Feministin. Heute bin ich in Beratungsgesprächen mit jungen Doktorandinnen knallhart ehrlich, wenn es um diese Dinge geht. Und bemühe mich nach Kräften, zumindest an meiner Wirkungsstätte systemisch gegen Boys-Club-Mentalität in der Wissenschaft vorzugehen. Und ziehe meine Kinder so neutral wie möglich an. Und erkläre meinem Sohn und all seinen verblendeten Freundinnen hundertfach, dass es keine Jungsfarben und Mädchenfarben gibt, sondern alle Farben Kinderfarben sind. Und bestehe dauernd auf geschlechtergerechte Sprache, weil ich will, dass es selbstverständlich ist, dass Frauen sprachlich da sind. Weil ich finde, dass wir jetzt lang genug gefeiert haben, dass Frauen wählen und studieren dürfen. Jetzt wäre es mal an der Zeit dafür, dass Frauen auch bestimmen dürfen und sein wie sie wollen und was sie wollen. Dass Frauen sich nicht zähneknirschend beleidigen lassen müssen von schlechtem Pennälerhumor und schlimmerem, und das Wort „Quotenfrau“ auf dem Müllhaufen der deutschen Sprache landet. Ich kenne viele Frauen in etwa meinem Alter, denen es ganz ähnlich geht. Die glaubten, feminismus sei unwichtig geworden, so’n Privat-ding von Alice Schwarzer und Frauen mit Doppelnamen in politischen Parteien. Und die heute desillusioniert sind und sagen müssen: Well, nein. Doch nicht. Es ist noch so viel zu tun.