Erfahrungsbericht: Reflux beim Säugling

Wer mir auf Twitter folgt hat in den letzten Wochen ein wenig mitbekommen, dass wir beim Mikromensch so wie auch schon beim Minimensch mit einem Reflux kämpfen. Ich wurde auf Twitter gebeten, meine Erfahrungen hierzu zu teilen und da tatsächlich darüber in Deutschland viel zu wenig bekannt ist, mache ich das gern. „Speihbabys sind Gedeihbabys“ – das scheint auch unter Kinderärzten so verbreiteter Glaube zu sein, dass die Diagnose Reflux oft nicht mal ordentlich gestellt wird, geschweige denn über Ursachen und Handlungsoptionen sauber aufgeklärt.

Was ist ein Reflux?

Reflux kann prinzipiell bei Kindern wie Erwachsenen vorkommen und bezeichnet den Umstand, dass Teile des Mageninhalts in die Speiseröhre zurückfließen. Dies kann mit würgen und sogar Erbrechen einher gehen, muss es aber nicht. Im Falle eines dauerhaften Reflux kann daraus eine Entzündung der Speiseröhre und, je nach Ausprägung, auch eine Reizung der Luftröhre bis hin zu Asthma, Pseudokrupp und anderen chronischen Lungenbeschwerden entstehen.

Bei Säuglingen ist zwischen physiologischem und pathologischem Reflux zu unterscheiden. In den ersten Lebenswochen (bis zu 12) ist das Verdauungssystem von Säuglingen noch nicht vollständig entwickelt. Dies bedingt die berühmt-berüchtigten Koliken und kann auch einen Reflux beinhalten. Bei vielen Säuglingen ist am Anfang zudem der Winkel zwischen Mageneingang und Speiseröhre noch nicht optimal, das gibt sich meist nach dem ersten Wachstumsschub. Der physiologische Reflux reguliert sich von selbst binnen weniger Wochen und ist oft für das Kind auch weitgehend beschwerdefrei.

Ein pathologischer Reflux liegt vor wenn 

  • Die Beschwerden über die ersten 12 Wochen andauern
  • Das Kind sichtlich beeinträchtigt ist (Schmerzen, Schlafprobleme, Trinkprobleme, Gedeihstörungen)

Woran erkenne ich einen (pathologischen) Reflux, wie unterscheide ich ihn von „einfach nur spucken“?

Tatsächlich ist ein Reflux nicht immer offensichtlich. Nicht alle Refluxbabies sind Spuckbabies und nicht jedes sog. Spuckbaby hat einen pathologischen Reflux. Beim Minimensch haben wir erst nach fast drei Monaten gewusst, das seine Beschwerden einen Reflux als Ursache haben. 

Folgende Beschwerden können auftreten:

  • Spucken auch noch lang nach einer Mahlzeit
  • Häufiges Aufstoßen bis zu 2 Std nach einer Mahlzeit
  • Schwallartiges Erbrechen ganzer Mahlzeiten
  • Das Baby überstreckt sich plötzlich und würgt, dabei muss nichts ausgespuckt werden – meine beiden Kinder haben so gut wie immer das zurückgeflossene wieder runter geschluckt 
  • Spucken oder würgen sind sichtlich mit Schmerzen verbunden, das Baby erwacht hiervon oder weint
  • Das Baby weint beim trinken oder verweigert das Trinken
  • Unruhiger Schlaf. Das Baby schläft nicht beim stillen/füttern ein, ist lang nach der Mahlzeit unruhig, erwacht sobald man es ablegt, schläft nur aufrecht, wenn es getragen wird
  • Das Kind weint, sucht, hat scheinbar Hunger und verweigert dann die Nahrung

Die Abgrenzung zum normalen Spucken ist einfach. Spucken erfolgt normalerweise kurz nach der Mahlzeit, mit dem Bäuerchen oder wenig später. Das Spucken ist mühelos, oft schläft das Baby vollkommen da drüber. Reflux macht dem Kind Mühe, es hat Schmerzen, es würgt Sicht- oder hörbar. Reflux tritt kontinuierlich immer wieder 1-2 Stunden nach einer Mahlzeit auf. 

Was ist bei einem Reflux zu tun?

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, mit denen man dem Kind Erleichterung verschaffen kann:

  • Stillen oder füttern in einer halb aufgerichteten Position, also einem Winkel von etwa 45-60 Grad
  • Nach der Mahlzeit das Kind einige Zeit aufrecht halten. Ja, das kann schonmal eine Stunde sein. Tragetuch und Schaukelstuhl sind hier sehr nützlich.
  • Den Abstand zwischen den Mahlzeiten von mindestens zwei, besser zweieinhalb Stunden nicht unterschreiten. Das Verdauen einer Milchmahlzeit braucht ca drei Stunden. Wenn der Magen noch teilweise gefüllt ist, ist die Gefahr einer zu großen Füllung größer. Der Mikromensch hielt seine Bauchschmerzen scheinbar für Hunger und wollte je schlimmer der Reflux desto häufiger trinken und das verschlimmerte den Reflux und führte zu schwallartigem Erbrechen. Deshalb haben wir immer versucht erst durch tragen, schuckeln und im Zweifel auch Schnuller zu trösten bevor ich wieder gestillt hab. Auf keinen Fall zum trösten stillen.
  • Übertrinken unbedingt vermeiden
  • Darauf achten, dass man das Kind erst ablegt, wenn es ein Bäuerchen gemacht hat.
  • Vor der Mahlzeit anstatt nach der Mahlzeit wickeln.
  • Eine leicht erhöhte Schlaflagerung herstellen indem man zB einen Aktenordner am Kopfende unter die Matratze legt.
  • Bei Flaschennahrung kann man diese etwas dicker bereiten

All das kann helfen, sollte es trotzdem Gedeihstörungen geben, ist eine Behandlung mit Säureblockern (Omniprazol) möglich – das wird in Deutschland aber kaum je von Kinderärzten in Betracht gezogen, scheint mir.

Grundsätzlich sollte man außerdem eine Ursachenklärung anstreben. Denn obwohl viele Kinderärzte es so darstellen, ist es keineswegs so, dass man immer nur die Möglichkeit hat, abzuwarten bis das Kind Brei bekommt und in eine aufrechte Haltung kommt. Es gibt Ursachen, die behoben werden können.

Ursachen für pathologischen Reflux

Ich kenne inzwischen einige Eltern mit Refluxbabys und bei keinem wurde der Reflux vom Kinderarzt ernsthaft diagnostisch angegangen. „Ja, das mit den Bäuerchen fällt halt manchen Babys schwer“, „Speihbabys sind Gedeihbabys“, „Ja, da hat man dann leider viel Wäsche“, „Das verwächst sich“ – das sind eher so die Reaktionen von denen mir erzählt wurde. Ich finde das vor dem Hintergrund der durchaus möglichen Lungenschädigungen sehr bedenklich. Außerdem ist ein Reflux für Kind und Eltern kein Pappenstiel. Das Kind quält sich teilweise enorm, die Eltern sind übermüdet vom aufrecht tragen des Kindes. Und so ein schwallartig erbrechender Säugling stimmt besorgt, das sag ich euch. Ich finde, das gehört ernst genommen. Kinderärzte hierzulande liefern wenn überhaupt nur eine Erklärung für den Reflux: anatomische Gründe. Doch es gibt mehr Ursachen:

  • Anatomisch bedingter Reflux – der sog Magenpförtnerkrampf. Eine Störung der Schließfähigkeit des Mageneingangs. Hier stimmt in der Regel das „verwächst sich“ und „gibt sich wenn das Kind aufrechter wird“. Ist der Reflux auch im Krabbel- und Laufalter weiter da, muss ggf eine OP erwogen werden. Ansonsten kann man außer den oben genannten Maßnahmen wenig tun. In vielen anderen Ländern wird hier schneller zu Säureblockern gegriffen als in Deutschland.
  • Allergisch bedingter Reflux: In Australien und den USA wird bei Reflux immer eine Allergiediagnostik vorgenommen denn Studien zufolge sind zwischen 30&45% der Refluxfälle durch Nahrungsmittelallergien ausgelöst. Die meisten Kinder sind gegen Kuhmilcheiweiß allergisch (90%), weitere häufig vorkommende Allergene sind Soja, Weizen und Schaf- und Ziegenmilch. Der Mikromensch ist übrigens gegen all das allergisch. Eine Allergie als Ursache ist umso wahrscheinlicher, wenn die Eltern Allergiker sind, die erbrochene Milch weitgehend unverdaut ist, das Kind auch Blähungen hat, die über die ersten 12 Wochen hinaus bleiben. 

Da Allergietests bei Säuglingen noch nicht zuverlässig sind (und wer will denn dem Baby Blut abnehmen lassen?!) erfolgt die Diagnose normalerweise über Eliminationsdiät bei der stillenden Mutter Bzw. Umstellung auf Kuhmilch-freie Spezialnahrung bei Flaschenkost (das ist nicht HA-Nahrung, die ist immernoch allergen) . Die Allergene müssen dabei nacheinander durchgetestet werden, ein Effekt ist frühestens nach 24 Stunden erkennbar, meist dauert es 2-3 Tage. Vollständige Besserung wird frühestens nach drei Wochen ohne das Allergen erreicht. 

    Frühe Nahrungsmittelallergien regulieren sich oft mit der Zeit, wenn das Allergen weggelassen wird. Daher kann regelmäßig etwa im Abstand von drei Monaten, wieder probiert werden, ob das Allergen nun wieder vertragen wird.

    • Reflux durch Fehlbesiedelung des Darms: hiervon habe ich bisher von zwei Babies gehört, bei denen eine Therapie mit Darmbakterien den Durchbruch brachte. Da meine Kinder allergischen Reflux haben , weiß ich nicht sehr viel hierüber.
    • Reflux durch Haltungsfehler: eine Fehlstellung, die im Mutterleib oder unter der Geburt entstanden ist, wie etwa das KISS-Syndrom kann ebenfalls einen Reflux bedingen, da sie zu Zug auf dem Zwerchfell führen kann, das die Speiseröhre ja umschließt. In diesem Fall wird eine Behandlung der Fehlhaltung etwa durch Physiotherapie auch den Reflux bessern

    Es wird z.T. auch eine Kombination sein. Beispielsweise manifestiert sich eine Allergie natürlich vor allem dann als Reflux, wenn dies anatomisch eh eine Schwachstelle ist.
    Weiterführende Informationen:

    Sonntagssachen 31/2017

    Wochenbett-Trägheit und Herbstmüdigkeit. Ein ruhiger Sonntag:


    Der Tag beginnt mit Mamazeit für den Minimensch. Frühstück. Wickeln-stillen-kuscheln 1/x. Stricken. Stolzer Kinderwagenpilot und eine Minirunde um den Block. Badeschaumeskalation.

    Willkommen Mikromensch

    Nach 41 Wochen und dann doch irgendwie überraschend ist der Mikromensch mit einem „fulminanten Start“ (Zitat erster untersuchender Kinderarzt) in unser Leben gekommen.

    Ich erhole mich dann mal und kuschel die Kinderchen.

    Sonntagssachen 29/2017

    Als erste wach gewesen und mithilfe des Buttinette-Katalogs einen Ausflug in die 80er unternommen. Eine Operation am offenen Jäckchen vorgenommen. Gefrühstückt. Duplobau-Assistenz. Kaffee und Strickzeug am Straßenrand. Tiere gestapelt. Durch Wiesen gestreift.

    Sonntagssachen 27/2017

    Vorgelesen. Legosteine angereicht. Gefrühstückt. Mittagsschlaf gemacht. Gelesen, notiert und geplant. Gestopft. Einen Seespaziergang gemacht. Ein Stillkleid zugeschnitten. Sehr kleine Socken gestrickt.

    Sonntagssachen 20/2017

    Kinderkunst bewundert. Milch geschäumt und wie immer nicht glauben wollen, dass das Glas auf die Gasflamme kann. Improvisiertes Hockey gespielt. Bett abgezogen und gelüftet. Vorgelesen. Gebloggt. Gelesen und dabei am Sandkasten in der Sonne gesessen. Den Zuschnitt für ein Stillnachthemd gemacht.

    Mutterschutz

    Nun bin ich im Mutterschutz. Das fällt mir gar nicht so leicht. Zwar bin ich eigentlich müde und ausruhbedürftig genug, aber ich bin auch etwas rastlos und suche Beschäftigung. Denn nach 3 Jahren als arbeitende Mutter bin ich sehr daran gewöhnt in optimiertem Tagesablauf und bestmöglichem Output zu denken. Nichts hat meine Effizienz am Arbeitsplatz so erhöht wie das Wissen um die Schließzeit der Kita und die Vergänglichkeit der Arbeitsstunden. Nun richtet sich diese antrainierte Effizienz auf die chaotische Wohnung und die Ablage. Mit mäßigem Erfolg denn der Rücken schmerzt und der Nachtschlaf ist wenig und unerholsam. Gut dass mich der Gesetzgeber zur Pause zwingt. Denn das stete schlechte Gewissen, doch weniger zu leisten, weniger Flexibilität zu zeigen, andere Kollegen zu belasten, so schnell geht das nicht weg – wie unangebracht es auch sein mag.

    Tatsächlich habe ich in dieser Schwangerschaft im Gegensatz zur ersten bis zum letzten Tag vorm Mutterschutz gearbeitet. Und dass das ging macht mich froh, denn es heißt ja, dass es mir und dem Bauchzwerg gut geht. Gut aber auch, sagen zu können: Und jetzt ist Schluss, ab jetzt Ruhe und Kraft tanken. Denn trotz vieler bemühter Worte („Sie heben aber nicht zu schwer?“ „Wenn Ihnen das Wetter zu schaffen macht, melden Sie sich.“) am Ende wird eine dann doch nicht besonders geschont. Mein letzter wirklich wichtiger Termin war zwei Tage vor Ende, und da gab es noch einiges nachzuarbeiten. Im Grunde ist schon die Erwartungshaltung deutlich: Sie haben einen Job mit Verantwortung, also kommen Sie der bitte auch möglichst uneingeschränkt nach. Ich gewinne latent den Eindruck, dass die Bereitschaft von Eltern ihre angeblichen Nachteile als Arbeitnehmer*innen zu kompensieren ausgenutzt wird. So erhielt ich z. B. mit dem Infoschreiben zum Mutterschutz auch gleich eine Information, dass ich auf eigenen Wunsch den vorgeburtlichen Mutterschutz kürzen kann. What? Ich bin doch nicht irre. 

    Ich werde direkt nach dem Mutterschutz wieder mit einer sehr geringen Stundenzahl beginnen zu arbeiten. Auch hier sehe ich jetzt schon, dass ich da scharfe Grenzen ziehen muss, damit ich nicht heimlich weit über das verabredete hinaus an Aufgaben bekomme. Und irgendwie macht mich das alles sauer. 

    Es gibt viele, sehr viele Eltern, die aus persönlichem Engagement, Spaß am Job, finanzieller Not, oder wirtschaftlicher Unsicherheit heraus nach kurzer Elternzeit von max. einem Jahr wieder viel und sehr engagiert arbeiten. Der Komplettausstieg für viele Jahre ist heute sicher nicht mehr der Regelfall. Ich arbeite aus innerem Antrieb heraus ohnehin mehr und vor allem engagierter als man eigentlich von mir erwarten kann – bei höchstens mittelmäßiger Bezahlung. Und genauso komme ich eben auch aus Spaß an der Arbeit und aus Verantwortungsgefühl für meine Aufgaben schnell wieder zurück. Aber das darf doch nicht zur Grunderwartung werden. Dass Eltern quasi „unmerklich“ Eltern sind und nach einem kurzen „Urlaub“ (haha!) wieder da sind, als sei nichts gewesen. Denn Elternschaft ist kein Privathobby, das man ausübt wenn es gerade gut passt. Wir tragen damit gleichzeitig zur Zukunft der Gesellschaft bei. Unter Aufbringung erheblicher finanzieller und persönlicher Ressourcen. Und selbst wenn man diesen gesellschaftlichen Aspekt außer acht lässt- sollte ich nicht mehr Herrin über meine Lebenszeit sein, als meine Arbeitgeberin? Sollte mein Engagement und mein Einsatz nicht auch dadurch honoriert werden, dass mir ermöglicht wird, meine Arbeitszeit individuell zu wählen – anstatt dass Engagement als Aufforderung verstanden wird, noch mehr davon zu fordern.

    Von daher bin ich froh, dass es den Mutterschutz gibt, der unmissverständlich sagt „jetzt ist mal gut“ und mich davon entbindet, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht mehr so leistungsfähig bin wie sonst. Und um einen guten Start in geteilte, faire, engagierte Elternschaft für beide zu gewährleisten, würde ich sofort auch einen „Vaterschutz“, wie ihn jüngst die SPD-Ministerin Katarina Barley vorschlug unterstützen. (Das Interview ist insgesamt lesenswert!)

    Sonntagssachen 19/2017

    Nein, das Kind spielt hier weder Handy noch Tablet, es fröhnt seiner neuesten Leidenschaft „Zahlen“ an einem leicht defekten Taschenrechner. Kunstwerke geschenkt bekommen. Kuchen verspeist gemeinsamen mit der besten Drehumdiebolzeningenieurin samt kl kl Mensch. Nägel lackiert. Kleinstreste eines mitgewaschenen Taschentuchs von Kleidungsstücken weggerollert. Kuchen gebacken. Und mit Kuvertüre überzogen.

    Baby-Erstausstattung: meine persönliche Empfehlung

    Es gibt Listen zu Babyausstattung zuhauf. Solche die eher das Konsumbedürfnis werdender Eltern befeuern, die vielleicht auch nutzen, dass man so händeringend alles richtig machen will genauso wie solche die betonen, dass man ja quasi nichts braucht und gleich darauf teure bio Wollsachen und Naturkosmetik empfehlen.

    Vor der Geburt des Minimensch ahnte ich schon, dass mein Ansatz wohl eher ein pragmatischer sein würde. Allerdings kam der Minimensch dann ja früher und sehr viel kleiner als geplant auf die Welt und wir waren tatsächlich nicht ganz fertig mit dem Vorbereiten. Wir hatten z.B. noch keine Babyschale, das Bettchen war nicht aufgebaut, Windeln in kleinster Größe hatten wir auch nicht da. Und alle vorher gekauften Klamotten waren zu groß. Das ließ sich aber alles schnell regeln. Dennoch bin ich diesmal früher dran mit der Babysachen-Vorbereitung.

    Was man wirklich unbedingt sofort braucht:

    • Autositz
    • Bettchen, inkl. Matratzenauflage und Spannbetttuch
    • Schlafsack
    • Windeln in Größe 1 – ruhig mehr als eine Packung
    • Wundschutzsalbe vorzugsweise ohne synthetische Fette, da hat inzwischen ja jede Drogeriemarktkette eine Bio-Serie, das muss nicht immer das teure Anthroposophie-Produkt sein
    • 10 Bodies aus Baumwolle, mehr Langarm als Kurzärmlig, am besten zum wickeln (da braucht es auch mal zwei am Tag)
    • 5 Garnituren Oberbekleidung, also Shirt und Strampler/Hose
    • Dünne Jacke
    • Spucktücher, reichlich
    • Wickelunterlage(n)
    • Baby-Wolldecke
    • Fieberthermometer
    • Wärmestrahler oder Lampe
    • 2 Kapuzenhandtücher
    • Verschiedene Mützchen/Sonnenhüte
    • Wollsöckchen

    Das mit den Langarmbodies sollte man im Blick haben. Denn es gibt im Sommer kaum Langarmbodies zu kaufen. Ist Saisonware – sagte man dem vollkommen verdatterten Mann als er Mitte Mai versuchte, adäquat kleine Kleidung für den Minimensch zu kaufen. So ein Mummpitz. Babys zieht man tendenziell langärmelig an und es ist ja auch eher nicht von Mai bis September am Stück 30 Grad. Diesmal habe ich im Frühjahr Langarmbodies zum Wickeln in Gr. 50 und 56 gekauft um unsere Bestände aufzufüllen.

    So gut wie alle unsere anderen Babyklamotten sind gebraucht gekauft, die meisten bei eBay. Und sie werden jetzt das fünfte Kind kleiden ohne dass die meisten nennenswert abgenutzt sind. Denn auch wenn man sie viel wäscht, die Trageperiode je Kind ist einfach kurz. Durch den Gebrauchtkauf erspare ich der Welt Ressourcen- und mir Geldverschwendung. Zudem sind auch alle Schadstoffe schon rausgewaschen. Unsere Schlafsäcke und wenige Wollsachen haben wir neu und bio gekauft, bzw. uns gewünscht. Aber eine komplette Marken-Bio-Ausstattung finde ich – persönlich – übertrieben.

    Natürlich haben wir viel mehr als 10 Bodies und 5 Kombis an Oberbekleidung – allein schon weil wir noch Sachen geliehen und geschenkt bekommen haben. Aber wirklich richtig dringend notwendig sind wahrscheinlich nur 10/5. Natürlich auch schon in der nächst größeren Größe, denn so mancher Säugling wächst binnen Tagen aus Größe 50 raus.

    Was manche auf dieser Liste vermissen werden:

    1. Wickelkommode

    Wir hatten keine. Wir haben die ersten Wochen den Minimensch mit Wickelunterlage auf dem Bett oder Sofa gewickelt. Als er seinen Kopf selbst halten konnte haben wir begonnen, ihn in Bauchlage auf dem Schoß zu wickeln. Wenn man das einmal kann ist das ein grandioser Life-Hack. Denn man kannwirklich überall sauber und hygienisch wickeln, muss nie einen ekeligen Wickelplatz im öffentlichen Klo erstmal grundreinigen und ist auch nicht auf die gendergebiaste Zurverfügungstellung von Wickelgelegenheiten angewiesen.

    2. Babybadewanne

    Wir haben den Minimensch in einem Wäschekorb/Wanne gebadet. Das ging wunderbar und das Ding steht jetzt nicht im Weg, sondern kommt seinem Ursprungszweck wieder zu.

    Was ich darüberhinaus sehr nützlich finde:

    • Mullwaschlappen (Anleitung folgt)
    • Baby-Hängematte
    • Tragetuch
    • Krabbeldecke
    • Kleine Windeltasche
    • Babyöl ohne synthetische Öle
    • Baby-Sonnencreme (je nach Jahreszeit)
    • Kleine Traubenkern- oder Dinkelkissen
    • Strampel- oder Pucksack mit Gurt-Durchlass für den Autositz

    Die Baby-Hängematte war sicher das beste, was ich für den Minimensch genäht habe. Er hat hierin mindestens ein halbes Jahr seine Tagschläfchen gemacht. In den ersten Monaten haben wir sie außerdem als Reisebett mitgenommen, das war sehr praktisch.

    Ohne Tragetuch hätte ich nicht gewusst, wie ich Zahnen, Blähungen und diverse Entwicklungsschübe überstanden hätte. Ich könnte auf den Kinderwagen verzichten, auf das Tuch sicher nicht. Allein schon, dass man Tragen kann und dennoch die Hände nutzen ist unbezahlbar. Nach einiger Zeit bin ich dazu übergegangen den Minimensch auf dem Rücken in der Manduca zu tragen, das ist Rücken- und Hüft-schonender geht aber eben erst nach einigen Monaten.

    Die Traubenkernkissen waren in der Blähungszeit im Dauereinsatz, heute noch kommen Sie bei Mittelohrentzündung zum Einsatz. Inzwischen wurden sie durch selbst genähte Dinkelkissen ersetzt.

    Ein ganz persönlicher Tipp noch: Ich habe allen Stramplern die Füße abgeschnitten und Bündchen angenäht. Einerseits war der Minimensch oft drinnen im Warmen mit nackten Füßen viel zufriedener, andererseits sind die Klamotten dann viel flexibler, man kann sie umgekrempelt schon anziehen, wenn sie noch etwas lang sind und auch noch wenn sie schon ein bisschen kurz werden. Denn am Ende wachsen Babys ja nicht normgerecht und dann passen die Strampler mit Füßen vielleicht nie oder nur kurz, weil das Kind einfach lange oder kurze Beine hat. Das amputieren von Stramplerfüßen war meine erste Nähmaschinen-Handlung nach der Geburt des Minimensch und genau richtig für die erste halbe Stunde Zeit, die ich mir irgendwo für mich rausnehmen konnte.

    Es lohnt sich, auch wenn man fest vorhat, zu stillen auch Fläschchen, Sauger und ein Päckchen Milchpulver da zu haben. Auch Informationen einzuholen, welche Apotheken elektrische Milchpumpen vermieten macht Sinn.