Freitags mit … Handwerkern (und anderen)

Ich habe ja neuerdings freitags meinen Extrem-Entspannungstag. Also das ist dieser Tag an dem das Kind nur maximal bis 12 in die Kita kann. Wo also praktisch nicht lohnt irgendwas sinnvolles zu machen und ich deshalb plante, einfach gar nicht erst zu arbeiten, sondern totaaaaal tiefenentspannt meine Freiheit zu genießen. Meine Entspannung sah entsprechend in den letzten Wochen freitags jeweils so aus: Einkaufen ohne Kind *juhuuu*, krank sein, doch noch schnell ganz viel arbeiten müssen, krank sein, … klappt super mit den 3-4 Stunden Entspannungszeit am Freitag, nicht wahr? Heute neuer Gipfel der Entspannung: Handwerker an drei verschiedenen Stellen der Wohnung. Und nebenher noch arbeiten, weil nix geschafft, weil erst seit gestern wieder im Dienst. Der Plan war also, das Kind pünktlich um 8 in der Kita abzuliefern (wir sind sehr schlecht im pünktlich in der Kita sein), schnell einkaufen, 3 Stunden arbeiten während nebenher die Handwerker alles wieder gut machen, was derzeit doof ist. Um 11.45 entspannt zur Kita fahren und dann das Kind mit Mittagessen füttern und danach Mittagsschlaf machen. Guess what – läuft ganz anders.

Ich wache um 7 Uhr von allein auf, weil nunja, eine der Sachen, die repariert werden muss, ist die Rollade im Schlafzimmer. Also wache ich mit der Sonne auf. Das ist 7. So weit so gut. Ich schleiche ins Bad (der Mann kam erst gefühlt vor 5 Minuten von einer Betriebsfeier ins Bett). Palim palim da tönt es aus dem Babyfon. „Mama?“ Ich stelle mich tot. …. „Die Mama soll kommen.“ (Immerhin, das mit der Grammatik kann der Minimensch gut.) Also wieder raus aus dem Bad. Kind kuscheln. Kind mit in die Dusche nehmen. Mann wir liegen gut in der Zeit. Dann passiert, was immer passiert – wir fallen in das Badezimmer-Zeitloch und kommen erst um 7.55 wieder heraus. Am Frühstückstisch stelle ich fest, dass ich vergessen habe mich zu schminken. Das Kind vertilgt derweil eine halbe Million Brote und fragt alle drei Bissen „Papa, keinen Hunger?“ „Nein, Papa will noch schlafen. Der war erst sehr spät im Bett.“ Kind, nickt sehr wissend: „Das ist anstrengend.“ Ha, erfasst. Erkenntnis – Besserung. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich schminke mich und schreibe nebenher meine Einkaufsliste und hoffe, 8.15 das Haus verlassen zu können.

8.40 Wir sitzen im Auto. Vorher Flur-Zeitloch. Immer dieses Sockensuchen, Schuhesuchen, über die Anzieh-Hoheit diskutieren, ausdiskutieren welche Kuscheltiere mit in die Kita dürfen. Heute ergänzt um Papa wecken und diskutieren welche Schuhe Mama anziehen darf. Achja. Die Freuden der Elternschaft. Immerhin in der Kita alles top, das Kind flitzt schneller ab, als ich ihm die Hausschuhe anziehen kann, ich parke um 9.00 in der Fußgängerzone und beginne den Drei-Geschäfte-Einkaufs-Marathon. Ich habe optimistisch nur 45 Minuten Parkschein gezogen.

9.52 Naja fast. Drogerie, Biosupermarkt, Bank, 2 Kinderschlafanzüge und ein Shirt als Bonus. Ich bin hochzufrieden. Zuhause begrüßen mich neben dem Mann noch drei verschiedene Handwerker, die sich übertreffen in „Leider kann ich ihnen nicht den Einkauf rauftragen-Witzen“ Stur lächeln und winken. Einkauf verräumen, Kaffee kochen, Anweisungen erteilen. Um 10.15 sitze ich am Küchentisch mit Laptop und der Heizungsmann ist schon fertig. Das läuft. Ich lese sehr konzentriert eine Präsentation Korrektur während neben mir an der Wand gespitzt, industriestaubgesaugt und laut geflucht wird. Ich verspreche, nicht zu verraten, dass unsere Klingelanschlussleitung jetzt sehr viel schöner verputzt ist, als die der anderen im Haus. Immerhin, unsere Tür hat nun wieder ein richtiges Schloss. Darauf geht der Handwerker erstmal eine rauchen.  Die 5 Minuten Lärmpause nutze ich für ein Telefonat. Der Handwerker ist übrigens sehr mit sich zufrieden und hochgradig begeistert von seiner eigenen Arbeit. Ich nicht so, bin nämlich erst auf der 4. von 33 Folien. Ja gut. Ist ja noch fast ne Stunde Zeit.

10.50 der Handwerker ist zurück und macht jetzt Sachen, die weniger Lärm machen, aber deutlich mehr stinken. Ich trinke noch einen Kaffee. In einer Stunde muss ich das Kind aus der Kita holen, an der Rolladenreparaturfront ist noch kein Ergebnis zu beobachten und meine Arbeit ist auch noch nicht fertig. Hmpf. Dafür ist der Industriestaubsauger wieder im Einsatz.

11.05 Immernoch Türrahmenreparatur. Nix an der Rolladenreparaturfront. Kinder meine Nerven. Dafür hab ich die halbe Präsentation durch. So ein Industriestaubsauger ist übrigens sehr super, wenn man mal gar nicht denken möchte. Einfach mal den Kopf leer kriegen. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu.

11.15 Es wird gefeilt und gesprüht und gespachtelt und geflucht. Himmlische Ruhe quasi. Ich lese mich flott durch 10 Folien und verteile sporadisch kleine rote Kringel hier und da. Mein Kopf schmerzt, was möglicherweise am unruhigen Nachtschlaf des immernoch hustenden Minimenschen, möglicherweise aber auch am wundervollen Geruch der Spachtelmasse liegt. Ob Kaffee hilft? Kann man ja mal probieren.

11.25 Ich habe die Korrektur fertig und abgeschickt. Kopfschmerz ist kaffeeresistent. Der Handwerker ist verschwunden, bzw. läuft im Hausflur rum. Nix neues an der Rolladenfront. Dafür spielt sein Handy als Klingelton das Star-Wars-Intro. Öfter. Also so ca. alle 10 Minuten. Ich werde den Tag also mit einem Star-Wars-Ohrwurm verbringen. Die Lösung der Spontan-Dematerialisierung des Handwerkers ist eine Belohnungs-Zigarette nach erfolgreicher Tür-Reparatur. Ich bewerfe meine Kopfschmerzen mit Traubenzucker und betrachte die so semi-hübsch beisgespachtelte Tür, das formschön versteckte Klingelkabel und befühle beglückt den nun wieder warmen Heizkörper im Wohnzimmer. Dann besinne ich mich, dass ich ja noch 15 Minuten wertvolle Arbeitszeit hab und arbeite mich durch meine Mails. Unpraktischerweise ist anscheinend gerade im Büro Ausflugszeit, zumindest beantwortet keine/r meine/r Kollegen meine Mails und Chatnachrichten. Ob die auch alle Belohnungszigaretten rauchen? Es ist geradezu gespenstisch ruhig und die Sonne scheint. Ein kurzer Moment des Friedens. Ich durchsuche meinen „WIP“-Hefter (Teufelsding!) nach einem bestimmten Zettel. Dabei finde ich ein Rezept für Weihnachtsplätzchen von meiner Schwiegermutter. Ja gut. Ich wundere mich da jetzt nicht drüber, sondern mache lieber sinnvolle Dinge.

11.45 Das Fluchen hat sich ins Schlafzimmer verschoben. Ich klappe den Rechner zu und teile dem Handwerker mit, dass ich zur Kita fahre. Dieser ist gerade dabei, in hilfloser Geste die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und „Supergau“ und „was soll ich da denn jetzt machen“ vor sich hinzumurmeln. Auf mein: „Sollten Sie vor in einer halben Stunde fertig sein, ziehen Sie einfach die Tür zu“ hin ertönt hilfloses Schnauben. Na gut. Ich fahre lieber mal. Und bin dann sogar überpünktlich an der Kita, wo ich voll gecheckt sowohl das Essensgeld passend dabei habe als auch endlich mit einer anderen Mutter über eine angedachte gemeinsame Babysitting-Lösung für lange Arbeitstage sprechen kann.

12.20 Der Minimensch und ich betreten die Wohnung und der Handwerker betätigt gerade testweise die wieder funktionierende Rollade. Ich enthalte mich jeden Kommentars der Dinge von „Wunderheilung“ oder „not so GAU“ enthält, danke freundlich und wünsche ein schönes Wochenende. Der Handwerker wünscht fröhlich „bis nächste Woche“ – ich schnaube. Der Minimensch und ich essen Pizzareste und erzählen ausführlich und zusammenhanglos vom Tag (also vor allem er, ich sage „Willst du noch essen?“ im Minutentakt).

13:00 Haben wir endlich das essen beendet, die Hände gewaschen, die Hose gewechselt, die Zähne geputzt, das Kind ist umfallmüde. Und zwar genau so lang, bis es in seinem Bett liegt. Dann besteht es darauf, dass ich dort bleibe und beginnt Rollenspiele und Fingerreime mit seinen Kuscheltieren. Ich schaue mir das eine Zeitlang an und verlasse dann – natürlich unter lautstarkem Protest den Raum. Ich will noch etwas arbeiten und nach Möglichkeit zumindest 10 Minuten kurz schlafen. Und während das Kind mir fröhlich durch das Babyfon Lieder vorsingt, mache ich mich an das Korrigieren meines Papers …

7 Sachen-Sonntag

Es gibt wenig Bilder derzeit hier. Da mach ich doch einfach mal wieder einen 7-Sachen-Sonntag.

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Recht früh, zu früh, unangenehmer Start mit Hustenbalsam und Fieberthermometer. Kind krank.

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Immerhin, Sonnenschein.

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Auf dem Weg zur Bude und den Sonntagsbrötchen die „Zu verschenken-Kiste“ neu bestückt. Bisher ist alles verschwunden, was ich rein gelegt hab.

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Mit engagierter Papierknüllunterstützung Kisten packen. Küche.

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Zwischendurch dringend benötigte Koffeinzufuhr.

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Dass die Wäsche nicht jetzt mal bis nach dem Umzug warten kann ist ja auch eher unschön.

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Am Abend nach einigen Computerdingen noch die letzten Handstiche am Bielefeld-Zweitprojekt. Morgen also auch die letzten Rollen Nähgarn einpacken.

Und was bringt 2014?

Mein Rückblick erschien ja schon vor ein paar Tagen. Auh das neue Jahr hält viel aufregendes bereit. Zunächst ist ja das Leben mit kleinem Kind per se sehr spannend. Fast täglich gibt es neue Gafahrenzonen aus dem Weg zu räumen neues zu bestaunen und langweilig wird es da schonmal nicht. Aber außerdem beginne ich, noch in meiner Elternzeit, ab Anfang Februar wieder schrittweise mit dem arbeiten, ab April dann mit 50%. Das wird spannend, denn Herr Siebenhundertsachen und ich teilen uns die Betreuungszeiten (vermutlich mit externer Unterstützung hier und da) – hinzu kommen noch die Pendelzeiten und außergewöhnliches wie Konferenzen usw. Da wird es viel zu organisieren geben und eine ganz neue Routine muss erst noch gefunden werden. Ich freue mich vor allem auf meine Vorlesungen, bin aber auch gespannt, wie ich es hinkriege, meine Energie und Zeit gut und sinnvoll aufzuteilen in einer Weise, die uns auch noch Freiräume „für uns“ lässt. Ob wohl die Regierung uns hier tatsächlich mal helfen wird? Das wäre ja ausgesprochen verwunderlich, so eine Anwandlung von nachhaltiger, familienfreundlicher Arbeitsmarktpolitik.

Aber natürlich gibt es auch Pläne, was werkeln, nähen, basteln angeht. Zunächst wird da das Arbeitszimmer anstehen. Leider können wir es nicht mehr länger rausschieben. Seit etwa einem Jahr arbeitet eigentlich so recht niemand im Arbeitszimmer. Aber mit home office für uns beide wird das bald wieder anders sein. Bis dahin sollten im Idealfall all die Dinge, die dort hingepröllt mal eben kurz abgestellt wurden, wieder verschwunden sein. Außerdem muss die Schreibtischorganisation wohl überlegt werden und Platz für meinen Nähtisch geschaffen werden. Denn – und das ist schon der zweite Punkt – irgendwann werden wohl der Nähtisch, das Gästebett und unsere Musikinstrumente aus dem Kinderzimmer ausziehen müssen, weil der Minimensch dort einzieht. Hmpf. Ich habe sowas ja geahnt, aber bislang noch tunlichst ignoriert.

Neben diesen Räum-Ausmist-Organisiertätigkeiten, wird es natürlich auch was zu nähen geben. Ich bin ganz geruhsam mit einem Rock in das Jahr gestartet, nach bewährtem Schnitt und mit bekanntem Stoff. Schwarz-grau-weiß, also ein Allrounder. Nicht an einem Stück genäht, sondern wenn der Krankenstand hier es mal zuließ am Abend. Das Futter fehlt noch, das mach ich im Verlauf des Wochenendes, denke ich. Da das Ende der Stillkleider nun deutlich absehbar ist, tummelt es sich auf meiner Projektliste ganz schön. Ich hab hier Elisalex und Anna von By Hand London liegen. Außerdem das Pavlova Wrap Top und das Tiramisu Dress von Cake Patterns. Und noch einige Kleiderschnitte mehr. Sehr dringend ist der Wunsch nach einem Blazer, der zu meinen vorrangig blauen Dozentinnenkleidern passt. Ich werde also wohl ein Kostüm in Angriff nehmen, denn wenn ich wieder arbeite, gibt es auch wieder Anlässe für „Frau-Dozentin-Outfits“. Hier muss ich aber nochmal auf Stoffjagd gehen, denn ich hab ja nie mehr als 2m von irgendwas im Lager. Zum Glück hat alfatex Wollstoffe reduziert. Beim Kostümschnitt habe ich so 4-5 zur Wahl, zum Teil Vintage zum Teil aus Zeitschriften. Kommt Zeit kommt Blogpost…

Der Minimensch soll Latzhosen bekommen, das erscheint krabbelfreundlich. Und der Mann wartet schon lang sehnsüchtig auf einen Hoodie. Im Wege steht eigentlich bei all diesen Projekten erstmal das nervige Kopieren.

Und dann noch der Garten. Unser erstes richtiges Gartenjahr. Ich habe eifrig Bücher gewälzt und eine erste grobe Vorstellung eines Bepflanzungsplans entwickelt. Der muss noch finalisiert werden. Und dann natürlich viel getan. Laube streichen und einrichten, Wiese düngen und neu einsäen, Bäume schneiden, Saatgut besorgen. Das wird aufregend und viel Arbeit. Aber hoffentlich auch schön. Ich bin jedenfalls schon gespannt wie ein Flitzebogen und freu mich. Wie Bolle.

So, und jetzt versuch ich mal gesund zu werden, damit ich mit irgendwas davon überhaupt mal anfangen kann…

Zurückschauen

2013 war für mich eines der aufregendsten und umwälzenden Jahre meines Lebens. Beim Baumschmücken haben wir darüber sinniert, dass ich letztes Jahr Weihnachten noch gar nicht so sehr dolle schwanger war und nun krabbelt ein wundervoller Minimensch hier rum und vandalisiert die verpackten Geschenke. Eigentlich unfassbar. Dazwischen lagen komplizierte und nervöse letzte Schwangerschaftswochen, ein wundervoller Monat gemeinsame Elternzeit und sehr viel tolle Minimensch-Zeit. Aber natürlich auch anstrengende Wochen bis Monate mit Blähungen, Reflux, Zahnen, wenig Schlaf, viel Chaos, wenig Energie.

Aus einer eher anstregenden Zeit komme ich gerade. Seit bereits vor Weihnachten sind Herr Siebenhundertsachen und ich wechselnd krank. Ein fieses Erkältungsdings, das uns einfach nicht in Frieden lässt. Auch der Minimensch war zwischendurch arg verschnupft. Außerdem hat er sich genau diesen Moment ausgesucht, um endlich endlich mit den ersten beiden Zähnen rauszurücken, da hat er jetzt auch lang genug dran rumgearbeitet. Aber nunja. Wenig Schlaf blieb da nur. Und entsprechend hab ich jetzt auch noch mit Migräne-artigen Kopfschmerzen zu kämpfen. Deshalb gab es hier auch in letzter Zeit wenig zu lesen und einen Jahresrück- oder -ausblick konnte ich bisher auch noch nicht so recht erstellen.

Aber innehalten und zurückschauen möchte ich eigentlich schon gern, auch wenn das neue Jahr nun bald 10 Tage alt ist. Denn es gab ja nun doch einiges in 2013.

Angefangen hat es mit dem langen langen langen, praktisch unendlichen Winter. Meine wenigen Umstands-Winterkleider konnte ich im April, als endlich der Frühling kam, wirklich nicht mehr sehen. Genäht habe ich in dieser Zeit wenig für mich – denn ich wollte ja auch keine unendliche Reihe Winter-Umstandskleider nähen. Ein Highlight gab’s trotzdem: Das rote Jurk, das ich immernoch gern und viel trage. Mein Himmelfahrtskommando-Hochzeitsgast-Kleid wurde nicht mehr fertig und auch nicht gebraucht, denn als die Hochzeit stattfand, war ich schon zur Überwachung im Krankenhaus, und hängt daher bis heute auf der Puppe, weil ich nicht sicher bin, ob ich die Mehrweite für den Bauch wieder rausnehmen, oder es als Umstandskleid fertignähen und dann mal auf Verdacht in den Schrank hängen soll. Dafür habe ich so dies und das für den Minimensch genäht. Aber am allermeisten war diese Zeit von der Umgestaltung des MuFuZi geprägt, das schonmal einen Regal-Schrank bekam, damit es irgendwann bald ein Kinderzimmer werden kann. Derzeit ist es also nun das Näh-Gästezimmer auf Abruf. Aber bald wird der Nähtisch ins Arbeitszimmer umziehen müssen.

Und selbst im Mai hatte der Minimensch zunächst noch einige recht stürmisch-kalte Lebenswochen, wer hätte damit denn gerechnet. Also weder mit der Ankunft des Minimensch im Mai noch mit dem Regen-Sturm-10-Grad-Wetter, das ihn begrüßte. So waren wir insgesamt nicht ganz so gut ausgestattet, wie gedacht, denn die kleinsten selbstgenähten und gebraucht gekauften Klamotten waren alle noch viel zu groß und auch viel zu kalt. Mein Plan nur oder fast nur gebraucht zu kaufen, ging also gleich zu Beginn nicht auf. Aber seit der Minimensch Größe 50/56 hatte, haben wir uns weitgehend dran gehalten. Hosen hat er fast nur selbstgenähte, Bodies, Oberteile, Schlafanzüge sind alle gebraucht. Nur Schlafsäcke und Socken sowie natürlich geschenktes haben wir in neu. Und bisher fahren wir damit gut und sind sehr zufrieden. Auch der gebrauchte und strunzenbillige Kinderwagen tut brav seinen Dienst, besser als viele teure Markenteile, die wir in unserem Bekanntenkreis so betrachten können. Direkt in den ersten Lebenswochen des Minimensch habe ich seine Krabbeldecke fertig genäht, die ich vor der Geburt nicht mehr geschafft hatte. Die Wickeltasche war noch so grade fertig geworden. Beides fuhr dann mit uns in den Urlaub in unserer gemeinsamen Elternzeit. Auch die Nähmaschine durfte mit und meine ersten beiden Nähprojekte nach der Geburt des Minimensch: Der Herzchenrock und das lila Hemdblusenkleid. Beide trage ich gern, der Herzchenrock ist ein richtiger Liebling geworden, einfach weil er so praktisch ist.

Und dann kam der Sommer. Mit richtig heiß und so. Und zwei langen wallenden Sommerkleidern sowie dem Kauf eines Kleingartens. Fortan verbrachten der Minimensch und ich schonmal etwas Zeit im Garten mit der Spätsommerernte und der Planung fürs Frühjahr. Und mit abhängen.

Und im Herbst folgten Röcke. Der Jackie-O-Rock, der leider etwas steif ist, um richtig toll zu sein, und der Wahlsonntagsrock, den ich sehr sehr liebe. Ein weiteres Hemdblusenkleid. Und schließlich. Robson. Der Höhepunkt des Nähjahres. Der Minimensch bekam viele dünne Hosen und auch Oberteile, die ich nicht verbloggt habe und eine Zwergenmütze, auch unverbloggt sowie eine zweite Krabbeldecke für die Küche und dicke Hosen – auch unverbloggt. Man sieht, das Bloggen musste etwas in den Hintergrund treten. Denn während der Minimensch am Anfang friedlich 4 Stunden Mittagsschlaf machte und sich wie ein echtes Schlafkind hier einführte mit viel Schlaf am Tag und in der Nacht, hat er sich das inzwischen abgewöhnt. Tagschlaf ist für Loser. Für einen neugierigen kleinen Krabbelmensch reichen die Stunden des Tages kaum aus um alles zu erkunden, erklettern und entdecken. Da wird nur geschlafen, wenn man schon vor Müdigkeit tot umfällt und dann muss auch ein Power-Nap von 20 Minuten reichen. Tagnähzeit ade. Der kleine Sack Flöhe braucht alle Aufmerksamkeit. Aber dafür ist er ein toller kleiner Entdecker und spielt selbstvergessen auf der Decke – am liebsten natürlich mit allem, was er nicht haben soll: Mülltonne, Glaslampe, Schallplatten, Altpapier, you name it. Wofür wir den Berg Spielsachen haben, hat sich mir bisher nicht erschlossen, denn Spielzeug kann nicht punkten, wenn auch nur ein Berg Faltwäsche oder ein Karton in der Nähe ist.

Und dann der Winter, so man ihn so nennen will. Also die nassere und windigere Fortsetzung des Herbstes. Die Adventszeit  verging hier weitgehend unbegangen. Weihnachten mit Minimensch war aber super. Bis die Erkältungsbazillen ihren zweiten Anlauf nahmen und uns ins Bett verfrachteten. Und so klang das Jahr recht ereignislos mit inhalieren und Tee trinken aus. Auf die letzten Wochen hat der Minimensch sowohl krabbeln gelernt, als auch die Zähne gekriegt. Ersteres zu unserer großen Freude, denn es macht einfach enorm Spaß, das Kind wie ein junges Fohlen durch die Wohnung hoppeln und dabei begeisterte Juchzlaute machen zu sehen. Sitzen wär jetzt noch schön, dann wären die Mahlzeiten wieder etwas nörgelfreier zu überwinden, nehme ich an.

Zu kurz gekommen sind vor allem lesen, stricken und ein wenig auch das Kommentieren auf anderen Blogs. Immerhin zwischen den Jahren habe ich mal wieder ein Buch gelesen. Stricken hingegen bleibt im Bereich der Planungen stecken. Leider eigentlich. Aber der Minimensch ist mit Wollknäulen schlimmer als kleine Katzen. Und DAS will schon was heißen. Zum Thema kommentieren habe ich so einige Gedanken angesammelt, die ich gern nochmal in einem gesonderten Blogpost niederschreiben möchte. Bald. Irgendwann. Wenn Zeit ist.

2013 war auch das Jahr des Veggieblogtags. Der pausiert ja derzeit, aber immerhin an fast 40 Donnerstagen habe ich vegetarisches gebloggt und gesammelt. Ich nutze das Rezeptarchiv hier im Blog inzwischen als mein persönliches Best-of-Kochbuch. Allein dafür hat es sich schon gelohnt.

Was das neue Jahr bereit hält, erzähle ich ein andernmal. Dieser Rückblick muss fürs erste genügen. Für viele #nähnerds beginnt das Jahr mit der anNÄHerung. Für mich leider nicht, aber ich wünsche allen, die nach Bielefeld fahren viel Spaß, hoffe auf spannende Berichte und auf ein baldiges Bloggerinnentreffen, das sich nicht mit Migräne, Zahnkind UND krankem Mann überschneidet.

Weihnachtspost #1: (keine) Deko

Ich muss jetzt mal schnell noch alle Weihnachtsdinge verbloggen, die noch in den Blogplänen schlummern, sonst ist nachher Weihnachten vorbei.

Ich bin ohnehin nicht so die Riesendekorateurin. Früher, als ich noch in Blumen machte und später in Geschenkverpackungen, da sah es in meiner Wohnung immer sehr weihnachtlich-festlich aus. Das habe ich mangels Zeit und Priorität schon in den letzten Jahren stark reduziert. Dieses Jahr sind dann noch einige bisher etablierte Dekoelemente wie auf dem Boden stehende Windlichter mit Christbaumkugeln, der Krabbelkindprävention zum Opfer gefallen. So ist es hier eher unfestlich. Einen Adventskranz gibt es, auf einem höheren Regal, wo das Kind nicht rankommt.
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Und Transparentpapiersterne. Damit habe ich schon letztes Jahr begonnen und ich finde sie sehr schön. Katharina zeigte ihre (die sehr viel komplexer sind als meine) schon vor einiger Zeit. Hier nun meine:

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Diese 3 stammen alle aus diesem Buch. Das Buch kann ich nicht so ganz empfehlen. Es enthält letztlich nur einige wenige Elemente, die zu insgesamt 6 Sternen kombiniert werden können und sich z.T. sehr ähneln. Alle sind aus Rechtecken im Seitenverhältnis 1:2 oder 1:3. Die Auswahl an Büchern zum Thema war zumindest in den 3 hiesigen Bastelgeschäften aber auch stark begrenzt – es gab genau eins und das war sehr teuer, so dass ich dieses von meiner Mutter geliehen habe.
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Dieser Stern ist nach einer Anleitung von Handmade Kultur und ich finde ihn für einen achtzackigen Stern sehr hübsch. Er wird aus Quadraten gefaltet, verbraucht also – im Verhältnis – recht viel Papier.
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Diesen „Waldorfstern“ habe ich mir bei Katharina abgeguckt. Ich finde den vollen Farbkreis, so wie in der Anleitung, schon recht *räusper* anthroposophisch, habe daher mit halben Farbkreisen experimentiert und finde das sehr schön. Dieser Stern ist aus Fünfecken und es bedarf etwas mehr Zeit zum zuschneiden der Elemente, dafür faltet er sich total simpel und macht echt was her. Meine Fünfecke haben eine Kantenlänge von 9cm, ich habe aber auch mit 6cm experimentiert, das wird auch sehr schön. Wer, wie ich, das letzte Fünfeck in der Mittelstufe konstruiert hat: ein gleichseitiges Fünfeck hat Innenwinkel von 108 Grad. Ich musste das kurz googlen, shame on me.

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Auf der Fensterbank habe ich zwei – gekaufte – Lichttüten in die ich je durch einen der unteren Sterne auf der Rückseite eine 10er Lichterkette gepfriemelt hab.

Und wenn mich irgendwann am Wochenende noch ganz dicke die Dekorierlaune trifft, verstreu ich vielleicht noch ein paar Filzsterne auf freien Flächen. Wobei: Welche freien Flächen eigentlich?

Sind wir alle Landlustleserinnen?

Manche Blogposts müssen erst lang reifen. Dieser hier wurde inspiriert von einem Artikel auf SpiegelOnline vor mindestens einem Monat und einer Unterhaltung mit meiner Hebamme vor etwa 2 Monaten.

In dem SpOn-Artikel geht es, sehr grob zusammengefasst, darum, dass viele Frauen nach der Elternzeit den Karriereknick und die Teilzeitfalle gern in Kauf nehmen, weil sie Freude am Leben Zuhause gefunden haben. Es ist in dem Artikel von dekorieren, backen und kochen die Rede – nicht explizit von nähen. Aber gut. Es ist ein bisschen was wahres dran, die Autorinnen argumentieren, dass auch Frauen, die karrieremäßig auf einem guten Weg waren, später in Teilzeit wenig Aussicht auf ein Anknüpfen an alte Höhen haben und dann ihre Energie lieber auf schönes einrichten und Kinder betüddeln verwenden. Die Schlussfolgerung des Artikels gefällt mir in sofern, als die Autorinnen dafür plädieren, nach einer Familienphase in eine andere Teilzeit zurückzukehren, als die Deutschland-weit üblichen 18,5 Stunden. Nämlich die 30-Stunden-für-alle-Lösung, die inzwischen schon in vielen Artikeln und Blogposts als Idealbild gehandelt wird. Ich kann mich mit dieser Quintessenz prinzipiell anfreunden und fände schön, wenn unsere Gesellschaft sich in eine Richtung verändern würde, in der man nicht als Drückeberger gilt, wenn man außer arbeiten auch noch leben möchte und in der dem Bedürfnis nach Entfaltung dadurch Rechnung getragen wird, dass es ok ist 30 Stunden zu arbeiten. In der man trotzdem in den 30 Stunden welchen Job auch immer machen kann, ob Grundschullehrerin, Altenpflegerin, Architektin, Ärztin oder Staatsanwältin – und eben auch Managerin. Leider sind wir von dieser gesellschaftlichen Anerkennung noch weit entfernt. Heute gibt es Berufe, die in Teilzeit gehen – Frauenberufe wie Krankenschwester, Arzthelferin, Erzieherin und Lehrerin – und viele wo gesagt wird: Teilzeit = Karriereende.   Und, einmal Teilzeit = immer Teilzeit. Aber diese Problematik soll hier heute gar nicht Thema sein.

Der Artikel fiel bei mir nämlich in eine gedankliche Schublade, in der schon folgende Unterhaltung steckte:

Hebamme: „Und was habt ihr so für Hobbies?“

Ich: „Also ich nähe, lese, stricke, Yoga mache ich auch.“

Hebamme: „Ja, ich hab das schon bemerkt, du bist ja eher so der häusliche Typ.“

Ich: „…“

Das hat an mir gekratzt. Denn „der häusliche Typ“ ist nun wirklich nicht, wie ich mich beschreiben würde. Eher so „die rebellische Typin, intelligent, erfolgreich, voller Ideale und Weltverbesserungsideen“ – sowas in der Art… Denn, was ist „der häusliche Typ“? – Für mich kommen da folgende Bilder ins Kopfkino: Jeden Tag ein frischer Kuchen, alles piccobello aufgeräumt und geputzt, das Essen steht pünktlich, wenn der Liebste hereinkommt, auf dem mit frischen Blumen und einer sauberen Tischdecke dekorierten Tisch. Die Räume sind jahreszeitlich hübsch gemacht und sehen aus wie aus der Landlust entsprungen, ebenso der Garten und die Veranda. Der Keller ist voll von der eigenen Ernte, die selbstverständlich in hübsch belabelten und alphabetisch sortierten Einmachgläsern in Regalen steht, die jederzeit auch als Tisch genutzt werden könnten, weil sie stets so sauber sind und an deren Brettern kleine Spitzenborten angebracht sind, selbstgehäkelte versteht sich.

Nun muss die Hebamme eine andere Vorstellung von „der häusliche Typ“ haben, denn sie hat zwar nicht gesehen, dass meine Marmeladengläser alle mit Malerkrepp beschriftet sind und die Abstellkammer gute Teile des Jahres nur mit Grubenausstattung zu betreten ist, aber doch war sie schon öfter in unserer Wohnung und hat folglich bemerkt, dass frische Blumen und akribische Ordnung eher nicht zum Inventar zählen. Wenn ich also eine etwas chaotischere Definition von „der häusliche Typ“ zulasse – bin ich „eher so der häusliche Typ“?

Als ich am vergangenen Wochenende diesen Satz tweetete:

Ich stricke und lese dabei einen Nutzgartenratgeber während das Baby in der selbstgenähten Wiege schläft. Ich bin ein lebendes Klischee.

da war dann wohl die Zeit für diesen Artikel gekommen.

Denn sehen wir der Sache ins Auge. Ich nähe, stricke, koche, backe und gärtnere gern. Ich fürchte, ich BIN der häusliche Typ. Also auch, wenn ich das stricken nicht immer zuhause mache und der Garten etwas weiter weg ist. Schlimmer noch, ich lese auch noch lauter Blogposts und Tweets über nähen und stricken und auch ein paar über backen und kochen. Für einen außenstehenden Beobachter ist das wohl nur noch einen Schritt von der Landlust entfernt. Warum also fühle ich mich unwohl damit, wenn jemand das feststellt? Warum sträubt es sich in mir, wenn der SpOn-Artikel unterstellt, wir, die wir mal Elternzeit machen, wären später „Heimveredlerinnen“ ? Ich mache all meine häuslich zu nennenden Hobbies schließlich bewusst in diesem Blog öffentlich. Ich erzähle auch Kollegen und Freunden davon. Weder nähe ich verschämt Modekettenlabels in meine selbstgenähten Kleider um nicht als Näherin erkannt zu werden, noch widerspreche ich empört, wenn ich gebeten werde, einen Kuchen oder eine Buffetspende zu einer Party mitzubringen und sage etwas wie „Ha, für kochen hab ich keine Zeit“. Nein, im Gegenteil, ich freue mich über Komplimente für Kleider, Suppe und Gebäck und versuche sogar andere zu missionieren. Ist es also nur das Chaos in der Wohnung, das mich vom „häuslichen Typ“ unterscheidet? Wäre ich ordentlicher veranlagt, wäre ich dann eine stereotypische Landlustleserin? Und bewege ich mich auch in meiner Ecke vom Internet in einer Bubble von verkappten Landlustleserinnen, alle so eher der häusliche Typ? Nein, nein und nochmals nein.

Zwei Dinge machen hier wohl den Unterschied. Einerseits das, was „auch noch“ dazugehört und dann noch das „weswegen“.

Fangen wir mit „weswegen“ an. Einen Teil dieser Gedanken habe ich schonmal irgendwo kommentiert, als es um die Frage ging, ob nähen feministisch ist. Denn natürlich habe ich handwerklich-schaffende Hobbies weil ich einen Ausgleich suche, weil ich auch mal „etwas in Händen haben möchte“. Und ja, auch weil ich stolz auf meine Werke bin, und auch aber nicht nur deswegen blogge ich auch darüber. Wer anderes behauptet lügt sich was in die Tasche, denke ich. Aber. Ich nähe auch, weil ich dann viel individueller über meinen Stil bestimmen kann. Ich nähe, weil dann keine arme Frau in Bangladesh fern ihrer Heimat und Familie ihr Leben und ihre Gesundheit für meine günstige Kleidung aufs Spiel setzt. Ich nähe, weil ich dann Kleider tragen kann, die mir überall passen und nicht nur entweder am Busen oder an der Taille und die mir dazu auch noch gefallen und stehen. Und damit positioniere ich mich gegen das Modediktat, die Vereinheitlichung von Stil und Geschmack und die Aufoktruierung einer Idealfigur, die nur als unnatürlich bezeichnet werden kann. Genauso auch mit dem backen, kochen und darüber bloggen. Natürlich backe und koche ich einfach gern. Aber es ist mir auch gleichzeitig ein Anliegen, vegetarische Gerichte zu zeigen, die schmecken und einfach sind und so eine Lanze für den Vegetarismus zu brechen. Das politisch-gesellschaftliche spielt mit hinein. So oder so. Immer. Es ist nicht zu trennen.

Und damit komme ich zum „auch noch“. Denn ich würde eine Beschreibung meiner Person eben nie nur bei den häuslichen Hobbies enden lassen wollen. Denn wie in diesem Blog so spielen eben in meinem Leben auch noch andere Sachen eine Rolle. Ich bin auch politisch, gesellschaftlich interessiert. Ich habe auch eine Meinung zu anderen Dingen als Schnittmustern und Rezepten. Ich habe auch einen Beruf, den ich mag und mit dem ich gleichzeitig hadere. Und dass ich gerne Dinge mit meinen Händen tue, ändert daran nichts. Da mögen all diese Hobbies 100mal einen trutschig-muttihaften Ruf haben. Und deshalb bin ich nicht der häusliche Typ. Basta.

Und ja, ich bin ohne weiteres in der Lage mir vorzustellen, dass ich womöglich angesichts der Nicht-Familienkompatibilität eines akademischen Werdegangs auf die Idee kommen könnte einem Job nachzugehen, der nicht meiner Qualifikation entspricht und das dann auch noch in Teilzeit. Aber nicht etwa aus dem Wunsch heraus, ganz toll gelabelte Einmachgläser und einen hübsch dekorierten Tisch zu haben, sondern eher, weil ich dann lausig bezahlt und deshalb als Hauptverdienerin der Familie leider ausscheiden würde. Und da hört es eben dann doch mit der Übereinstimmung zwischen mir und dem SpOn-Artikel auf.

Kampf dem Zettelchaos

Kennt ihr das, dass man im Portemonnaie und an irgendeinem Platz in der Wohnung lauter Kassenzettel sammelt, weil man die ja 4 Wochen aufbewahren muss wegen der EC-Zahlung? Bei uns liegen sogar bar bezahlte Quittungen rum, weil sie noch ins Haushaltsbuch eingetragen werden müssen. Dieses Problem wollte ich endlich mal angehen.
Dabei konnte ich ein anderes Problem gleich mitlösen. Denn folgende Situation tritt derzeit bei uns mehrfach pro Woche auf:
Frau Siebenhundertsachen: „Oh, wir brauchen XYZ.“ Notiert XYZ auf herumfliegendem Zettel.
2 Tage später bei Erstellung des Einkaufszettels wird alles mögliche aufgeschrieben, nur nicht XYZ weil Zettel weg und Gedächtnis auch.
Einen weiteren Tag später:
“ Ach Mist, XYZ hatte ich dir gar nicht aufgeschrieben. Da müsstest du nochmal schnell los, weil das brauchen wir dringend.“
Kaum ist Herr Siebenhundertsachen unterwegs, fällt mir ein: “ Oh, ABCD ist auch leer.“ Notiert auf herumliegendem Zettel und …
Es muss also ein zentrales Einkaufsgedächtnis her, denn meins ist derzeit nicht verfügbar. Also eine Tafel. Aber nirgendwo in der Wohnung ist Platz für eine Tafel, wir haben nicht viel freie Wand weil viele Fenster. Die Lösung beider Probleme sieht nun so aus:
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Oben die Kassenzettelablage nach Wochen. 1 = max. 1 Woche alt, 2 = 1-2 Wochen alt, usw. Jeden Samstag wird durchgereicht und die älteren entsorgt oder abgeheftet falls Garantie-relevant.
Die Wäscheklammern sind mit Powerstrips angeklebt, darunter ein Streifen Tafelfolie.
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Die große Tafel ist auch aus Tafelfolie, inspiriert von Nike. Da hab ih auch den Trick her, alles erstmal gründlich einzukreiden.

Wegen Abneigung gegen Kreide beim männlichen Teil des Haushalts schreiben wir mit Kreidemarkern. Die stauben und quietschen nicht.

Die Tafelfolie ist sehr günstig gewesen und wie auch die Bewertungen prophezeiten, hält sie nur so mäßig gut und das ganze ist wohl nicht für die Ewigkeit. Ich wollte aber das Prinzip erstmal antesten bevor ich da mehr Geld reinstecke, außerdem habe ich Angst vor bleibender Türverschandelung. Weiß jemand eine Quelle für hochqualitativere Folie? Denn im Onlinekaufhaus hatten auch teurere Fabrikate ähnliche Bewertungen.

Bisher klappt das ordnen ganz gut, mal gucken ob das so bleibt.

Baby-Hängematte – Making of

Nach gut 3 Wochen Testphase kann ich berichten: der Minimensch liebt seine Hängematte. Er schläft darin besser und länger als im Bettchen, hat etwas weniger mit Blähungen zu kämpfen und lässt sich dort, wenn im Tragetuch eingeschlafen leichter ablegen. Er ist auch ganz gern drin, wenn er wach ist. Vor allem seit ich ihm zwei Pompons aufgehängt hab. Genau die richtige Dosis Entertainment derzeit.

Via twitter und auch schon beim ersten Post zur Babyhängematte, wurde ich gebeten, ein wenig genauer zu erklären, wie ich sie gemacht hab. Ich habe keine Fotodokumentation gemacht und zeichne nicht gut genug für eine gezeichnete Anleitung, aber ich probiere mal eine grobe Beschreibung der Vorgehensweise mit Maßen und einigen Fotos.

Benötigte Materialien:

3,50m Baumwollstoff, mindestens Nessel-Dicke, in meinem Fall Bio-Nessel ungefärbt
2 Knebelknöpfe
1 Kordelrest
1/2 Schafwollvlies aus altem Kopfkissen, gut gewaschen
1 Stück Gummi 25cm
1 Karabiner
1 Wiegenfeder, gibts online z.B. im bekannten Ausbeuterladen aber auch in Spezialshops
1 Holzstab mit Aussparungen an beiden Enden (bei uns ein Stück eines ausgemusterten Lattenrostrahmens)

Konstruktion und Maße:

Die Hängematte ist, sehr grob gezeichnet, folgendermassen konstruiert:

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Ich habe ungefärbte Baumwolle verwendet hauptsächlich weil ich Biostoff wollte und weil 3,50m eines bunten Biostoffs schnell unbezahlbar werden. Hellgelb oder ein zartes grün hätte ich auch schön gefunden.

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Die Hängematte selbst entsteht aus einer Stoffbahn von 2,8 x 1,2 m. Zusätzlich muss man noch eine Hülle für die eingeschobene „Matratze“ nähen, ein Stoffstück am Kopfende einsetzen und eine Knopfleiste und Schlaufen anbringen.
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Wir planen die Hängematte als Reisebett zu verwenden, bis der Minimensch zu schwer für die Feder ist (also schwerer als 15 kg) – deshalb ist unsere Hängematte extendable. Derzeit ist die Liegefläche 35*80cm, sie kann aber auf 40*110cm vergrössert werden, indem eine entsprechend grössere Matratze eingeschoben wird. Das muss man natürlich nicht so machen.

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Folgendermassen bin ich vorgegangen:

Stoff vorgewaschen und 100 Stunden lang gebügelt. Sehr wichtig, denn auf die Menge Stoff ist 5 cm einlaufen schon erheblich.

An den langen Kanten einen doppelt eingeschlagenen Saum von 1cm Breite umgebügelt und abgesteppt.

Die kurzen Kanten einfach 1cm umgebügelt, NICHT ABGESTEPPT.

Die Enden an den kurzen Seiten um 40cm überlappend übereinandergesteckt. Nun die Kanten der entstandenen Liegefläche an den beiden Längsseiten doppelt abgesteppt. Am Kopfende wird die Liegefläche mit dem Stoffeinsatz verschlossen, am Fußende bleibt sie offen, so dass die Matratze rausgenommen und gewaschen werden kann.

Für den Einsatz am Kopfende ein Stück Stoff in 42*40cm zuschneiden, die beiden unteren Ecken leicht abrunden und an der oberen Kante (42 breit) einen Tunnel umbügeln, schmal absteppen und ein 25cm langes Gummi einziehen. Die anderen Kanten einfach umbügeln und in die kopfseitige Öffnung der Hängematte stecken, absteppen.

Die Matratze besteht auch aus Nessel, die Hülle ist 40*85cm inkl Nahtzugaben, Ecken wiederum gerundet, schmal abgesteppt, dabei eine kurze Seite offen gelassen, gewendet, mit Schafwolle gefüllt, Wendeöffnung von aussen verschlossen.

Zuletzt noch die Knopfleiste. Dafür 2 große Knebelknöpfe mit einem Stoffstreifen und Kordel festgesteppt und an der Gegenseite 2 Schlaufen aus Kordel, auch mit Stoffstreifen festgesteppt. So kann der Minimensch auch wenn er etwas bewegungsfähiger wird nicht rausfallen.Bisher machen wir die Knöpfe am Fußende eigentlich nur zu, wenn wir den Minimensch vor Zugluft schützen wollen.

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Wie gesagt, bei uns werden noch ca 25cm Stoff einfach weggerollt, die später die längere Liegefläche ergeben, man kann die Liegefläche gleich grösser machen, oder die ganze Chose aus weniger Stoff nur für kleine Minimenschen.

Den Holzstreben hat Herr Siebenhundertsachen zurechtgesägt, er ist 50cm breit, geschliffen und geölt aus Buche, war mal der Querstreben eines Lattenrosts.
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Wenn ihr Fragen habt, einfach melden, ich bemühe mich dann, die so gut es geht zu beantworten.

Babyhängematte

Zur Babyhängematte gab es schon einige gespannte Nachfragen. Seit letzter Woche ist sie fertig und hängt probeweise im Wohnzimmer:

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Wir haben erstmals auf einer Hochzeit im letzten Herbst, ein Baby seelig in einer Hängematte schlummern sehen und waren davon schon ziemlich angetan. Herr Siebenhundertsachen ist ein Riesen-Hängemattenfan und würde am liebsten das Sofa zugunsten einer Hängematte abschaffen, da lag es nahe, eine Hängematte als Reisewiege in Erwägung zu ziehen.

Diese erste, die wir gesehen haben, war konstruiert wie eine „normale“ Hängematte und hing in einem Gestell. Nach einer ausgiebigen Internetrecherche stellte sich heraus, dass Babyhängematten ziemlich teuer sind und dass wir lieber nicht so ein klassisches Hängemattenmodell, sondern lieber ein Hängewiegenmodell wollen. Die klassischen kleinen Hängematten sind nicht unbedingt dazu geeignet, sein Kind unbeaufsichtigt darin schlafen zu lassen, da das Kind sich theoretisch – und nach einigen Berichten im Internet auch praktisch – mit der Hängematte umdrehen kann. Zwar kann man das Kind in den Dingern anschnallen, aber mal ehrlich, Visionen von meinem Baby, wie es mit seiner Hängematte in einem Anschnallgurt hängt sind auch nicht unbedingt zu meiner Beruhigung geschaffen. Wir wollen die Hängematte schließlich gern als mobiles Bett nutzen, sowohl innerhalb unserer Wohnung, ähnlich wie einen Stubenwagen, als auch auf Reisen. Die Alternative stellen dann die Hängewiegen aus Stoff dar, die es von einigen wenigen Herstellern gibt und die, meiner Recherche nach, für den Einsatz als Bettersatz geeignet sind.

Die Websites der Hersteller singen eine ellenlange Litanei auf die Vorteile dieser Hängewiegen, die ich jetzt mal unkommentiert lassen möchte. Für uns war eigentlich der Entscheidungsprozess so: 1. Wow, in sowas würd ich auch gern schlafen. 2. Es scheint medizinisch unbedenklich bis positiv und es gibt die Dinger sogar in Krankenhäusern. 3. Das Ding ist platzsparend und gut transportabel. -> Her damit!

Die Konstruktion, die Maße und Umsetzung haben wir uns selbst zusammengereimt. Folgendes Material habe ich verwendet:

3 m ungefärbter Bio-Baumwollnessel
1 geschlachtetes Schafwollkissen bzw. den Wollvlies daraus
Kordel von einem alten Bastrollo vom Schweden
Querstreben eines unser geschlachteten Lattenroste
2 Knebelknöpfe aus Holz
1 Streifen Canvas ungefärbt
25cm Gummiband
1 Karabiner

Die Hängematte wird oben an einer Feder aufgehängt, deren Schwingung angeblich die Schwingung im Mutterleib imitiert. Dies sei mal dahingestellt, uns kommt es schneller vor. Man kann diese Federn für Hängewiegen jedenfalls online kaufen und dies haben wir getan.

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Unsere Wiege hat derzeit eine Liegefläche von 35 * 80 cm. Sie kann aber bis 35 * 100cm erweitert werden, so breit ist die Stoffbahn. Im unteren Bereich ist der Stoff gedoppelt und bildet ein Fach in das man von vorn hineingreifen kann. Hier drin versteckt sich eine kleine Matratze mit Schafwollfüllung, die man getrennt waschen und später durch eine längere ersetzen kann.

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Der Einsatz am Kopfende ist mit einem Gummizug gerafft und am unteren Rand abgerundet. Am Fußende lässt sich die Wiege mit zwei Knöpfen schließen, die jeweils unter einem Streifen Canvas festgenäht sind. Wie gesagt, haben wir in der Länge der Liegefläche noch Spiel eingeplant und werden dann, wenn das Baby größer ist, eine längere Matratze einschieben und eine zweite Knopfreihe weiter außen anbringen. Die Feder trägt ein Gewicht bis 15 Kilo, wir hoffen also, der Minimensch hat länger was von seiner Hängematte.

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Die Holzstrebe oben ist 45cm breit und wurde von Herrn Siebenhundertsachen aus einem Querstreben unseres ausgemusterten Lattenrosts aus Buchenholz gefertigt.

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Derzeit hängt sie mit 2 1,5l Wasserflaschen belastet im Wohnzimmer zur Probe. Wir werden wahrscheinlich auch im Nähzimmer eine Aufhängung anbringen. Für den Einsatz in anderen Zimmern und Wohnungen, wollen wir ein Türreck erwerben, so dass sie prinzipiell in jeder Tür hängen kann.

Die Farbwahl fiel übrigens aus rein pragmatischen Gründen auf natur, es ist einfach die günstigste Variante Biostoff, denn 3m durchgefärbter Bio-Stoff in passender Dicke wären erheblich teurer. Sonst hätte ich vielleicht gelb oder ein helles grün genommen.