Sind wir alle Landlustleserinnen?

Manche Blogposts müssen erst lang reifen. Dieser hier wurde inspiriert von einem Artikel auf SpiegelOnline vor mindestens einem Monat und einer Unterhaltung mit meiner Hebamme vor etwa 2 Monaten.

In dem SpOn-Artikel geht es, sehr grob zusammengefasst, darum, dass viele Frauen nach der Elternzeit den Karriereknick und die Teilzeitfalle gern in Kauf nehmen, weil sie Freude am Leben Zuhause gefunden haben. Es ist in dem Artikel von dekorieren, backen und kochen die Rede – nicht explizit von nähen. Aber gut. Es ist ein bisschen was wahres dran, die Autorinnen argumentieren, dass auch Frauen, die karrieremäßig auf einem guten Weg waren, später in Teilzeit wenig Aussicht auf ein Anknüpfen an alte Höhen haben und dann ihre Energie lieber auf schönes einrichten und Kinder betüddeln verwenden. Die Schlussfolgerung des Artikels gefällt mir in sofern, als die Autorinnen dafür plädieren, nach einer Familienphase in eine andere Teilzeit zurückzukehren, als die Deutschland-weit üblichen 18,5 Stunden. Nämlich die 30-Stunden-für-alle-Lösung, die inzwischen schon in vielen Artikeln und Blogposts als Idealbild gehandelt wird. Ich kann mich mit dieser Quintessenz prinzipiell anfreunden und fände schön, wenn unsere Gesellschaft sich in eine Richtung verändern würde, in der man nicht als Drückeberger gilt, wenn man außer arbeiten auch noch leben möchte und in der dem Bedürfnis nach Entfaltung dadurch Rechnung getragen wird, dass es ok ist 30 Stunden zu arbeiten. In der man trotzdem in den 30 Stunden welchen Job auch immer machen kann, ob Grundschullehrerin, Altenpflegerin, Architektin, Ärztin oder Staatsanwältin – und eben auch Managerin. Leider sind wir von dieser gesellschaftlichen Anerkennung noch weit entfernt. Heute gibt es Berufe, die in Teilzeit gehen – Frauenberufe wie Krankenschwester, Arzthelferin, Erzieherin und Lehrerin – und viele wo gesagt wird: Teilzeit = Karriereende.   Und, einmal Teilzeit = immer Teilzeit. Aber diese Problematik soll hier heute gar nicht Thema sein.

Der Artikel fiel bei mir nämlich in eine gedankliche Schublade, in der schon folgende Unterhaltung steckte:

Hebamme: „Und was habt ihr so für Hobbies?“

Ich: „Also ich nähe, lese, stricke, Yoga mache ich auch.“

Hebamme: „Ja, ich hab das schon bemerkt, du bist ja eher so der häusliche Typ.“

Ich: „…“

Das hat an mir gekratzt. Denn „der häusliche Typ“ ist nun wirklich nicht, wie ich mich beschreiben würde. Eher so „die rebellische Typin, intelligent, erfolgreich, voller Ideale und Weltverbesserungsideen“ – sowas in der Art… Denn, was ist „der häusliche Typ“? – Für mich kommen da folgende Bilder ins Kopfkino: Jeden Tag ein frischer Kuchen, alles piccobello aufgeräumt und geputzt, das Essen steht pünktlich, wenn der Liebste hereinkommt, auf dem mit frischen Blumen und einer sauberen Tischdecke dekorierten Tisch. Die Räume sind jahreszeitlich hübsch gemacht und sehen aus wie aus der Landlust entsprungen, ebenso der Garten und die Veranda. Der Keller ist voll von der eigenen Ernte, die selbstverständlich in hübsch belabelten und alphabetisch sortierten Einmachgläsern in Regalen steht, die jederzeit auch als Tisch genutzt werden könnten, weil sie stets so sauber sind und an deren Brettern kleine Spitzenborten angebracht sind, selbstgehäkelte versteht sich.

Nun muss die Hebamme eine andere Vorstellung von „der häusliche Typ“ haben, denn sie hat zwar nicht gesehen, dass meine Marmeladengläser alle mit Malerkrepp beschriftet sind und die Abstellkammer gute Teile des Jahres nur mit Grubenausstattung zu betreten ist, aber doch war sie schon öfter in unserer Wohnung und hat folglich bemerkt, dass frische Blumen und akribische Ordnung eher nicht zum Inventar zählen. Wenn ich also eine etwas chaotischere Definition von „der häusliche Typ“ zulasse – bin ich „eher so der häusliche Typ“?

Als ich am vergangenen Wochenende diesen Satz tweetete:

Ich stricke und lese dabei einen Nutzgartenratgeber während das Baby in der selbstgenähten Wiege schläft. Ich bin ein lebendes Klischee.

da war dann wohl die Zeit für diesen Artikel gekommen.

Denn sehen wir der Sache ins Auge. Ich nähe, stricke, koche, backe und gärtnere gern. Ich fürchte, ich BIN der häusliche Typ. Also auch, wenn ich das stricken nicht immer zuhause mache und der Garten etwas weiter weg ist. Schlimmer noch, ich lese auch noch lauter Blogposts und Tweets über nähen und stricken und auch ein paar über backen und kochen. Für einen außenstehenden Beobachter ist das wohl nur noch einen Schritt von der Landlust entfernt. Warum also fühle ich mich unwohl damit, wenn jemand das feststellt? Warum sträubt es sich in mir, wenn der SpOn-Artikel unterstellt, wir, die wir mal Elternzeit machen, wären später „Heimveredlerinnen“ ? Ich mache all meine häuslich zu nennenden Hobbies schließlich bewusst in diesem Blog öffentlich. Ich erzähle auch Kollegen und Freunden davon. Weder nähe ich verschämt Modekettenlabels in meine selbstgenähten Kleider um nicht als Näherin erkannt zu werden, noch widerspreche ich empört, wenn ich gebeten werde, einen Kuchen oder eine Buffetspende zu einer Party mitzubringen und sage etwas wie „Ha, für kochen hab ich keine Zeit“. Nein, im Gegenteil, ich freue mich über Komplimente für Kleider, Suppe und Gebäck und versuche sogar andere zu missionieren. Ist es also nur das Chaos in der Wohnung, das mich vom „häuslichen Typ“ unterscheidet? Wäre ich ordentlicher veranlagt, wäre ich dann eine stereotypische Landlustleserin? Und bewege ich mich auch in meiner Ecke vom Internet in einer Bubble von verkappten Landlustleserinnen, alle so eher der häusliche Typ? Nein, nein und nochmals nein.

Zwei Dinge machen hier wohl den Unterschied. Einerseits das, was „auch noch“ dazugehört und dann noch das „weswegen“.

Fangen wir mit „weswegen“ an. Einen Teil dieser Gedanken habe ich schonmal irgendwo kommentiert, als es um die Frage ging, ob nähen feministisch ist. Denn natürlich habe ich handwerklich-schaffende Hobbies weil ich einen Ausgleich suche, weil ich auch mal „etwas in Händen haben möchte“. Und ja, auch weil ich stolz auf meine Werke bin, und auch aber nicht nur deswegen blogge ich auch darüber. Wer anderes behauptet lügt sich was in die Tasche, denke ich. Aber. Ich nähe auch, weil ich dann viel individueller über meinen Stil bestimmen kann. Ich nähe, weil dann keine arme Frau in Bangladesh fern ihrer Heimat und Familie ihr Leben und ihre Gesundheit für meine günstige Kleidung aufs Spiel setzt. Ich nähe, weil ich dann Kleider tragen kann, die mir überall passen und nicht nur entweder am Busen oder an der Taille und die mir dazu auch noch gefallen und stehen. Und damit positioniere ich mich gegen das Modediktat, die Vereinheitlichung von Stil und Geschmack und die Aufoktruierung einer Idealfigur, die nur als unnatürlich bezeichnet werden kann. Genauso auch mit dem backen, kochen und darüber bloggen. Natürlich backe und koche ich einfach gern. Aber es ist mir auch gleichzeitig ein Anliegen, vegetarische Gerichte zu zeigen, die schmecken und einfach sind und so eine Lanze für den Vegetarismus zu brechen. Das politisch-gesellschaftliche spielt mit hinein. So oder so. Immer. Es ist nicht zu trennen.

Und damit komme ich zum „auch noch“. Denn ich würde eine Beschreibung meiner Person eben nie nur bei den häuslichen Hobbies enden lassen wollen. Denn wie in diesem Blog so spielen eben in meinem Leben auch noch andere Sachen eine Rolle. Ich bin auch politisch, gesellschaftlich interessiert. Ich habe auch eine Meinung zu anderen Dingen als Schnittmustern und Rezepten. Ich habe auch einen Beruf, den ich mag und mit dem ich gleichzeitig hadere. Und dass ich gerne Dinge mit meinen Händen tue, ändert daran nichts. Da mögen all diese Hobbies 100mal einen trutschig-muttihaften Ruf haben. Und deshalb bin ich nicht der häusliche Typ. Basta.

Und ja, ich bin ohne weiteres in der Lage mir vorzustellen, dass ich womöglich angesichts der Nicht-Familienkompatibilität eines akademischen Werdegangs auf die Idee kommen könnte einem Job nachzugehen, der nicht meiner Qualifikation entspricht und das dann auch noch in Teilzeit. Aber nicht etwa aus dem Wunsch heraus, ganz toll gelabelte Einmachgläser und einen hübsch dekorierten Tisch zu haben, sondern eher, weil ich dann lausig bezahlt und deshalb als Hauptverdienerin der Familie leider ausscheiden würde. Und da hört es eben dann doch mit der Übereinstimmung zwischen mir und dem SpOn-Artikel auf.

Kampf dem Zettelchaos

Kennt ihr das, dass man im Portemonnaie und an irgendeinem Platz in der Wohnung lauter Kassenzettel sammelt, weil man die ja 4 Wochen aufbewahren muss wegen der EC-Zahlung? Bei uns liegen sogar bar bezahlte Quittungen rum, weil sie noch ins Haushaltsbuch eingetragen werden müssen. Dieses Problem wollte ich endlich mal angehen.
Dabei konnte ich ein anderes Problem gleich mitlösen. Denn folgende Situation tritt derzeit bei uns mehrfach pro Woche auf:
Frau Siebenhundertsachen: „Oh, wir brauchen XYZ.“ Notiert XYZ auf herumfliegendem Zettel.
2 Tage später bei Erstellung des Einkaufszettels wird alles mögliche aufgeschrieben, nur nicht XYZ weil Zettel weg und Gedächtnis auch.
Einen weiteren Tag später:
“ Ach Mist, XYZ hatte ich dir gar nicht aufgeschrieben. Da müsstest du nochmal schnell los, weil das brauchen wir dringend.“
Kaum ist Herr Siebenhundertsachen unterwegs, fällt mir ein: “ Oh, ABCD ist auch leer.“ Notiert auf herumliegendem Zettel und …
Es muss also ein zentrales Einkaufsgedächtnis her, denn meins ist derzeit nicht verfügbar. Also eine Tafel. Aber nirgendwo in der Wohnung ist Platz für eine Tafel, wir haben nicht viel freie Wand weil viele Fenster. Die Lösung beider Probleme sieht nun so aus:
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Oben die Kassenzettelablage nach Wochen. 1 = max. 1 Woche alt, 2 = 1-2 Wochen alt, usw. Jeden Samstag wird durchgereicht und die älteren entsorgt oder abgeheftet falls Garantie-relevant.
Die Wäscheklammern sind mit Powerstrips angeklebt, darunter ein Streifen Tafelfolie.
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Die große Tafel ist auch aus Tafelfolie, inspiriert von Nike. Da hab ih auch den Trick her, alles erstmal gründlich einzukreiden.

Wegen Abneigung gegen Kreide beim männlichen Teil des Haushalts schreiben wir mit Kreidemarkern. Die stauben und quietschen nicht.

Die Tafelfolie ist sehr günstig gewesen und wie auch die Bewertungen prophezeiten, hält sie nur so mäßig gut und das ganze ist wohl nicht für die Ewigkeit. Ich wollte aber das Prinzip erstmal antesten bevor ich da mehr Geld reinstecke, außerdem habe ich Angst vor bleibender Türverschandelung. Weiß jemand eine Quelle für hochqualitativere Folie? Denn im Onlinekaufhaus hatten auch teurere Fabrikate ähnliche Bewertungen.

Bisher klappt das ordnen ganz gut, mal gucken ob das so bleibt.

Baby-Hängematte – Making of

Nach gut 3 Wochen Testphase kann ich berichten: der Minimensch liebt seine Hängematte. Er schläft darin besser und länger als im Bettchen, hat etwas weniger mit Blähungen zu kämpfen und lässt sich dort, wenn im Tragetuch eingeschlafen leichter ablegen. Er ist auch ganz gern drin, wenn er wach ist. Vor allem seit ich ihm zwei Pompons aufgehängt hab. Genau die richtige Dosis Entertainment derzeit.

Via twitter und auch schon beim ersten Post zur Babyhängematte, wurde ich gebeten, ein wenig genauer zu erklären, wie ich sie gemacht hab. Ich habe keine Fotodokumentation gemacht und zeichne nicht gut genug für eine gezeichnete Anleitung, aber ich probiere mal eine grobe Beschreibung der Vorgehensweise mit Maßen und einigen Fotos.

Benötigte Materialien:

3,50m Baumwollstoff, mindestens Nessel-Dicke, in meinem Fall Bio-Nessel ungefärbt
2 Knebelknöpfe
1 Kordelrest
1/2 Schafwollvlies aus altem Kopfkissen, gut gewaschen
1 Stück Gummi 25cm
1 Karabiner
1 Wiegenfeder, gibts online z.B. im bekannten Ausbeuterladen aber auch in Spezialshops
1 Holzstab mit Aussparungen an beiden Enden (bei uns ein Stück eines ausgemusterten Lattenrostrahmens)

Konstruktion und Maße:

Die Hängematte ist, sehr grob gezeichnet, folgendermassen konstruiert:

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Ich habe ungefärbte Baumwolle verwendet hauptsächlich weil ich Biostoff wollte und weil 3,50m eines bunten Biostoffs schnell unbezahlbar werden. Hellgelb oder ein zartes grün hätte ich auch schön gefunden.

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Die Hängematte selbst entsteht aus einer Stoffbahn von 2,8 x 1,2 m. Zusätzlich muss man noch eine Hülle für die eingeschobene „Matratze“ nähen, ein Stoffstück am Kopfende einsetzen und eine Knopfleiste und Schlaufen anbringen.
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Wir planen die Hängematte als Reisebett zu verwenden, bis der Minimensch zu schwer für die Feder ist (also schwerer als 15 kg) – deshalb ist unsere Hängematte extendable. Derzeit ist die Liegefläche 35*80cm, sie kann aber auf 40*110cm vergrössert werden, indem eine entsprechend grössere Matratze eingeschoben wird. Das muss man natürlich nicht so machen.

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Folgendermassen bin ich vorgegangen:

Stoff vorgewaschen und 100 Stunden lang gebügelt. Sehr wichtig, denn auf die Menge Stoff ist 5 cm einlaufen schon erheblich.

An den langen Kanten einen doppelt eingeschlagenen Saum von 1cm Breite umgebügelt und abgesteppt.

Die kurzen Kanten einfach 1cm umgebügelt, NICHT ABGESTEPPT.

Die Enden an den kurzen Seiten um 40cm überlappend übereinandergesteckt. Nun die Kanten der entstandenen Liegefläche an den beiden Längsseiten doppelt abgesteppt. Am Kopfende wird die Liegefläche mit dem Stoffeinsatz verschlossen, am Fußende bleibt sie offen, so dass die Matratze rausgenommen und gewaschen werden kann.

Für den Einsatz am Kopfende ein Stück Stoff in 42*40cm zuschneiden, die beiden unteren Ecken leicht abrunden und an der oberen Kante (42 breit) einen Tunnel umbügeln, schmal absteppen und ein 25cm langes Gummi einziehen. Die anderen Kanten einfach umbügeln und in die kopfseitige Öffnung der Hängematte stecken, absteppen.

Die Matratze besteht auch aus Nessel, die Hülle ist 40*85cm inkl Nahtzugaben, Ecken wiederum gerundet, schmal abgesteppt, dabei eine kurze Seite offen gelassen, gewendet, mit Schafwolle gefüllt, Wendeöffnung von aussen verschlossen.

Zuletzt noch die Knopfleiste. Dafür 2 große Knebelknöpfe mit einem Stoffstreifen und Kordel festgesteppt und an der Gegenseite 2 Schlaufen aus Kordel, auch mit Stoffstreifen festgesteppt. So kann der Minimensch auch wenn er etwas bewegungsfähiger wird nicht rausfallen.Bisher machen wir die Knöpfe am Fußende eigentlich nur zu, wenn wir den Minimensch vor Zugluft schützen wollen.

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Wie gesagt, bei uns werden noch ca 25cm Stoff einfach weggerollt, die später die längere Liegefläche ergeben, man kann die Liegefläche gleich grösser machen, oder die ganze Chose aus weniger Stoff nur für kleine Minimenschen.

Den Holzstreben hat Herr Siebenhundertsachen zurechtgesägt, er ist 50cm breit, geschliffen und geölt aus Buche, war mal der Querstreben eines Lattenrosts.
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Wenn ihr Fragen habt, einfach melden, ich bemühe mich dann, die so gut es geht zu beantworten.

Babyhängematte

Zur Babyhängematte gab es schon einige gespannte Nachfragen. Seit letzter Woche ist sie fertig und hängt probeweise im Wohnzimmer:

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Wir haben erstmals auf einer Hochzeit im letzten Herbst, ein Baby seelig in einer Hängematte schlummern sehen und waren davon schon ziemlich angetan. Herr Siebenhundertsachen ist ein Riesen-Hängemattenfan und würde am liebsten das Sofa zugunsten einer Hängematte abschaffen, da lag es nahe, eine Hängematte als Reisewiege in Erwägung zu ziehen.

Diese erste, die wir gesehen haben, war konstruiert wie eine „normale“ Hängematte und hing in einem Gestell. Nach einer ausgiebigen Internetrecherche stellte sich heraus, dass Babyhängematten ziemlich teuer sind und dass wir lieber nicht so ein klassisches Hängemattenmodell, sondern lieber ein Hängewiegenmodell wollen. Die klassischen kleinen Hängematten sind nicht unbedingt dazu geeignet, sein Kind unbeaufsichtigt darin schlafen zu lassen, da das Kind sich theoretisch – und nach einigen Berichten im Internet auch praktisch – mit der Hängematte umdrehen kann. Zwar kann man das Kind in den Dingern anschnallen, aber mal ehrlich, Visionen von meinem Baby, wie es mit seiner Hängematte in einem Anschnallgurt hängt sind auch nicht unbedingt zu meiner Beruhigung geschaffen. Wir wollen die Hängematte schließlich gern als mobiles Bett nutzen, sowohl innerhalb unserer Wohnung, ähnlich wie einen Stubenwagen, als auch auf Reisen. Die Alternative stellen dann die Hängewiegen aus Stoff dar, die es von einigen wenigen Herstellern gibt und die, meiner Recherche nach, für den Einsatz als Bettersatz geeignet sind.

Die Websites der Hersteller singen eine ellenlange Litanei auf die Vorteile dieser Hängewiegen, die ich jetzt mal unkommentiert lassen möchte. Für uns war eigentlich der Entscheidungsprozess so: 1. Wow, in sowas würd ich auch gern schlafen. 2. Es scheint medizinisch unbedenklich bis positiv und es gibt die Dinger sogar in Krankenhäusern. 3. Das Ding ist platzsparend und gut transportabel. -> Her damit!

Die Konstruktion, die Maße und Umsetzung haben wir uns selbst zusammengereimt. Folgendes Material habe ich verwendet:

3 m ungefärbter Bio-Baumwollnessel
1 geschlachtetes Schafwollkissen bzw. den Wollvlies daraus
Kordel von einem alten Bastrollo vom Schweden
Querstreben eines unser geschlachteten Lattenroste
2 Knebelknöpfe aus Holz
1 Streifen Canvas ungefärbt
25cm Gummiband
1 Karabiner

Die Hängematte wird oben an einer Feder aufgehängt, deren Schwingung angeblich die Schwingung im Mutterleib imitiert. Dies sei mal dahingestellt, uns kommt es schneller vor. Man kann diese Federn für Hängewiegen jedenfalls online kaufen und dies haben wir getan.

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Unsere Wiege hat derzeit eine Liegefläche von 35 * 80 cm. Sie kann aber bis 35 * 100cm erweitert werden, so breit ist die Stoffbahn. Im unteren Bereich ist der Stoff gedoppelt und bildet ein Fach in das man von vorn hineingreifen kann. Hier drin versteckt sich eine kleine Matratze mit Schafwollfüllung, die man getrennt waschen und später durch eine längere ersetzen kann.

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Der Einsatz am Kopfende ist mit einem Gummizug gerafft und am unteren Rand abgerundet. Am Fußende lässt sich die Wiege mit zwei Knöpfen schließen, die jeweils unter einem Streifen Canvas festgenäht sind. Wie gesagt, haben wir in der Länge der Liegefläche noch Spiel eingeplant und werden dann, wenn das Baby größer ist, eine längere Matratze einschieben und eine zweite Knopfreihe weiter außen anbringen. Die Feder trägt ein Gewicht bis 15 Kilo, wir hoffen also, der Minimensch hat länger was von seiner Hängematte.

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Die Holzstrebe oben ist 45cm breit und wurde von Herrn Siebenhundertsachen aus einem Querstreben unseres ausgemusterten Lattenrosts aus Buchenholz gefertigt.

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Derzeit hängt sie mit 2 1,5l Wasserflaschen belastet im Wohnzimmer zur Probe. Wir werden wahrscheinlich auch im Nähzimmer eine Aufhängung anbringen. Für den Einsatz in anderen Zimmern und Wohnungen, wollen wir ein Türreck erwerben, so dass sie prinzipiell in jeder Tür hängen kann.

Die Farbwahl fiel übrigens aus rein pragmatischen Gründen auf natur, es ist einfach die günstigste Variante Biostoff, denn 3m durchgefärbter Bio-Stoff in passender Dicke wären erheblich teurer. Sonst hätte ich vielleicht gelb oder ein helles grün genommen.

Die 15-Tage-Challenge

Da das auf- und ausräumen des MuFuZi ziemlich befreiend war, aber ich weder Zeit noch Energie habe, nun dauernd solche Riesenaktionen zu stemmen, habe ich mir vorgenommen, den gewonnenen Elan in eine kleine Aufgaben-Challenge zu investieren und so diverse Schmuddelecken anzugehen, die es schon lang mal nötig hatten. Ab dem kommenden Montag, bis zum offiziellen letzten Arbeitstag am 23.4. habe ich mir für jeden Tag eine kleine Aufgabe ausgedacht:

Mo, 8.4.: Schminkkommode aufräumen und überflüssiges gleich entsorgen.

Di, 9.4.: Strickprojektekiste durchsehen und sortieren, Stricknadeln sortieren, alles ins MuFuZi umziehen

Mi, 10.4. : Posteingangsstapel in der Küche wegsortieren.

Do, 11.4. : Postkarten aufhängen

Fr, 12.4.: Wohnzimmertisch aufräumen (auch unten drunter!)

Sa, 13.4. : Leergut wegbringen

So, 14.4. : Schreibtisch-Stapel sortieren und abheften

Mo, 15.4. : Fensterbänke Küche aufräumen

Di, 16.4. : Gartensachen sortieren, Töpfe spülen, Erde zusammenschütten

Mi, 17.4.: Kinderwagenbezüge waschen

Do, 18.4. : Kramansammlung auf dem Küchenbuffet wegräumen

Fr, 19.4. : Chaos auf der Schlafzimmerkommode wegräumen oder entsorgen.

Sa, 20.4. : Körbe mit Duschgel und Kosmetika aussortieren

So, 21.4. : Bürosachen wegräumen

Mo, 22.4. : Dekokram in die Abstellkammer wegsortieren

Ich habe bei meiner Planung grob einbezogen, wieviel Zeit ich am jeweiligen Tag ca. haben werde und ob ich z.B. so früh zuhause bin, dass ich was draußen machen kann.

Ich werde jeweils im Lagebericht am Samstag berichten, ob es geklappt hat, alle Aufgaben zu erledigen. Möchte sich vielleicht jemand anschließen? Viele dieser Schmuddelecken finden sich ja so oder so ähnlich in jeder Wohnung, da kann man sich bestimmt mit wenigen Abwandlungen eine eigene Challenge-Liste stricken. Wer auch sein Karma vom Ballast befreien und Raum fürs Frühjahr schaffen will, ist herzlich eingeladen!

Tag 5 – Finale

Heute konnten wir den Tag gemütlicher angehen, denn es stand nur noch putzen und Müll wegbringen auf dem Programm. Außerdem noch sehr viel Wäsche.

Aber jetzt erstmal Fotos vom Ergebnis. Unser neuer Schrank, der eigentlich ein Regal ist:

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Links der Tür, wo vorher meine Nähecke war

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Rechts der Tür - die ehemalige Schmuddelecke des Zimmers

Es ging bei dem Projekt darum, Stauraum zu schaffen, für all den Kram, den wir in unseren Dachgeschosszimmern bisher offen in Regalen, Kisten und rumstehend lagerten. Zusätzlich natürlich neuer Platz für die Sachen des Minimenschen. Dabei sollten folgende Bedingungen erfüllt sein: Den Platz trotz Schräge optimal ausnutzen, weitgehend ‚child proof‘ sein, nicht allzu teuer und nicht gänzlich nur in dieser Wohnung nutzbar. Nach einer denkbar knappen Recherche zu angepassten Schrägen-Schränken war klar, dass diese Option nicht in Frage kommt. Auch einen Schrank komplett zu bauen, haben wir verworfen. In einer Mietwohnung extra angepasste Möbel zu bauen, schien uns wenig zielführend. So kamen wir schnell auf den Trichter, dass eine Regalkombination Sinn machen könnte. Wir entschlossen uns für IKEA-Hacking und das Alltime-Standard IVAR.

Natürlich passen die verfügbaren Leiterlängen nicht exakt. Die längste Grösse (2,26) würde in dem Raum nur genau in der Mitte passen – uns blieben also nur die zwei Maße 1,79 und 1,24 – mehr bietet das abgespeckte Sortiment nicht mehr. Folglich haben wir die Leitern individuell zugesägt. Die kürzeste Leiter ganz links in der Ecke ist unter 40cm lang, die langen neben der Tür 1,79.

Wir haben einige Wochen lang alles abgegrast, was sich an gebrauchten Teilen in der Umgebung aufkaufen ließ und außerdem Bretter und Leitern von Eltern und Schwiegereltern bekommen. Neu kaufen mussten wir nur einen Schrank (links) & eine Kommode (rechts). Folglich eint unser Schrank nun Elemente aus den späten 70ern bis heute. Daher sind sie farblich auch recht unterschiedlich, aber das wird sich ja geben.

Die Kommode mit den kleinen Fächern war pottenhässlich OP-grün lackiert. Nach Anschliff hab ich sie 3mal weiß lackiert- leider ist fast nichts so schwer wieder auszubügeln wie ein mit viel Liebe und Dilletantismus erfolgter Lackanstrich-perfekt ist das Ergebnis nicht. Alle anderen Teile hat Herr Siebenhundertsachen z.T. sehr mühsam abgeschliffen und ich hab sie danach geölt.

Die Schränke links der Tür fassen nun grob den Bereich „werkeln“ . Hier ist nun mein Stofflager, meine Schnitte und Nähzeitschriften. Die weiße Kommode enthält Bastelsachen und Kurzwaren. Darüber ist die Fotolabor-Ausstattung des Gatten eingezogen.

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Rechts der Tür ist weitgehend Minimensch-Zone. Die Kommode ist seiner Kleidung zugedacht, der Schrank darüber fasst Decken und zugehörige Bezüge, Schaffelle und anderes. Ganz außen das kleine Regal, soll mal Kisten mit Spielzeug enthalten.

Leider fehlen uns noch passende Holzkisten für die kleinen Ecken. Es gibt nirgendwo welche in 50 tief und 40 breit. Ich werde daher wohl noch welche basteln müssen – eine Idee hab ich schon.

Das Zimmer ist einmal dem Minimenschen zugedacht, aber erst, wenn er unserem Schlafzimmer entwachsen ist. Zum Glück muss icn selbst dann nicht auf eine Nähecke verzichten. Ein Alternativplatz ist schon ausgeschaut. Erstmal bleibt sie aber noch im MuFuZi, sie ist an die gegenüberliegende Wand, neben das Fenster umgezogen.

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Auch unsere Instrumente dürfen noch etwas bleiben, bevor der Minimensch ihnen gefährlich wird…

Ich bin sehr zufrieden. Das Zimmer hat deutlich an Ordnung und Stauraum gewonnen. Einiges wurde entsorgt, Kram aus anderen Zimmern untergebracht, ein Grundstein für die langsame Evolution vom Gäste-Näh-Musik-Zimmer zum Kinderzimmer ist gelegt.

Nebenbei sind damit nun auch die anderen Räume bewohnbar geworden, so dass wir nun die restlichen Urlaubstage genießen können.

Tag 4

So langsam wird es. Nach einer Runde Eier färben und Wäsche aufhängen wurde heute nun der Schrank eingeräumt. Endlich ist mein Stofflager gut verstaut und auch die Bastelsachen sind sortiert und in Schubladen und Schränken verstaut. So manches, was bisher an anderen Orten im Wege stand, hat nun einen echten Platz. Zum Beispiel die Fotoentwicklungsausstattung von Herrn Siebenhundertsachen oder das eine oder andere herumfliegende Notenblatt. Die Kommode und der Schrank des Minimenschen sind noch leer und warten, dass alle kleinen Klamotten aus der Wäsche kommen. Ein bisschen Platz hat der Schrank noch – aber der darf ruhig erstmal als Puffer dienen. Was bisher lose und in Regalen im Zimmer war, ist nun verstaut.
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Ein Scheitern auf der ganzen Linie, war allerdings der Baumarktbesuch. Wir wollen das Holzlager mit OSB-Platten verkleiden. Eine Platte hatten wir noch und wollten nun passend noch zwei weitere besorgen und zuschneiden lassen … tja. Leider gab es nur das falsche Maß und zugeschnitten werden die auch nicht… also sieht das Holzlager nach wie vor so aus:
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Außerdem wollten wir Holzkisten besorgen, für die Stellen, an denen Regal ohne Türen ist. Leider hat die Holzkisten-Auswahl doch stark abgenommen und unser gewünschtes Maß von 40*50cm Grundfläche, das den Platz optimal ausnutzen würde, gab es gar nicht. Deshalb gibt es nun leider noch solche Schmuddelecken:

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Weiß jemand, wo man günstig Holzkisten in 50 tief, 40 breit und 20-30 hoch herkriegen könnte?

Ansonsten steht nun für morgen das große Putzen an, denn sowohl das MuFuZi als auch alle anderen Zimmer sind noch ziemlich baustellig anmutend. Und wenn dann das eine Zimmer geschafft ist (und die Anstellkammer als Bonus) – dann steht uns in 2-3 Wochen noch das Arbeitszimmer bevor, das tritt nämlich einen Teil seines Inhalts an den neu hinzugewonnenen Keller ab…

Tag 3

Auf Grund einer quasi schlaflosen Nacht, war ich heute eher nicht so zu gebrauchen. Nachdem ich heute morgen die zweite Hälfte der Abstellkammer des Schreckens aufgeräumt hatte und wir die Schwedentour zur Beschaffung der fehlenden Teile hinter uns hatten, musste ich erstmal schlafen. Zum Glück habe ich einen tollen Gatten, der derweil den neuen Schrank geschliffen und den Rest der Regalschrankwand aufgebaut hat. Nun steht sie fix und fertig da und wartet darauf, befüllt zu werden.

Naja, fast fix und fertig. Das Op-Kittel-Grün hat sich immernoch nicht geschlagen gegeben. Deshalb habe ich heute abend die Schubladen der Kommode nochmal lackiert. Sie trocknen nun und werden dann morgen auch befüllungsfertig sein.

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Schon eingerichtet ist hingegen der Nähtisch am neuen Platz. Endlich konnte ich auch meinen Garnrollenhalter montieren.

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Morgen früh werden also erstmal Stoffvorrat, Bastelutensilien, Fotoausstattung und Dekokram einziehen. Und danach werden die Kleidungsstücke des Minimenschen ein-zwei Ründchen in der Waschmaschine drehen. Derweil wird Herr Siebenhundertsachen zur Abwechslung mal wieder den Baumarkt visitieren. Denn das Holzlager braucht noch eine ordentliche Verkleidung.

Lagebericht 8/2013

Das war ja nun wirklich wettertechnisch ein Lichtblick Anfang der Woche. Leider ist das heute schon wieder vorbei. Aber gut, machste nix, ne? Der Minimensch und ich haben diese Woche ein wenig über die richtige Schlafposition gestritten. Deshalb waren die Abende von Müdigkeit und wenig Aktionismus geprägt. Keine besonders produktive Woche also.

Das bisschen Haushalt: läuft. Die Wäscheberge schrumpfen. Ordnung ist hier im Moment sehr relativ, vor allem weil hier überall derzeit die freien Plätze von sowas hier besetzt sind:

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Und sowas:

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Wir horten gerade Regalteile und Kommoden- und Schrankelemente, wann immer sie gebraucht zu bekommen sind (und das ist selten genug). Über Ostern werden sie dann bei der Umgestaltung des MuFuZi ihren Auftritt haben. Dann sollen sie dazu beitragen, dass dort nix mehr lose oder in Pappkisten rumfliegt und sollen die Sachen des Minimenschen beherbergen. Der hat nämlich schon ganz schön viel Kram dafür, dass er noch gar nicht da ist… Bis dahin stehen allerdings sowohl die Regalteile als auch die Minimensch-Sachen irgendwie im Weg herum und sorgen dafür, dass nur Teile der Wohnung je ordentlich aussehen. Deshalb stockt auch das ausmisten etwas – lohnt irgendwie nicht, so kurz vorm erneuten räumen.

Kulinarisches: öhm wenig. Eingelegte Rote Beete mit Bratkartoffeln und Spiegelei, Nudeln, Falafeln, Rohkost.

Werkeln: diese Woche stark erschwert, weil das Nähzimmer seiner zweiten Aufgabe als Werkraum nachkommen musste. Da blieben die Maschinchen unter schützenden Hüllen. Die meiste Werkelzeit hab ich diese Woche mit dem umbügeln von knapp 7m Saum verbracht. Doppelt. Und abgesteppt. Auch doppelt. Gesegnet sei mein Zicken-freies Janome-Arbeitstier, das auch unter solch erschwerten Bedingungen noch schnell und zuverlässig gerade und regelmässige Nähte produziert.

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Nike riet am Sonntag richtig: eine Hängematte für den Minimensch wird es. Der langweiligste Part ist überstanden, mal schauen ob meine Konstruktionsgedanken aufgehen.

Ansonsten ist das erste Knäuel meines neuen Pullis weggestrickt. Manch eine mag sich fragen, warum ich im Frühjahr einen Herbstpulli anfange. Die Antwort ist einfach: Ich erwarte nicht, vor dem Herbst fertig zu sein, denn ich bin Weltmeisterin im langsam stricken.

Morgen ist Nähkränzchen. Da gibts dann auch mal wieder was für mich. Ein Jerseykleid. Vielleicht mit kurzen Ärmeln? Außerdem sollte ich mal einen weiteren Nicht-Wollrock fertig machen. Wird ja irgendwann Frühling, oder? Die neue Knip ist endlich da und ich finde sie grandios. Habe sogar den Plan für das erste Post-Bauch-Kleid nochmal übern Haufen geworfen!

Und sonst? Gelesen habe ich über Jan Müller, der genug hat. Und über Kinder, die nicht mehr Kinder sein dürfen. Und gesehen hab ich eine erschreckende Doku über Fukushima und das schlimme Katastrophen-Missmanagement. Und einen Bericht beim WDR darüber, wie viel Essen wir täglich wegwerfen und wie vermeidbar das wäre.

Unnötig zu sagen, dass die Revision meines Papers immernoch nicht fertig ist. Aber zumindest auf dem Wege. Ich schätze sogar schon auf der Schlussrunde.