Sonntagssachen 15/2020

Früh am Morgen in Ausflugsschuhe geschlüpft. Wackelige Babymurmeltiere und andere Baby- und ausgewachsene Tiere angeguckt, leider auch deutlich zu viele Menschen, die keinen Abstand halten. Munition gemacht. Marmelade gekocht. Nudeln mit grünem Spargel gegessen. Terrassenabend mit Kerze, Wein und Buch.

Festes Shampoo selbst herstellen

Ich bin schon seit längerem auf festes Shampoo umgestiegen. Das ist nicht nur Plastikfrei, es ist auch sehr viel handlicher zu transportieren und als ich erstmal die richtigen Produkte gefunden hatte, war es für meine Haare und Waschrhythmen auch insgesamt am verträglichsten. Festes Shampoo ist – im Gegensatz zu Haarseife – keine Seife, also nicht gesiedet und hat üblicherweise einen sehr viel neutraleren PH-Wert als Seife. Auch festes Duschgel ist keine Seife sondern basiert auf hautverträglicheren weil milderen Tensiden als Seife, letztlich ist es das selbe wie Seifenfreies Waschstück nur in More Fancy und instagramable.

Ich habe trockene, lockige Haare und eine sehr empfindliche Kopfhaut, die zu jucken neigt. Ich wasche alle 2-3 Tage und wende danach eine Spülung oder Haaröl an. Mit dieser Konstellation komme ich sehr gut zurecht mit den meisten festen Shampoos von Lush und dem Shampoo Nessi von sauberkunst. Demgegenüber sind die festen Shampoos von alverde und von Foamie bei mir durchgefallen. Leider kann ich beide Lieblinge nicht vor Ort kaufen sondern muss sie immer mit teuren Versandkosten bestellen und günstig sind die ohnehin schon nicht. Gerade Lush finde ich auch schon länger etwas fragwürdig, eher greenwashing als Green. Selbermachen liegt also nahe. Wichtig ist für mich, dass ein festes Shampoo gut und leicht stabilen Schaum produziert, ohne dass man es wie bekloppt auf dem Kopf rumschubbeln muss (sonst sind die Locken nämlich nachher ein Vogelnest) und dass der Fettanteil gering ist, sonst sind meine Haare zu stark beschwert. Im Idealfall ist außerdem das Tensid sehr mild, damit meine Kopfhaut nicht gereizt wird. Mir fiel auf, dass alle festen Shampoos, die ich gut vertrage eine eher körnige Grundstruktur haben und nicht sehr dicht sind, während die, die meine Haare pappig oder schwer oder störrisch machen, eher eine Grundstruktur wie Seife haben. Ich suchte daher nach Anleitungen, wo die Fotos eine ähnliche körnige Oberfläche erahnen lassen und wurde fündig bei mix dich glücklich. Diese Anleitung adaptierte ich so, dass die Inhaltsstoffe gut für empfindliche Kopfhaut sind. Das Ergebnis überzeugt mich sehr. Ich habe nun Shampoo, das toll schäumt, so gut reinigt, dass ich nur alle 3 Tage waschen muss und bisher auch kein Jucken verursacht hat.

Folgendermaßen mache ich mein festes Shampoo:

Für 2-3 Stück

50 g SLSA Tensid in Pulverform

30g Speisestärke

20g Heilerde-Pulver

20 g Mandelöl

15 Tropfen Rosmarinöl

15 Tropfen Teebaumöl

Mundschutz tragen, da das SLSA sehr staubt – ist ja derzeit eh stets zur Hand.

Alle Zutaten in eine Schüssel geben und gut durchkneten. Das geht mit der Hand oder auch mit den Knethaken der Küchenmaschine. Aus dem „Teig“ 2-3 Stücke formen. Wer hat kann eine Seifenform nehmen, es geht aber auch Freihand. Wichtig ist, die Masse sehr gut zusammenzudrücken. Ich Knete Freihand und nehme als Orientierung meine Seifendose, das geht auch.

Die fertigen Stücke sollten 2-3 Tage aushärten. Zur Aufbewahrung empfiehlt sich eine Seifendose oder ein Seifensäckchen. Das feste Shampoo in der offenen Dose stets wieder abtrocknen lassen vorm verschließen und möglichst nicht in der Dusche stehen lassen, da es Feuchtigkeit zieht und dann ein matschiger Klumpatsch wird.

Noch einige Worte zur Wahl des Tensids. SLSA gehört zu den milderen Tensiden, es gibt aber sicher noch mildere. Ich verwende es in erster Linie, weil es wirklich gut zu bekommen ist (Meines ist von einem Kosmetik-Bedarfs-Shop auf eBay) und auch einfach in der Verarbeitung, weil es ein Pulver ist. Ich praktiziere die Curly Girl Haarpflege Routine und habe eher empfindliche Haut und komme gut mit SLSA klar. Wer allerdings ein noch sanfteres Tensid sucht, könnte SCI ausprobieren, das ist sogar Vegan. Es ist allerdings auch 3-4mal teurer und soweit ich lese etwas komplizierter im Handling. Mein SLSA Vorrat ist nun leer, also vielleicht bestelle ich mal etwas SCI für den nächsten Batch Shampoo….

Mit festem Duschgel laborierte ich etwas länger. Schon zu Weihnachten habe ich verschiedene Rezepturen probiert, die sich in erster Linie durch ihren Fettanteil unterschieden. Weil ich sehr trockene Haut habe, verwende ich normalerweise Duschöl. Ein hoher Fettanteil im festen Duschgel impliziert allerdings nur sehr wenig Schaum. Da brauchte ich etwas, bis ich das für mich so gedreht hatte, dass es mir ideal erscheint und auch vom Verbrauch her ok ist – denn weniger Fett bedeutet oft auch, dass das Dusch.Stück sehr schnell weg ist. Ich habe nun eine Rezeptur gefunden, die ich im nächsten Post vorstellen werde.

Bloggen und Leben in Zeiten von Corona 4/x

Pause. Das wäre schön.

Als wir nach den „Ferien“ wieder den Plan für die Schultage erstellten, der ja auch beinhaltet, wann der Mann und wann ich Arbeitszeit haben, habe ich mir jeweils vormittags und nachmittags eine halbe Stunde Pause aufgeschrieben. Denn tatsächlich sitzen wir zwar de facto viel Zeit hier rum, kommen nicht so produktiv zu nix, aber machen doch nie Pause. Nie wirklich.

Der Alltag besteht jetzt aus sehr eng getakteten Fenstern. Das war schon im „normal“ so – aber ist jetzt potenziert. Man ist immer in einem stark eingeengten Zeitfenster in das zudem lauter andere Sachen reindrängen.

Aufstehen, kuscheln, vorlesen. Huch, das war das Dusch-Zeitfenster. Jetzt aber schnell Frühstück, gleichzeitig schminken, denn vor der Telko um 9 müssten noch die Aufgaben für den Tag besprochen, 17 Dinge wiedergefunden und kurz kurz schnell die Unterlagen für das Meeting gelesen werden. Nach dem Meeting aber zacki raus aus dem Arbeitszimmer, kaum noch Zeit zu notieren, was gleich noch schnell gemacht werden muss, besser den Laptop mit ins Kinderzimmer nehmen, der Mann braucht das Arbeitszimmer für Videokonferenz. Das kleine Kind bespaßen, zeitgleich Wäsche sortieren und die Spülmaschine anwerfen denn zack – da kommt das große Kind und hat Frühstückspause. Smoothie und mehrere Brote später. Neuer Versuch Spülmaschine. Ach das war das Sport-Zeitfenster. Nee, das vertagen wir, denn huch – dringende Mail. Derweil malt das kleine Kind mit Wasserfarben ohne Kittel und schüttet den Smoothie auf den Kinderzimmerboden. Während eigentlich nun dran wäre die Küche in betretbaren Zustand zu bringen, passiert leider ein Pipiunfall und das große Kind versteht die Matheaufgaben nicht, Papa kann aber nicht helfen weil Video. Ich überspringe Mittagessen und das „schnell mal Mails checken“-Zeitfenster, das die Kinder „Mittagsmedien“ nennen. Puh, meine Arbeitszeit beginnt, den Mann vom Schreibtisch schubsen und noch schnell den Kaffee auffüllen, da ist auch schon das nächste Videomeeting. Im Rest des Hauses Eskalationsgeräusche, kurz darauf schnaubendes Kind am Schreibtisch neben mir. Scheinbar hat Papa das nächste Lernzeitfenster angemahnt. Nach dem Meeting wäre die Zeit alle Dinge abzuarbeiten, die eigentlich meine Arbeit sind, wenn ich nicht in Videokonferenzen bin. Allerdings sind das Dinge für die ich denken muss und das lohnt eigentlich gar nicht mehr, das für die nächste Stunde noch anzufangen und da kommt auch eh noch ne wichtige Mail und müde bin ich auch. Aber besser schnell machen, in zwei Stunden ist wieder der Mann am Schreibtisch dran. Raus aus dem Arbeitszimmer haben die Kinder schon Quengelstunde, die Sonne scheint, schnell in den Garten, dort etwas rumwerkeln aber halt – wer macht denn eigentlich was zum Abendessen? Sobald die Kinder in den Betten liegen, ist leider alle Energie weg. Aber noch Arbeit da, und Küchenchaos, und besorgniserregende Nachrichten.

Es fehlt sehr konkret Zeit für Sport, selbst die normale 15-minütige Yogapraxis ist einfach nicht unterzubringen, es ist immer irgendwo ein Kind, eine Videokonferenz, Chaos oder Streitschlichtungsbedarf. Und Zeit, die eigenen Gedanken zu hören, die fehlt auch sehr, innehalten. Z.B. Auf dem Heimweg. Einfach mal kurz sortieren. Zeit für Podcasts und für lesen. Und natürlich auch um ohne dass direkt daneben jemand bombenmäßige Chaoseskalation macht, irgendwo irgendwas aufzuräumen und zu putzen. Zeit zu zweit. Zeit allein. Pausen.

Ich mache jetzt, wenn ich aus dem Arbeitszimmer komme, eine halbe Stunde Pause. Ich sage in der Zeit ca. 80 mal „Ich habe gerade Pause, ihr müsst euch gedulden“. Aber ich sitze mit einem Kaffee irgendwo und bemühe mich, Lärm, Chaos und schlechte Nachrichten zu ignorieren. Braucht noch etwas Übung, aber der Wille zählt.

Macht das, alle! Plant euch Pausen ein.

Sonntagssachen 13/2020

Eine Croissantfamilie gebacken. Gefrühstückt. Fußball gespielt – das Kind vermisst die Hofpause und die OGS. Im Gemüsebeet nach dem rechten gesehen. Aufgetauten Kuchen gegessen. Kartoffel-Bohnen-Gemüse mit Thymian. Masken genäht.

Sonntagssachen 12/2020

Frühstück. Eher anspruchsvolles Yogaprogramm. Einen riesigen Haufen halb verrottetes Holz sortiert, scheinbar lag da mitten in unseren Himbeeren ein ganzer grob zerlegter Baum, immer mal was neues. Haferkekse gebacken – die Sonntagssüß-Auswahl wird zunehmend vom Eiermangel bestimmt. Tomaten ausgepflanzt. Kaffeepause in der Sonne. Und lesen in der Sonne. Und angegrillt.

Sonntagssachen 11/2020 – vergessen

Huch, da hab ich doch vergessen, die Sonntagssachen zu posten. Croissants gebacken- ich laboriere noch, finde sie zu schwer. Einen Schnitt kopiert. Stoffrestrechtecke auf Vorrat geschnitten und farblich sortiert. In den Kampf gegen Brombeeren gezogen, damit es uns nach der Corontäne nicht ergeht wie Dornröschen. Und hach was ist Frühlingsgrün schön! Einen neuen Plan gemacht, Schule geht ja wieder los. Wochenendausklang aber ohne Alkohol mit Appléritif. Was genäht.

Sonntagssachen 8/2020

Sonntag, Croissants – diese Woche zu blass. Maus. Sauberkeit, Kind of. Salatbabies umgesiedelt. Schwedische Haferplätzchen gebacken. Kaffee in der Sonne. Abgekettet. Falafeln gegessen. Ein seeeehr großes Tuch gewaschen und gespannt (The Joker and the Thief von Melanie Berg).

Bloggen und Leben in Zeiten von Corona 3/x

Diese letzten Woche und das Wochenende davor scheinen bei vielen eine sehr betrübte Grundstimmung gehabt zu haben. Schon bei der Podcastaufnahme am Mittwoch letzter Woche war für mich gerade auch der Blick auf die Folgen der Krise für die Entwicklungsländer schmerzhaft.

Die Zeit und dass es ja zwangsläufig erst der Anfang ist, schlaucht und gleichzeitig kommen wirklich unschöne wenig beruhigende Nachrichten aus den USA, aus Frankreich und auch wieder aus China. Und das Wissen, dass wir in dieser Sorge, Unsicherheit und auch Tatenlosigkeit noch viel Wochen irgendwie unseren Alltag meistern müssen, kann durchaus ermüden und erschüttern.

Gerade deshalb heute ein paar schöne Bemerknisse.

Als Familie haben wir eine wirklich gute Startsituation für diese ganze Misere jetzt. Wir haben beide einen Beruf, den man problemlos vom Home Office aus machen kann. Dadurch dass wir beide Ex-Wissenschaftler*in sind, sind wir sowohl an Home Office als auch an das Arbeiten in verteilten Teams gewöhnt. Auch unsere Kinder kennen uns im Home Office zumindest ein Stück weit schon. Und ja, gerade ist es nützlicher als sonst, dass ich ‚nur’ 70% arbeite – diese Flexibilität ist Gold wert, zweimal Vollzeit wär gerade nicht drin. Wir haben ein Haus mit Garten und reichlich Platz uns auch mal aus dem Weg zu gehen. Wir haben ohnehin eine umfangreiche Vorratshaltung und auch Platz für Vorräte. Und wir haben Internet, ein ohnehin schon großes Netzwerk online und selbst unsere Familien und Eltern sind digitalfähig genug, dass z.B. der Kontakt zu den Großeltern gewährleistet ist – das ist ja für so kleine Kinder eine lange Zeit ohne Kontakt, wenn sie sonst die Großeltern regelmäßig sahen. Wir sind beide einigermaßen chaostolerant und können die langsame Vermüllung des Hauses gelassen hinnehmen, denn aufräumen und putzen geht definitiv unter. Wir müssen nicht unterbezahlt unser Leben aufs Spiel setzen, wie soviele in systemrelevanten Berufen. Man kann das nicht hoch genug schätzen, was für großes Glück wir haben und auch wie tief dankbar ich allen bin, die gerade zu unser aller Wohl über sich hinaus wachsen, sich einsetzen, umdenken, abrackern und da sind.

Und bei allen Sorgen im Großen, die wirklich da sind. Und aller Anstrengung die die Organisation unseres Lebens derzeit halt erfordert. Und auch allen großen und kleinen Hürden der sozialen Isolation. Es gibt für uns auch gute Seiten.

Wir sind hier alle ziemlich in einen uns angepassten Rhythmus rein mäandert. Das startet damit, dass wir morgens etwas länger schlafen, was uns allen sehr entgegen kommt. Dass der Minimensch morgens Zeit hat im Tag anzukommen und in Ruhe zu frühstücken bevor er sich an die Schulaufgaben setzt. Dass der Mann und ich in unseren jeweils produktiveren Zeitfenstern arbeiten und nicht in denen, die die Betreuung und die Nachmittagsaktivitäten uns lassen (zum Glück ergänzen wir uns da, sonst wäre auch doof). Dass der Minimensch seine Aufgaben in seinem Rhythmus macht, was für ihn bedeutet, meist nach 30 Minuten fertig zu sein und dann auch eine Pause zu machen und nicht 45 Minuten da zu sitzen und dann gehetzt sein Brot zu essen. Man merkt erst jetzt so richtig, wie weit wir eigentlich von unserem Ideal weg sind normalerweise. Wir dachten immer, die Kinder seien es, die uns von unserem Rhythmus abgebracht haben, aber de facto ist es die Betreuungssituation, die Schulpflicht und die Arbeitswege. Nur mit den Kindern ist fluffig dagegen, denn die sind – erfreulich erfreulich – da mehr wie wir, als man denken würde.

Die Kinder schätzen einander sehr, sie sind zu einem richtig eingeschworenen Team zusammengewachsen. Sie spielen viel und toll miteinander. Dabei machen sie zwar unsägliches Chaos und essen gefühlt ständig irgendwas. Aber sie sind absolut super miteinander. Sie gehen sehr viel in den Garten und buddeln und forschen da so rum, besonders viel Animation leisten wir da nicht (könnten wir auch nicht – schon die grundlegenden Lebensbedürfnisse und die Arbeit zu managen ist mehr als genug) Natürlich gibt es mal Streit. Aber viel weniger als wenn Schule ist. Denn es ist mehr als deutlich, dass der Schulrhythmus das Kind stresst. Es ist super motiviert und macht eigenständig Aufgaben. Es braucht auch eine feste Struktur. Wenn wir vom ausgemachten Tagesplan abweichen ist sofort Sodom und Gomorrah. Aber der Plan ist halt auf aller Bedürfnisse abgestimmt.

Es ist schön die Kinder so viel beobachten zu können, zu sehen wie sie lernen und sich entwickeln. Gerade das Lernen und Arbeiten des Minimensch zu sehen, wenn er nicht gerade furchtbar wütend darüber ist, dass er am späten Nachmittag oder am Wochenende noch Hausaufgaben machen soll ist wirklich ein interessantes Feld. Es macht Spaß ihn beim lernen zu sehen, zu bemerken, dass er – im richtigen Setting – großen Spaß am Lernen hat. Das ist wirklich schön. Der Mikromensch macht Riesensprünge, wird in kurzer Zeit so viel geschickter und sprachgewandter (auch trotziger, man hätte nicht gedacht, dass das möglich ist) und so langsam ahnt man, dass da in ein paar Monaten ein Kindergartenkind am Tisch sitzt. Ein Kind, das sehr selbstverständlich mit Wasserfarbe und Schere operiert, das Dutzende Lieder singen kann und liebevoll für seine Puppe sorgt. Das sich verstellt und dann darüber kaputt lacht. Und das mit großer Hingabe puzzelt.

Ganz toll finde ich, wie vollkommen selbstverständlich wir hier 50:50 machen, wenn wir können und dürfen. Während sonst da zwangsläufig ein Ungleichgewicht ist, weil ich halt nachmittags öfter da bin als der Mann, hab ich jetzt alle Nachmittage Arbeitszeit. Das genießen der Mann und die Kinder gleichermaßen und es führt gleichzeitig auch dazu, dass Haushalt und kochen sich gleichmäßig verteilen (oder gleichmäßig vernachlässigt werden, wie man‘s nimmt). Die Kinder erwarten jetzt bei allem ein stetes Abwechseln, die Schulfächer werden genauso auf die Eltern verteilt wie kochen, vorlesen, singen und umziehen. Aber natürlich immer an den heiligen Plan halten. Sonst gibt’s Ärger. Am liebsten wäre ihnen natürlich alle wären immer zusammen… aber naja, irgendwas ist ja immer.

Wir lieben den Garten und sind echt viel draußen. Mal produktiv mal weniger. Wir werden dieses Jahr sicher keine Großprojekte umsetzen und haben auch nicht alles hier um irgendwas großes anzugehen. Aber wir schneiden, graben um, pflanzen, säen nach, machen wenigstens hier und da wieder Struktur in die Wildnis. Und mit Glück werden wir irgendwas ernten. Mal gucken. Die Kinder teilen meine Gartenliebe in vollem Umfang und buddeln fröhlich überall mit. Der Minimensch hat eine große Leidenschaft für YouTube Gartenvideos und würde am liebsten sofort in die Selbstversorgung einsteigen. So weit würde ich nicht gehen, aber es tut gut wieder einen richtigen Garten zu haben und Sachen zu machen, die im Sommer oder sogar nächstes Jahr erst wirken werden, wie Bäume pflanzen oder Blumenzwiebeln setzen. Das schafft Perspektive neben der Kurzfristigkeit unserer Corona-getriebenen Weltsicht. Ich merke, dass ich das bei der Arbeit gerade schwer hinkriege, was langfristiges zu machen, aber im Garten geht das gut.

Wir lernen unglaublich viel. Große und kleine Dinge. Hefe züchten. Mundschutze nähen. Aber eben auch: Arbeit neu zu denken. Leben anders zu planen und zu organisieren. Mit etwas weniger Überfluss (von Mangel kann ja nicht ernsthaft die Rede sein) zu haushalten. Soziale Nähe zu gestalten unter Wahrung physischer Distanz. Ich habe enorm viel Sozialkontakte gerade. Ich bin eigentlich ein sehr geselliger Mensch, der gern andere trifft. Aber mit Kindern sind spontane Treffen am Abend in den letzten Jahren eher selten geworden – es muss ja immer irgendwer eine Kinderbetreuung organisieren. Dass man sich einfach virtuell treffen könnte – darauf kommt man einfach nicht. Und jetzt habe ich Strick- und Nähtreffen, Familien-Videokonferenz, Wein und Bier mit Leuten, die ich sonst nie abends einfach so treffen könnte, weil sie zumindest eine Stunde weit weg wohnen (das trifft auf 95% meiner Freunde zu). Ich habe eine sehr schöne Slack-Gruppe mit Kolleginnen, die ich zwar sonst im Büro mal zum Mittagessen treffe, aber die jetzt fast mehr „da“ sind, als im Büroalltag, wo wir ja alle in Schichten im Büro sind und oft eingespannt. Ich bin ein wirklich online lebender Mensch und trotzdem kommt es mir vor, als wären wir zusammen gewachsen. Das trägt mich über vieles. Selbst der Minimensch trifft sich mit seiner besten Freundin über Videokonferenz und erlebt so Nähe, die ihm schon sehr fehlt. Das fehlt den Kindern ja schon, die alltäglichen Treffen mit Kindern – aber zumindest im Kontakt mit der Familie und einigen Freunden können wir es ein Stück weit kompensieren.

Wir erleben, gerade online aber auch vor Ort, sehr viel Solidarität und Kreativität. Zum Teil sicher aus der Not heraus. Aber vielfach auch einfach aus dem Bedürfnis heraus „etwas zu tun“. Dabei geht es mir weniger um das klatschen vom Balkon als um großartige kleine und große Hilfsaktionen, Sammelaktionen, Angebote und Alltagsbegleitung. Ich war in den letzten Wochen sehr viel zuversichtlicher in Bezug auf unsere Solidargemeinschaft als ich es seit Jahren war.

Wir lernen als Gesellschaft. Viel. Das werden wir erst in vielen Jahren verstehen, wieviel eigentlich. Aber fest steht schon jetzt: die Beobachtung wieviel jetzt in sehr kurzer Zeit bahnbrechend anders gemacht wird als noch vor 4 Wochen lässt sich nicht zurückdrehen. Menschen werden anders auf Arbeiten, Wirtschaft und Soziales Leben blicken, als sie es bisher taten. Wir haben alle viel zu tragen und zu ertragen und wir werden Trauer und Sorge noch lang mit uns rumschleppen müssen. Aber vielleicht können wir punktuell wenigstens die kleinen Gewinne aus diesem großen Verlustspiel sehen.