Wickeln auf dem Schoß

Ich erzähle ja gern immer mal wieder, dass wir keinen Wickeltisch haben und brauchen. Das erscheint vollkommen verrückt, ist aber de facto absolut praktikabel. Als die Minimenschen noch ganz mikroklein waren, also noch relativ unbeweglich rumlagen und ihren Kopf noch nicht selbst halten konnten, haben wir sie einfach auf dem Bett gewickelt. Da ist dann auch genug Platz für’s große Geschwister um zu „helfen“. Das Bett nutze ich immernoch, wenn ich den Mikromensch nach dem Baden einöle und zum – streng beaufsichtigt – nackig rumtollen. Ansonsten ist der Mikromensch aber jetzt mit knapp acht Monaten so agil, dass das wickeln in Rückenlage eine stressige Kampfkunsteinlage ist. Das ist beim wickeln in Bauchlage auf dem Schoß vollkommen anders. Da hat man selbst trotzige zweijährige noch gut im Griff. Außerdem geht das tatsächlich überall und man ist nicht auf das Vorhandensein einer Wickelmöglichkeit angewiesen. (Und wenn die nur auf dem Damenklo ist, kann das dem Mann auch egal sein.) Weil sich allerdings wohl niemand so recht vorstellen kann, wie das gehen soll mit dem Schoßwickeln und ich auch keine Anleitung im Internet finden konnte, haben der Mikromensch und ich für euch mal ein paar Fotos gemacht:

1. Wichtig ist, dass man einen Stuhl oder Hocker hat, der nicht zu hoch ist. Die Beine sollten idealerweise einen 90-Grad-Winkel haben. Und los geht’s. Das Kind quer auf den Schoß legen:

Die Arme des Kindes hängen vorn locker runter. Man kann ihm ein Spielzeug geben oder ein Buch auf den Boden legen. Zum Schutz der Kleidung lege ich ein Moltontuch unter. Das eine Bein kann man etwas strecken, so dass das Kind hinten niedriger liegt, das ist aber Geschmackssache bzw. vom Kind abhängig. Das Kind liegt nah an meinem Bauch.

2.

Mit meinem linken Arm halte ich das Kind fest indem ich den Ellbogen vorm Kind auf mein Knie Stütze, die Hand kann ich dann trotzdem noch benutzen. Um unter dem Kind zu arbeiten, zB Windel aufmachen, Body hoch ziehen etc drehe ich die Hüfte des Kindes mit der rechten Hand hoch.

3. Auf geht’s. Windel öffnen:

Hier sieht man das gedrehte ganz gut. Das Kind liegt nun mit seinem Rücken an meinem Bauch und ich kann mit der linken Hand die Windel öffnen.

4. Windel drunter rausziehen geht meist ohne aufdrehen. Den Po säubern geht logischerweise viel besser von oben. Dann wieder aufdrehen um die frische Windel unterzulegen.

Hier lege ich gerade die frische Windel unter, dann Kippe ich das Kind wieder runter, sortiere die Windel am Rücken und hebe es dann nochmal halb an zum Windel zu machen.

5. Windel schließen

6. Body zu machen.

Wie man sieht chillt der Mikromensch bei dem ganzen ab und guckt sich den Boden an. Kein Vergleich zum wickeln in Rückenlage, wo er derzeit wie eine kleine Schlange sofort wegrollt wenn ich versuche irgendwas an ihm an- oder auszuziehen.

7. Jetzt noch die Hose wieder an.

8. Und fertig.

Natürlich kann man in der gleichenWeise auch das Oberteil wechseln. Aber zum üben reicht erstmal nur unten rum wahrscheinlich aus. Meldet euch wenn ihr Fragen habt.

Sonntagssachen

pixlr_20170410062809107Um 7.15 von Licht erwacht – Sonnenlicht – kurz darauf kam der Minimensch angetapert um mir zu verkünden, es sei schon hell – wir kuscheln noch etwas und stehen dann auf. Vor dem Frühstück schnell die Spitze an mein neues Mikrojersey-Unterkleid genäht, nach nur 2 Jahren, die der Stoff im Schrank lag, war es binnen 30 Minuten am Samstagabend fertig. Gefrühstückt. Den Bodensatz der Handtasche sortiert. Verschiedene Schokolade gehackt. Eine Blume geschenkt bekommen. Einen Muffin in der Sonne gegessen. Die genau mittige Reihe der Babydecke gestrickt. Die Zubereitung von Rosmarinkartoffeln an die Filialgeneration delegiert. Yoga gemacht.

Tagebuchbloggen am 28.10.2014

Der Tag beginnt um 5.00 mit fröhlichem Gebrabbel aus dem Babyfon. Aus unerklärlichen Gründen hat der Minimensch mit der Zeitumstellung seinen Rhythmus in die falsche Richtung verschoben. Statt bisher um sieben erwacht er nun nach neuer Zeit schon den dritten Tag in Folge um fünf. Und das obwohl er zur passenden Zeit am Abend einschlief. Ich war am Abend auch nicht ganz pünktlich im Bett und bin wenig begeistert nach knapp 6 Stunden geweckt zu werden. Ca 40 Minuten lang dösen wir also noch vor uns hin, während der Minimensch offenbar seinen Stofftieren Geschichten aus 1001 Nacht erzählt. Um 5.40 wird er allerdings ungehalten und ich gehe zu ihm rauf , gebe ihm Wasser und einen Beißring und erkläre ihm, dass es noch dunkel ist und alle noch schlafen. Er akzeptiert, sich nochmal mit mir ins Bett zu kuscheln, schläft aber nicht mehr. Um kurz nach 6 wird er endgültig lebhaft. Wir machen also das Licht an, gucken 2 Bilderbücher an. Man merkt ihm die inzwischen 3 Nächte mit zu wenig Schlaf langsam an. Er ist quengelig, tollpatschig und sehr ungeduldig. Heute fahren wir in die Arbeitsstadt und ich frage mich, wie ich ihn auf der Fahrt wachgehalten bekomme . aber erstmal suchen wir Klamotten aus und begeben uns um 6.30 ins Badezimmer.
Wie das immer so ist wenn man müde ist dauert alles ewig. Schwupp ist eine Stunde rum bis Familie Siebenhundertsachen komplett am Frühstückstisch sitzt, die Sachen für den Tag sind auch noch nicht gepackt und der Minimensch hat einen Anfall von spontanverhungern. Das erste Stück vom frischen Brot wird ohne Belag verschlungen derweil ich Kaffee zum mitnehmen koche, Snacks und Mittagessen in Dosen verpacke und ein Brot schmiere. Der Mann über nimmt die Fütterung und anschließende Bespaßung des Raubtiers, ich packe Schlaf- und Spielsachen ein und schminke mich. Wir sind jetzt alle 3 Stunden wach und der Tag hat noch nicht mal angefangen. Ein paar Lagen Klamotten anziehen und den halben Hausstand verpacken. Um 8.20 sitzen wir, später als geplant, im Auto. Auf der Fahrt ist zum Glück eher wenig Verkehr, nur 3 km Stau (von 25) und unter Aufbietung von vielerlei Spielzeug, Grimassen, lustigen Geräuschen und Musik kann der Minimensch wach durchhalten bis wir um 8.50 bei meiner Schwester sind. Hier ist der Zwerg sozusagen zuhause, er marschiert gleich mal rein, lässt sich seine Sachen ausziehen und beginnt sein Spielzeug auszupacken. Ich Briefe meine Schwester zu essen und schlafen, knuddel das Kind kurz und Sitze um 9.05 wieder im Auto. Der Verkehr ist nicht nett und das Parkhaus schon fast voll, aber um 9.20 Sitze ich schließlich am Schreibtisch und merke eine Migräne kommen.

Ich habe keine Veranstaltung aber eine Reihe kleiner und großer Dinge zu erledigen. Ich beginne mit Mails checken und beantworten, das Protokoll der gestrigen Besprechung anfertigen und verschicken, und Schreibtisch aufräumen. Als ich damit durch bin, nehme ich eine Masterarbeit zur Hand, die ich schon seit Tagen korrigiere und … da kommt Kollege J. Also unterbreche ich, schütte Kaffee in Tassen und Milch dazu und wir halten erstmal ein Schwätzchen. Mit der zweiten Tasse Kaffee nehme ich erneut die Arbeit zur Hand, mein Kopf schmerzt und die Arbeit ist eher schlecht. Ich bin daher nicht ungeneigt, mich ablenken zu lassen, z.B. von Kollegin Z. die bei uns rein schaut, Mails, die ich sofort beantworte und anderen Dingen, die es zu besprechen gilt, ich putze auch noch mein Whiteboard, google einige nur am Rande wichtige Sinne und schreibe mir Termine auf. Gegen 11 esse ich einen Schokoriegel, der wie erhofft die Kopfschmerzen etwas lindert. Ich bin unkonzentriert aber beginne mit dem Gutachten zu der Arbeit. Daran schreibe ich, wutschnaubend, bis gegen 12 Kollegin Z. zum Aufbruch zur Mensa bläst. Nach Essen, reden und Kaffee mache ich mit dem Gutachten weiter bis gegen 14 Uhr die studentische Hilfskraft kommt und Kollege J zu seiner Vorlesung verschwindet. Die Hilfskraft ist neu und lernt gerade den Umgang mit LaTeX, so dass ich mich in den folgenden Stunden zahlreich unterbrochen sehe um ihr Dinge zu erklären. Ist aber nicht so schlimm, ich habe nämlich das Gutachten fertig und beginne mit Kleinkram. Unterlagen Korrektur lesen, mir eine ToDo-Liste schreiben, einige Mappen mit Notizen durchsehen und wegsortieren, Dinge ausdrucken, die ich im home office brauchen werde, neue Mappen suchen und nicht finden, dafür einen Schwatz mit unserer Sekretärin halten, meinen Semesterapparat kontrollieren, Unterlagen online stellen. Zackbumm sind 2 Std vorbei, Kollege J kehrt aus der Vorlesung zurück und ich muss eigentlich schon zusammen packen und den Minimensch abholen fahren. Aber da ich den Rest der Woche im home office sein werde, gibt es eben doch noch 2-3 Dinge zu besprechen und vor 16.15 bin ich dann doch nicht unterwegs. Ich halte noch bei der Drogerie an, kaufe Windeln und dies und das und bin gegen 16.45 bei meiner Schwester. Der Minimensch ist bester Laune, hat aber früh und wenig geschlafen und wenig gegessen. Wir bleiben noch auf einen Kaffee dann wird der Zwerg aber schon ziemlich nörgelig und wir packen mal lieber und sind gegen halb sechs auf dem Heimweg. Drei Kilometer Stau. Der Standard. Der Minimensch mag offenbar nicht, dass es dunkel ist und weint. Ich habe Kopfschmerzen und bin unzufrieden mit meinem Arbeitstag. Ich muss nächste Woche einen sehr wichtigen Vortrag halten und bin aber seit Tagen so müde und unkonzentriert, dass ich beim besten Willen nicht inspiriert und motiviert daran arbeiten kann.
Zuhause, wo wir um 18.15 sind, wartet erstaunlicherweise schon der Mann. Das ist dieser Tage selten. Das Essen habe ich auch schon teilweise vorgekocht, so dass der Abend entspannt eingeläutet werden kann. Der Minimensch ist nun schon wirklich müde und als wir gegen halb acht mit Zähneputzen beginnen, kuschelt er sich schon nur noch an uns an. Der Mann verschwindet mit ihm ins Kinderzimmer und ich räume die Küche auf. Danach gönne ich mir erstmal eine halbe Stunde Internet. Twitter, Blogs, Nachrichten. Gott, bin ich müde. Ich beginne halb motiviert an einem Rock zu nähen, der eigentlich nur noch Beleg und Saum braucht. Aber mein Vortrag, der unfertig und unschön ist, lässt mir keine Ruhe. Ich bitte den Mann gegen 21 Uhr, ihn sich einmal anzuhören. Danach diskutieren wir ca. 2 Stunden darüber, wie man es besser machen könnte, entwickeln Ideen für Story und Folien und sind plötzlich etwas erstaunt, als 23 Uhr und schon lang Schlafenszeit ist. Also gehen wir ins Bett, die restlichen Arbeiten am Vortrag müssen bis morgen warten.

Tagebuchbloggen am 27.05.14

Ich habe schon verschiedentlich solche dokumentierten Tage gelesen z.B. bei Nike, Mama arbeitet oder Novemberregen und fand das immer sehr spannend. Mein eigener Tag kommt mir nun irgendwie sehr belanglos vor, dass ich ihn kaum veröffentlichen möchte, aber wo ich schonmal alles akribisch aufgeschrieben hab, gibt es das jetzt auch zu lesen. Basta. Seit einigen Wochen finden wir uns ja hier in den Beide-Eltern-arbeiten-Alltag ein, da lohnt sich ja vielleicht mal ein Blick. Ich arbeite 50%, davon einen Vollzeittag im Büro, den Rest von zuhause. Ich arbeite also im Schnitt 3 Stunden pro Tag und passe zeitgleich auf den Minimensch auf. An meinem Bürotag arbeitet der Mann zuhause. Den Minimensch so noch ein Jahr selbst betreuen zu können ist ein großes Privileg und nur durch die Flexibilität bei Arbeitszeit und -Ort an der Uni möglich. Leider auch ein stressiges Privileg, denn letztlich machen wir zu zweit 2,5 Vollzeitjobs, das passt nur ziemlich knapp in die Zeit der Woche rein. Immerhin werden wir demnächst noch einmal pro Woche einen Babysitter haben. Wie also sieht so ein Tag im kombinierten Hausfrau-Home-office-Leben aus?

Der Tag beginnt um 1.34, der Minimensch der zahnt und eine fiese Erkältung hat, wimmert schon die ganze Zeit im Schlaf. Nun ist er vom Husten aufgewacht. Ich gebe ihm ein paar Schlucke Wasser und hole ihn im unser Bett, wo er sich an uns beide angekuschelt wieder beruhigt. Ab jetzt muss ca alle 30 Minuten kurz das wimmernde Kind gestreichelt und beruhigt werden, das machen wir abwechselnd. Um 3.45 ist er wieder richtig wach, wirft sich herum und findet keine Ruhe. Ich gehe mit ihm ins Wohnzimmer und wir setzen uns in den Schaukelstuhl. Nach 15 Minuten schaukeln ist er tief eingeschlafen, ich lege ihn in sein Bett und freue mich, noch ein Ründchen Platz im Bett. Um 5.00 weint der Minimensch erneut. Ich hole ihn zu uns, wo er bis 6.00 noch einmal in einen unruhigen Schlaf fällt. Um sechs ist er schlagartig hellwach und fröhlich, an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich ärgere mich, denn eigentlich schlafen wir bis mindestens halb sieben. Er wird schon um acht wieder müde sein, das ahne ich. Eigentlich wäre es gut, jetzt sofort was sinnvolles zu machen, z.B. zu duschen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht zu mehr zwingen, als auf dem Sofa zu liegen. Ich komme abends nicht vor elf zum schlafen, obwohl ich es mir täglich vornehme, das rächt sich dann am Morgen.

Der Minimensch spielt sehr fröhlich im Wohnzimmer, ich liege auf dem Sofa und beginne diesen Blogbeitrag. Außerdem mache ich mir eine berufliche und private To-Do-Liste für den Tag. Die meisten Punkte standen gestern auch schon drauf. Mimimimi.

Um 6.30 fühle ich mich dem Tagwerk gewachsen und verfrachte den Minimensch ins Bad, wo ich schnell dusche und dann den sich wehrenden Minimensch tagfein mache. Wickeln ist hier derzeit nicht hoch im Kurs bei der Filialgeneration. Mein in der Nacht keimender Verdacht, er könne wieder Fieber haben, bestätigt sich beim nachmessen zum Glück nicht. Der Blick aus dem Fenster stimmt nicht gerade fröhlich, ich steige grummelnd in eine Strumpfhose und ein ungeliebtes Jerseykleid und verspreche mir, mir heute abend endlich mal wieder was zu nähen. Um 7 sind wir beide so weit fertig. Der Mann ist inzwischen auch aufgestanden und kann mir somit beim lästigen Naseabsaugen und Nasentropfen verabreichen helfen. Ein Glück.

Ich mache Frühstück, der Minimensch hat offenbar schon Hunger denn er hängt jammernd an meinem Bein. Ich gebe ihm erstmal die Schnabeltasse mit Wasser, um ihn zu beschäftigen, während ich noch Brot schneide und den Tisch decke. Mir fällt auf, dass ich unseren Jahresvorrat Tee bestellen muss. Ich setze es auf meine To-Do-Liste. Während ich dem Minimensch sein Brot füttere, checke ich zum ersten Mal meine Arbeitsmails. Glücklicherweise ist aber nix dringendes los im Posteingang. Eine Mail werde ich später in Ruhe beantworten. Das Frühstück zieht sich fast bis acht, das Essen mit Schnupfen ist mühsam immer wieder muss ein bisschen Ablenkung betrieben werden. Ich genieße es sehr, mit dem Mann zusammen zu frühstücken, das gab es früher unter der Woche nicht, da stand er auf, wenn ich aus dem Haus ging. Man ist ja als Eltern doch zwangsläufig sehr viel eher wach, der Tag hat mehr Stunden und doch immer noch zu wenige.

Kaum vom Frühstückstisch aufgestanden zeigt der Minimensch ein verdächtiges Gähnen. Er macht eigentlich keinen Vormittagsschlaf mehr, aber wenn er wie heute zu früh wach war und kränkelt, dann hat er um 8 einen sehr tiefen Punkt. Solang der Schlaf vor 9 liegt, klappt es trotzdem mit dem Mittagsschlaf. Ich ziehe ihm ein frisches Shirt an, das hat das Frühstück schonmal nicht überlebt und pack ihn in die Manduca. Während ich die Küche aufräume pennt er auch tatsächlich ein. Ich ringe mit mir, ob ich auch einen Schlaf einlegen soll. Es gäbe auch einiges anderes wofür ich diese halbe Stunde nutzen könnte. Ich entscheide schließlich doch für ein Nickerchen. Ich gebe dem Mann noch schnell einen Abschiedskuss, schäle uns aus der Manduca und verfrachte uns ins Bett. Ich kann zwar nur dösen, finde nicht wirklich Schlaf, aber kann die Ruhepause dennoch gut brauchen. Der Mann wird heute wegen eines Termins später als üblich nach Hause kommen. Das bedeutet für mich einen anstrengenden Tag mit wenig Pausen und viel arbeiten am Abend. Gestern war das auch schon so. Um 9.15 pennt der Minimensch immer noch, eine ganze Stunde Vormittagsschlaf. Das ist ungewöhnlich. Ich bette ihn in sein Bett um und stehe auf. Ich muss noch ein Päckchen und einen Brief fertig machen, die ich nachher mit zum einkaufen nehmen will.

Kaum habe ich am Computer Platz genommen, um das Versandetikett zu drucken, ist der Minimensch wach. Ich gehe runter, hole ihn rauf, erstellen wir das Versandetikett halt zusammen. Hat ja keiner gesagt, sowas müsste schnell gehen, ne?

Ich packe das Päckchen. Danach setze ich den Minimensch in sein Bettchen und gehe eine von den 12 Millionen Maschinen wartender DreckWäsche einwerfen, ich bringe auch noch den Inhalt sämtlicher Mülleimer runter. Im Vorbeigehen räume ich das Schuhregal auf und stelle fest, dass ich dringend mal Schuhe putzen müsste. Nicht heute, heute ist meine Liste eh schon voll. Ich mache den Spül fertig, den ich zugunsten des Nickerchens stehen ließ. Und schwupp ist 10 Uhr, Zeit für des Minimenschen Vormittagssnack. Ich schneide ihm ein paar Stücke Obst, bereite aber auch einen Brei vor, Obst in Stücken wird hier plötzlich vehement ausgespuckt, dabei wurde letzte Woche noh alles verschmäht, was wie Babyessen aussieht. Mir koche ich den ersten Kaffee für heute. Das Stückobst wird liebevoll befühlt und dann liebevoll auf den Boden geworfen. Nunja, wischen steht eh auf meiner Liste… ich füttere Brei und schreibe meinen Einkaufszettel und checke meine Arbeitsmails. Immernoch nix wichtiges. Gespenstisch. Der Minimensch möchte nicht viel essen und dann auch bitte schnell raus aus seinem Stuhl. Aber allein auf dem Boden ist es auch doof. Jammernd hängt er an meiner Stuhlkante. Ich fülle den restlichen Kaffee in einen Thermobecher und begebe mich auf die Suche nach Briefumschlag und Briefmarke. 10 Minuten verschwende ich darauf, mein Handy zu suchen, dass ich neben dem Rechner liegen gelassen hatte. Der Minimensch hat derweil den Schrank mit den Einkaufstaschen ausgeräumt. Es regnet in Strömen. Nicht gerade das Wetter bei dem ich mit dem Minimensch gern das Haus verlasse. Aber wir müssen einkaufen. Mein Tag ist in Zeitfenster unterteilt und das Einkaufszeitfenster ist morgens. Also das Kind in die Regenjacke und um 10.30 los.

Erste Station Post-Kiosk, danach Supermarkt. Irgendwie landet doch wieder viel mehr als geplant im Einkaufswagen. Ich entschließe mich, trotz anhaltenden Regens die 500m zur Drogerie zu laufen und nicht das Auto umzuparken. Mit Schirm leider aber ohne Einkaufstasche, die habe ich vergessen. Ich werde wohl schon wieder eine dieser „IchwarmaleineFlasche-Taschen“ kaufen. Damit kann ich schon unseren gesamten Hausstand einpacken, so viele haben wir davon. Der Minimensch ist bester Stimmung, er brabbelt in der Trage friedlich vor sich hin und flirtet vorbeikommende Frauen an. Meinr Laune steigt, auch, weil ich im Vorbeigehen in einem Spiegel gesehen habe, dass ich deutlich weniger müde aussehe, als ich mich fühle.

11.45 sind wir wieder zuhause, die Einkäufe lasse ich im Auto, erstmal ins trockene mit uns. Ich werfe den Rest des Maultaschenteigs von gestern abend in den Rest der Spargelsuppe von gestern mittag und habe so für mich einen Eintopf kreiert. Für den Minimensch habe ich gestern schon mitgekocht. Der ist froh, wieder frei zu sein und stürzt sich voll Wonne auf den Berg ungefalteter Wäsche im Wohnzimmer, den er nach seinem Ordnungssystem, das nur er kennt, sorgfältig zu Stapeln rund um den Korb auftürmt. Dank langem Vormittagsschlaf von Müdigkeit keine Spur. Ich bin froh, dass er sich heute so gut selbst beschäftigt, eine angenehme Abwechslung zur letzten Woche, wo er praktisch an mir festgewachsen war. Ich nutze die Gunst der Stunde und räume die Spülmaschine aus. Beginne mit Wäsche falten, jedes Teil zählt. Dann wechsel ich dem Minimensch die Windel und wo ich mich gerade eh schon unbeliebt mache, sauge ich auch noch die Nase ab und verabreiche Nasentropfen. Die Zeit bis das Mittagessen um 12.35 fertig ist, vertreiben wir uns mitTürmchen bauen. Die Baubecher stehen hoch im Kurs derzeit.

Beim Essen ist der Minimensch sehr plötzlich sehr müde. Viel vom Essen landet in den Händen, auf dem Boden, auf dem Kind. Zweite Essenschweinerei für heute, aber ich muss ja eh noch wischen… als wir das Schlafzimmer betreten bricht das Kind auf der Stelle in Geschrei aus. Egal wie müde, das Ansinnen, es möge schlafen, ist und bleibt eine Zumutung. Durch wiegen und summen siegt aber dann doch schnell der Schlaf. Ob das Kind eines fernen Tages noch vor dem Abitur lernen wird allein und ohne Gezeter in seinem Bett einzuschlafen kann heute wiederum nicht geklärt werden. Ich gönne mir ein paar Minuten Kuschelzeit und schaue erstmals heute in meinr Twitter-Timeline. Schließlich lege ich das friedlich schnorchelnde Kid ab, hole mir meinen Thermotassenkaffee, ignoriere das Essenschaos in der Küche und sitze um 13.20 am Schreibtisch.

Tatsächlich gibt es inzwischen doch 2-3 Mails zu beantworten. Danach lese ich. Ich bin gerade in der Recherchephase eines neuen Projektes. Das mag ich nicht besonders, ich kann mich beim lesen schlecht bei der Stange halten, gerade wenn ich so am Anfang stehe und es echt nicht zeitlich eng ist. Aber ich mache mir konzeptionelleNotizen, habe ganz gute Ideen, es läuft gut.

14.25 Geräusche aus dem babyphone. Pause, Kind huckeln, das weinend in seinem Bettchen saß. Einmal auf dem Arm schläft er sehr schnell wieder ein. Ich gehe weiterlesen.

15.00 wieder Geräusche, das Kind steht fröhlich im Bett, ich denke, es hat ausgeschlafen. Nehme ihn hoch und Zack, ein Wunder. Er pennt. Na gut. Ich gehe wieder an die Arbeit, bis der Minimensch um 15.30 tatsächlich ausgeschlafen hat. Ich bin hochzufrieden mit meiner Arbeit.

Der Minimensch ist anhänglich aber fröhlich. Ich setze ihn zurück in sein Bett, gehe eine weitere Wäsche einwerfen, auf dem Rückweg bringe ich trockene Wäsche und den Einkauf aus dem Auto mit. Abgesetzt werden war uncool, der Minimensch ist nun klammerig. Ich bringe die Küche in Ordnung und räume den Einkauf aus, tatkräftig unterstützt vom Minimensch, der sich größte Mühe gibt, den Küchenfußboden möglichst vollständig mit dem Inhalt der Tüten zu bedecken und rumpelstilzchenesk ausrastet, als ich einen Teil der Sachen in die Abstellkammer trage. Ja gut. Kommt vor. Ich beginne derweil den nächsten Snack vorzubereiten, ich gebe das mit den Obststücken nicht so schnell auf, und Kaffee zu kochen. Die Spülmaschine einräumen gestaltet sich schwierig, da das Kind versucht hineinzukriechen.

16.00 Uhr, wir essen unseren Snack. Die Stücke kommen gar nicht gut an. Bah, wer will sowas essen? Der Minimensch jedenfalls nicht. Doch Brei also. Auch den zu essen dauert. Alles ist so interessant, da muss man zeigen, erklärt bekommen usw. Nach dem füttern ist der Minimensch wieder gnädig bereit allein auf dem Boden zu spielen. Ich gönne mir zum Kaffee zwei Stücke Schokolade und ein bisschen Twitter. Außerdem sinniere ich darüber  wie ich wischen könnte, ohne dass ich nachher einen jammernden oder nassen Minimensch oder Rückenschmerzen hab. Im Bettchen lassen geht nicht, rumkrabbeln lassen auch nicht, tragen ist anstregend. Ich entscheide mich, das ganze Raum für Raum anzugehen.

Aber erstmal überall das Minimenschinduzierte Chaos aufräumen. Wir machen das zusammen. Ich ein Teil in die Kiste, er ein Teil in die Kiste. Ich bräuchte eine Pause, das merke ich daran, dass ich einfach in die Luft starre, während der Minimensch das gerade eingeräumte wieder ausräumt. Also raffe ich mich auf, mache Wischwasser und wische Raum für Raum, zuletzt Wohnzimmer. Im Schlafzimmer kommt der Minimensch ins Bett, im Bad in die Badewanne, in der Küche in den Hochstuhl. Danach gehen wir nach oben ins Spielzimmer, damit alles trocknen kann. Der Minimensch liebt sein Spielzimmer und ist ganz in seinem Element. So richtig lang bei einem Spiel dabei bleiben möchte er aber heute nicht. Wir spielen ein bisschen Ball, dann klettert er lieber auf die Matratze und wieder heruntert. Ich beschließe, dass ich es mal probiere einige der Punkte auf meiner Liste abzuarbeiten, für die ich einen Computer brauche. Am wichtigsten: Onlineapotheke. Kaum bin ich über das Gitterchen geklettert und sitze nebenan am Computer ist der Minimensch aber nicht mehr so selbst vergessen, sondern apportiert mir Bilderbücher zum Gitterchen und verlangt meine Aufmerksamkeit. Also schnell die Bestellung abschicken und dann Bücher vorlesen. Um 1745 muss ich unser Spiel unterbrechen um kochen zu gehen. Um diese Zeit ist der Mann sonst schon längst zuhause. Die Zeit wird mir lang, ich merke, dass ich diese 1-2 Stunden Verschnaufpause am Nachmittag dringend brauche und die Quengelstunde eigentlich zu viel für mich ist. Der Minimensch ist allerdings zum Glück gut gelaunt. Er räumt zum zweiten Mal heute den Schüsselschrank aus und spielt friedlich. Als alles Gemüse in der Pfanne ist, räume ich Stück für Stück mit ihm den Schrank wieder ein.

Wir gehen rüber ins Wohnzimmer. Er kommt mir sehr aufgedreht vor, ich versuche, ihn zu überreden, ein Buch anzuschauen oder etwas ruhiges zu spielen. Aber er bleibt nicht bei der Sache, lieber klettert er auf den Fußhocker unseres Sessels. Drauf runter drauf runter. Ich falte weiter am Wäscheberg. Um 18.15 erkundige ich mich via Chat beim Mann, wann er kommt. Als er sich für bald ankündigt, werfe ich die Eier in die Pfanne, packe den Minimensch in die Manduca und gehe in den Keller um die Wäsche aufzuhängen. Dabei stelle ich fest, dass ich am Nachmittag die Maschine gar nicht angemacht hatte. Ich verlasse also weitgehend unverrichteter Dinge den Keller und decke den Tisch.

Um 18.35 ist der Mann ist der Mann noch nicht da, der Minimensch wird aber jammerig. Ich fange an, ihn zu füttern und hoffe, dass er das relativ stückige Essen überhaupt nimmt. ZIM Glück ist es Shakshuksha, die er sehr gern mag, er haut ordentlich rein. Allerdings ist er nun so müde, dass ihm fast der Kopf in den Teller fällt. Als der Mann um 18.45 kommt setzt aber der „YeahPapaistdaEffekt“ ein und wir können mit fröhlichen Kind in Ruhe zu Ende essen.

19.10 Mann und Kind verschwinden im Schlafzimmer, ich erwische mich auf Twitter, rufe mich zur Ordnung, räume die Küche auf und sitze19.30 wieder am Schreibtisch. Ich habe eine Mail von meiner Kollegin Z. bekommen, mit Daten und einem Modell für ein Paper an dem wir schon länger arbeiten. Ich freue mir einen Ast. Ich mag das Paper und arbeite gern mit Z. zusammen, vor allem aber heißt das, dass ich die nächsten Tage statt nur zu lesen was tun kann. Juhuu. Ich chatte mit Z. um abzusprechen, was zu tun ist, denn sie ist ab morgen im Urlaub. Danach werfe ich einen ersten Blick in die Dateien. Dabei fällt mir eher zufällig auf, dass mein Rechner offenbar beim synchronisieren gewaltigen Mist baut und sehr viele Dateien in verschiendenen Versionen existieren. Das ist eine Erklärung für allerlei Probleme, die ich in letzter Zeit beim arbeiten von zuhause hatte. Ich ärgere mich, werfe erstmal ein Backup an und schreibe eine Mail an die IT. Während mein Rechner Dateien kopiert, chatte ich ein bisschen und beantworte eine weitere Mail. Um 20.45 beschließe ich, dass mein Rechner auch allein weitermachen kann und ich mir das ganze morgen angucke. Ich gehe auf die Suche nach dem Mann, der scheinbar beim Minimensch eingeschlafen ist. Gegen 21 Uhr finden wir uns mit einem Glas Wein auf dem Sofa wieder und kommen endlich dazu, den Tag zu besprechen .Um  21.10 weint der Minimensch, ich gehe nach ihm gucken und beruhige ihn. Danach hole ich mir Stoff und Schnitt für ein Vogue 8787 Probekleid runter und beginne mit dem Zuschnitt. Ich wollte ja nähen! Und ich brauche für eine Hochzeit in 10 Tagen ein Kleid. Dies hier wird das Problekleid. Der Zuschnitt gestaltet sich schwierig denn ich habe etwa 1,5m zu wenig Stoff – wie immer habe ich nur 2m gekauft und bräuchte 3,5 für dieses Kleid. Kann ja keiner ahnen. Also Zuschnitttetris, unterbrochen von Gewimmer des Minimenschen um 21.40. Um 22.25 bin ich fertig mit zuschneiden. Punkt 22.30 , also genau zu der Zeit, wo ich eigentlich im Bett liegen und auf der Stelle einschlafen möchte, weint der Minimensch. Er lässt sich kaum beruhigen, wirft sich auf dem Arm herum, hat Durst und die Nase zu. Der Mann und ich machen uns im Wechsel bettfertig und huckeln das arme Kind.  Nach 23 Uhr liegt er endlich zwischen uns und schläft wieder friedlich.

Ich lasse noch einmal den Tag Revue passieren. Was ich nicht gemacht habe: Mich bei zwei Freundinnen gemeldet, was ich schon lang tun wollte, gestrickt, den Rasen gemäht (es regnete ja), meinen Feedreader auch nur geöffnet, geschweige denn Zeitungsartikel oder gar ein Buch gelesen. Dennoch: Bis auf den Tee habe ich alle Punkte auf meiner To Do Liste erledigt, ich habe ordentlich gearbeitet, musste dem Chaos in der Wohnung zumindest keinen Zoll Boden geben, auch wenn ich ihm wohl auch keinen Boden abringen konnte und ich habe etwas zugeschnitten. Insgesamt ein guter Tag. Ich schlafe mit dem Gedanken, dass ich eine Verlängerung der Frist für die Steuererklärung beantragen muss, deutlich zu spät ein.