Lese- und Hörempfehlungen

Als ich in der Elternzeit unendlich viel Zeit zum lesen hatte, gab es hier ja mal so kommentierte Empfehlungen. Nun fahre ich ja neuerdings unfreiwillig viel Auto und dabei höre ich viele viele Podcasts. Da kann ich das empfehlen ja wieder aufgreifen.

Ich habe eigentlich alle Podcasts über einen feedcatcher abonniert, ich nutze Antenna Pod auf Android, allerdings wird die APP schon lang nicht mehr gepflegt und ich sollte mir mal eine neue suchen. Aber die meisten Podcasts kann man auch online über einen Player hören.

Zunächst natürlich für den vollkommen unwahrscheinlichen Fall, dass jemand von euch Muriels Nähpodcast nicht kennt: der Nähpodcast von nahtzugabe5cm.de – jeweils etwa eine Stunde also für mich eine Autofahrt. Und immer sehr hörenswert. An dieser Stelle auch nochmal ein expliziter Dank an Muriel für ihre viele Mühe, das ist wirklich toll, dass du das machst!

Auch immer etwa eine Stunde und sehr empfehlenswert für alle, die sich für feministische Themen interessieren und eine undogmatische und unaufgeregte Gesprächskultur zu schätzen wissen: der lila-podcast. Ich bin großer Fan. Auch von den drei Macherinnen und ihrer sonstigen Arbeit. Da kann ich direkt noch eine Leseempfehlung anhängen: „Bitte freimachen“ von Katrin Rönicke. Super Buch.

Seit ich mich auch beruflich ein wenig mit Osteuropa beschäftige, sauge  ich auch hier Informationen bereitwillig auf. Das hätte ich mal mit Katrin Rönickes anderem Podcast Erscheinungsraum Ost schon viel länger tun sollen. Sehr informativer Gesprächspodcast. Besonders die Folge über Bosnien-Herzegovina hat mir sehr gefallen.

Außer diesen Pauschalempfehlungen haben mir in jüngerer Zeit gefallen:
Der WDR 2-Montalk mit Renan Demirkan. Ich kannte sie vorher überhaupt nicht und weiß in keiner Weise, ob sie eine gute Schauspielerin ist, sie scheint aber ein sehr guter Mensch zu sein.

Gregor Gysis politische Ansichten sind sicher nicht immer meine, dennoch hat es mir enorm gefallen, ihm beim Montalk zu lauschen, ein wirklich wortgewandter Mensch. (Sendung vom 31.8.)

Und wusste jemand, dass Barack Obama eine Halbschwester hat, die seit vielen Jahrzehnten immer wieder in Deutschland lebt und arbeitet? Ich nicht. Umso besser, mehr von dieser wunderbaren Frau hören zu können. (Sendung vom 27.7.)
Alle Montalk-Folgen als mp3 gibt es hier.

Dann noch ein paar Podcasts mit Geschichtswissen. Das WDR Zeitzeichen ist jeweils eine Viertelstunde und oft sehr hörenswert. Hier bin ich allerdings ziemlich im Rückstand mit nachhören der täglichen features. Alle Folgen gibt es hier. In letzter Zeit gefielen mir besonders:
erster deutscher Hebammentag, sehr gelungenes Feature zur Geschichte des Hebammenberufes und der derzeitigen Situation (22.9.)

Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte, hier fand ich eigentlich am erhellendsten als Hans-Dietrich Genscher sagte „ich war 23 Jahre Mitglied der deutschen Regierung“. (1.8.)

Geburtstag von Friedrich Engels (5.8.), dessen Rolle als Förderer von Karl Marx hier im Mittelpunkt steht.

Todestag von Karl Imhoff, dem Wasserbauingenieur, der die Wiederbelebung der Ruhr mit Hilfe der großen Stauseen initiiert hat (28.9.).

Geburtstag von Gertrud Luckner, die als Fluchthelferin im dritten Reich zahlreichen Juden die Ausreise ermöglicht und für Versorgung in den KZ gesorgt hat (26.9.)

Guckempfehlung

Heute noch in arte+7 verfügbar, am Donnerstag im Nachmittags- und am Samstag 6.Oktober im Vormittagsprogramm: Die arte-Dokumentation über das weltweite Geschäft mit sauberem Wasser. Sehenswert!

Bottled Life

Aus der Inhaltsbeschreibung: „Während die Weltbevölkerung rasant wächst, wird sauberes Wasser immer mehr zur Mangelware. „Bottled Life“ dokumentiert das boomende Geschäft mit dem Trinkwasser in der Flasche und fokussiert dabei ganz auf den Leader der Branche: auf den Schweizer Nestlé-Konzern.
Nestlé besitzt weltweit über 70 verschiedene Wassermarken. Trotzdem ist Wasser eine Sparte, über die man bei Nestlé nicht gerne spricht. Das muss der Schweizer Journalist Res Gehriger erfahren. Die Nestlé-Manager verweigern Interviews. Aber Gehriger lässt nicht locker. Auf einer Recherche-Reise erfährt er, wie konfliktgeladen das Geschäft mit dem Trinkwasser ist.
„Bottled Life“ wirft ein Schlaglicht auf Nestlés Expansionsstrategie im globalen Wassermarkt. Während der Konzern in den USA und in Europa vor allem Quellwasser mit Herkunftsbezeichnung verkauft, hat er für die Schwellen- und Entwicklungsländer ein anderes Konzept: Dort gibt es „Nestlé Pure Life“, gereinigtes Grundwasser, angereichert mit einem Mineralienmix nach Nestlé-Rezept. Heute ist Pure Life das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt.
Res Gehringer reist nach Pakistan, das Nestlé als Testmarkt diente. Während Nestlé ihm den Zutritt zur Pure-Life-Produktion verweigert, lehrt er die Situation der Menschen kennen, die im Dorf außerhalb des Fabrikzauns leben. Hier ist der Grundwasserspiegel rapid gefallen und das Wasser aus den Brunnen der Einheimischen zur übelriechenden Brühe verkommen.“

Wiedereinstieg

Puh, am Sonntag früh um halb drei aus dem Urlaub zurück und was da alles auf mich wartete. Mit der Post eingetrudelt: der Stoff und Stil-Katalog, der Buttinette-Katalog und der IKEA-Katalog. Allein damit kann ich michja schonmal nenTag beschäftigen. Aber Zeitschriften wollen auch noch gelesen werden. Zum Beispiel die neue ‚Lust auf Genuss‘ mit einem meiner Lieblingsthemen:Orient. Und die neue ‚Meine Nähmode‘ kommt mir gerade recht für die Planung meiner Herbstgarderobe. Und als wär das nicht genug, hat auch noch das Internet ohne mich voll die Party gefeiert. Über 250 ungelesene Blogposts. Was es da noch alles zu kommentieren gilt. Ich bin noch lang nicht durch und schon ganz baff. Diskussion über feministisches Selbermachen, spannender Showdown zum Taschenmonat September, neuer Me made Mittwoch und auch noch Bloggerinnentreffen. Kinder, wie soll man denn da noch Arbeiten?

Also erstmal das Internet: Der Me-Made-Mittwoch ist flügge geworden und wurde von seiner liebevollen Mutter Catherine, die ihn treusorgend großgezogen hat, in die große weite Internetwelt entlassen. Mädels, wie hab ich mich über diese Nachrichten gefreut. So viel neue Energie, tolle Gastgeberinnen und am Mittwoch gleich schon totaaal viele furios tolle Kleider und Röcke. Total gelungener Auftakt. Die Ankündigung zum neuen MMM war übrigens der einzige Blogpost, den ich im Urlaub gelesen hab. Und ich hab ein bisschen für euch gecheered aus dem fernen Baskenland.

Der Taschenmonat.
Auch toll. Ich suche ja Schnitte eigentlich nur nach der Existenz von Taschen aus. Eine nur teilweise gute Strategie. Aber trotzdem. Da bin ich sehr gespannt und vielleicht steig ich noch ein. Mitlesen und lernen werde ich auf alle Fälle.

Catherines Post zur mangelnden Verknüpfung von Selbermachen und Feminismus und die darauf folgende Diskussion inkl. Michous langer Replik habe ich mit viel Interesse verfolgt. Ich habe hierzu schwer chaotische Gedanken, die ich wohl lieber für mich wälze, habe aber Anstoss und Anklang zugleich in mir vernommen und will dies nicht unerwähnt lassen.

Und dann gibt es im November wieder ein Bloggerinnentreffen in Berlin. Huiuiui soll ich? Letztes Jahr war ich dissmäßig abgetaucht und sehr traurig, dass ich nicht dabei sein konnte. Und alle waren so begeistert. Aber jetzt bin ich irgendwie ein bisschen schüchtern. Huiuiuiui. Aufregend das. Soll ich?

Die Kataloge und Nähpläne brauchen wohl einen eigenen Post. Und jetzt freu ich mich erstmal wie bolle auf den morgigen MMM. Bin schon gespannt wer morgen dran ist.

Angucken!

Ich verfolge sehr gern die meist zeitkritischen Leseempfehlungen in Mellenis Wochenrückblicken. Heute habe ich zwei Anguck-Empfehlungen.

Die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ wurde am Dienstag auf Arte ausgestrahlt (sie war schonmal auf 3sat und auch im ORF zu sehen, so weit ich weiß). Sie beschäftigt sich mit der sogenannten „geplanten Obsoleszenz“ also der Tatsache, dass Hersteller ihre Produkte derart konstruieren, dass sie nach Ablauf einer bestimmten Lebensdauer automatisch kaputt gehen. Vor dem Hintergrund von Ressourcen-Knappheit und Müllproblematik eine höchst fragwürdige Praxis, die aber offenbar von vielen schulterzuckend hingenommen wird. Die Doku spricht auch Lösungsansätze an, bleibt hier aber eher utopisch bis vage. Trotzdem eine klare Empfehlung!

Hier ein Ausschnitt:

Ausschnitt Kaufen für die Müllhalde

Hier gehts zu „Kaufen für die Müllhalde“ (in voller Länge)

Außerdem bin ich gestern abend eher zufällig in den Nahost-Themenabend reingestolpert und dann bei „Waltz with Bashir“ hängengeblieben. Ich wollte den Film eigentlich im Kino sehen, bin aber dann wohl nicht dazu gekommen (was mir eigentlich mit 95% der Filme, die ich gern sehen möchte so geht). Ich war dann allerdings schon am Fernseher so berührt und schockiert über den Film, dass ich vielleicht sogar froh bin, ihn nicht im Kino gesehen zu haben. Ein zurecht hochgelobter und ausgesprochen verstörender Film. Man muss sich an das „Doku-Comic-Drama-Format“ etwas gewöhnen, nimmt es aber bald nur noch am Rande wahr.

Hier ein Ausschnitt:

Ausschnitt Waltz with Bashir

Hier gehts zu „Waltz with Bashir“ (in voller Länge)

Der wundervolle Service arte+7 sorgt dafür, dass man beides noch auf der Website angucken kann (bis Montag, bzw. Dienstag). Was man dort auch angucken kann ist die Dokureihe „Belle France“, die wirklich wundervoll gefilmt und für Frankreich-Fans, wie mich, ein wahres „Nachhausekommen“ ist.

Vermischtes und Bücher

Nachgeschoben noch ein kleiner „Gemischtwarenpost“, weil sich im Verlauf des Tages so viele Gedanken in meinem Hirn verzwirbelt haben.

Also zunächst gesammelte Anekdötchen des Tages und später der eigentliche Zweck dieses Posts…

Danke schonmal für eure Tips zu Oberteilschnitten. Ich werde mal eine Erhebung über die Schnitte meiner bisherigen Oberteile machen und gutes und schlechtes auseinandertüfteln.

Als ich eben in der Bahn stand, belauschte ich (ohne mich groß dafür zu genieren) ein Gespräch zwischen zwei „Jungs“ über die Freundin N. sagen würde: „Manchen sieht man einfach an, was sie studieren.“ Sie unterhielten sich über individuelle Kleidung. Nr.1: „Ich achte da wirklich gar nicht auf Mode oder so.“ Nr. 2: „Wenn man immer nur alte Klamotten trägt ist man auch nicht individuell. Dann ist man auch Teil einer Bewegung. Da sieht man gleich, du studierst in Folkwang. Oder noch genauer. Man sieht dir an, dass du Kommunikationsdesign studierst.“ Ich erst gegrinst und mich dann voll für mich gefreut. Es mag zwar sein, dass meine Joana nicht so richtig sitzt. Und es gibt auch hunderte Joanas in der Nähwelt da draußen. Aber selbst als Lemming kann ich immer noch sagen: „Meine ist wie keine“ HA! Doppel-HA! Individualität juchee, da brauch ich schonmal keine Grundsatzdiskussion mehr drüber zu führen. Ob man mir daran jetzt irgendwas ansieht (außer natürlich meinem Hang zu blau, womit ich gewissermaßen meinem eigenen Trend folge) weiß ich nicht…

In dieser Freude schwelgend ging ich dann meinem Lieblingssport nach: Die-Treppe-rauf-und-zum-allerletzten-Gleis-dem-Zug-nachrennen. Und da strahlte mich auf einmal ein netter junger Mann im Auf-der-Treppe-Vorbeirennen an, ein verschmitztes Lächeln. Wie schön. Wenn mehr Leute andere Leute einfach mal anlächeln würden, wäre die Welt ein besserer Ort.

Zug gekriegt, Sport erledigt, kurz verschnauft, das Multitool ähm Telefon gezückt und auf zum schönen Teil, dem besten am Mittwoch. Abends ist mein Feed-Reader immer pickepacke voll mit lauter tollen Kleidern und Röcken. Da freu ich mich den ganzen Arbeitstag drauf. Ganz in echt. Musste heute allerdings sehr grinsen, denn in enorm vielen Blogs wurde heute rumgenölt. Alle totaaaal unzufrieden oder zumindest nur semi-zufrieden. Scheint in der Luft zu liegen. Oder ist es der Vollmond? Umso besser, dass der Tag launemäßig im Aufwind endet und der Joana-Frust damit vergessen ist.

So. Nun zum eigentlichen Zweck dieses Posts: Ich habe vor einigen Tagen begeistert von Frau Brauses Idee eines Büchertauschgeschäfts gelesen. Das will ich auch machen! Ich hab vor dem Umzug haufenweise Bücher aussortiert, sie mit ins Büro genommen, Kollegen animiert sie mitzunehmen, welche einfach auf den Gängen der Uni ausgesetzt und es sind IMMERNOCH ganz viele übrig. Ist nicht so schwer, ich kaufe alles, was die Mängelexemplarkiste zu bieten hat und habe einen beachtlichen Durchsatz.

Also, fangen wir mal mit 4 Stück an:

1. Amy Tan: Das Tuschezeichen. Gebunden.

2. Ingrid Hill: Ursula Under! Taschenbuch, englischsprachig.

3. Ingrid Noll: Der Hahn ist tot. Taschenbuch.

4. Henning Mankell: Die italienischen Schuhe. Taschenbuch.

Nun die Regeln: Wer eins der Bücher haben will, hinterlässt einen Kommentar und schreibt mir eine Mail (siebenhundertsachen ät gmx punkt de) mit seiner Adresse. Im Tausch dürft ihr mir schicken WAS IHR WOLLT. Auch ein Buch, was schönes, nützliches oder witziges, es ist ganz euch überlassen, die Geste zählt! Wir wollen aber die Portokosten nicht übertreiben, deshalb bitte nur einen Maxibrief. Wer die Bücher nicht lesen sondern lieber zu was schönem verbasteln will – feel free! Wenn das ganze Anklang findet, gibt’s bald Nachschub. Der Schrank in meinem Büro ist noch gut gefüllt.

Morgen früh geh ich zum Friseur. Am Vormittag. Chacka. Das ist Teil meines maliziösen Selbst-Belohnungsplans, der mich über die letzten Korrekturen der Diss gerettet hat. Er enthielt auch noch ein Schnittmuster und größere Mengen Stoff. Apropos. Ich bin ein paarmal gefragt worden, ob die Diss nun fertig sei. Um diesbzgl. einen Kollegen zu zitieren, denn treffender gehts nicht: „Nur noch der Endgegner“. Sie wartet auf das hochdoktorväterliche Ok zur offiziellen Abgabe. Ich habe Grund zur Hoffnung, ich muss nichts wesentliches mehr umkrempeln. Es fühlt sich noch nicht locker leicht an, aber mein Arbeitsalltag hat doch merklich an Anspannung verloren und an Kaffeepausen gewonnen.

Gute Nacht ihr Lieben!

 

Rundumschlag

Mein Hirn hat seinen Dienst eingestellt. Ich empfinde geradezu körperliche Abneigung gegen den Gedanken, noch ein einziges Wort an meiner Diss zu schreiben. Ich schlafe schlecht ein, komme schlecht raus, denke mir Löcher in meine offenbar schrumpfende Hirnmasse und es kommt doch nur quaksalberiges Lamento raus. Nur das Ding loswerden will ich noch dringender, als nicht mehr daran zu arbeiten, und das ist das einzige, was mich dazu bringt ins Büro zu gehen. Und nur meine Eitelkeit schlägt der Unlust eine Schnippe, sonst würde ich hier schon mindestens seit einer Woche nur noch im Jogger sitzen. Kurzum: Ich habe wirklich alles andere als zu viel Zeit. Deshalb gibts kein schönes sonntagssüß (Fotozeit verpasst) und ich schätze morgen auch keinen MMM (Rocksaum temporary not available). ABER die Lektüre von Suschnas neuestem Blogpost hat bei mir einen Nerv getroffen. Und somit widme ich mein Suppenkoma heute einem Blogpost, um meinen Senf dazuzugeben.  Ich empfehle dringend, Suschnas Post zu lesen, sonst mag mein Pamphlet hier etwas im luftleeren Raum stehen.

„Hast du zu viel Zeit?“ Eine Frage, der auch ich mich zuweilen gegenübersehe, ohne Kinder. Die Frage hat die nettere Schwester „Wie schaffst du das nur alles?“ Und Suschna schildert wunderbar die Facetten der Untertöne, die sich hier ergeben, wenn es um den Kontext von Kindererziehung geht. Aber das ganze bleibt bei weitem nicht auf die Kindererziehung beschränkt, auch wenn sich hier natürlich sicher die zwischenmenschlichen Ideologie-Abgründe besonders vortrefflich zeigen. Ich befinde mich, als Doktorandin, in einer anderen Form von sozialem Druck. Wir, und da schließe ich mich keineswegs aus, transportieren gern das Bild des maßlos unterbezahlten, ausgebeuteten Wissenschaftlers, der 80 Stunden die Woche schuftet und in seiner Freizeit dann promoviert. Nun gibt es sie wirklich, die Prekärwissenschaftler und je nach Fach und Chef sind diese auch in der Überzahl. Aber für viele andere gilt: der Druck ist hausgemacht. Es entspricht in gewisser Weise bei uns dem Krabbenkorb-Ideal, dass man abends und am Wochenende auch arbeitet, nur ein wahrer Vollblutforscher ist, wenn man bereit ist, soziale Kontakte und geregelte Arbeitszeiten ad acta zu legen. Und diese Anschauung gibt es in gleicher Weise auch in vielen Unternehmen, womit wir in gewisser Weise wieder bei der Frage der (gemeinsamen) Kindererziehung wären. Denn hinter der teils bewundernden, teil gehässigen Frage „Wie schaffst du das nur alles?“ Verbirgt sich eben auch, wie Suschna feststellt, die Frage nach den persönlichen und gesellschaftlichen Prioritäten. Es erfordert eben doch ziemlich viel Standing und „Kante zeigen“ wenn man als beruflich erfolgreicher aufstrebender Manager (nur beispielsweise) durchsetzen möchte, dass man am familiären Leben teilnehmen kann. Mit der Konsequenz, dass man zu bestimmten Zeiten eben NICHT erreichbar ist. Und genauso muss man sich offenbar zuweilen erklären, wenn man tatsächlich das Bedürfnis hat, einen handgreiflichen Ausgleich zum verkopften Tagesgeschäft zu haben. Und darüber öffentlich (im Internet oder in echt) stolz erzählt. Komischerweise scheint das Bedürfnis nach sportlichem Ausgleich weit weniger erklärungsbedürftig, aber das nur am Rande. Dabei hat uns die ökonomische und soziologische Zeitnutzungs-Forschung, auch wenn sie noch lang nicht abgeschlossen ist, zumindest einige Erkenntnisse beschert:
Zunächst bezüglich der Mütter. Es ist hinten und vorne nicht wahr, dass Berufstätigkeit der Mutter eins zu eins in Vernachlässigung der Kinder mündet, mehr Arbeit der Mutter geht zwar durchaus, so zeigen Zeitkonten-Studien, auch Hand in Hand mit externer Betreuung. Aber eben auch mit väterlicher Kinderzeit und vor allem zulasten der geleisteten Hausarbeit. Da haben wir’s: die Kinder müssen nicht auf die Gute-Nacht-Geschichte ihrer Mutter verzichten, es ist nur vielleicht manchmal nicht so ordentlich und sauber, oder es gibt eine Putzfrau. Der Anteil, den „Freizeit“ im Zeitbudget von berufstätigen und nicht-berufstätigen Müttern einnimmt, unterscheidet sich übrigens gar nicht stark. Wohl aber zwischen Frauen und Männern mit und ohne Kinder.
Wir wissen auch, dass Arbeitnehmer, die den Eindruck haben, sich verwirklichen zu können, deutlich produktiver sind. Lebenszufriedenheit geht mit Produktivität einher. Und es soll doch bitteschön jedem selbst überlassen bleiben, wie er sich selbst verwirklicht und was ihn zu einem zufriedenen Menschen macht. Das mögen beruflicher Erfolg, Kinder, Sport, Reisen oder ein kreatives Hobby sein. Tatsache ist: was uns gut tut, tut auch unserer Arbeit gut.
Und damit komme ich zu den Prioritäten. Ich arbeite durchaus nicht wenig, sicher mehr als „9 to 5“. Dennoch bemühe ich mich, zumindest in Wochen, in denen ich nicht gerade meine Diss fertigstellen möchte, wenigstens einmal die Woche andere nette Menschen zu treffen und nebenbei immer auch etwas kreatives zu machen. Und tatsächlich mache ich das auch. Ohne dass ich dafür weniger arbeiten müsste als andere. Ich gehe mit meiner Zeit anders um. Ich schaue zum Beispiel praktisch kein fern. Vielleicht 2-3 Serien pro Woche, die nehme ich aber auf und gucke sie unter Auslassung der Werbung (spart schonmal 10 Minuten auf eine Stunde Sendezeit) am Wochenende, wenn ich eh bügle oder Dinge auftrenne, die ich murksig zusammengenäht, gestrickt oder geklebt hab. Ich treibe zugegebenermaßen auch weniger Sport als viele. Ich sehe ein, dass ich mich fit halten muss, ich kann mich aber nunmal beim nähen oder stricken besser entspannen als beim joggen. Entsprechend gehe ich meinem Bedürfnis nach, so wie andere ihrem Bedürfnis nach Entspannung eben durch Sport beikommen. Ich gehe auch selten shoppen und eigentlich nie ins Kino, weil ich immer vergesse, dass ich hinwollte. Ich lese viel. Im Zug, da spielen andere mit ihrem Handy… wem’s gefällt… Ich befürchte, andere räumen auch mehr auf und putzen ihre Fenster öfter als ich. Das ist meiner Mutter auf ewig ein Dorn im Auge. Aber ich habe nicht den Eindruck, das Chaos treibt mich in den Wahnsinn, wir räumen auf und putzen, so ist es nicht. Aber wenn ich abends müde und erschöpft aus dem Büro komme, liegt mir die Nähmaschine im Zweifel näher als der Staubsauger. Ich kenne Leute, die fühlen sich erfüllt und zufrieden, wenn ihre Wohnung sauber und ordentlich ist. Ich mag meine Wohnung auch, wenn sie sauber und ordentlich ist, aber einen hübschen selbst gemachten Rock zum ersten Mal zu tragen, mag ich mehr… Und ich finde, das sind meine Prioritäten und die gehen nur mich was an. Und natürlich den, der meine Wohnung und mein Leben teilt. So lang unsere Freizeit unsere berufliche Produktivität nicht einschränkt, sondern eher vorantreibt und wir uns insgesamt mit unserer Zeitaufteilung wohlfühlen, warum sollen wir nicht nähen, basteln und darüber schreiben?
Im Gegenteil, die Zeit, die man mit etwas füllt, das einem Spaß macht, gewinnt man doch sogar. Ich habe während des Studiums garantiert mehr Zeit gehabt als heute, ich habe da aber weder mehr Sport getrieben, noch mehr geputzt, eher weniger, wage ich zu behaupten. Um den Bezug zu Suschna wieder herzustellen: Ich bezweifle, dass jede berufstätige Nicht-Mutter nur durch Aufgabe ihres Berufs zur Vollblut-Hausfrau und vorbildlichen Schulausflugteilnehmerin würde. Und ich wage auch zu behaupten, dass nicht jede Kreativbloggerin mit Mann und Kind, durch Aufgabe ihrer Kreativhobbies auf einmal ein dringendes Karrierebedürfnis entwickeln würde. Wär ja auch langweilig, wenn wir alle das gleiche wollen würden. Das einzige was sich wahrscheinlich jede und jeder wünscht, ist mehr Freiheit und Anerkennung des persönlichen Lebensentwurfs. Vielfalt im Krabbenkorb gewissermaßen.

Im nächsten Suppenkoma gibts dann vielleicht das Cookie-Rezept von Sonntag und jetzt füge ich dem unendlichen Lamento noch ein-zwei Absätze hinzu und ekel mich ein bisschen ob meiner eigenen Ergüsse.

Link- und Buchtipp am Rande

Ich habe auf dem gestrigen Weg von der Arbeit nach Hause ein sehr interessantes Interview als podcast gehört:

Der WDR2-Montalk mit dem Psychiater Michael Winterhoff

Michael Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater und hat bereits 4 Bücher geschrieben. Das neueste „Lasst Kinder wieder Kinder sein“ handelt aber eigentlich primär von Erwachsenen. Ich fand das Interview sehr beeindruckend und kann den von ihm beschriebenen „Katastrophenmodus“ durchaus an mir und vielen Personen in meinem Umfeld (mit und ohne Kinder) entdecken. Reinhören klar empfohlen!

Außerdem möchte ich auch noch ein Buch wärmstens empfehlen, dass mich vorletzte Woche begleitet hat:

Der Gesandte des Papstes von Christoph Lode

Ich habe es eher zufällig in der Mängelexemplar-Kiste der Bahnhofsbuchhandlung gefunden, es aber sehr gern gelesen. Ich fand reizvoll einen historischen Roman zu lesen, der nicht in Deutschland, Frankreich oder England spielt, sondern im Nahen Osten. Die Reise des Hauptcharakters führt ihn von Jerusalem über Konstantinopel bis tief nach Armenien und in die Mongolei. Das Buch ist außerdem sehr spannend, ein wenig mystisch und wartet mit einem Anhang auf, der die historischen Fakten darlegt, was ich an historischen Romanen sehr schätze.

 

 

Review: Sweet Paul Magazine

Ich bin berauscht. Vollkommen hin und weg. Von tollen Fotos, wundervoll klingenden Rezepten und hübschen kleinen Selbstmach-Ideen. All dies findet sich im neuen „Sweet Paul Magazin“, das auch noch in einem sehr schicken Reader digital und umsonst daher kommt. Ich bin verliebt.

Also schnell alle hier klicken und mit einstimmen in meine verliebten Seufzer: