Balkongarten – Vorgeplänkel

Schon seit vier Jahren habe ich mich ja in Small Scale Gardening versucht. Zuerst mit einem Topfregal im Hof und Kästen auf der Fensterbank, dann im Schrebergarten  und letztes Jahr auf dem Balkon. Ich bin zwar noch in der Lernphase, aber einiges hat sich bei mir nun auch schon an Erfahrungsschatz angesammelt und so hoffe ich, dass es dieses Jahr auch mit der Balkonernte gut klappt. Ich will auch ein bisschen experimentieren und dachte, dass das vielleicht einige von euch auch interessiert. In loser Folge werde ich euch daher an der Planung und Umsetzung unseres Balkongartens für dieses Jahr teilhaben lassen.

Zunächst vielleicht ein paar Worte für alle Kübelgarten-Anfänger. Wer einen Kübelgarten plant sollte vor allem drei Dinge beachten:

  1. So gut wie alles Gemüse und alle Kräuter benötigen viel Sonne, d.h. ein Standort mit Süd- oder zumindest Süd-Ost- oder Süd-West-Lage ist eigentlich zwingend, um Erfolg mit dem Kübelgartenvorhaben zu haben.
  2. Kübelgemüse muss, im Gegensatz zu Freilandgemüse, recht regelmäßig gedüngt und gegossen werden. Die Erfordernisse variieren zwar von Pflanze zu Pflanze, aber einen Urlaub ohne Vertretung kann man praktisch vergessen.
  3. Geduld! Nicht zu früh vorziehen, nicht zu früh rausstellen! Kübelpflanzen sind empfindlicher als Freilandpflanzen, vor den Eisheiligen muss man sich gedulden. Dafür kann man später in den Herbst noch säen, wenn die Kübel windgeschützt und sonnig stehen.

Ich werde hier meine Planung für unseren Südbalkon vorstellen. In einem nächsten Post beschreibe ich genauer, was die Standortbedingungen, die Restriktionen (wir nutzen den Balkon ja auch noch für anderes als Pflanzen) sind. Zunächst möchte ich zusammenfassen, was ich in den vergangenen Jahren über das Gemüseziehen in Kübeln und Kästen für mich gelernt hab.

  1. Geeignetes Gemüse: Gut für die Kultur im Kübel eignen sich (nach meinem dafürhalten):
    • Kräuter. Da gehen die meisten gut. Insbesondere einjährige, also Petersilie, Basilikum, Salbei. Aber auch mehrjährige Sorten, wobei das Überwintern ein großes Problem ist. Derzeit hoffe ich, dass mein Rosmarin, Thymian und Bohnenkrautes schaffen. Die marokkanische Minze wirkt nicht sehr gesund, ich glaube ihr ist es vor allem viel zu nass.
    • Salat. Vor allem Pflücksalate wachsen super in Töpfen. Ich ernte immernoch frischen Feldsalat und Asia-Leaf aus meinen Kästen für den Green Smoothie. Auch Rucola wächst praktisch das ganze Jahr. Im Sommer hatte ich auch noch grüne und rote Eichblatt-Pflücksorten, Lollo Bionda und sog. amerikanischen Pfücksalat.
    • Gemüse ist schon viel schwerer. Radieschen wachsen super im Topf und auch Mangold hatte ich schon sehr schönen. Tomaten können gelingen, wenn sie trocken und sonnig stehen und man (das ist wichtig) eine Topfsorte nimmt. Versuche mit Kürbis sind bisher gescheitert. Auch alle größeren Wurzelgemüse brauchen zu viel Erde. Die Kartoffeltonne hat durchaus einige Mahlzeiten Kartoffeln produziert, aber ist zu groß und Erde-intensiv für den Balkon, eher was für Hof oder Garten.
    • Obst: Ein Versuch mit Kübelerdbeeren wurde nix, derzeit steht ein Mini-Pflaumenbaum auf dem Balkon, wir sind gespannt, ob er irgendwann trägt. Wer mehr Platz hat für richtig große Kübel, mag mit Kübelsorten von Apfel oder Pfirsich vielleicht Glück haben, für den Balkon ist das nix.
  2. Geeignete Kübel: Je größer desto besser. Je mehr Erde die Pflanze hat, desto unempfindlicher ist sie.  Gerade Gemüse braucht schon große Töpfe. Kräuter und Salat wachsen auch in recht kleinen Gefäßen. Ich habe einen kleinen Balkon und deshalb alles, was geht in Hängetöpfen und Blumenkästen. Salat in Blumenkästen geht super. Auch viele Kräuter wachsen problemlos in Kästen. Mehrjährige Kräuterbüsche brauchen allerdings größere Kübel und insb. Starkzehrer wie Tomaten, Zucchini und Paprika müssen in große Töpfe. Größere Töpfe bleiben auch länger feucht und müssen nicht mehrmals täglich bewässert werden. Da Blumentöpfe teuer sind, habe ich zum Großteil einfache Tontöpfe mit Teller und Kunststoffkästen, das ist zwar nicht so dekorativ wie handbemalte Kunst-Terrakotta-Töpfe, aber praktisch.
  3. Welches Saatgut? Vorziehen oder Pflanzen kaufen? Ich ziehe nichts mehr vor. Alles, was als Pflanze ins Freiland/den Kübel kommt, kaufe ich als Pflanze auf dem Markt. Warum? Ich pflanze so wenig, dass der Preis kaum ins Gewicht fällt, spare mir aber einiges an Frust mit nicht angehenden Setzlingen und auch das wochenlange Belagern sämtlicher Fensterbänke mit Setzlingen in unterschiedlichen Stadien. Wichtig ist allerdings, dass man Pflanzen kauft, die auch für den Garten/Kübel gedacht sind. Also insb. nicht die Kräutertöpfe aus der Gemüseabteilung des Supermarktes, sondern echte Setzlinge aus dem Gartenmarkt/einer Gärtnerei oder von Pflanzen-Ständen auf dem Wochenmarkt. Die sind kleiner, wachsen langsamer und sind viel robuster. Ich säe allerdings Salat und Radieschen ohne Vorziehen sofort in die Erde, das Saatgut habe ich bisher meist bei Bingenheimer Saatgut bestellt aber auch schonmal welches im Gartenmarkt mitgenommen. Ich nehme normalerweise Bio-Saatgut und Bio-Erde.
  4. Zeitplan. Da vor Anfang Mai eigentlich fast nichts nach draußen kann, hat man viel Zeit für Planung. Ich beginne jetzt so Anfang März mal, den Balkon aufzuräumen und zu gucken, was von den letztjährigen Pflanzen überlebt hat. Dann mache ich mir einen Plan, was ich pflanzen will und ab wann das raus kann, besorge Saatgut und ersetze kaputte Kübel. Im April, wenn es verlässlich über 10 Grad bleibt, etwa dann wenn man auch die Balkonkästen bepflanzen würde, säe ich Salat aus und pflanze die unempfindlicheren Kräuter wie Petersilie und Schnittlauch. Gemüse, empfindliche Südkräuter und empfindlichere Sommerblumen müssen bis nach der kalten Sophie warten. Aber zum Pflanzplan folgt nochmal gesondert ein Post.

Zum Schluss noch der Hinweis auf zwei Bücher:

Antony Atha: Küchengarten auf Balkon und Terrasse. Das Buch ist leider vergriffen, aber gebraucht gut zu finden.

Karen Liebreich: Mein Selbstversorger-Garten Monat für Monat. Das Buch bietet vor allem gute Hilfe bei der Zeitplanung, auch wenn es für Freilandgärten gedacht ist.