Me made Mittwoch: Der anNÄHerungs-Blazer

Heute trage ich meinen neuen Blazer, den ich am Wochenende in Bielefeld genäht habe.
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Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt jemals tatsächlich ein Kostüm brauche. Ich besitze ein schwarzes Kostüm und einen grauen Blazer, die ich zu formellen Anlässen trage und die damit vollkommen ausreichend sind. Ein Blazer oder dann auch später ein Kostüm ist daher für mich eher eine Variante oder Spielerei um der Rock-Oberteil- und Kleid-Uniform noch etwas hinzuzufügen. Ich würde ein Kostüm daher auch eher wie ein Kleid tragen. Entsprechend ist mein Blazer auch aus einem eher unkomplizierten Stoff, einem robusten Baumwollstoff mit leicht flanelliger Rückseite in dunkelgrau mit schwarzem und dunkelrotem Webkaro. Das dunkelrote Karo ist aus einem Lurex-Faden und deshalb kaufte ich den Stoff vor ca. 2 Jahren, dieser dezente Glitzer gefiel mir auf Anhieb. Der Stoff ist von der Haptik etwa wie Jeansstoff, aber nicht Köper- sondern Leinwand-gewebt. Leider hat er in der ersten Wäsche eine enorme Menge Flusen auf sich selbst verteilt und auch ziemlich ausgeblutet, so dass er jetzt mehr ‚used‘ aussieht, als eigentlich meine Absicht war. Ich nehme ihn aber wie er ist- jetzt also in used.

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Der Schnitt ist auch schon seit 1,5 Jahren getestet und angepasst gewesen. Aber dann fehlte immer die Zeit ein solches Mammutprojekt anzugehen, vor allem weil ich die Taschen des Originalschnittmusters dringend abwandeln wollte und aber noch nie Paspeltaschen genäht hatte. Da fand ich natürlich auf der anNÄHerung fachkundige und nette Unterstützung, so dass ich nun perfekte Paspeltaschen habe. Ich bin sehr sehr stolz.
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Ich trage den Blazer heute mit einem alten Faltenrock aus sehr fester schwarzer Gabardine von H&M, weil ich natürlich noch Stoff aber noch keine Zeit hatte, einen passenden Rock zu nähen. Obwohl der Stoff grau mit schwarzem Karo ist, wirkt er neben dem schwarz recht blau. Ich werde wohl auch noch einen dunkelroten und einen grauen Rock nähen, so dass ich dann eine kleine Blazer-Entourage habe. Also irgendwann, wenn ich halt passend grauen und dunkelroten Stoff gefunden habe.

Der Rock ist übrigens der einzige Faltenrock der Welt, der mir gut steht. Alle Versuche einen schönen Faltenrock zu nähen sind bisher gescheitert, ich vermute, dieser lebt von der Kombi aus Keller- und anderen Falten sowie dem sehr festen Stoff. Irgendwann, eines schönen Tages, baue ich ihn aus einem Grundschnitt heraus nach.

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Praktischerweise habe ich vor ca. 4 Jahren einen Kragen im perfekten Dunkelrot gestrickt, der mir heute ganz hervorragende Dienste leistete und den ich – gemeinsam mit Stulpen – genau perfekt grungig zum etwas abgerockten Stil des Blazers fand.

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Die Rückenansicht offenbart: Ich könnte noch ein wenig an der Hohlkreuzkorrektur optimieren und ich habe vergessen, die Schulterpolster einzusetzen. Letzteres hole ich noch nach, bei ersterem bin ich noch etwas ratlos und werde mich wohl noch etwas weiterbilden müssen.

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Und nun noch eine kleine Flut von Detailfotos ohne schlechtes Bürolicht und auf dem Bügel:

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Der Schnitt ist aus der Knipmode 3/2011 und ich habe ihn schonmal zur Probe genäht und dabei die Änderungen identifiziert. Ich habe dieses Mal zusätzlich die Ärmel angepasst. Im Original sind weite Ärmel mit Manschette vorgesehen, ich hatte letztes Mal 3/4-Ärmel, dieses Mal habe ich daran gedacht, die Schnittteile entsprechend zu verlängern. Zusätzlich habe ich Falten in der Armbeuge gelegt, die dadurch eine gerundete Ärmelform geben, das macht die Ärmel unendlich bequemer als gerade Ärmel. Der Oberärmel ist 5cm länger als der Unterärmel und diese Mehrlänge steckt in den drei Falten. Das Prinzip habe ich von meinem Kaufblazer abgeguckt und dann mittels heften und probieren am Samstagvormittag nachgebaut.

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Außerdem habe ich Paspeltaschen und -knopflöcher genäht und die aufgesetzten Taschen aus dem Schnitt weggelassen. Die senkrechten Abnäher habe ich nach innen versetzt und deutlich verlängert, die Schultern verschmälert und die Ärmel verschmälert. In der Hüfte habe ich an der Seitennaht etwas zugegeben.

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Dieses Bild gibt die Farbe am besten wieder

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Ich bin sehr sehr zufrieden und freue mich schon auf die 1-4 Röcke dazu. Ich besitze sogar eine farblich sehr gut passende Jeans dazu (hört, hört!) und habe mich heute im Büro auch sehr gut angezogen und bequem gefühlt, besonders knautschig ist der Stoff auch nicht und ich werde den Blazer auch waschen. Er ist also tatsächlich auch ein Brot- und Butter-Teil geworden.

 

Dodo zeigt am heutigen MMM einen sehr schönen Mantel und ich habe schon zahlreiche andere anNÄHerungs-Produkte entdeckt!

 

Details:

Schnitt: Jasje 4, Knipmode 3/2011 (Danke Katharina und Sarah fürs leihen), Größe 40

Änderungen:

  • Ärmel verlängert, verschmälert, Bewegungsfalten zugegeben und keine Manschette angenäht.
  • Aufgesetzte Taschen durch Paspeltaschen ersetzt
  • Schultern schmäler, Abnäher nach innen versetzt und verlängert, Hüfte etwas rausgelassen
  • Futter komplett mit der Maschine verstürzt, Paspelknopflöcher genäht

Stoff und Material: Karierte feste Baumwolle von Alfatex (5,90/m), Futter von fashion for designers (Coupon, vermutlich teurer als der Oberstoff), Knöpfe aus dem lokalen Stoffladen, Gewebeeinlage

anNÄHerung in Bielefeld 2016

Am letzten Wochenende war ich mit meinen Nähmaschinen und der Bügelpresse mal wieder auf Reisen. Es ging nach Bielefeld, wo sich ja nun schon traditionell im Januar die Creme de la Creme der Nähnerdszene versammelt um ungestört und nach Lust und Laune mal bis zu 42 Stunden durchzunähen. Wie immer noch großen Treffen mit nähnerds bin ich angefüllt mit Eindrücken, die vermutlich den Rahmen eines einzelnen Posts sprengen und die zum Teil auch noch in mir nachreifen müssen. Aber ich beginne einfach mal mit einem „Reisebericht“ und hebe mir die weitergehenden Gedanken dann für später auf. Kommt Zeit, kommt Post, gewissermaßen.
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Ich hatte das Glück, schon auf der Fahrt beste Gesellschaft der Pott-nähnerds Frau Fantipanti und Ella Mara zu haben. Das Auto aber ächzte ziemlich unter der Last von 5 Nähmaschinen, 1 Bügelpresse, 1 Bügelstation und diverser Taschen. Ein bisschen spät waren wir auch, aber alle bekamen noch einen Platz und das Abendessen kriegten wir auch noch mit. Bei der Vorstellungsrunde waren mir tatsächlich die allermeisten bekannt, es ist ja irgendwie auch wie nach Hause kommen, so ein nähnerd-Treffen. Die Nervosität, die ich bei meinen ersten Bloggerinnentreffen hatte ist längst einer kribbeligen Vorfreude gewichen. Spannend auch, dass locker 1/3 bis die Hälfte der Teilnehmerinnen sich – heimlich oder öffentlich – als #projektbrotundbutter-Mitstreiterinnen entpuppten und ich so schon einen ersten Eindruck von einigen der geplanten Stücke bekommen konnte. Wie schön das war!

Ich hatte mir für das Wochenende vorgenommen, endlich meinen schon lang geplanten Blazer zu nähen und war wegen dieses Projektes ordentlich nervös. Im Vorfeld hatte ich schon mit dem Stoff und fehlenden Schnittteilen gekämpft und meine Notizen zu den notwendigen Änderungen waren auch recht unvollständig. Zum Glück hatte ich auch einiges hier im Blog notiert.

Am Freitagabend stellte ich den Korpus fertig, am Samstagmorgen beschäftigte ich mich lange mit Passform-Optimierung der Ärmel, am Nachmittag nähte ich meine allerersten Paspeltaschen und am Abend folgte das Futter. Kurz nach 23 Uhr am Samstag nähte ich die Knöpfe an und platzte fast vor Stolz. Am Sonntagmorgen begann ich noch ein Trägerkleid, schaffte aber nur das Oberteil fertig.

Es ist für mich etwas ganz besonderes, wirklich lang am Stück nähen zu können. Ich nähe oft in Häppchen von halben Stunden am Abend. Da schleichen sich Fehler ein und es stellt sich nicht so richtig ein „Flow“ ein. So wundervoll lang am Stück nähen zu können, ist sehr motivierend. Zusätzlich habe ich dieses Mal auch sehr von der Expertise der vielen Nähnerdettes profitieren können. Immer war eine da, um etwas zu stecken, einen Passformrat zu geben, das Händchen zu halten vor dem entscheidenden Schnitt in die Paspeltasche. Ich habe viel gelernt, das ist auch sehr gut.

Und natürlich blieb Zeit für spannende Gespräche, wühlen auf dem Tauschtisch, Sekt und Knabberkram, fachsimpeln, lachen und ernst sein. Es ergab sich die Möglichkeit in Büchern zu blättern, Schnitte anzugucken, Kleidungsstücke anzuprobieren und Nähgadgets zu testen. Taktisch geschickt saßen Frau Crafteln, die eine wundervolle Sitznachbarin ist, und ich in der Nähe der Bügelbretter, so dass wir stets guten Nachschub an Gesprächspartner innen hatten, die sich während des Wartens kurz zu uns gesellten. Auch die schwarz gefädelte Overlock war da ein guter Magnet für Besuch.

Auch wenn ich früher als andere ins Bett gegangen bin (und  mich dann jeweils noch lang mit meinen <3-Zimmerkolleginnen verquatscht habe), war ich doch am Sonntag unendlich müde, vollkommen gesättigt mit Eindrücken und doch motiviert, direkt weiterzunähen. Und natürlich noch tagelang bezaubert von der wundervollen Atmosphäre und den vielen tollen Frauen dort.

Mit vielen hätte ich gern noch länger geredet, wie immer bleibt auch der Eindruck, nicht jede lang und breit genug gesprochen zu haben. Aber was soll’s, es wird weitere Gelegenheiten geben und das ist doch auch eine wundervolle Aussicht.