Bloggen gegen die Bequemlichkeit

Es fährt hier so gesamtgesellschaftlich ziemlich rapide vor die Wand alles gerade, habt Ihr auch gemerkt, oder? Nazis auf den Straßen und in den Parlamenten allüberall. Panikmache vor Flüchtlingen und Leugnung des Klimawandels in Zeitungen und Talkshows. Die Zukunft von Millionen von Kindern zerschellt an der Ungerechtigkeit unseres Sozial- und Bildungssystems. Plastik in den Meeren, Feinstaub in der Luft, CO2 in der Atmosphäre, rottender Atommüll im Boden, Sondermüllberge in Afrika, aussterbende Arten weltweit. Hunger. Krieg. Naturkatastrophen.

Da müsste man mal was tun. Entschieden und schnell.

Ja, aber was kann man denn da tun. Und wer ist überhaupt „man“? Und geht mich das denn was an?

Ja, es geht mich was an. All das. All dieser Dreck, der gleichzeitig über uns herein bricht. Zu lange schon reagieren wir vor allem mit Scheingefechten, Rückzug ins Private und Resignation. Das geht so nicht. Also was genau kann sollte muss man tun?

Ich dachte mir, ich fange mal mit dem an, was ich eh schon die ganze Zeit tue: ich schreibe und rede mitten rein in meine Filterblase, auf dass niemand von euch irgendwas neues hört. Ich verhindere, dass dieses Blog auch nur noch heile DIY-Welt, dieses moderne Biedermeier, zeigt und nutze es stattdessen, um mir wenigstens öffentlich Gedanken zu machen.

Es ist ja nicht so, dass ich, dass wir vollkommen blind und taub in den Totalausverkauf von allem laufen. Irgendwie irgendwas machen wir ja schon. Wir essen kein Fleisch, wir fliegen nur sehr selten, wir kaufen fast unsere kompletten Lebensmittel Bio. Wir erklären unserem Kind, dass Dumpfbacken der Meinung sind manche Menschen seien besser als andere und dass wir das entschieden nicht so sehen. Wir erklären die Deutsche Geschichte auch dem Fünfjährigen immer und immer wieder. Wir haben nun schon fast zwei Jahre fast ohne Flugobst geschafft (Bananen sind die einzige Ausnahme) & bald ein Jahr ohne Schnittrosen. Wir kaufen sehr viel Kinderkleidung gebraucht. Und für mich alles was ich nicht selbst mache. Wir haben Ökostrom und nur LEDs. Wir reparieren seit Jahren ca. alle drei Monate unseren Geschirrspüler und auch sonst alles, was wir irgendwie repariert bekommen. Wir kaufen auch Technik vielfach gebraucht. Wir regen uns auf und werden zynisch und blicken düster in die Zukunft.

Aber das reicht ja alles nicht. Da kann man sich nicht drauf ausruhen, das ist noch nicht genug.

Eigentlich würde ich mich gern politisch engagieren. Aber ich fremdele doch sehr mit den zur Auswahl stehenden demokratischen Parteien und ich habe mit kleinen Kindern eigentlich keinen Spielraum für regelmäßige Abendtermine.

Eigentlich würde ich gern benachteiligten Kindern Nachhilfe geben, ich kann das gut mit der Nachhilfe. Aber ich weiß nicht, wie ich das zeitlich unterbringen sollte. Ich betreue nachmittags meine eigenen Kinder. Das ginge maximal wenn ich das bei einem Schulfreund vom Minimensch irgendwann mal machen würde oder zumindest ungefähr parallel zu meinen eigenen Kindern.

Auf Plastik verzichten, daran scheitern wir mit beeindruckender Nachhaltigkeit. Das geht irgendwie nur punktuell. Milch und Joghurt in Flaschen, ja das probieren wir meist einzuhalten. Käse kaufen wir zumindest am Stück nicht abgepackt. Neuerdings haben wir Wachstücher als Frischhaltefolienersatz. Aber immernoch gehen hier riesige Gelbe Säcke jede Woche die Treppe runter. Gerade vegetarische Eiweißdinge wie Tofu, Seitan, … sind immer eingeschweißt, oft Mini-Portionen in riesigen Verpackungen. Die momentan obligatorische Schafs- oder Hafermilch gibt es nur im Tetra Pack. Fruchtjoghurt, Quark, und dann die ganzen Nudeln, Hülsenfrüchte, Reis… und nein Unverpackt-Laden ist nicht die Lösung sondern nur eine großstädtische Luxuserscheinung. Außerdem ist das unverpackte kaufen nicht gut mit Vorratshaltung vereinbar. Und Vorratshaltung ist eine *der* Strategien das Leben hier im Griff zu haben. Klar, ich mache viel selbst ein, das kommt alles in Gläser und war vorher loses Obst oder Gemüse, das zunehmend immerhin plastikfrei nach hier kommt. Aber nee, das ist und bleibt ein leidiges Thema.

Und dann der ganze Komplex der Chancengerechtigkeit. Wie kann man da gescheit was tun? Wie können Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern zu gleichen Bildungschancen kommen? Gibt es Schreibwaren-Patenschaften, Bücherei-Ausweis-Patenschaften, Spendenfonds für Kindergeburtstagsgeschenke und Schwimmbadbesuche? Weiß da wer was? Das weitergeben gut erhaltener Kleidung klappt ja schonmal ganz und gar nicht.

Ihr seht: ich bin ratlos. Immerhin, ich rede, viel, mit vielen. Nicht nur mit meiner Filterblase. In letzter Zeit hat es erstaunlich oft geklappt, dass Menschen tatsächlich kurz über das was ich sagte nachdachten. Z.B. in Bezug auf diskriminierende Sprache. Ich glaube, tatsächlich konnte ich 1-3 Leute dazu bringen, zu erkennen, dass es sie nichts kostet, darauf zu achten, Minderheiten sprachlich nicht auszugrenzen, aber denen, die davon betroffen sind viel bedeutet. Das ist ja mal ein Anfang.

Und schließlich hab ich zwei Blogs, einen Podcast, einen Twitteraccount und von ein paar Sachen Ahnung. Und deshalb denke ich mir das so: ich blogge ab jetzt mindestens einmal pro Woche sinnvollen Kram zum Welt verbessern. Gedanken, Wissen, Rants . was halt gerade so kommt. Und vielleicht mag das wer anderes auch machen? Aus seiner Perspektive, ihrem Fachwissen auf Sachen aufmerksam machen, die wir, wir alle, tun oder lassen können. Erste Schritte, kleine Dinge oder auch große aufzeigen, einen Anstoß geben. Wie wär’s? Wer gern etwas beitragen will, zumindest virtuell vom Sofa hochkommen und etwas sagen, von etwas erzählen, dem oder derjenigen leihe ich gern meine beschauliche kleine Bühne hier und im Milchmädchenblog. Meldet euch oder schickt mir einen Link zu eurem Post irgendwo. Wie kann ich die Welt verbessern?

Den Anfang mache ich mit was wirtschaftlichem drüben im Milchmädchenblog im Verlauf der Woche. Für heute lasse ich euch mal einen Twitter-Thread da, @kriegundfreitag hat gefragt, an wen Leute spenden und weshalb. Da ist viel Inspiration dabei, wohin man mal was abgeben könnte. (nur bitte keine Patenkinder! Das erkläre ich ein andernmal.)

Lagebericht 6/2013

Oh, das war eine gute Woche! Sie begann schon mit einem grandiosen Sonnen-Sonntag, der mich regelrecht beflügelte. Weder die Rückkehr des Schnees noch eine Müdigkeits-und Schlappattacke konnten deshalb am positiven Wochenresümee was ändern. Paper fertig (meins und das vom Herrn auch), andere Arbeitsbaustellen zumindest in Angriff genommen, ebay-Glück und die Aussicht auf ein schönes und langes Wochenende machen mich heute hoch zufrieden.

Ganz besonders gefreut hat mich diese Woche ganz viel Bloggedöns. Das Flohmarktblog sorgt nicht nur dafür, dass das ungeliebte Gerümpel auszieht und Luft zum atmen hinterlässt, nein, viel besser, es macht, dass ich ganz viele nette Mails von bisher vollkommen unbemerkten Leserinnen bekomme und eine sogar zur Live-Übergabe treffen konnte. Hach wie schön, mehr davon! Ich krieche sofort in die Abstellkammer und entrümpele weiter, Leserkontakt macht süchtig… Und dann habe ich so viele nette Kommentare zum Mittwochsoutfit bekommen. Da fühlt man sich gleich viel weniger wie ein Walross und mehr wie eine nur ganz leicht rundliche Elfe. Danke Mädels! Und ganz toll auch die vielen wohlwollenden, wohlüberlegten und meine eigene Einstellung bestätigenden Rückmeldungen zum Thema Mutti-Content. Ach hab ich tolle Leserinnen und ist unsere Ecke vom Internet nicht ein wundervoller Ort? Ich bin hoch begeistert von euch!

Und nein, das war noch nicht alles, ich hab NOCH mehr zu berichten:

Handarbeiten: Ein Paar Ufo-Socken für den Liebsten fertig gestrickt. Manchmal fragt man sich ja, warum man etwas derart lang (ca. 1 Jahr) vor sich her geschoben hat. In meinem Kopf waren noh 1/3 des ersten und 3/4 des zweiten Socken zu stricken, de facto waren es nur die beiden Spitzen, die in zwei morgendlichen Busfahrten locker zu schaffen waren. Und nun ist mein Ufo-Karma wieder vollkommen rein. Nichts nichts nichts mehr an Altlasten da! HAHAHA! Wenn das mal nicht ein vorzeitiger Frühjahrsputz ist. Außerdem habe ich einen Body genäht und ein Kleid angefangen, das mich schon beim nähen glücklich macht, denn es ist ROT, richtig kirschenrot, einfach toll. Und es sind wahre Stoffberge eingetroffen, alle für den Minimenschen, bzw. seine Hängematte. Ihr dürft gespannt sein, ich bin es jedenfalls.

Kochen: Wurzelgemüsesuppe, Nudelauflauf, Hirseauflauf, Salat mit gegrilltem Brot, Grünkernbällchen mit Ofenkartoffeln.

Garten: bzw. Fensterbank. Es geht looooohos. Tomaten und Chili sind ausgesät, Salat folgt Anfang März. Leben in der Bude. Yippie.

Medien: kein neues Buch gelesen. Dafür die Landlust (ja, echt!) – allerdings mit Befremden. Und viel viel online und in Blogs. Unter anderem, dass die FDP diese Woche in der Sonntagsfrage erstmals seit einem halben Jahr die 5% knackt. WIE KANN DAS SEIN? Was bewegt dieses Land zu derartigen Fehleinschätzungen? Dank Kollegin K., die mich extra per Sms aufmerksam machte, habe ich auch die 3sat-Themenwoche zur Nahrungsmittelindustrie entdeckt, und was es so gab in der mediathek angeguckt. Sehenswert und angenehm unaufgeregt.

Wo ich jetzt so einen Run hab, könnte der Frühling dann jetzt auch mal kommen, als Anerkennung meiner Leistung in Sachen Frühjahrsrambazamba oder so… käme mir sehr gelegen. Denn für die kommende Woche habe ich Fensterputzen geplant, und weitere Entrümpelung. Und die Fertigstellung des roten Kleides. (Und 5 Maschinen Wäsche … bah!) Aber zuallerallererst gehts am Samstagmorgen auf den ersten Stoffmarkt des Jahres, da wäre Sonne auch sehr nett. Und ich hab schon eine Liste gemacht *flöööt*…

Während ich diesen Post verfasse, befinde ich mich übrigens in den Fängen der Deutschen Bahn, die es bisher an keinem meiner auswärtigen freitäglichen Vorlesungstermine fertig gebracht hat, mich planmäßig zu befördern. Zum Glück bin ich einiges gewöhnt und habe schon vor langer Zeit den Linienplan von ganz NRW memorisiert, so kann ich immer noch eine getarnte Sbahn als letzte Ausweichmöglichkeit ausmachen OBWOHL alle diese Servicemenschen eifrig so tun, als wüssten sie von nix!