Me made Mittwoch: Pseudo-Kostüm

Derzeit bin ich mittwochs wieder im Rahmen meines Zweitjobs im Rheinland tätig. Im Zweitjob geht es etwas formeller zu als an der Uni, wo auch eine Jogginghose als echtes Kleidungsstück durchgeht, und so dürfen dann auch mal die etwas erwachseneren Sachen aus dem Schrank. Ich fühle mich gemeinhin in schmalen Röcken weniger wohl als in weiten und bin auch eher nicht so Blusenträgerin, so dass ich nicht freiwillig zu Etuikleid oder schmalem Rock greife. Weil ich schon vor Sonnenaufgang aus dem Haus musste um mich durch halb NRW im Berufsverkehr zu quälen, gibt es nur Aufzugfotos, ich bin aber extra zuerst in die falsche Richtung gefahren um genug Zeit für mehr als ein Foto zu haben.
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Der Rock, den ich heute trage, wird wirklich selten getragen. Genäht habe ich ihn im Herbst 2012 und damals auch gut dokumentiert, weil diese Falten nicht ganz easy waren. Der Schnitt ist aus der Knipmode 12/2011. Der Rock ist, nachdem der Proberock zu eng war, etwas zu weit geraten, bzw der Wollstoff gibt beim tragem enorm nach. Deshalb sitzt er zu hüftig, was der erste Punkt ist, der mich stört. Ich habe auch kein Oberteil, was solo richtig gut dazu passt. Meist trage ich einen Pulli drüber, was aber dann natürlich die Falten verdeckt. Heute habe ich, weil mein brauner Pulli ein Loch hat, zum engen Shirt gegriffen und dann festgestellt, dass das Probejackett ganz gut dazu passt.
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Der Rock fällt auch doof beim gehen. Das nervt mich kolossal. Trotz Futter wandert er gen oben. Das finde ich an locker fallenden Tulpenröcken immer sehr unschön.
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In der Kombi fand ich es heute trotzdem OK. Der Stoff vom Rock ist ein sehr toller Wollstoff von alfatex mit feinem hellblauen Karo. Der fühlt sich schon gut an. Und das Jackett mag ich, obwohl es aus sehr doofem Stoff ist, eigentlich ganz gern. Es ist mir allerdings zu weit, wie vieles, was ich Anfang des Jahres genäht hab. Das ist etwas doof, weil ich den Schnitt jetzt nochmal werde anpassen müssen. Aber gut, dass ich das geplante „schöne Kostüm“ noch nicht genäht hatte.
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Das Jackett ist nach einem Schnitt aus der Knip März 2011(?), glaube ich. Und hat zufällige 3/4-Ärmel, die ich sehr gut finde. Übrigens habe ich nirgendwo Flecken und das Jackett sitzt auch nicht schief, Haltung und Licht sind suboptimal.

Und jetzt schau ich mal beim me made Mittwoch vorbei, der besten Institution der Nähnerdwelt, der wir so tolle Treffen wie das in Köln am Wochenende verdanken. Mädels, danke für euren Einsatz jede Woche!!! Heute zeigt dort Nastjusha als Gastbloggerin ihr Outfit.

Me made Mittwoch: der Blazer

Ich habe es schon wieder nicht geschafft am Mittwoch zu bloggen. Meine Computerzeit am Mittag und abends, wenn das Kind schläft, geht in Gänze für Arbeit drauf. Und die eine Stunde, die dann vorm schlafengehen noch bleibt, muss alles fassen, was ich als Erwachsene so machen möchte. Mit dem Mann reden, telefonieren, nähen, Weintrinken, lesen, … Da steht bloggen nicht ganz vorne an. Also kommt jetzt mein MMM-Beitrag einfach mal ohne MMM (geschrieben nachts um 3 -ach Backenzähne, wie ich euch liebe!). Denn ich muss mit diesem Blazer abschließen. Meine Fotos sind von Ende letzter Woche, da war es noch sehr kühl und ich trug meinen neuen (Probe)Blazer:

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Der Blazer hat mich unendlich viel Zeit und Nerven gekostet, vor allem, weil der Stoff wirklich unfreundlich ist. Er war eigentlich als schnelle Probe gedacht und das ging ganz gewaltig nach hinten los. Angefangen habe ich ihn im Februar bei einem Nähkränzchen mit L. Ich hatte allerdings seitdem auch sehr wenig Nähzeit.

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Der Schnitt ist aus der Knip März/2012(?) und ist wirklich gut. Die Anpassungen hielten sich eigentlich in Grenzen. Das Problem ist der gewählte Stoff. Ein schöner nachtblauer Rips mit leichtem Glanz aus Baumwolle, den ich bei alfatex im Sale für 3,90/m gekauft habe – idealer kann ein Probestoff ja eigentlich nicht sein, dachte ich. Der aber leider vollkommen zur Selbstzerstörung neigt. Kaum reingeschnitten schon 1cm weggefranst, wirklich schneller als man gucken kann. Ich begann also erstmal damit alle ca 8 Milliarden Teile am Rand mit Einlage zu bebügeln, weil versäubern allein das Fransen nicht aufhielt. Das war doof.

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Dann kam eine kurze Strecke zum aufatmen. Den eigentlichen Blazer zusammenzusetzen ging gut, er saß auch bereits ohne Änderungen recht ordentlich. Ich habe die Abnäher etwas nach innen verschoben, in der Hüfte rundum etwas rausgelassen, im oberen Rücken 3 cm rausgenommen und die Schulterbreite um 2cm verringert, das Armloch dann unter dem Arm wieder verkleinert.

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Auch Polster und Ärmel waren schnell eingesetzt. Dann allerdings begann das Drama. Zunächst mal den Futterzuschnitt ca. monatelang aufgeschoben wegen akuter Unlust. Dann endlich gemacht und mich aufgerafft zu nähen und dann ca. 4 Wochen lang alle Nähzeit auf TASCHEN verwendet. Schrecklichstens! Der Schnitt sieht aufgesetzte Taschen mit Klappen vor. Die sind auch sehr hübsch mit einer Kellerfalte. Da ich die Abnäher verschoben hatte, waren allerdings die Markierungen nicht mehr zu gebrauchen und auch von vornherein nicht sehr eindeutig, da sie nur die Oberkante nicht aber die genaue Form der Taschen vorgaben. Ich bekam es schlicht nicht hin, die Taschen in ordentlicher gleichmäßiger Form an hübscher Stelle zu platzieren. Ich nähte, trennte, nähte, trennte usw. Die Klappen begannen bereits beim ersten Trennen wieder das Fransen, so dass dann auch noch entlang der Nähte lauter Fransen rauskamen. Es war die Hölle. Schlussendlich habe ich es aufgegeben und den Blazer ohne Taschen weitergenäht. Leider hat der Stoff darunter sehr gelitten und dort wo die Taschen mal saßen sind jetzt einige abgeschabte Stellen. Ich werde damit leben müssen und hoffen, dass es keiner sieht.

imageDann gab es nochmal das gleiche Problem beim Reverskragen. Auch hier franste die Kante schon beim ersten Trennen so schlimm, dass jetzt kleine Fransen aus der Naht rausstehen, die ich mühsam von Hand fixieren musste. Insgesamt werde ich also an diesem Blazer wohl nicht so lange Spaß haben, weil er zur Auflösung neigt. Das ist sehr schade, denn er passt super, sieht gut aus und ein blauer Blazer hat mir echt gefehlt. Er passt zu sehr vielen meiner Röcke und Kleider (weil wie gesagt 50% blaue Kleidung) und der Stoff trägt sich sehr angenehm und sieht eigentlich auch schick aus.

Dass die Ärmel 3/4-Länge haben, war übrigens nicht so vorgesehen. Ich habe nur vergessen, die Schnittteile nachzumessen und daher eine für mich übliche Änderung (Verlängerung der Arme um ca. 5cm) verpennt. Aber ich trage gern 3/4-Ärmel, also ist das schon ok.

Ich werde nun auf jeden Fall ein ganzes Kostüm angehen. Allerdings erst, wenn die Sommerkleiderproduktion abgeschlossen ist. Vielleicht ist ja dann auch wieder mehr Nähzeit da? Bitte liebes Universum, das wär toll!

Blazernähen: #nähnerdrat dringend erbeten

Ich arbeite hier langsam und still an meinem Probeblazer, der hoffentlich ein tragbares Probeteil wird (der Stoff war sehr günstig, ich könnte eine Bruchlandung verschmerzen). Nachdem ich das ganze ewig prokrastiniert habe, weil ich keine Lust auf Einlage bügeln und Futter zuschneiden hatte, ist der Stand der Dinge dieser:

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Ich habe die Fotos sehr stark aufgehellt, damit die Schnittführung trotz dunkelblauen Stoffs und novembrigen Lichts erkennbar ist.

Hier die technische Zeichnung:
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Ich will die Brusttaschen weglassen, gerade deshalb ist wichtig, dass der Brustabnäher richtig sitzt. Ich würde mich sehr über fachkundigen Rat freuen!

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Hier habe ich nochmal in weiß angemalt, wo er derzeit sitzt und in rot den Brustpunkt und wohin ich ihn versetzen würde. Ich habe eine bisschen Angst, dass ich aus der Kleidererfahrung heraus vielleicht overfitting betreibe. Also denkt ihr auch, ich sollte den Abnäher nach innen versetzen und kürzen?

Hier noch ein weiteres Foto.

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Weiteren Änderungsbedarf sehe ich im oberen Rücken. Das ist ein Standard bei mir und ich würde ihn über die Mittelnaht korrigieren, also hier die Beule wegnehmen.

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Ein wenig werde ich im Hüftbereich aus den Seitennähten und den Abnähern rauslassen.

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Unschlüssig bin ich, weil das Teil recht viel Platz unter den Armen hat, auch das kenne ich von Kleidern. Andererseits soll ein Jackett ja auch noch ein wenig Platz für was drunter lassen. Was denkt ihr, sollte ich hier was rausnehmen? Oder so lassen?