Zero Waste Geschenke verpacken (1)

Kennt ihr das?

Wir bestellen wirklich viel online, Geschenke aber auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Kinderklamotten, Drogerieartikel, verschreibungsfreie Medikamente, Gewürze und andere trockene Nahrungsmittel. Ja ich weiß, das wird alles rumgefahren, allerdings würde ich sonst sehr viel öfter an sehr viele verschiedene Orte mit dem Auto fahren, für vieles in die nächstgrößere Stadt. Und ich finde Innenstädte, gerade mit Kindern, wirklich fürchterlich, hasse shoppen und man kriegt nie alles was man braucht.

Der Effekt sind allerdings unendliche Altpapierberge. Denn alles kommt ja inzwischen mit Papier gepolstert (oder mit diesen verrottenden Verpackungschips, die wandern hier sofort zum Playmais) auch wenn Papier ja gar nicht immer ökologischer ist als Plastik.

Die Kartons werden hier bespielt, zum Versand anderer Dinge genutzt und vielfach dann in der Tonne entsorgt, das Polsterpapier hebe ich aber auf. Daraus werden Bastel- und Malkiste bestückt, klein geschnitten wird es zu Einkaufszetteln und wenn Anlässe wie Weihnachten nahen, werden daraus Geschenkverpackungen.

Und zwar nähe ich die Geschenke darin ein:

Das geht total einfach. Mit der Zickzackschere passend schneiden, Geschenk rein, 90er Nadel, rotes oder goldenes oder geschmacklich ausgewähltes Garn und dann einmal rumsteppen. Auch eine schöne Gelegenheit um mal die Zierstiche alle zu benutzen. Selbst der Minimensch kann das schon.

Kleinere Sachen, z.b. Seifenstücke, Schmuck oder Gutscheine kann man auch toll in die Seiten von ausgemusterten Büchern einnähen.

Außerdem mache ich aus dem Packpapier auch Geschenktüten. Hier ein Beispiel vom letzten Kindergeburtstag:

Zur Verzierung geht hier natürlich auch Goldstift, weihnachtliches Masking-Tape oder Glitzerkleber. Ich hab auch eine kleine Kollektion Weihnachtsstempel. Eine gute Anleitung für Falzbodentüten ist zum Beispiel diese.

Tipp: auch geeignet ist schon benutztes dickes Geschenkpapier, dessen Rückseite ungefärbt ist, oder das keine großen Tesa-Rückstände hat.

Bloggen gegen die Bequemlichkeit

Es fährt hier so gesamtgesellschaftlich ziemlich rapide vor die Wand alles gerade, habt Ihr auch gemerkt, oder? Nazis auf den Straßen und in den Parlamenten allüberall. Panikmache vor Flüchtlingen und Leugnung des Klimawandels in Zeitungen und Talkshows. Die Zukunft von Millionen von Kindern zerschellt an der Ungerechtigkeit unseres Sozial- und Bildungssystems. Plastik in den Meeren, Feinstaub in der Luft, CO2 in der Atmosphäre, rottender Atommüll im Boden, Sondermüllberge in Afrika, aussterbende Arten weltweit. Hunger. Krieg. Naturkatastrophen.

Da müsste man mal was tun. Entschieden und schnell.

Ja, aber was kann man denn da tun. Und wer ist überhaupt „man“? Und geht mich das denn was an?

Ja, es geht mich was an. All das. All dieser Dreck, der gleichzeitig über uns herein bricht. Zu lange schon reagieren wir vor allem mit Scheingefechten, Rückzug ins Private und Resignation. Das geht so nicht. Also was genau kann sollte muss man tun?

Ich dachte mir, ich fange mal mit dem an, was ich eh schon die ganze Zeit tue: ich schreibe und rede mitten rein in meine Filterblase, auf dass niemand von euch irgendwas neues hört. Ich verhindere, dass dieses Blog auch nur noch heile DIY-Welt, dieses moderne Biedermeier, zeigt und nutze es stattdessen, um mir wenigstens öffentlich Gedanken zu machen.

Es ist ja nicht so, dass ich, dass wir vollkommen blind und taub in den Totalausverkauf von allem laufen. Irgendwie irgendwas machen wir ja schon. Wir essen kein Fleisch, wir fliegen nur sehr selten, wir kaufen fast unsere kompletten Lebensmittel Bio. Wir erklären unserem Kind, dass Dumpfbacken der Meinung sind manche Menschen seien besser als andere und dass wir das entschieden nicht so sehen. Wir erklären die Deutsche Geschichte auch dem Fünfjährigen immer und immer wieder. Wir haben nun schon fast zwei Jahre fast ohne Flugobst geschafft (Bananen sind die einzige Ausnahme) & bald ein Jahr ohne Schnittrosen. Wir kaufen sehr viel Kinderkleidung gebraucht. Und für mich alles was ich nicht selbst mache. Wir haben Ökostrom und nur LEDs. Wir reparieren seit Jahren ca. alle drei Monate unseren Geschirrspüler und auch sonst alles, was wir irgendwie repariert bekommen. Wir kaufen auch Technik vielfach gebraucht. Wir regen uns auf und werden zynisch und blicken düster in die Zukunft.

Aber das reicht ja alles nicht. Da kann man sich nicht drauf ausruhen, das ist noch nicht genug.

Eigentlich würde ich mich gern politisch engagieren. Aber ich fremdele doch sehr mit den zur Auswahl stehenden demokratischen Parteien und ich habe mit kleinen Kindern eigentlich keinen Spielraum für regelmäßige Abendtermine.

Eigentlich würde ich gern benachteiligten Kindern Nachhilfe geben, ich kann das gut mit der Nachhilfe. Aber ich weiß nicht, wie ich das zeitlich unterbringen sollte. Ich betreue nachmittags meine eigenen Kinder. Das ginge maximal wenn ich das bei einem Schulfreund vom Minimensch irgendwann mal machen würde oder zumindest ungefähr parallel zu meinen eigenen Kindern.

Auf Plastik verzichten, daran scheitern wir mit beeindruckender Nachhaltigkeit. Das geht irgendwie nur punktuell. Milch und Joghurt in Flaschen, ja das probieren wir meist einzuhalten. Käse kaufen wir zumindest am Stück nicht abgepackt. Neuerdings haben wir Wachstücher als Frischhaltefolienersatz. Aber immernoch gehen hier riesige Gelbe Säcke jede Woche die Treppe runter. Gerade vegetarische Eiweißdinge wie Tofu, Seitan, … sind immer eingeschweißt, oft Mini-Portionen in riesigen Verpackungen. Die momentan obligatorische Schafs- oder Hafermilch gibt es nur im Tetra Pack. Fruchtjoghurt, Quark, und dann die ganzen Nudeln, Hülsenfrüchte, Reis… und nein Unverpackt-Laden ist nicht die Lösung sondern nur eine großstädtische Luxuserscheinung. Außerdem ist das unverpackte kaufen nicht gut mit Vorratshaltung vereinbar. Und Vorratshaltung ist eine *der* Strategien das Leben hier im Griff zu haben. Klar, ich mache viel selbst ein, das kommt alles in Gläser und war vorher loses Obst oder Gemüse, das zunehmend immerhin plastikfrei nach hier kommt. Aber nee, das ist und bleibt ein leidiges Thema.

Und dann der ganze Komplex der Chancengerechtigkeit. Wie kann man da gescheit was tun? Wie können Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern zu gleichen Bildungschancen kommen? Gibt es Schreibwaren-Patenschaften, Bücherei-Ausweis-Patenschaften, Spendenfonds für Kindergeburtstagsgeschenke und Schwimmbadbesuche? Weiß da wer was? Das weitergeben gut erhaltener Kleidung klappt ja schonmal ganz und gar nicht.

Ihr seht: ich bin ratlos. Immerhin, ich rede, viel, mit vielen. Nicht nur mit meiner Filterblase. In letzter Zeit hat es erstaunlich oft geklappt, dass Menschen tatsächlich kurz über das was ich sagte nachdachten. Z.B. in Bezug auf diskriminierende Sprache. Ich glaube, tatsächlich konnte ich 1-3 Leute dazu bringen, zu erkennen, dass es sie nichts kostet, darauf zu achten, Minderheiten sprachlich nicht auszugrenzen, aber denen, die davon betroffen sind viel bedeutet. Das ist ja mal ein Anfang.

Und schließlich hab ich zwei Blogs, einen Podcast, einen Twitteraccount und von ein paar Sachen Ahnung. Und deshalb denke ich mir das so: ich blogge ab jetzt mindestens einmal pro Woche sinnvollen Kram zum Welt verbessern. Gedanken, Wissen, Rants . was halt gerade so kommt. Und vielleicht mag das wer anderes auch machen? Aus seiner Perspektive, ihrem Fachwissen auf Sachen aufmerksam machen, die wir, wir alle, tun oder lassen können. Erste Schritte, kleine Dinge oder auch große aufzeigen, einen Anstoß geben. Wie wär’s? Wer gern etwas beitragen will, zumindest virtuell vom Sofa hochkommen und etwas sagen, von etwas erzählen, dem oder derjenigen leihe ich gern meine beschauliche kleine Bühne hier und im Milchmädchenblog. Meldet euch oder schickt mir einen Link zu eurem Post irgendwo. Wie kann ich die Welt verbessern?

Den Anfang mache ich mit was wirtschaftlichem drüben im Milchmädchenblog im Verlauf der Woche. Für heute lasse ich euch mal einen Twitter-Thread da, @kriegundfreitag hat gefragt, an wen Leute spenden und weshalb. Da ist viel Inspiration dabei, wohin man mal was abgeben könnte. (nur bitte keine Patenkinder! Das erkläre ich ein andernmal.)

Vermischtes zum Klima

Ich habe in den letzten Tagen zwei Podcast-Episoden aus der Reihe dradio Wissen Hörsaal zum Thema Klimapolitik gehört, die ich beide sehr empfehle:

Naomi Klein: Geld oder Leben

Und

Prof. Reimund Schwarze, Helmholtz-Institut für Umwelt: Geschichte der internationalen Klimapolitik

Beide Vorträge waren interessant wenn auch naturgemäß sehr unterschiedlich. Etwas gestört hat mich, dass beide bei den Klimawandelfolgen sehr auf Industrieländer fokussiert waren, das wird dem Problem nicht gerecht, finde ich.

Und dann ist es natürlich irgendwie auch witzig, dass der Wirtschaftswissenschaftler im Grunde sehr viel weniger über die wirtschaftliche Dimension des ganzen spricht, als Naomi Klein, deren VWL-Kenntnisse, so finde ich, etwas begrenzt sind. Das ist in gewisser Weise symptomatisch. Fachleute, die sich von Meteorologie-, Energietechnik- und Wirtschafts-Seite mit dem Klimawandel beschäftigen, werden in eine ideologische politische Debatte hineingezogen, weil – natürlich – die Lösung eine politische sein muss. Aber im Grunde müsste die Politik nicht danach entscheiden, was diplomatisch und politisch machbar, sondern was aus wissenschaftlicher Sicht notwendig und durchführbar ist. Leider sieht die Realität, wie Prof. Schwarze sie beschreibt, anders aus. Und ich denke, auch das nun historisch genannte Abkommen von Paris zeigt zwar große internationale Entschlossenheit, aber doch nur Andeutungen konkreter Lösungen. Ohne Sanktionen.

Ein Punkt kam bei Naomi Klein gar nicht, bei Prof. Schwarze nur am Rande vor und wird auch im Rahmen der Abkommen indirekter behandelt, als möglich und richtig wäre: Carbon Leakage. Ein nennenswerter Anteil der in EU und Nordamerika erreichten Reduktion des CO2-Ausstoßes ist mitnichten auf Umstellung auf saubere Energie und emissionsreduzierte Autos zurückzuführen, sondern darauf, dass stark verschmutzende industrielle Produktion aus Industrieländern in Entwicklungs- und Schwellenländer verschoben wurde. Dass China zum größten Emittenten der Welt wurde liegt bei weitem nicht nur daran, dass jetzt alle Chinesen Auto fahren (was zudem nicht stimmt), sondern daran, dass die „Werkbank der Welt“ auch die „Dreckschleuder der Welt“ ist. Jedes Konsumgut, dass wir importieren enthält ganz erheblich Emissionen, die andernorts entstanden sind. Und natürlich, die die durch den Transport entstanden sind, das hat Prof. Schwarze ja sehr betont. Das heißt, es ist sehr scheinheilig mit dem Finger auf Indien, Brasilien, Argentinien und China zu zeigen ohne infrage zu stellen, wie sich in der Zeit unser Konsum verändert hat. Nun. Er ist massiv gestiegen. Und indem wir den weit größten Anteil unseres Konsums importieren, entledigen wir uns elegant der Emissionen, die in der Produktion entstehen. Da können wir noch so viel Ökostrom beziehen und sparsame Autos fahren.

Nun kann man darauf reagieren, indem man den Kapitalismus verbannt und nach einer neuen Wirtschaftsordnung ruft, wie Naomi Klein. Ich bin sicher keine glühende Anhängerin des Kapitalismus, allerdings sehe ich noch nicht, wie wir aus dem Aktivismus heraus eine gerechtere Wirtschaftsordnung erreichen wollen. Vor allem nicht weltweit. Und einen politischen Willen nennenswert in diese Richtung zu gehen kann ich nicht ausmachen. Solang können wir uns schonmal an unsere eigene Nase packen und uns fragen, was und wieviel wir konsumieren müssen und woher. Regionalität ist bei Lebensmitteln ja schon etwas mehr in den Fokus gerückt (also in manchen Käuferschichten natürlich nur), bei vielen anderen Produkten denkt man vielleicht nicht so stark darüber nach.
Aus ökonomischer Sicht gibt es zwei Ansätze, gescholtene Markt-Ansätze, aber immerhin, die aber beide politisch wenig Gehör finden. Prof. Schwarze spricht die Besteuerung von internationalem Flug- und Schiffsverkehr an. Hier wäre ein Hebel, die Transport-Emissionen zu sanktionieren und die Einnahmen in einen Fonds zur Klimafolgen-Bekämpfung einzuzahlen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es ohne eine solche Maßnahme gehen sollte.

Ein anderer Vorschlag, den einzelne Länder versuchen umzusetzen, der aber eigentlich nur im Welt-Rahmen Sinn macht, ist die Bezollung von CO2. D.h. bei Import eines Produktes wird ein Zoll relativ zur Emissionsintensität seiner Produktion und seines Transportes erhoben. Auch hier würde es Sinn machen, die Einnahmen in einen Fonds einzuzahlen, denn ansonsten entstünden den Entwicklungsländern sehr nennenswerte Nachteile aus solchen Regelungen. Auf diese Art und Weise wäre ein in China auf sehr dreckige Art und Weise produziertes Gut dann eben fast so teuer wie oder teurer als ein nachhaltig produziertes Äquivalent. Dann würde sich die Produktion nachhaltiger Produkte eher lohnen und – da kommt schon das aber – der Konsum insgesamt zurückgehen.

Warum machen wir das – bisher – nicht? Weil es eines weltweiten Konsens bedürfte und weil es ans Geld geht. Ein weltweiter Konsens ist erforderlich weil einzelne Länder sich durch solche Regelungen finanziell ins eigene Fleisch schneiden würden, vor allem wenn sie Energie-intensive Vorprodukte importieren. Zudem sind die meisten Länder im Kontext der WTO eine Verpflichtung zur Zollsenkung eingegangen, so dass eine solche neuerliche Zollerhebung wiederum eines WTO-Abkommens bedürfte. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Denn in der WTO haben, genau wie in den UN alle Länder das gleiche Stimmrecht, was die Findung von tragfähigen Übereinkünften extrem langwierig und schwierig macht.
Und ja, es geht um Geld. Der Welthandel ist für viele Länder die entscheidende Einnahmequelle für Devisen, die sie umgekehrt zur Importfinanzierung benötigen. Und was würden wohl die Öl-Produzenten dazu sagen, wenn Emissionen bezollt würden? Und nicht zuletzt: was würden denn die Konsumenten in Industrie- und Schwellenländern dazu sagen, wenn sich der Konsum fast aller unsere Konsumgüter wesentlich verteuern würde? Denn es müsste ein wesentlicher Zoll sein, damit es funktioniert. Es ginge ja exakt darum, dass sich das kaufen nicht mehr lohnt. Da müssten wir dann doch an der einen und anderen Seite Korrekturen vornehmen.

Und dann kommt ja immer das Argument: Wachstum ist nicht mit Klimaschutz vereinbar. Also die Forderung nach Wachstumsdrosselung oder Schrumpfung. Und das bedeutet Verzicht. Oh, da werden wir empfindlich getroffen, da folgen dann gleich auch Schuldzuweisungen. OK wenn wir jetzt teilen sollen, weil es nicht mehr für alle reicht, dann doch bitte erstmal die anderen (China, USA, …). Und voilà, eine verkürzte Argumentation, die Blockade nach sich zieht. Die Argumentation, dass Volkswirtschaften aufgrund begrenzter Ressourcen kein dauerhaftes Wachstum erreichen können, ist im Grunde älter als die Volkswirtschaftslehre, sie geht zurück auf Robert Malthus, der argumentierte, dass wir, weil der Boden begrenzt ist, nicht genug Essen für eine wachsende Bevölkerung produzieren können. Malthus ahnte noch nicht, dass wir im Zuge der Industrialisierung beginnen würden, nicht-landwirtschaftliche Produkte in nennenswertem Umfang zu produzieren und erst recht nicht, dass technischer Fortschritt selbst die Agrarproduktion deutlich effizienter machte. Dennoch ist natürlich am Kerngedanken was dran. Solange unsere Produktion endliche Ressourcen verbraucht, wird ihr Wachstum irgendwann ein Ende haben und technischer Fortschritt kann dieses Ende zwar verzögern, aber nicht aufhalten. Allerdings bedeutet das nicht, dass kein Wachstum denkbar ist. In entwickelten Volkswirtschaften ist der Anteil, den der Wert der Primärressourcen an der fertigen Produktion hat verschwindend gering. Ein Großteil des kapitalistischen Wachstums wird durch die Veredelung der Ressource, nicht die Ressource selbst erreicht. Gelänge es uns, endliche Ressourcen, wo immer es geht, durch nachwachsende zu ersetzen, wäre das Wachstum nachhaltig. Und dass das nicht gelingt, hat, so denken zumindest Ökonomen, damit zu tun, dass es sich wirtschaftlich noch nicht lohnt. Fossile Ressourcen sind zu günstig oder nachwachsende zu teuer. Und das gilt insbesondere für sog. Allmende-Güter wie das Klima. Also Güter, die durch Nutzung verschlechtert werden, von deren Nutzung aber niemand ausgeschlossen werden kann. Unsere Atmosphäre ist für den einzelnen Verschmutzter umsonst. Aber sie verbraucht sich. Schlimmer noch, nicht nur sind fossile Energieträger gerade noch im Preiswettbewerb überlegen, viele Staaten machen sie sogar noch durch Subventionen billiger (in Deutschland z.b. Diesel und Kohle) und versäumen es, durch die Energieträger entstehende Kosten auf die Preise umzulegen. Durch bspw. staatliche Beteiligung an der Ewigkeitsschädenhaftung aus der Kohleförderung legen wir die Verschmutzungskosten sogar noch auf die Allgemeinheit um.

Das Wachstum, das die Welt derzeit hat, das auf geradezu verschwenderischer Nutzung von Ressourcen und Konsumausdehnung auf Kosten des Klimas basiert, ist also tatsächlich nicht weiterhin möglich. Aber Wachstum, auch innerhalb der bestehenden Wirtschaftssysteme, ist durchaus möglich, wenn wir das durch die Wiederverwendung endlicher Ressourcen, die Nutzung nachwachsender Ressourcen und emissionsfrei generieren. Denn es ist ja nicht so, als sei reparieren keine wirtschaftliche Aktivität, als würden erneuerbare Energien ohne Wertschöpfung generiert oder als wären Innovationen kostenlos. Wir brauchen also in gewisser Weise sogar Wachstum, um klimaschonender zu werden. Nur eben an den richtigen Stellen. Dass das passiert ist eine politische Aufgabe aber auch die Aufgabe jeder einzelnen verantwortlichen Konsumentin.

Beginnt die Zukunft heute?

Anlässlich dieses Artikels, den ich heute gelesen habe und -für einen Print-Artikel in einer Nicht-Fachzeitschrift- insgesamt ganz differenziert finde, auch wenn er leider nur am Rande darauf verweist, dass das Problem auch (und meiner Meinung nach vor allem) ein Problem von Quantität statt Qualität ist (hierzu habe ich ausführlich schonmal hier was geschrieben) und der Titelstory der Zeit diese Woche (Faul und schlau). Und aufgrund einer längeren Diskussion mit meiner Mutter, möchte ich eine Frage aufwerfen, die ich so oder so ähnlich schon mit vielen Menschen diskutiert habe: „Sind wir auf einem guten Weg in Richtung Gesellschaft der Zukunft?“ Genauer: „Haben wir die Zeit des Raffkapitalismus und der Egomanie der 90er hinter uns gebracht und besinnen uns nun mehr auf Gemeinwohl, immaterielles und eine zukunftsfähige, soziale und nachhaltige Lebensweise?“

Zunächst die Argumente, die positiv stimmen könnten:
– Wir beobachten eine deutliche Biobewegung. Der Markt für (vermeintlich) ökologische Lebensmittel wächst stetig. Bio ist heute, in ganz Europa, nicht mehr nur ein Randgruppenmarkt, sondern ein Massenmarkt geworden.
– Die neue Anti-Atomkraftbewegung. Auch hier zeigt sich, atomare Energie wird nicht mehr widerspruchslos als sauber, effizient und perfekt hingenommen sondern hinterfragt.
– Die DIY-Bewegung. Denn zeigt nicht das wachsende Selbermachen von Dingen eine Besinnung auf den Wert der Dinge, die Qualität und die Wertschätzung von Nicht-Massenware, ist es nicht eine Wegbewegung von stumpfem Konsum, wenn man benötigtes selbst herstellt?
– Dann das im Zeit-Titel angesprochene Phänomen, dass die gerade in den Arbeitsmarkt strebende Generation nicht mehr bereit ist, für eine gutes Gehalt alles andere hinten anzustellen. 80 Stunden pro Woche und 5 Tage Abwesenheit von zu Hause inkl. Zeugt das nicht von einer Abkehr vom Materiellen? Erkennen wir nicht langsam, dass Lebensqualität sich nicht in Einkommen bemisst?
– Wird nicht Familie heute wieder wichtiger genommen als noch in den 90ern? Setzen wir damit nicht endlich wieder auf die Zukunft?
– Ist nicht allein die Tatsache, dass wir eine Wachstumsdebatte führen, dass die Infragestellung der Wachstumsdogmatik heute recht regelmäßig in der Presse auftaucht, als Zeichen für gesellschaftlichen Wandel zu werten?
– Wenn schon der wichtigste Schrein der Konsumgesellschaft, die CeBit, unter dem Motto „Shareconomy“ steht, heißt das nicht, dass uns Besitz immer unwichtiger wird?

Ja und nein. Ich bin in diesem Fall Pessimistin. Alle vorgebrachten Argumente stimmen, für manche und manchmal. Und sie zeugen vielleicht von einem gewissen Gesinnungswandel. Bei manchen, manchmal. Aber diese neue Gesinnung muss deshalb nicht grundsätzlich sozialer, gerechter und nachhaltiger sein.

Natürlich. In meinem Umfeld gibt es sehr viele Menschen, die tatsächlich Zeit mehr schätzen als Geld. Die darauf Wert legen zu arbeiten um zu leben und nicht zu leben um zu arbeiten. Mich eingeschlossen. Aber was haben wir alle gemeinsam? Wir sind hochqualifiziert und verdienen relativ gut. Zumindest so gut, dass wir es uns leisten können überhaupt zwischen Zeit und Geld abwägen zu können. So gut, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, was morgen auf dem Tisch steht. Aber wir sind doch nicht die Mehrheit. Nichtmal in Deutschland. Nicht im Krisen-geschüttelten Europa und schon gar nicht in der Welt.

Ein Teil dieser Menschen, die nicht mehr Einkommen und Beruf an erste Stelle stellen, kauft auch weitgehend Bio, bezieht Ökostrom und ist allgemein konsumkritisch. Nur ein Teil. So manchem ist die Ernährung egal, die Tierhaltungsbedingungen, die Produktionsbedingungen unserer Konsumprodukte. Da ist man sich dann doch selbst der nächste. Ob in 1000 oder 10000 Jahren unsere Nachkommen auf unserem Gift- und Atommüll sitzen, interessiert nicht, so lang heute der Strom nicht teurer wird. Ob der Klimawandel in anderen Regionen der Welt zur Zerstörung ganzer Landstriche führt ist doch irrelevant, solang bei uns die Sommer schön sind. Das hört man. Auch aus dem Munde von gebildeten, begüterten, intelligenten Menschen. Und viele weitere scheuen sich einfach, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Bio kaufen kann auch egoistisch sein – allein der eigenen Gesundheit zuliebe. So mancher Bayer wird gegen ein bayrisches Endlager auf die Straße gehen, ohne gegen Atomstrom zu sein – nicht vor der Haustür, das reicht doch schon. Und ja, wir sind doch alle für artgerechte Tierhaltung, solang bitte das Kilo Fleisch weiterhin unter 5 Euro kostet.

Und macht wirklich jeder Dinge selbst, aus konsumkritischen Erwägungen? Wohl kaum. Im besten Falle spielt das mit rein. Aber genauso rein egoistische Motive wie der Wunsch nach Entspannung, Anerkennung, Selbstverwirklichung. Oder das Streben nach Individualität. Alles per se nichts schlechtes. Nur eben auch nicht zwangsläufig ein Gesinnungswandel hin zu mehr Gemeinwohl, Solidarität, Konsumverzicht.

Und letztendlich finde ich ganz klar: Jeder, der sagt „Angela Merkel macht ihren Job nicht schlecht“ bringt nicht das leiseste Interesse für die Zukunft unserer Gesellschaft auf. Denn wenn diese Regierung irgendetwas par excellence vorführt, dann mangelnde Nachhaltigkeit und Ignoranz gegenüber den großen Herausforderungen der Zukunft. Aber es gibt sie, die CDU- und FDP-Wähler. Sie sind die Hälfte von uns. Das können nicht alles nur Rentner und Großkapitalisten sein. Das müssen auch welche von all denen sein, deren Rente, Gesundheitssicherung und Umwelt, Luft zum Atmen und Wasser zum trinken gerade mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen wird. Sie denken nur alle, das würde nur die anderen treffen. Die unten, die drüben, die im Süden. Uns doch nicht.

Natürlich geht es trotzdem nicht anders, als weiterzumachen. Zu diskutieren, sich zu empören, zu wählen, zu informieren, kritische Fragen zu stellen und sich ab und an auch mal an die eigene Nase zu packen. Allein, der Weg ist noch weit.