Stoffwechsel III – Mein Kleid

So. Seit vorgestern ist mein Kleid nun auch fertig und gestern warf ich es kurz für Fotos über, obwohl die schwüle Wärme natürlich nicht ganz adäquat für das Kleid ist.

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Ich hatte ja einen wunderschönen türkisen Baumwollstoff bekommen mit feinen rot-weiß-Ornamenten. Es war für mich sofort klar, dass ich das rot mit Paspeln aufgreifen möchte und so schwankte ich lediglich zwischen dem Frau-Kirsche-Kleid (Knip 9/2011) und dem Cambie-Dress (sewaholic). Da ich aber ohnehin viel zu wenig Kleider mit Ärmeln habe und das Frau-Kirsche-Kleid außerdem der für mich routiniertere Schnitt ist, wurde es ein Frau-Kirsche-Kleid. Und zwar ein tolles.

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Ich habe mir, wie immer beim Stoffwechsel, extra viel Mühe gegeben. Irgendwie möchte man es einfach so gut wie irgend möglich machen, um dem mit Liebe ausgesuchten Stoff auch gerecht zu werden.

Ich habe daher das Oberteil, das ich sonst immer etwas ad-hoc angepasst habe nochmal vernünftig angepasst nach Abgleich mit meinem Grundschnitt. Ich habe Gr. 38 genäht, ein FBA gemacht und die Schultern zusätzlich verschmälert. Ungewollt habe ich auch das Taillenband um 1cm verbreitert, weil ich vergaß, wieviel Nahtzugabe ich zugegeben hatte. Nunja. Ansonsten habe ich nur den Rock in Falten gelegt statt ihn zu kräuseln und den Ausschnitt tiefer ausgeschnitten.

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Mit dem Ausschnitt bin ich nicht ganz zufrieden, der steht ein bisschen ab. Und unter der Brust und im Rücken ist etwas viel Stoff. Das ist mir in letzter Zeit ständig passiert und das obwohl ich eigentlich über den Urlaub sogar zugenommen hab. Ich frage mich, ob mein Unterbewusstsein damit rechnet, dass ich noch mehr zunehme oder was da los ist. Hier ist es aber noch erträglich und stört mich nicht. (Wahrscheinlich bin ich einfach pingeliger geworden)

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Ich finde das Kleid toll, ich werde es sicher, sobald die Temperaturen wieder unter 25 Grad sind, gern und viel tragen. Leider passen die Schuhe, die meine Stoffpatin zum Gedanken an rote Akzente inspirierten, gar nicht zur Paspel. Zu himbeerig. Muss ich mir wohl rote Stiefel kaufen… Aber ich habe das Kleid ja extra für Strumpfhose, Stiefel, Petticoat konzipiert damit ich es dieses Jahr noch ganz viel tragen kann.

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Innen in den Taschen verstecken sich Reste von einem anderen Lieblingskleid. Und hier sieht man auch nochmal den allertollsten Stoff. Und vom wem kam er? Ich dachte erst an Muriel, dann fiel mir auf, dass ich wusste, wem Muriel Stoff schickt. Die Patin schreibt, sie liest mein Blog schon lange. Der Brief war mit viel Mühe mit kleinen Bildchen gestaltet. Ich könnte mir Frau Kreativsucht oder Frau Schildkröte vorstellen. Und??????

Me made Mittwoch: Sonntagskleid

Ich bin in der sehr luxuriösen und sehr seltenen Situation, dass ich in der vergangenen Woche gleich zwei Kleidungsstücke fertig gestellt habe. Das ist mir ca. seit Menschengedenken nicht mehr passiert. Ich zeige heute also nur eins meiner neuen Stücke. Ein Kleid nach dem schon getesteten und für gut befundenen Schnitt des Anna-Dress. Als ich es zum Nähkränzchen am Sonntag zum ersten Mal trug, sagte Lotti direkt, das sei ein richtiges Sonntagskleid. Und das finde ich auch. Ich trage es auch heute im Büro mit einer gewissen Festlichkeit und kann mir gut vorstellen es auch zu einer standesamtlichen Trauung oder einem Geburtstagsfest zu tragen.

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Der Stoff ist von fashion for designers und ich habe ihn beim Besuch dort im Rahmen des Köln-Bielefeld-Treffens im vergangenen November gekauft. Er ist also nicht nur schön, sondern auch mit sehr schönen Erinnerungen an 1a-Nähnerdflausch verknüpft. Der Stoff ist ein etwas festerer Baumwollstoff mit 3% Elasthan, dicker als Quiltstoff, also eher für ein Frühjahrs- als ein Sommerkleid geeignet. Ich habe ihn schon im Gedanken an eine Anna Dress gekauft, da das Oberteil mit den angeschnittenen Ärmeln dem großem Muster viel Raum bietet. Der Stoff ist tolle Qualität und ließ sich gar traumhaft verarbeiten.

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Da mich die Belege des Anna Dress tendenziell beim tragen nerven, habe ich das Oberteil komplett mit dunkelblauem Futter gefüttert. Dabei habe ich zum ersten Mal die Variante mit komplett verstürztem Halsausschnitt und Ärmeln ausprobiert. Nachdem ich zunächst deutlich Knoten in meinem Kopf hatte, hat mir das Internet (und nicht das Burda-Buch) geholfen. Hier gibt es eine super Anleitung. Weil ich den Stoff so gut finde und er auch verspricht haltbar zu sein, habe ich zudem erstmalig die Nahtzugaben mittels Hong-Kong-Finish versäubert. Allerdings war der Rest hellblauen Atlas-Schrägbandes, den ich dafür zur Hand nahm ziemlich minderwertig, deshalb ist es nicht so besonders brilliant gut geworden. Aber mein Bandeinfasserfüßchen tut einen guten Job, das weiß ich jetzt (insbesondere nachdem ich am Sonntag die gefühlten 200m Saum meines Petticoats eingefasst habe). Um das Muster nicht zu brechen habe ich statt des Bahnen-Rockteils einen halben Tellerrock mit Seitennahttaschen angesetzt. Das geht hervorragend und ich werde es bei folgenden Anna-Dresses wohl wieder so machen, spart es doch mindestens 3 Nähte (und das nehme ich als gute Nähschlampe natürlich gern mit).

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Das Kleid ist in der Taille etwas weit, ich habe den Eindruck, ich hatte an dem Tag, als ich es anprobierte ein recht großes Abendessen zu mir genommen, da passte es nämlich. Ich warte mal ab, ob ich das so ok finde, sonst ändere ich es halt nochmal, allzu kompliziert ist diese Änderung ja nicht. Das Rockteil ist ungefüttert. Ich rechne damit, das Kleid meist mit einem schlanken Petticoat, meinem doppelten Tüll-Teller (wie heute) oder zumindest einem Unterrock zu tragen, will es aber auch im Hochsommer tragen können und da wäre mir die dickere Baumwolle plus Futter zu warm.

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Auch in Kombi mit Strickjacke macht es sich gut und ich bin recht stolz auf die für mich sehr gelungene Verarbeitungsqualität. Ich weiß genau, das ist ein Lieblingskleid. Und noch mehr Lieblingskleidungsstücke gibt es auch heute wieder auf dem Me made Mittwoch-Blog zu sehen.

Me made Mittwoch: anNÄHerungskleid

Endlich endlich endlich, kann ich auch mein AnNÄHerungskleid zeigen. Es war ja in Bielefeld eigentlich bis auf die Knöpfe fertig geworden. Die Knöpfe hat Nina mir auch recht schnell geschickt (DANKE!!!), aber dann fehlte erst Zeit und Muße mir ihre Position zu überlegen und sie anzunähen und danach war ich krank und daher nicht dazu aufgelegt das Kleid zu tragen oder gar Fotos zu machen.
Am Montag war es endlich soweit und das anNÄHerungskleid durfte zum ersten Mal ins Büro:IMG_20150209_094409

Es handelt sich um Simplicity 2403, ein Kleid, das ich wirklich schon ewig nähen wollte. Der Schnitt, den man in Deutschland leider nicht kaufen kann, war schon vor langer Zeit als Leihgabe bei mir und ich hatte ihn auch kopiert, dann aber immer angesichts der recht zahlreichen (23!) Schnittteile immer wieder zur Seite gelegt. Da ich aber wusste, dass ich in Bielefeld würde konzentriert und am Stück daran arbeiten können und mindestens zwei Ratgeberinnen zugegen sein würden, die das ganze schonmal umgesetzt hatten, bot sich hier die passende Gelegenheit.

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Ich habe mich mit dem Kleid recht weit aus meiner Comfortzone begeben. Zunächst mal ist braun schonmal nicht meine Farbe. Mir steht nur exakt dieser eine Braunton, und der auch nur so okeish. Ich finde allerdings die Kombi braun-türkis sehr hübsch und wollte deshalb gern ein solches Kleid. Aber vermutlich greife ich nicht unbedingt zu diesem Kleid, wenn es unkompliziert und schnell gehen muss.

Auch ist der schmale Rock für mich vollkommen ungewohnt. Ich habe schmale Röcke bisher nur an Etuikleidern. Die weniger Bleistiftkleider und -röcke, die ich besitze trage ich eigentlich nur zu schicken Anlässen, als Verkleidung quasi. Richtig zuhause fühle ich mich darin nie. Es reizte mich, das ganze auszuprobieren (ich habe sogar in Bielefeld auch noch einen Bleistiftrock genäht) aber auch hier gilt: nichts, das mir natürlich in die Hand fiele, sollte ich ein typisches Kleidungsstück auswählen.

Nichtzuletzt ist der auffällige Kragen sicher nichts für jeden Tag, da muss man schon auch in der Laune sein, ein solches Kleid, das immer leicht nach Stewardessen-Uniform aussieht anzuziehen, find ich.

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Nun erstmal zum Kleid an sich: Ich habe einen braunen Stretchstoff gewählt, der bei – ich glaube – buttinette als „Hosenstretch“ verkauft wurde und im Angebot war. 97% Baumwolle, 3% Elasthan, das erschien mir bei einem engen Rock ratsam. Die Paspel ist Satinpaspel, als petrol bestellt, türkis bekommen, ein altbekanntes Problem. Aber gut, ich mag ja auch türkis. Der Stoff schnitt und nähte sich gut, fusselt nicht, lässt sich gut bügeln und hat eine angenehme Dicke für winterliche Baumwollkleider. Ich habe den Rock gefüttert, mit Resten vom Mantelfutter und das innere Taillenband und die Taschen – rebellisch wie immer – aus Punktestoff zugeschnitten. IMG_20150209_094352

Frau Drehumdiebolzeningenieurin hatte mich bereits gewarnt, dass das Oberteil eher knapp ausfällt und in der Tat habe ich die Oberteil-Stücke um ca. 2 cm weniger weit überlappen lassen, als vorgesehen – weswegen die doppelreihige Knöpfung auch nicht mehr hinhaute. Auch das Taillenband musste ich verlängern, und zudem – das hat mich in Bielefeld viel Arbeit gekostet – um die Hüfte ganz ordentlich die Nahtzugaben rauslassen. Zuhause habe ich dann festgestellt, dass bei meinen anderen engen Röcken die Hüftrundung einfach etwas weiter unten ist, als dieser Schnitt vorsieht.   Ich würde beim nächsten Mal wohl um die Brust und Hüfte eine Größe größer wählen als für den Rest. Den Rock habe ich um 2 cm verlängert und 2 cm weiter eingestellt. Die im Schnitt vorgesehenen Puffärmel habe ich durch Tulpenärmel ersetzt. Wie das geht hat Lotti mir geduldig erklärt. Danke! IMG_20150209_094605

Bei der Anpasserei habe ich übersehen, dass ich –  zur Hohlkreuzkorrektur – das hintere Taillenband zwar verschmälert, dies aber an der Reißverschlussseite nicht hatte auslaufen lassen. So treffen sich die Paspeln am Reißverschluss nun nicht so wirklich. Ich sag da dann jetzt Kunst dazu. Ich habe die Knöpfe einfach durch alle Stofflagen hindurch aufgenäht, öffnen würde ich sie – dank Reißverschluss – ja doch nie. Ich habe auch den Ausschnitt, um ungewünschte Einblicke zu vermeiden, mit der Hand etwas zugenäht.

Nach dem ersten Tag tragen kann ich recht sicher sagen, dass ich das Kleid zwar schon mag. Allerdings ist es sehr sehr ungewohnt. Der enge Rock kommt mit meinem weit ausholenden Gang nicht so gut zurecht, obwohl der Rock dank Stretch sehr bequem ist, bin ich befremdet, wenn das typische Rock-Schwingen fehlt. ich finde auch, dass die Falten im oberen Rock, die ihn von vorn sehr hübsch machen, in der Seitenansicht ein wenig am Bauch auftragen. Auch der Kragen, so schön er ist, verleitet mich etwas zum zuppeln und er liegt auch wirklich manchmal recht komisch. Dicker Pluspunkt sind natürlich die hübsch gelösten Taschen.

Ich besitze leider keine passende Strickjacke. Als ausgewiesen langsamste Strickerin der Welt war es mir bisher noch nicht möglich, eine türkise Strickjacke zu produzieren. Immerhin habe ich aber gleich zwei farblich exakt passende Schulterwärme-Dingse. Das eine davon, ein Schultertuch ist recht neu. Es handelt sich *tusch* um mein Sommer-Projekt 2014, das im Januar fertig wurde (ja, wirklich!). Ein Schultertuch, das aber ordentlich Substanz hat. Denn Lace-Stricken macht mich fertig, mit so dünnen Fädchen rumhampeln liegt mir nicht. Daher habe ich bei ravelry nach der Garnstärke gefiltert (Nadelstärke 4,5 – bei mir dann 4, ich stricke lose) und mir dann die einfachste Anleitung rausgesucht. Das war diese. Kuura. Ich bin sehr zufrieden, strickte sich gut und interessant, wurde wie erhofft und gefällt mir gut. So sieht das ganze dann aus:

 

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Heute tanzt Frau Exclamation Point beim Me made Mittwoch vor. Ihr Blog ist jetzt schon meine Entdeckung des Jahres!

Me made Mittwoch: Urlaubskoffer

Heute ist der letzte MMM vor der Sommerpause – auch wenn der Blick aus dem Fenster, zumindest hier im Westen, absolut nichts von Sommer erahnen lässt. Zum Glück kann ich mir einfach meine Fotos angucken, die ich letzte Woche gemacht habe und mich direkt etwas sommerlicher fühlen.
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Ich werde dieses Jahr zwar wieder nur ins Mittelgebirge fahren, hoffe aber, dass auch dort im August etwas Sonne zu erwarten ist, so dass ich dieses sehr geliebte Kleid werde einpacken können. Es handelt sich um New Look 6069, bzw. Modell 34 aus Meine Nähmode 2/2012. Genäht habe ich das Kleid im Sommer 2012 aus einem sehr sehr dünnen Baumwollbatist, den ich beim Essener Stoffhaus (Rottstr.) im Sommerschlussverkauf für 3,-/m gekauft habe.
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Das Kleid ist so sommerlich, dass ich bisher nur eine Handvoll Gelegenheiten hatte, es zu tragen. Letzte Woche war mir aber sehr danach, es zur Arbeit anzuziehen. Ich habe es deshalb mit einem Shirt und einem Unterrock kombiniert, damit es in der Vorlesung keine ungewollten Einblicke gewährt.
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Weil es morgens -vor allem auf dem Fahrrad- noch recht kühl war (nachmittags dann aber um so wärmer) habe ich das ganze mit einer Jacke und einem ewig nicht getragenen Loop kombiniert. Eigentlich ist der mir viel zu bunt, aber zu den Punkten passt er ganz gut und schafft so das Sommer-Fähnchen etwas bürotauglicher zu machen.
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Catherine fährt – oh wie ich vor Neid noch blasser werde – nach Süditalien und hat dazu einen Schnitt vernäht, der auch bei mir noch weit oben auf der Liste steht: Cambie. Einmal hier entlang bitte zum letzten MMM vor dem langen Sommer (der dann bitte auch kommt, ok?).

Das Schmetterlingskleid

Nach ewig langer Verzögerung ist das Schmetterlingskleid tatsächlich letzte Woche fertig geworden. Zunächst als Hochzeitsgastkleid für Anfang Juni geplant, dann rausgeschoben für die Taufe des Minimensch Mitte Juni, dann noch weiter rausgeschoben, wurde es jetzt ganz anlasslos fertig und letzte Woche profan im Büro probegetragen.

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Der Schnitt Vogue 8787 lag schon seit ca. 2 Jahren bei mir herum und lagerte ab. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich drauf kam ihn zu bestellen, vielleicht ist er einfach beim Sale mit in den Korb gewandert oder ich hatte eine Inspiration, die ich schon vergessen habe. Ich hatte ihn jedenfalls schonmal für ein Hochzeitsgastkleid im Herbst 2012 auf meiner SWAP-Liste. Ich glaube, ich habe eine fatale Hochzeitsgastkleid-Abschlussschwäche und werde für immer nur in gekauften Kleidern auf Hochzeiten gehen können.
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Als ich im Mai bei Alfatex war, um den Stoff für meine Stoffwechselpartnerin auszusuchen, habe ich diesen wirklich traumschönen Schmetterlingssatin aus 100% Viskose gefunden. Vom Fall her ist der Stoff perfekt für den Schnitt. Schwer genug, dass der Wasserfall gut runterfällt und gleichzeitig überhaupt nicht steif. Er trägt sich auch sehr sehr angenehm. Leider vernäht er sich aber eher zickig. Schon beim Zuschnitt wollte er keine 2 Minuten da bleiben, wo ich ihn hingelegt hatte, was inbesondere beim riesigen und sehr abstrus geformten oberen Vorderteil fast alle meine Nerven gekostet hat (die restlichen hat dann das Spiel Deutschland-Algerien aufgefressen – also wenn demnächst irgendwo steht „Nähbloggerin amok gelaufen – das war ich). Beim nähen habe ich gefühlt sehr viel gründlicher gesteckt als es sonst meine Art ist, dennoch sind einige Nähte schief geworden , weil das flutschige Mistding ständig die Nadeln abwarf. Er warf auch die Püsterkreide ab – ich musste den Saum zweimal neu püstern und durfte mich dann nicht bewegen, sonst war sofort alle Kreide weg. Schlimm.

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Insbesondere wegen der Zickigkeit des Stoffes aber wohl auch weil ich abends einfach sehr müde und unkonzentriert bin, hat es gefühlt ewig gedauert, das Kleid zu nähen. Dafür ist es allerdings jetzt auch ziemlich gut. Es hat noch eine verzogene Naht (die hintere Mittelnaht) – das kann ich aber nicht sehen, weil es hinten ist, und wurde mir erst von J. im Büro mitgeteilt und bleibt jetzt so. Ansonsten sitzt es gut und trägt sich noch besser.  Natürlich ist es durch die Kombi aus Satin und Wasserfall eigentlich zu dramatisch für’s Büro, aber ich hab ja grad keinen Anlass – ich werde es aber wohl vor allem zu Gartenfesten und sowas tragen, dafür finde ich es schön.

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Der Schnitt gefällt mir außerordentlich, einmal weil er figurtechnisch sehr nett ist, aber auch weil er sehr schöne große Nahttaschen vorsieht- ein Anlasskleid mit Taschen, wie gemacht für Kleinkindmütter also. Ich hatte vor dem Wasserfall Respekt, vor allem auch weil das Schnittteil so merkwürdig aussah, letztendlich war das Kleid aber leicht zu nähen. Ich habe die notwendigen Änderungen größtenteils am Schnitt durchgeführt, mit Hilfe meines (noch nicht verbloggten) neuen Oberteilgrundschnitts und dann hatte ich das Glück, meine nähkundige Schwiegermutter zu Besuch zu haben, die mir das vordere Oberteil nochmal sauber stecken konnte, so dass es jetzt wirklich gut sitzt. Ich würde jederzeit noch so ein Kleid nähen, allerdings ist es, glaube ich, etwas speziell in den Anforderungen an den Stoff, es muss ein fließender aber schwerer Stoff sein. Viskose ist wirklich ideal.

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Ein bisschen was habe ich geändert:

– Das vordere Oberteil habe ich, nach Abgleich mit meinem Grundschnitt im Brustbereich etwa 2 cm weiter zugeschnitten, das ist eine bei Gr.12 für mich noch recht kleine Brustanpassung. Das rückwärtige Oberteil habe ich komplett von meinem Grundschnitt genommen. Das vordere Oberteil ist gedoppelt, als Futter für das hintere Oberteil habe ich Baumwollbatist verwandt, weil ich mir das angenehme Tragegefühl nicht mit klebrigem Futter zunichte machen wollte.

– Das Oberteil habe ich außerdem etwas verlängert, zuerst zuviel, am Ende wird es nur 1cm gewesen sein.

– Ich habe insgesamt den Umfang des Rockteils reduziert, der Schnitt sieht einen vollen Teller in 7 Bahnen vor, das habe ich auf einen 3/4-Teller reduziert, für ein Sommerkleid und dann noch mit Rockfutter war mir das einfach zu viel Stoff. Ich habe dafür die Rockteile mit denen des Herzchenrocks verglichen und entsprechend angepasst. Das vordere mittlere Rockteil habe ich zudem im schrägen Fadenlauf zugeschnitten – ein Trick den ich mir bei Knip-Röcken abgeschaut habe, dadurch fällt der Rock vorne etwas mehr zur Mitte und steht zur Seite hin nicht ganz so ab. Außerdem finde ich es bei Musterstoffen fast immer schöner wenn der schräge Musterverlauf mittig und nicht an der Seitennaht ist.

– Der Rock wird gefüttert und hier habe ich als „Pseudo-Gerät“ einen Crash-Taft genommen, der gibt dem Rock etwas Volumen ohne aber gleich so dramatisch zu sein, wie ein Petticoat. Allerdings raschelt er erheblich, was mich am Anfang etwas irritiert hat. Was ich nicht nochmal so machen würde ist die Taschen, wie im Schnitt vorgesehen halb aus dem Futter zuzuschneiden – ich mag am liebsten Taschen aus schnöder Baumwolle und die würden auch weniger auftragen und sich  nicht dauernd verwurschteln.

– Ich musste das Rockteil außerdem im etwa eine Handbreit kürzen. Den Saum habe ich mit hellblauem Satin-Schrägband verstürzt anstatt den angegebenen kilometerlangen Handblindsaum zu nähen.

– Die Ärmel sind von der schmalen Variante des Schnittes und passen aber auch ganz gut zu dieser, finde ich. Sie sitzen gut und ich habe sie nun auch meinem Stoffwechsel-Kleid transplantiert, das von Haus aus dumme Ärmel hatte. Die Ärmel sind gefüttert, das hatte ich, glaub ich, bisher noch nie – dadurch haben sie Stand und tragen sich nett und der Saum krumpelt nicht rum. Daumen hoch dafür.

Also, alles in allem eine Empfehlung für Vogue 8787. Und große Liebe für die Schmetterlinge, jetzt wo sie einmal bezwungen sind.