Mullwaschlappen

Neben der Baby-Hängematte ist das zweitbeste, was ich vor der Geburt des Minimensch genäht habe ein großer Stapel Mullwaschlappen gewesen. 

Neue Generation


Von einer Hebamme hatten wir den Tipp bekommen, das Mullwaschlappen gut in jede kleine Babyfalte kommen und schnell trocknen. Man kann Mullwaschlappen natürlich kaufen – allerdings sind sie viel teurer als Mullwindeln und außerdem hatte ich einen größeren Stapel Mullwindeln geerbt, z.T. mit recht hässlichem Muster oder schon etwas verfärbt. Die boten sich also zur Verwertung an. 

Ich nähe zwei Varianten:

Variante 1: beide Seiten Mull 

Beidseitig Mull


Variante 2: eine Seite Mull,  eine Seite Frottee (altes, dünnes Handtuch)

Rückseite Frottee


Beide Varianten haben sich hier bewährt, die nur Mull Variante gerade am Anfang, auch für Teeumschläge und noch viel länger für Gesicht, Ohren usw. Die Variante mit Frottee dann eher ab Beikost-Zeit und natürlich für hartnäckigen Sandkastendreck.

Ich habe in den letzten Jahren auch diverse Sätze davon verschenkt, meist je 6 pro Sorte zusammen mit einer kleinen Windeltasche. Jetzt habe ich die alten Lappen ausgebessert und einige aussortiert und aus den letzten alten Windeln nochmal einen Satz neue genäht. Als Spucktücher gibt es jetzt lauter neue mit schicken Mustern.

Ich falte eine Mullwindel halb und schneide daraus dann sechs Waschlappen in doppelter Lage. Diese sind dann ca 14*20 cm, je nachdem wie stark die Mullwindel schon eingelaufen war. Etwas Verschnitt gibt es dann noch beim rundum overlocken. (Die Farbe des Overlockfadens gibt dann später Aufschluss über die Produktionsserie, denn ich fädel idR nicht um)


Die Mullwindel läuft stärker an als das Frottee, so dass irgendwann die Variante 2-Lappen etwas unförmig werden. Dann umsäume ich sie neu und sie sind dann halt etwas kleiner. 

Alte Generation, ca. 3 Jahre genutzt

Sonntagssachen 17/2017

Auf dem Sofa eine große Kuschellandschaft eingerichtet. Den Babyquilt begonnen. Bei der Erbauung einer KfZ-Werkstatt mit Notfallflugzeug und Wildtier-Wachdienst assistiert. Episch gefrühstückt mit nettem Besuch und viel Zeit. Die Innovation in der Bauwirtschaft: Bagger mit Windkraft-Antrieb. Viele minikleine Klamotten gefaltet. An der Babydecke weitergestrickt, die Temperaturen lassen das ja wieder zu, die Reihen werden merklich kürzer, ca. 1/5 fehlt noch. Die ganze lange Schlange von Jelly-Roll-Elementen für den Baby-Quilt vermessen und in Teile geschnitten. Jersey-Reste verwertet.

Baby-Erstausstattung: meine persönliche Empfehlung

Es gibt Listen zu Babyausstattung zuhauf. Solche die eher das Konsumbedürfnis werdender Eltern befeuern, die vielleicht auch nutzen, dass man so händeringend alles richtig machen will genauso wie solche die betonen, dass man ja quasi nichts braucht und gleich darauf teure bio Wollsachen und Naturkosmetik empfehlen.

Vor der Geburt des Minimensch ahnte ich schon, dass mein Ansatz wohl eher ein pragmatischer sein würde. Allerdings kam der Minimensch dann ja früher und sehr viel kleiner als geplant auf die Welt und wir waren tatsächlich nicht ganz fertig mit dem Vorbereiten. Wir hatten z.B. noch keine Babyschale, das Bettchen war nicht aufgebaut, Windeln in kleinster Größe hatten wir auch nicht da. Und alle vorher gekauften Klamotten waren zu groß. Das ließ sich aber alles schnell regeln. Dennoch bin ich diesmal früher dran mit der Babysachen-Vorbereitung.

Was man wirklich unbedingt sofort braucht:

  • Autositz
  • Bettchen, inkl. Matratzenauflage und Spannbetttuch
  • Schlafsack
  • Windeln in Größe 1 – ruhig mehr als eine Packung
  • Wundschutzsalbe vorzugsweise ohne synthetische Fette, da hat inzwischen ja jede Drogeriemarktkette eine Bio-Serie, das muss nicht immer das teure Anthroposophie-Produkt sein
  • 10 Bodies aus Baumwolle, mehr Langarm als Kurzärmlig, am besten zum wickeln (da braucht es auch mal zwei am Tag)
  • 5 Garnituren Oberbekleidung, also Shirt und Strampler/Hose
  • Dünne Jacke
  • Spucktücher, reichlich
  • Wickelunterlage(n)
  • Baby-Wolldecke
  • Fieberthermometer
  • Wärmestrahler oder Lampe
  • 2 Kapuzenhandtücher
  • Verschiedene Mützchen/Sonnenhüte
  • Wollsöckchen

Das mit den Langarmbodies sollte man im Blick haben. Denn es gibt im Sommer kaum Langarmbodies zu kaufen. Ist Saisonware – sagte man dem vollkommen verdatterten Mann als er Mitte Mai versuchte, adäquat kleine Kleidung für den Minimensch zu kaufen. So ein Mummpitz. Babys zieht man tendenziell langärmelig an und es ist ja auch eher nicht von Mai bis September am Stück 30 Grad. Diesmal habe ich im Frühjahr Langarmbodies zum Wickeln in Gr. 50 und 56 gekauft um unsere Bestände aufzufüllen.

So gut wie alle unsere anderen Babyklamotten sind gebraucht gekauft, die meisten bei eBay. Und sie werden jetzt das fünfte Kind kleiden ohne dass die meisten nennenswert abgenutzt sind. Denn auch wenn man sie viel wäscht, die Trageperiode je Kind ist einfach kurz. Durch den Gebrauchtkauf erspare ich der Welt Ressourcen- und mir Geldverschwendung. Zudem sind auch alle Schadstoffe schon rausgewaschen. Unsere Schlafsäcke und wenige Wollsachen haben wir neu und bio gekauft, bzw. uns gewünscht. Aber eine komplette Marken-Bio-Ausstattung finde ich – persönlich – übertrieben.

Natürlich haben wir viel mehr als 10 Bodies und 5 Kombis an Oberbekleidung – allein schon weil wir noch Sachen geliehen und geschenkt bekommen haben. Aber wirklich richtig dringend notwendig sind wahrscheinlich nur 10/5. Natürlich auch schon in der nächst größeren Größe, denn so mancher Säugling wächst binnen Tagen aus Größe 50 raus.

Was manche auf dieser Liste vermissen werden:

1. Wickelkommode

Wir hatten keine. Wir haben die ersten Wochen den Minimensch mit Wickelunterlage auf dem Bett oder Sofa gewickelt. Als er seinen Kopf selbst halten konnte haben wir begonnen, ihn in Bauchlage auf dem Schoß zu wickeln. Wenn man das einmal kann ist das ein grandioser Life-Hack. Denn man kannwirklich überall sauber und hygienisch wickeln, muss nie einen ekeligen Wickelplatz im öffentlichen Klo erstmal grundreinigen und ist auch nicht auf die gendergebiaste Zurverfügungstellung von Wickelgelegenheiten angewiesen.

2. Babybadewanne

Wir haben den Minimensch in einem Wäschekorb/Wanne gebadet. Das ging wunderbar und das Ding steht jetzt nicht im Weg, sondern kommt seinem Ursprungszweck wieder zu.

Was ich darüberhinaus sehr nützlich finde:

  • Mullwaschlappen (Anleitung folgt)
  • Baby-Hängematte
  • Tragetuch
  • Krabbeldecke
  • Kleine Windeltasche
  • Babyöl ohne synthetische Öle
  • Baby-Sonnencreme (je nach Jahreszeit)
  • Kleine Traubenkern- oder Dinkelkissen
  • Strampel- oder Pucksack mit Gurt-Durchlass für den Autositz

Die Baby-Hängematte war sicher das beste, was ich für den Minimensch genäht habe. Er hat hierin mindestens ein halbes Jahr seine Tagschläfchen gemacht. In den ersten Monaten haben wir sie außerdem als Reisebett mitgenommen, das war sehr praktisch.

Ohne Tragetuch hätte ich nicht gewusst, wie ich Zahnen, Blähungen und diverse Entwicklungsschübe überstanden hätte. Ich könnte auf den Kinderwagen verzichten, auf das Tuch sicher nicht. Allein schon, dass man Tragen kann und dennoch die Hände nutzen ist unbezahlbar. Nach einiger Zeit bin ich dazu übergegangen den Minimensch auf dem Rücken in der Manduca zu tragen, das ist Rücken- und Hüft-schonender geht aber eben erst nach einigen Monaten.

Die Traubenkernkissen waren in der Blähungszeit im Dauereinsatz, heute noch kommen Sie bei Mittelohrentzündung zum Einsatz. Inzwischen wurden sie durch selbst genähte Dinkelkissen ersetzt.

Ein ganz persönlicher Tipp noch: Ich habe allen Stramplern die Füße abgeschnitten und Bündchen angenäht. Einerseits war der Minimensch oft drinnen im Warmen mit nackten Füßen viel zufriedener, andererseits sind die Klamotten dann viel flexibler, man kann sie umgekrempelt schon anziehen, wenn sie noch etwas lang sind und auch noch wenn sie schon ein bisschen kurz werden. Denn am Ende wachsen Babys ja nicht normgerecht und dann passen die Strampler mit Füßen vielleicht nie oder nur kurz, weil das Kind einfach lange oder kurze Beine hat. Das amputieren von Stramplerfüßen war meine erste Nähmaschinen-Handlung nach der Geburt des Minimensch und genau richtig für die erste halbe Stunde Zeit, die ich mir irgendwo für mich rausnehmen konnte.

Es lohnt sich, auch wenn man fest vorhat, zu stillen auch Fläschchen, Sauger und ein Päckchen Milchpulver da zu haben. Auch Informationen einzuholen, welche Apotheken elektrische Milchpumpen vermieten macht Sinn.

Sonntagssachen #6/2016

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Nach sehr unruhiger Nacht dann doch schon wieder wach um *gähn* sieben. Alle. Hrmpf. Also auch frühes Frühstück und schon vormittags los zu einem Klinikbesuch. Den dringend benötigten Kaffee mussten wir rein schmuggeln. Der Spaziergang fand dann kurz um die Klinik statt und der Mittagsschlaf im Auto. Wieder zuhause wurde Pizzateig bereitet. Zur Abwechslung mal Eisenbahn gebaut. Strickzeug passend zur Strumpfhose. Und erste zaghafte Gartenplanung. Dann Pizza und Wein. Und schließlich noch der Ginger Skirt.

Handarbeiten mit Kleinkind

Bei der AnNÄHerung kam mehrfach beim nähen und auch am Essenstisch die Sprache auf das Nähen mit Kind. Sowohl unter dem Aspekt, ob das Kind irgendwann selbst nähen will und wann und was, als auch, ob man nähen oder anderes Handarbeiten macht, während das Kind dabei ist oder gar unter Einbeziehung des Kindes. Es scheint mir, dass erste selbständige Nähprojekte so etwa ab Grundschulalter sinnvoll sind. Nun ist mein Minimensch da natürlich noch sehr viel kleiner (2,5) und ich habe seitdem etwas darüber nachgedacht, wie und warum ich ihn in handarbeitende Tätigkeiten einbinde.
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Tatsächlich machen wir insgesamt viel von dem, was wir so tun, mit Kind. Das heißt, ich handarbeite oft mit Kind, der Mann schreinert mit dem Kind und schraubt am Motorrad (ja, wir sind voll die Hobby-Stereotypen. Naaaa und?). Aber wir putzen auch mit ihm und falten mit ihm zusammen die Wäsche. Generell lassen wir ihn erstmal an allem teilhaben, was wir so tun, bzw. unterscheiden nicht zwischen „Sachen, die Kinder machen“ und „Sachen, die große machen“ (also jetzt bis auf wenige, ausgewählte Dinge). Es ist uns, denke ich, wichtig nur möglichst selten zu sagen „nein, das ist nichts für dich“ und „nein, das kannst du nicht“. Allerdings hat die Teilhabe an unseren schaffenden Hobbys für mich noch zwei darüberhinausgehende Aspekte:

  1. Eine gewisse Grundmentalität vermitteln, die zeigt „man kann total viele Sachen selbst machen“. Also den Spaß daran vermitteln, etwas mit den Händen zu tun, etwas zu schaffen und auch klar zu machen, dass die Sachen, die wir so benutzen von jemandem gemacht wurden und nicht einfach im Supermarkt/Bekleidungsgeschäft/Möbelhaus appariert sind. Ich hoffe sehr, dadurch Respekt für Menschen, die unsere Sachen herstellen vermitteln zu können und damit auch zu gutem und schonendem Umgang mit diesen Dingen anregen zu können. Es ist mir wichtig, dass der Minimensch sieht, dass es Zeit und Mühe kostet, Dinge zu machen und dass es Alternativen dazu gibt, kaputte Dinge wegzuschmeißen und neue zu kaufen, oder überhaupt Alternativen zum kaufen. Dabei geht es mir nicht darum, dass der Minimensch dann nachher zwingend auch seine Kleidung selbst macht. Aber vielleicht, dass er sich insgesamt ein schaffendes Hobby zulegt und daran Freude hat. Ob das dann Teppiche weben, Bildhauen, Töpfern oder eben schreinern, nähen oder stricken ist, das ist mir da dann wirklich egal. Solang ich die Freude daran vermitteln kann, etwas selbst zu machen, hab ich das Ziel erreicht. Und solang das Kind versteht, dass man nicht alles kaufen muss, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, ob ich etwas selbst machen oder selbst reparieren kann.

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2. Selbst meinen Hobbys nachgehen können, und zwar nicht nur wenn das Kind schläft. Dieser Punkt ist mir nochmal klar geworden, als ich heute morgen eine ältere Episode des ausfasernd-Podcast von @DamnedSnob gehört habe (große Hörempfehlung!). Sie berichtet da, dass sie gern handspinnt, während das Kind spielt, weil das Kind beim Spielen gern Gesellschaft hat. Das kenne ich sehr sehr gut. Der Minimensch ist eigentlich gut im sich selbst beschäftigen. Die besten Spielideen kommen ihm, wenn man ihn einfach lässt. Und ich möchte ihn gern dieses selbstbestimmte Spielen auch ausleben lassen, es dadurch fördern, dass ich ihn nicht die ganze Zeit bespaße und ihm letztlich auch zeigen, dass ich nicht nur dazu da bin, ihn zu beschäftigen, sondern dass ich auch selbst Dinge mache. Er fordert schon dann ab und zu ein, dass man mit ihm interagiert, ihn mal kuschelt oder was vorliest, aber dann spielt er auch wieder versunken. Allerdings auch am liebsten in Gesellschaft. Und da habe ich dann schon auch das Bedürfnis etwas sinnvolles mit mir anzufangen. Wenn ich lese findet das Kind irgendwie uncool und immer nur mittels schlauem Telefon im Internet rumhängen finde ich nicht sehr vorbildlich. Ich habe aber festgestellt, dass der Minimensch völlig akzeptiert, wenn ich etwas mit Sinn nebenher mache, also Handnähte, Stricken, Filzen. Das Wobei beim filzen möchte er dann lieber gleich mitmachen. Nicht so gut klappt Schnitte abpausen und Zuschneiden ist etwas Glückssache. Es scheint mir tatsächlich so, dass er es vollkommen ok findet, wenn ich was anderes mache, solang er sieht, was dabei herauskommt. Ich nähe auch schonmal Sachen für den Minimensch mit ihm zusammen an der Maschine. Das ist ja zeitlich überschaubar und er kann Stoff aussuchen. Er drückt dann an der Maschine den Nadelpositionsknopf, schneidet am Ende die Fäden ab oder zieht Stecknadeln raus. Das geht nicht unendlich aber ist für Regen nachmittags durchaus eine gangbare Alternative, wenn schon 20 Bilder gemalt und Geschichten vorgelesen sind. Noch findet er es auch ziemlich toll, von mir selbst genähte Sachen zu bekommen und zu tragen. Diese Phase will ja auch ausgenutzt werden.

Ob diese Geduld mit der handarbeitenden Mama anhält, bleibt natürlich abzuwarten. Aber ich finde zumindest sehr positiv, dass er anerkennt, dass ich etwas sinnvolles tue und das entweder OK findet, oder mitmachen will.
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Sonntagssachen #5/2016

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Da der Mann das ganze Wochenende arbeiten musste, begann der Sonntag weniger gemütlich als üblich mit Brötchenholen in der Dämmerung und bei Regen. Orangensaft und „Ssssaummilch“ gab es trotzdem. Dann allerdings blieben Mutter und Kind allein zuhause und das Wetter war auch nicht eben gnädig. * Obwohl ich großen Teilen der Walforfschen Erziehungsideologie krititisch gegenüberstehe, fand ich schon als Kind diese Sache mit den Jahreszeitentischen ziemlich gut. Für phantastische Welten hab ich im Allgemeinen viel Übrig und alle Arten von Wichteln sind mir sympathisch. Als der Minimensch mich  nach Abbau der Weihnachtsdeko fragte, was wir denn jetzt hinstellen (er kennt auch einen Jahreszeitentisch aus der Kita) habe ich daher beschlossen, dass wir es mal probieren mit einem Jahreszeitentisch. Nachdem ich kurz über die Preise der entsprechenden drülfzig Figürchen, die in Frage kommen, bei dawanda in Schockstarre gefallen und danach in ein gigantisches Kaninchenloch bei pinterest gefallen bin, habe ich beschlossen, dass wir es mal mit einer Kombi aus Nadelfilzen und Holzkegel-Figuren probieren, eine überschaubare Wichtelschar selbst zu machen. Ich sehe sofort den Reiz, den all diese märchenhaften Zwerge, Gnome und Wichtelchen auf Kinder haben und finde es schön den Monaten und Jahreszeiten auf diese Art etwas Struktur zu geben, möchte aber auch nicht, dass es allzu lieblich wird, ist ja schließlich auch unser Wohnzimmer – also filzen wir Figuren ohne pausbäckige Gesichtchen (trotz Protest von Minimensch-Seite, der sehr gern Gesichter hätte). Es ist sehr schön zu sehen, mit wieviel Eifer der Minimensch dabei ist und vor allem, wie gut er das Nadelfilzen schon hinbekommt. Während der Tisch derzeit noch mit Schneeflocken dekoriert ist, arbeiten wir für’s Tauwetter vor und haben über’s Wochenende eine Frau Tau und das erste Wurzelkind fertiggestellt. * Nachdem wir allerdings über die Herrschaft über den Wollvorrat etwas in Streit gerieten, verlegten wir unsere Basis erstmal ins Kinderzimmer: Notoperation am offenen Kuschelkissen * Gespensterchenlichterkette über das Minimensch-Bett gehängt * Ein überraschend alleinerziehendes Wochenende impliziert ja leider auch ein überraschend alleinhaushaltendes Wochenende. Das führte zu Verzögerungen im Betriebsablauf und ungeplanter Sonntags-Putzarbeit und Wäsche. Muss ja. * Einen Stapel Waschlappen für ein im Bekanntenkreis erwartetes Baby genäht, der Minimensch schnitt die Fäden ab – das klappt auch mit der Stickschere inzwischen schon sehr gut. * Ein neues Garnknäuel angebrochen! Yeah! 100g verstrickt! * Den beidseitig sehr benötigten Mittagsschlaf ließ der Minimensch lieber aus, was zu recht intensivem Betreuungsbedarf am Nachmittag führte. So wurde viel gebaut und vorgelesen. Und gekuschelt und gejammert. Ach das Leben ist aber auch manchmal doof. * Immerhin ging das Einschlafen am Abend schnell (das ist mein erklärtes Rabenmutter-Gebiet – in einschläfern bin ich scheinbar schlecht.) so dass ich mich noch ein wenig mit Streifenzuschnitt amüsieren konnte. Zum nähen des Rocks reichte meine Energie dann nicht mehr. Aber den Reißverschluss und Haken und Öse in ein über ein Jahr lagerndes Ufo eingesetzt, das hab ich noch gemacht. Trageprobe folgt dann morgen.

Freitags mit … Handwerkern (und anderen)

Ich habe ja neuerdings freitags meinen Extrem-Entspannungstag. Also das ist dieser Tag an dem das Kind nur maximal bis 12 in die Kita kann. Wo also praktisch nicht lohnt irgendwas sinnvolles zu machen und ich deshalb plante, einfach gar nicht erst zu arbeiten, sondern totaaaaal tiefenentspannt meine Freiheit zu genießen. Meine Entspannung sah entsprechend in den letzten Wochen freitags jeweils so aus: Einkaufen ohne Kind *juhuuu*, krank sein, doch noch schnell ganz viel arbeiten müssen, krank sein, … klappt super mit den 3-4 Stunden Entspannungszeit am Freitag, nicht wahr? Heute neuer Gipfel der Entspannung: Handwerker an drei verschiedenen Stellen der Wohnung. Und nebenher noch arbeiten, weil nix geschafft, weil erst seit gestern wieder im Dienst. Der Plan war also, das Kind pünktlich um 8 in der Kita abzuliefern (wir sind sehr schlecht im pünktlich in der Kita sein), schnell einkaufen, 3 Stunden arbeiten während nebenher die Handwerker alles wieder gut machen, was derzeit doof ist. Um 11.45 entspannt zur Kita fahren und dann das Kind mit Mittagessen füttern und danach Mittagsschlaf machen. Guess what – läuft ganz anders.

Ich wache um 7 Uhr von allein auf, weil nunja, eine der Sachen, die repariert werden muss, ist die Rollade im Schlafzimmer. Also wache ich mit der Sonne auf. Das ist 7. So weit so gut. Ich schleiche ins Bad (der Mann kam erst gefühlt vor 5 Minuten von einer Betriebsfeier ins Bett). Palim palim da tönt es aus dem Babyfon. „Mama?“ Ich stelle mich tot. …. „Die Mama soll kommen.“ (Immerhin, das mit der Grammatik kann der Minimensch gut.) Also wieder raus aus dem Bad. Kind kuscheln. Kind mit in die Dusche nehmen. Mann wir liegen gut in der Zeit. Dann passiert, was immer passiert – wir fallen in das Badezimmer-Zeitloch und kommen erst um 7.55 wieder heraus. Am Frühstückstisch stelle ich fest, dass ich vergessen habe mich zu schminken. Das Kind vertilgt derweil eine halbe Million Brote und fragt alle drei Bissen „Papa, keinen Hunger?“ „Nein, Papa will noch schlafen. Der war erst sehr spät im Bett.“ Kind, nickt sehr wissend: „Das ist anstrengend.“ Ha, erfasst. Erkenntnis – Besserung. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich schminke mich und schreibe nebenher meine Einkaufsliste und hoffe, 8.15 das Haus verlassen zu können.

8.40 Wir sitzen im Auto. Vorher Flur-Zeitloch. Immer dieses Sockensuchen, Schuhesuchen, über die Anzieh-Hoheit diskutieren, ausdiskutieren welche Kuscheltiere mit in die Kita dürfen. Heute ergänzt um Papa wecken und diskutieren welche Schuhe Mama anziehen darf. Achja. Die Freuden der Elternschaft. Immerhin in der Kita alles top, das Kind flitzt schneller ab, als ich ihm die Hausschuhe anziehen kann, ich parke um 9.00 in der Fußgängerzone und beginne den Drei-Geschäfte-Einkaufs-Marathon. Ich habe optimistisch nur 45 Minuten Parkschein gezogen.

9.52 Naja fast. Drogerie, Biosupermarkt, Bank, 2 Kinderschlafanzüge und ein Shirt als Bonus. Ich bin hochzufrieden. Zuhause begrüßen mich neben dem Mann noch drei verschiedene Handwerker, die sich übertreffen in „Leider kann ich ihnen nicht den Einkauf rauftragen-Witzen“ Stur lächeln und winken. Einkauf verräumen, Kaffee kochen, Anweisungen erteilen. Um 10.15 sitze ich am Küchentisch mit Laptop und der Heizungsmann ist schon fertig. Das läuft. Ich lese sehr konzentriert eine Präsentation Korrektur während neben mir an der Wand gespitzt, industriestaubgesaugt und laut geflucht wird. Ich verspreche, nicht zu verraten, dass unsere Klingelanschlussleitung jetzt sehr viel schöner verputzt ist, als die der anderen im Haus. Immerhin, unsere Tür hat nun wieder ein richtiges Schloss. Darauf geht der Handwerker erstmal eine rauchen.  Die 5 Minuten Lärmpause nutze ich für ein Telefonat. Der Handwerker ist übrigens sehr mit sich zufrieden und hochgradig begeistert von seiner eigenen Arbeit. Ich nicht so, bin nämlich erst auf der 4. von 33 Folien. Ja gut. Ist ja noch fast ne Stunde Zeit.

10.50 der Handwerker ist zurück und macht jetzt Sachen, die weniger Lärm machen, aber deutlich mehr stinken. Ich trinke noch einen Kaffee. In einer Stunde muss ich das Kind aus der Kita holen, an der Rolladenreparaturfront ist noch kein Ergebnis zu beobachten und meine Arbeit ist auch noch nicht fertig. Hmpf. Dafür ist der Industriestaubsauger wieder im Einsatz.

11.05 Immernoch Türrahmenreparatur. Nix an der Rolladenreparaturfront. Kinder meine Nerven. Dafür hab ich die halbe Präsentation durch. So ein Industriestaubsauger ist übrigens sehr super, wenn man mal gar nicht denken möchte. Einfach mal den Kopf leer kriegen. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu. bfuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu.

11.15 Es wird gefeilt und gesprüht und gespachtelt und geflucht. Himmlische Ruhe quasi. Ich lese mich flott durch 10 Folien und verteile sporadisch kleine rote Kringel hier und da. Mein Kopf schmerzt, was möglicherweise am unruhigen Nachtschlaf des immernoch hustenden Minimenschen, möglicherweise aber auch am wundervollen Geruch der Spachtelmasse liegt. Ob Kaffee hilft? Kann man ja mal probieren.

11.25 Ich habe die Korrektur fertig und abgeschickt. Kopfschmerz ist kaffeeresistent. Der Handwerker ist verschwunden, bzw. läuft im Hausflur rum. Nix neues an der Rolladenfront. Dafür spielt sein Handy als Klingelton das Star-Wars-Intro. Öfter. Also so ca. alle 10 Minuten. Ich werde den Tag also mit einem Star-Wars-Ohrwurm verbringen. Die Lösung der Spontan-Dematerialisierung des Handwerkers ist eine Belohnungs-Zigarette nach erfolgreicher Tür-Reparatur. Ich bewerfe meine Kopfschmerzen mit Traubenzucker und betrachte die so semi-hübsch beisgespachtelte Tür, das formschön versteckte Klingelkabel und befühle beglückt den nun wieder warmen Heizkörper im Wohnzimmer. Dann besinne ich mich, dass ich ja noch 15 Minuten wertvolle Arbeitszeit hab und arbeite mich durch meine Mails. Unpraktischerweise ist anscheinend gerade im Büro Ausflugszeit, zumindest beantwortet keine/r meine/r Kollegen meine Mails und Chatnachrichten. Ob die auch alle Belohnungszigaretten rauchen? Es ist geradezu gespenstisch ruhig und die Sonne scheint. Ein kurzer Moment des Friedens. Ich durchsuche meinen „WIP“-Hefter (Teufelsding!) nach einem bestimmten Zettel. Dabei finde ich ein Rezept für Weihnachtsplätzchen von meiner Schwiegermutter. Ja gut. Ich wundere mich da jetzt nicht drüber, sondern mache lieber sinnvolle Dinge.

11.45 Das Fluchen hat sich ins Schlafzimmer verschoben. Ich klappe den Rechner zu und teile dem Handwerker mit, dass ich zur Kita fahre. Dieser ist gerade dabei, in hilfloser Geste die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und „Supergau“ und „was soll ich da denn jetzt machen“ vor sich hinzumurmeln. Auf mein: „Sollten Sie vor in einer halben Stunde fertig sein, ziehen Sie einfach die Tür zu“ hin ertönt hilfloses Schnauben. Na gut. Ich fahre lieber mal. Und bin dann sogar überpünktlich an der Kita, wo ich voll gecheckt sowohl das Essensgeld passend dabei habe als auch endlich mit einer anderen Mutter über eine angedachte gemeinsame Babysitting-Lösung für lange Arbeitstage sprechen kann.

12.20 Der Minimensch und ich betreten die Wohnung und der Handwerker betätigt gerade testweise die wieder funktionierende Rollade. Ich enthalte mich jeden Kommentars der Dinge von „Wunderheilung“ oder „not so GAU“ enthält, danke freundlich und wünsche ein schönes Wochenende. Der Handwerker wünscht fröhlich „bis nächste Woche“ – ich schnaube. Der Minimensch und ich essen Pizzareste und erzählen ausführlich und zusammenhanglos vom Tag (also vor allem er, ich sage „Willst du noch essen?“ im Minutentakt).

13:00 Haben wir endlich das essen beendet, die Hände gewaschen, die Hose gewechselt, die Zähne geputzt, das Kind ist umfallmüde. Und zwar genau so lang, bis es in seinem Bett liegt. Dann besteht es darauf, dass ich dort bleibe und beginnt Rollenspiele und Fingerreime mit seinen Kuscheltieren. Ich schaue mir das eine Zeitlang an und verlasse dann – natürlich unter lautstarkem Protest den Raum. Ich will noch etwas arbeiten und nach Möglichkeit zumindest 10 Minuten kurz schlafen. Und während das Kind mir fröhlich durch das Babyfon Lieder vorsingt, mache ich mich an das Korrigieren meines Papers …

Eltern und Zeit

„Was mir als Unterschied am Elternsein am meisten auffällt ist, dass kinderlose Menschen so unendlich viel Zeit zu haben scheinen.“

Dieser Satz fiel in einem Gespräch vor fast zwei Jahren, da war der Minimensch etwa 4 Monate alt und wir trafen einen guten langjährigen Freund und seinen damals einjährigen Sohn. Unser Freund berichtete vom Alltag mit Kind, dem Wiedereinstieg nach längerer Elternzeit und sagte dabei diesen Satz. Irgendwann letzte Woche fiel er mir wieder ein, und seitdem hat er in meinem Kopf ein paar Kreise gezogen.

Auslöser, mir Gedanken über Zeit zu machen war ein ärgerlicher Zwischenfall auf dem Heimweg von der Arbeit am Mittwoch. Ich war ohnehin deutlich länger im Büro als üblich, weil ich einen Vortrag halten musste. Nach über 10 Std im Büro hielt dann mein Zug auf dem Heimweg an einem Bahnhof unterwegs für über eine halbe Stunde an, weil ein Junkie während der Fahrt gestürzt war, verletzt war und sich weigerte sich behandeln oder auch nur anfassen zu lassen. Während derlei als Bahnpendlerin ja nicht allzu selten passiert und auch früher schon vorkam, so musste ich unweigerlich daran denken, dass nun der Minimensch daheim ins Bett gehen musste, ohne mir „Gute Nacht“ zu sagen und dass ich ziemlich froh sein konnte, dass er bei seinem Vater war und nicht bei der Babysitterin, wie an anderen Ganztags-Bürotagen, die womöglich hätte weg müssen.

Bevor ich ein Kind hatte, hätte ich mir vielleicht einfach eine Zeitschrift und was zu essen gekauft und ansonsten gedacht „naja, dann bin ich halt 45 Minuten später zuhause“. Nun erschienen mir diese 45 Minuten als wertvolle Zeit, die mir verloren ging, die ich mit lesen nur verplemperte, die ich so gern zu Hause beim Abendritual und danach mit meinem Mann auf dem Sofa verbracht hätte. Und da fiel mir der einleitende Satz oben wieder ein.

Tatsächlich ist das, was das Elternsein am meisten prägt gar nicht der Schlafmangel (der natürlich da ist), auch nicht das Windelwechseln (das man gar nicht so sehr merkt) oder anderes, was einem im ersten Moment als Eltern-Konstante einfallen würde. Sondern tatsächlich, für mich, der Umgang  mit Zeit. Im positiven wie im negativen Sinne. In ganz unterschiedlichen Facetten.

Das offensichtliche natürlich: es kommt eine quasi 24-Stunden-Beschäftigung dazu und es ist ja nicht so, als hätte man vorher rumgesessen und nix zu tun gehabt, weswegen alle Eltern, die ich kenne, ständig mit Job(s), Kinderzeit, Familienzeit, Verpflichtungen, Haushalt, Job, dem Aufrechterhalten ihres Soziallebens, Zeit zu zweit und – nicht unwichtig – Zeit für sich jonglieren. Nun ist es natürlich so, dass man das irgendwie vorher weiß. Aber es kommt eben nicht nur Zeit hinzu, die man mit dem Kind verbringt, sondern auch – und das plant man vorher doch weniger ein – viel mehr Wäsche, viel öfter staubsaugen, viel mehr aufräumen. Und vor allem und am ärgerlichsten: Viel mehr Termine. Arzttermine, Kindergruppentermine, Kita-Besichtigungen, Elternabende, Elterntreffen, usw. Und sehr viele dieser Termine liegen strategisch höchst unpraktisch mitten am Tag. So gegen 10.30 an einem Wochentag oder so. Und auch da wieder: Man denkt automatisch an die eine Stunde vorher und die eine Stunde nachher, die man doch irgendwie noch sinnvoll nutzen kann/muss/sollte. Könnte man da nicht noch den Einkauf, sollte man nicht auf dem Weg noch die Wäsche, kann man nicht vielleicht dies, das, jenes… ? Eine scheinbar verschenkte Stunde Zeit erscheint eben so verschwendet.

Dann ist die vorhandene Zeit mit Kind auch viel stärker fragmentiert. Tage teilen sich in Zeiten zwischen Mahlzeiten, Zeit vor und nach dem Mittagsschlaf. Wochen erhalten Rhythmus durch feste Termine. Das Jahr ist stärker durch die Jahreszeiten geprägt. Draußenwetter will genutzt sein, Regentage wollen überbrückt sein. Die Schlafenszeit, die Essenszeit alles ist relativ starr. Also zumindest mit Kleinkind. Da verstreichen Tage oft auch sehr schnell, wenn man sie in Miniportionen von Zeit erlebt. Und andererseits dauert manches unendlich. Es ist nur schwer vorstellbar wie langsam ein Kleinkind die Treppe runtergeht. Wieviel Zeit ein Kind fasziniert ein unscheinbares Pflänzchen am Wegrand bestaunen kann. Wie lang die Entscheidung für ein Bilderbuch dauert oder die Diskussion, dass tatsächlich nun die Schuhe angezogen werden müssten, bevor man auf den Spielplatz gehen kann. Die Zeitwahrnehmung ist irgendwie zwischen schnell und langsam im ständigen Wechsel.

Wir ertappen uns auch zunehmend oft bei der stereotypen „Ach ist es schon groß“-Äußerung. Man misst Zeit auf einmal in Kindesentwicklung. „Vor einem Jahr konnte es noch nicht mal laufen.“ „oh Gott, guck wie klein das Baby ist, das ist bei uns nun schon sooooo lang her.“ „Seit wann kann es denn Wort X sagen?“ Und ja, sie werden so schnell groß.

Und plant man, sich mit kinderlosen Freunden zu verabreden, dann bricht die vollkommen unterschiedliche Zeitwahrnehmung so richtig über einen herein. Da trifft dann der eingangs erwähnte Satz das ganze ziemlich im Kern. Denn Sozialkontakte koordinieren ist schwer. Die einen definieren „morgens“ doch recht anders als die anderen. Eine Stunde hin oder her macht kinderlosen wenig aus, kann für Eltern aber den Unterschied zwischen entspanntem Treffen mit Kind und Nervenkrieg mit vollkommen übermüdeter Krawallbürste bedeuten. Am Abend bei ein paar Wein die Zeit vergessen rächt sich auf dem Fuße mit tagelanger unendlicher Müdigkeit.

Und dennoch schreibe ich weiter oben „im positiven wie im negativen“. Denn tatsächlich nehme ich Zeit auch als wertvoller war. Ein Tag mit Kind ist lang und oft auch anstrengend, aber doch auch sehr reich und beschenkend. Ich denke oft, dass ich früher eben nicht nur sorglos mit meiner Zeit war, sondern eben auch wertvolle Momente mit meinem Partner, mit Freunden oder meinen Hobbies leichtfertig geopfert habe indem ich eben Wartezeiten auf Bahnhöfen, Rumhängzeit vorm Fernseher oder antriebslose Stunden auf dem Sofa verbracht habe. Es ist eigentlich auch gut, dass ein Kind die Zeit bewusster erleben lässt. Dass ich mich bemühe zum Abendessen zuhause zu sein. Dass ich Zeit mit meinem Mann allein als großes Geschenk empfinde. Dass ich Nähzeit herbeisehne und genieße. Und dass ich gleichzeitig auch in scheinbarer Tatenlosigkeit am Wegesrand, im Sandkasten oder beim kuscheln auf dem Sofa oft wertvolle, anrührende, einzigartige Momente erlebe.

Ein Kind zwingt zum Prioritätensetzen. Man kann nicht alles machen. Nicht gleichzeitig 60 Stunden arbeiten, Zeit mit seinem Kind verbringen, 5 Hobbies, 3 Sportarten, 100 Freunde und 6 Ehrenämter ausüben, eine erfüllte Beziehung leben und eine ordentliche und geputzte Wohnung haben. Ich bin froh, dass ich für mich meist den Eindruck habe, dass ich im großen und ganzen für mich gute Prioritäten setze. Ich arbeite zwar meist etwas mehr als mein Vertrag vorsieht, doch z.B. sehr viel seltener am Wochenende als früher. Ich verbringe recht viel Zeit mit meinem Kind gemessen daran, dass ich auch 60% und oft darüberhinaus arbeite. Ich nähe ziemlich regelmäßig, wenn auch natürlich nie genug. Natürlich gibt es Sachen, die gingen optimaler. Ich habe ein mir eigentlich wertvolles Ehrenamt aufgegeben. Ich treibe zu wenig Sport. Ich würde gern einige Freunde öfter sehen. Unsere Wohnung könnte ganz sicher ordentlicher sein. Aber die Richtung stimmt, ich bin schon mit mir im Reinen. Und manches rüttelt die Zeit zurecht. Nach Phasen schlafloser Nächte, Krankheiten und anderen Widrigkeiten, kommen auch wieder gute Wochen, mit tollem Besuch und Feiertagen und Familienzeit und Nähkränzchen. Ein Tag ohne Mittagsschlaf mit verschobenen ungesunden Mahlzeiten ist am Ende doch ganz problemlos. Ein mit großem Aufwand verbundener Wochenendtrip klappt einfach so und hinterlässt ein Gefühl von Kurzurlaub.

Dennoch bleibt natürlich die tief empfundene Zeit-Knappheit. Und damit einhergehend ein hohes Stresslevel. Und auch da dachte ich vor kurzem an einen Freund, der vor längerer Zeit zu mir sagte:

„Nie mehr erscheint einem Zeit so endlos vorhanden, wie zu Beginn der großen Ferien in der Schule.“

Und tatsächlich ist für mich der Sommer in Kindheits- und Jugenderinnerungen vollkommen zeit-los. Tage sind lang und angefüllt, es ist gefühlt unendlich lang warm, man hat ständig hitzefrei und die Sommerferien sind schier endlose sechs Wochen. Natürlich ist das stark retrospektiv rosa gefärbt aber dennoch – wie schön war dieses Gefühl von Unendlichkeit. Und ich freue mich darauf, das ein kleines Stück weit mit meinem Kind noch einmal erleben zu können. Wenn ich mich nämlich bemühe, to-do-Listen, Erwartungshaltungen, Verpflichtungen und oft selbst gemachten Stress einfach zu vergessen, dann kann ich mit dem Kind ein Stück unendlichen Sommer in einem einzigen warmen Nachmittag entdecken. In einem eigentlich kurzen Fahrradausflug, in einem beiläufigen Spaziergang um den Block, beim Wühlen in der Sandkiste, strickend auf dem Balkon mit dem wasserspielenden Kind neben mir. Indem ich sehe, wie verloren und vergessen mein Kind Sand durch ein Sieb rieseln lässt, immer und immer wieder. Wie es andächtig die Form von Steinen betrachtet und abwägt, welchen es in die Tasche stecken möchte. Wie es voll heiligem Ernst einen vollen Wasserbecher herumträgt – und dann einfach wieder in den Eimer leert. Als gäbe es keine Zeit… ist das nicht schön?

Kinderkram

Ich habe etliche Blogposts „nachzuholen“, also Fotos gemacht und keine Zeit gehabt den Beitrag zu schreiben, oder einen Gedanken irgendwo notiert und dann keine Ruhe gefunden, ihn auszuarbeiten. Ich beginne jetzt einfach mal mit den einfachsten Posts.

Auch in den letzten Monaten habe ich, natürlich, für den Minimensch genäht. Ich nähe hauptsächlich Hosen, weil ich es da sehr schwer finde, welche zu finden, die unseren kleinen Federgewicht gut passen. Pullis gehen besser und Bodys finde ich einfach zu nervig zu nähen, und die sieht ja auch keiner.

Seit der Minimensch läuft, sind Jerseyhosen natürlich nicht mehr so gut, weil er auch draußen und überall selbst laufen darf (& soll, der Kinderwagen wird hier nur sparsam benützt) und sich also auch mal hin setzt hier und da.

Neben meinem Lieblingslatzhosenschnitt, der Strampelhose von klimperklein, die leider nur noch bis Gr 92 geht und uns also in ca 3 Monaten verlässt, habe ich nach Schnitten für normale Cordhosen und Jeans gesucht.
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Ich wollte gern Hosen, die Bewegungsfreiheit bieten, einen Gummi- oder Jerseybund haben und möglichst wenig Schnickschnack.

Fündig geworden bin ich in der Knippie, der Kinder-Ausgabe der Knipmode. Einmal in der Frühjahrsausgabe 1987 und einmal in der Frühkahrsausgabe 2012. Man sieht an den Hosen sehr schön, dass auch die Kindermode gewaltig Trends unterworfen ist. Hier einmal 1987:
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Und 2012:
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Die Pumphose aus den 80ern ist im Alltag erheblich Kinderbewegungsdrang-freundlicher und auch wärmer. Ich habe statt Gummizugbund einen Jerseybund genäht, ich habe den Eindruck, der Minimensch trägt das lieber. Der Stoff ist ein Rest vom Dachboden meiner Mutter und war mal ein Mantel meiner Schwester, als sie ca. 4 war.
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Der Minimensch liebt aber auch die schmale Hose, wegen der Eulen-Applikationen. Der Eulenstoff ist aus Dänemark und war ein Geschenk meiner Mama. Der Jeansstoff war mal eine Herrenjeans.  
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Auch hier habe ich den Gummizugbund durch einen Jerseybund ersetzt. Die Eingriffstaschen, die im Schnitt vorgesehen sind, hab ich weggelassen, was soll der Minimensch denn mit einer halben Million Taschen? Ich finde die Passe oben hinten sehr schön und auch prakisch, um den Windelpo gut unterzubringen. Die Beine finde ich allerdings etwas schmal, sie schränken z.B. im Schneidersitz ein.

Ich habe nach beiden Schnitten modifiziert noch weitere Hosen genäht, schmalere Beine bei der Pumphose und weitere bei der modernen Hose mit der Passe aus der 2012er-Knip.

Einmal Pumphose, moderat aus alter Jeans von mir mit Ringelbündchen.
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Einmal Passen-Hose mit weiterem Bein aus Wolltartan mit Jerseyfutter.
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Und einmal die Passen-Hose mit weiterem Bein ganz schmucklos aus einer Umstandsjeans. Das war die Weihnachtshose des Minimensch.
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Tagebuchbloggen am 28.10.2014

Der Tag beginnt um 5.00 mit fröhlichem Gebrabbel aus dem Babyfon. Aus unerklärlichen Gründen hat der Minimensch mit der Zeitumstellung seinen Rhythmus in die falsche Richtung verschoben. Statt bisher um sieben erwacht er nun nach neuer Zeit schon den dritten Tag in Folge um fünf. Und das obwohl er zur passenden Zeit am Abend einschlief. Ich war am Abend auch nicht ganz pünktlich im Bett und bin wenig begeistert nach knapp 6 Stunden geweckt zu werden. Ca 40 Minuten lang dösen wir also noch vor uns hin, während der Minimensch offenbar seinen Stofftieren Geschichten aus 1001 Nacht erzählt. Um 5.40 wird er allerdings ungehalten und ich gehe zu ihm rauf , gebe ihm Wasser und einen Beißring und erkläre ihm, dass es noch dunkel ist und alle noch schlafen. Er akzeptiert, sich nochmal mit mir ins Bett zu kuscheln, schläft aber nicht mehr. Um kurz nach 6 wird er endgültig lebhaft. Wir machen also das Licht an, gucken 2 Bilderbücher an. Man merkt ihm die inzwischen 3 Nächte mit zu wenig Schlaf langsam an. Er ist quengelig, tollpatschig und sehr ungeduldig. Heute fahren wir in die Arbeitsstadt und ich frage mich, wie ich ihn auf der Fahrt wachgehalten bekomme . aber erstmal suchen wir Klamotten aus und begeben uns um 6.30 ins Badezimmer.
Wie das immer so ist wenn man müde ist dauert alles ewig. Schwupp ist eine Stunde rum bis Familie Siebenhundertsachen komplett am Frühstückstisch sitzt, die Sachen für den Tag sind auch noch nicht gepackt und der Minimensch hat einen Anfall von spontanverhungern. Das erste Stück vom frischen Brot wird ohne Belag verschlungen derweil ich Kaffee zum mitnehmen koche, Snacks und Mittagessen in Dosen verpacke und ein Brot schmiere. Der Mann über nimmt die Fütterung und anschließende Bespaßung des Raubtiers, ich packe Schlaf- und Spielsachen ein und schminke mich. Wir sind jetzt alle 3 Stunden wach und der Tag hat noch nicht mal angefangen. Ein paar Lagen Klamotten anziehen und den halben Hausstand verpacken. Um 8.20 sitzen wir, später als geplant, im Auto. Auf der Fahrt ist zum Glück eher wenig Verkehr, nur 3 km Stau (von 25) und unter Aufbietung von vielerlei Spielzeug, Grimassen, lustigen Geräuschen und Musik kann der Minimensch wach durchhalten bis wir um 8.50 bei meiner Schwester sind. Hier ist der Zwerg sozusagen zuhause, er marschiert gleich mal rein, lässt sich seine Sachen ausziehen und beginnt sein Spielzeug auszupacken. Ich Briefe meine Schwester zu essen und schlafen, knuddel das Kind kurz und Sitze um 9.05 wieder im Auto. Der Verkehr ist nicht nett und das Parkhaus schon fast voll, aber um 9.20 Sitze ich schließlich am Schreibtisch und merke eine Migräne kommen.

Ich habe keine Veranstaltung aber eine Reihe kleiner und großer Dinge zu erledigen. Ich beginne mit Mails checken und beantworten, das Protokoll der gestrigen Besprechung anfertigen und verschicken, und Schreibtisch aufräumen. Als ich damit durch bin, nehme ich eine Masterarbeit zur Hand, die ich schon seit Tagen korrigiere und … da kommt Kollege J. Also unterbreche ich, schütte Kaffee in Tassen und Milch dazu und wir halten erstmal ein Schwätzchen. Mit der zweiten Tasse Kaffee nehme ich erneut die Arbeit zur Hand, mein Kopf schmerzt und die Arbeit ist eher schlecht. Ich bin daher nicht ungeneigt, mich ablenken zu lassen, z.B. von Kollegin Z. die bei uns rein schaut, Mails, die ich sofort beantworte und anderen Dingen, die es zu besprechen gilt, ich putze auch noch mein Whiteboard, google einige nur am Rande wichtige Sinne und schreibe mir Termine auf. Gegen 11 esse ich einen Schokoriegel, der wie erhofft die Kopfschmerzen etwas lindert. Ich bin unkonzentriert aber beginne mit dem Gutachten zu der Arbeit. Daran schreibe ich, wutschnaubend, bis gegen 12 Kollegin Z. zum Aufbruch zur Mensa bläst. Nach Essen, reden und Kaffee mache ich mit dem Gutachten weiter bis gegen 14 Uhr die studentische Hilfskraft kommt und Kollege J zu seiner Vorlesung verschwindet. Die Hilfskraft ist neu und lernt gerade den Umgang mit LaTeX, so dass ich mich in den folgenden Stunden zahlreich unterbrochen sehe um ihr Dinge zu erklären. Ist aber nicht so schlimm, ich habe nämlich das Gutachten fertig und beginne mit Kleinkram. Unterlagen Korrektur lesen, mir eine ToDo-Liste schreiben, einige Mappen mit Notizen durchsehen und wegsortieren, Dinge ausdrucken, die ich im home office brauchen werde, neue Mappen suchen und nicht finden, dafür einen Schwatz mit unserer Sekretärin halten, meinen Semesterapparat kontrollieren, Unterlagen online stellen. Zackbumm sind 2 Std vorbei, Kollege J kehrt aus der Vorlesung zurück und ich muss eigentlich schon zusammen packen und den Minimensch abholen fahren. Aber da ich den Rest der Woche im home office sein werde, gibt es eben doch noch 2-3 Dinge zu besprechen und vor 16.15 bin ich dann doch nicht unterwegs. Ich halte noch bei der Drogerie an, kaufe Windeln und dies und das und bin gegen 16.45 bei meiner Schwester. Der Minimensch ist bester Laune, hat aber früh und wenig geschlafen und wenig gegessen. Wir bleiben noch auf einen Kaffee dann wird der Zwerg aber schon ziemlich nörgelig und wir packen mal lieber und sind gegen halb sechs auf dem Heimweg. Drei Kilometer Stau. Der Standard. Der Minimensch mag offenbar nicht, dass es dunkel ist und weint. Ich habe Kopfschmerzen und bin unzufrieden mit meinem Arbeitstag. Ich muss nächste Woche einen sehr wichtigen Vortrag halten und bin aber seit Tagen so müde und unkonzentriert, dass ich beim besten Willen nicht inspiriert und motiviert daran arbeiten kann.
Zuhause, wo wir um 18.15 sind, wartet erstaunlicherweise schon der Mann. Das ist dieser Tage selten. Das Essen habe ich auch schon teilweise vorgekocht, so dass der Abend entspannt eingeläutet werden kann. Der Minimensch ist nun schon wirklich müde und als wir gegen halb acht mit Zähneputzen beginnen, kuschelt er sich schon nur noch an uns an. Der Mann verschwindet mit ihm ins Kinderzimmer und ich räume die Küche auf. Danach gönne ich mir erstmal eine halbe Stunde Internet. Twitter, Blogs, Nachrichten. Gott, bin ich müde. Ich beginne halb motiviert an einem Rock zu nähen, der eigentlich nur noch Beleg und Saum braucht. Aber mein Vortrag, der unfertig und unschön ist, lässt mir keine Ruhe. Ich bitte den Mann gegen 21 Uhr, ihn sich einmal anzuhören. Danach diskutieren wir ca. 2 Stunden darüber, wie man es besser machen könnte, entwickeln Ideen für Story und Folien und sind plötzlich etwas erstaunt, als 23 Uhr und schon lang Schlafenszeit ist. Also gehen wir ins Bett, die restlichen Arbeiten am Vortrag müssen bis morgen warten.