Me made Mittwoch: Telisabie

Für mein heutiges Kleid bekam ich eben eine Kompliment von meinem Chef. Das passiert nur alle paar hundert Monde mal und ist deshalb ein eindeutiges Qualitätsmerkmal auch was sein Kompatibilität mit meinem Alltag anbelangt. Es ist schön UND passt offenbar gut in mein Arbeitsumfeld, ist bequem und trotzdem „sehr stilsicher“ (Zitat Chef). Es ist außerdem petrol und damit hat es eh einen festen Platz in meinem Herzkleiderschrank.
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Es handelt sich um mein zweites anNÄHerungsprojekt, das ich in Bielefeld nur noch begann und dann zuhause fertigstellte. Der Schnitt ist eine Fusion aus dem Oberteil von Elisalex (by hand London) mit dem Taillenband und den Taschen von Cambie (sewaholic) und einem selbst konstruierten 2/5-Teller (ich habe eigentlich natürlich einen halben Teller konstruiert, aber mich beim Winkel oben ein bisschen verzeichnet, das macht dann im Saum schon satte 20 cm aus und da ich die etlichen damit produzierten Röcke gern trage, bleibt es jetzt halt bei 2/5-Saumweite). Daher Teller-Elisalex-Cambie oder kurz Telisabieimage

 

Der Stoff ist ein Flanell-Köper aus Wollbaumwollmischgewebe von Alfatex, relativ fest und sehr angenehm zu vernähen und zu tragen. Er ist leicht petrol-schwarz changierend weil die Schussfäden schwarz und die Kettfäden petrol sind.image

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Das Oberteil ist mit dem Rest des mintfarbenen Mantelfutters gefüttert und der Saum ist überhaupt der weltschönste, den ich je nähte: Verstürzt mit wundervollem Blümchenschrägband. Ich bin hellauf begeistert, wie toll das aussiehtimage

Ein ganz kleines bisschen ist das Kleid ein potemkinsches Dorf, denn das Futter flattert innen noch lose herum. Das liegt daran, dass mir bei der Anprobe das Oberteil unter der Brust und im Taillenband etwas weit schien, ich aber erst den Bequemlichkeitstest im Alltag machen wollte. Denn ein Brot-und-Butter-Kleidungsstück soll ja auch genug Platz zum bewegen, atmen, essen und vor allem am Schreibtisch sitzen bieten. Schon auf den Fotos sieht man aber, dass sowohl unter der Brust als auch im Rücken noch Weite weg kann. Nach einem Tag tragen hat sich inzwischen alles nochmal ziemlich geweitet und schlackert jetzt an mir herum. Das Futter allerdings nicht. Ich werde also wohl das Futter noch etwas raus lassen und das Kleid noch etwas enger machen. Im Rücken habe ich auch wiederum ein bisschen viel Länge – obwohl ich schon von vornherein welche rausgenommen hab, aber ich bin da, gerade bei rückwärtigem Reißverschluss wohl immernoch zu zaghaft mit der Hohlkreuzanpassung.

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Dann wird das Kleid aber tatsächlich ganz Brot und Butter sein, denn es lässt sich mit Shirt oder Bluse drunter tragen. Ich finde solche Träger-Kleider mit Oberteil drunter haben immer eine leichte Uniform-Anmutung und das passt ja auch irgendwie zu dem Gedanken, dass Brot-und-Butter-Kleidung letztlich unsere Alltagsuniform ist.

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Beim Me made Mittwoch gibt es heute wieder haufenweise Alltagskleidung zu sehen. Unter anderem ganz viele Kleidungsstücke aus dem #projektbrotundbutter. Sehr schön!

Me made Mittwoch: Der anNÄHerungs-Blazer

Heute trage ich meinen neuen Blazer, den ich am Wochenende in Bielefeld genäht habe.
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Man muss vielleicht dazu sagen, dass ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt jemals tatsächlich ein Kostüm brauche. Ich besitze ein schwarzes Kostüm und einen grauen Blazer, die ich zu formellen Anlässen trage und die damit vollkommen ausreichend sind. Ein Blazer oder dann auch später ein Kostüm ist daher für mich eher eine Variante oder Spielerei um der Rock-Oberteil- und Kleid-Uniform noch etwas hinzuzufügen. Ich würde ein Kostüm daher auch eher wie ein Kleid tragen. Entsprechend ist mein Blazer auch aus einem eher unkomplizierten Stoff, einem robusten Baumwollstoff mit leicht flanelliger Rückseite in dunkelgrau mit schwarzem und dunkelrotem Webkaro. Das dunkelrote Karo ist aus einem Lurex-Faden und deshalb kaufte ich den Stoff vor ca. 2 Jahren, dieser dezente Glitzer gefiel mir auf Anhieb. Der Stoff ist von der Haptik etwa wie Jeansstoff, aber nicht Köper- sondern Leinwand-gewebt. Leider hat er in der ersten Wäsche eine enorme Menge Flusen auf sich selbst verteilt und auch ziemlich ausgeblutet, so dass er jetzt mehr ‚used‘ aussieht, als eigentlich meine Absicht war. Ich nehme ihn aber wie er ist- jetzt also in used.

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Der Schnitt ist auch schon seit 1,5 Jahren getestet und angepasst gewesen. Aber dann fehlte immer die Zeit ein solches Mammutprojekt anzugehen, vor allem weil ich die Taschen des Originalschnittmusters dringend abwandeln wollte und aber noch nie Paspeltaschen genäht hatte. Da fand ich natürlich auf der anNÄHerung fachkundige und nette Unterstützung, so dass ich nun perfekte Paspeltaschen habe. Ich bin sehr sehr stolz.
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Ich trage den Blazer heute mit einem alten Faltenrock aus sehr fester schwarzer Gabardine von H&M, weil ich natürlich noch Stoff aber noch keine Zeit hatte, einen passenden Rock zu nähen. Obwohl der Stoff grau mit schwarzem Karo ist, wirkt er neben dem schwarz recht blau. Ich werde wohl auch noch einen dunkelroten und einen grauen Rock nähen, so dass ich dann eine kleine Blazer-Entourage habe. Also irgendwann, wenn ich halt passend grauen und dunkelroten Stoff gefunden habe.

Der Rock ist übrigens der einzige Faltenrock der Welt, der mir gut steht. Alle Versuche einen schönen Faltenrock zu nähen sind bisher gescheitert, ich vermute, dieser lebt von der Kombi aus Keller- und anderen Falten sowie dem sehr festen Stoff. Irgendwann, eines schönen Tages, baue ich ihn aus einem Grundschnitt heraus nach.

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Praktischerweise habe ich vor ca. 4 Jahren einen Kragen im perfekten Dunkelrot gestrickt, der mir heute ganz hervorragende Dienste leistete und den ich – gemeinsam mit Stulpen – genau perfekt grungig zum etwas abgerockten Stil des Blazers fand.

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Die Rückenansicht offenbart: Ich könnte noch ein wenig an der Hohlkreuzkorrektur optimieren und ich habe vergessen, die Schulterpolster einzusetzen. Letzteres hole ich noch nach, bei ersterem bin ich noch etwas ratlos und werde mich wohl noch etwas weiterbilden müssen.

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Und nun noch eine kleine Flut von Detailfotos ohne schlechtes Bürolicht und auf dem Bügel:

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Der Schnitt ist aus der Knipmode 3/2011 und ich habe ihn schonmal zur Probe genäht und dabei die Änderungen identifiziert. Ich habe dieses Mal zusätzlich die Ärmel angepasst. Im Original sind weite Ärmel mit Manschette vorgesehen, ich hatte letztes Mal 3/4-Ärmel, dieses Mal habe ich daran gedacht, die Schnittteile entsprechend zu verlängern. Zusätzlich habe ich Falten in der Armbeuge gelegt, die dadurch eine gerundete Ärmelform geben, das macht die Ärmel unendlich bequemer als gerade Ärmel. Der Oberärmel ist 5cm länger als der Unterärmel und diese Mehrlänge steckt in den drei Falten. Das Prinzip habe ich von meinem Kaufblazer abgeguckt und dann mittels heften und probieren am Samstagvormittag nachgebaut.

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Außerdem habe ich Paspeltaschen und -knopflöcher genäht und die aufgesetzten Taschen aus dem Schnitt weggelassen. Die senkrechten Abnäher habe ich nach innen versetzt und deutlich verlängert, die Schultern verschmälert und die Ärmel verschmälert. In der Hüfte habe ich an der Seitennaht etwas zugegeben.

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Dieses Bild gibt die Farbe am besten wieder

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Ich bin sehr sehr zufrieden und freue mich schon auf die 1-4 Röcke dazu. Ich besitze sogar eine farblich sehr gut passende Jeans dazu (hört, hört!) und habe mich heute im Büro auch sehr gut angezogen und bequem gefühlt, besonders knautschig ist der Stoff auch nicht und ich werde den Blazer auch waschen. Er ist also tatsächlich auch ein Brot- und Butter-Teil geworden.

 

Dodo zeigt am heutigen MMM einen sehr schönen Mantel und ich habe schon zahlreiche andere anNÄHerungs-Produkte entdeckt!

 

Details:

Schnitt: Jasje 4, Knipmode 3/2011 (Danke Katharina und Sarah fürs leihen), Größe 40

Änderungen:

  • Ärmel verlängert, verschmälert, Bewegungsfalten zugegeben und keine Manschette angenäht.
  • Aufgesetzte Taschen durch Paspeltaschen ersetzt
  • Schultern schmäler, Abnäher nach innen versetzt und verlängert, Hüfte etwas rausgelassen
  • Futter komplett mit der Maschine verstürzt, Paspelknopflöcher genäht

Stoff und Material: Karierte feste Baumwolle von Alfatex (5,90/m), Futter von fashion for designers (Coupon, vermutlich teurer als der Oberstoff), Knöpfe aus dem lokalen Stoffladen, Gewebeeinlage

Projekt Brot und Butter – Erstes Treffen: Bestandsaufnahme

Ich freue mich sehr, dass offenbar einige Lust haben, mit mir zusammen das Projekt „Brot und Butter“ anzugehen. Seid herzlich willkommen und auf geht’s!

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Das Sewalong-Logo dürft ihr gern verwenden.

Heute wollen wir erstmal den Bedarf analysieren und uns einen groben Plan machen, was wir in den nächsten drei Monaten von diesem Bedarf wohl decken können, ohne dabei in allzuviel Stress zu verfallen. (Denn Stress finde ich ja an Sew-Alongs meistens doof, und ein Hobby, das Stress macht will ja auch keine.)

Also stellen wir uns mal die Frage, was wir denn tatsächlich bei normalem Ganzjahreswetter – Frübst – und normalen Gegebenheiten so tragen? Welche unserer Kleidungsstücke werden ständig direkt von der Leine wieder angezogen, sind schon ganz fadenscheinig und brauchen Kollegen? Gibt es eine Gemeinsamkeit? Ein „Standardoutfit“ – das wir vielleicht bisher verleugnen, das aber de facto zu uns gehört? Ziehen sich Farben durch? Das Projekt „Brot und Butter“ will aufgreifen, was da ist und dort auffüllen, wo Lücken sind. Also suchen wir den roten Faden in unserer Alltagsgarderobe stilistisch, farblich, vom Material und orientieren uns daran.

Bei mir heißt Alltag: In ein Büro gehen, das im Winter überheizt und sobald die Sonne scheint, dank Südfenster tropisch ist, aber auch von einem Frischluft-fanatischen Kollegen bewohnt, der gern mal über Nacht das Fenster offen lässt. Alltag heißt aber auch auf den Spielplatz, in den Sandkasten, einkaufen und spazieren gehen – zu Fuß und auf dem Fahrrad unterwegs sein genauso wie im Auto. Und auf dem Boden spielen, auf dem Sofa kuscheln, den Haushalt mit-erledigen. Ich ziehe mich dabei selten untertags um. Das heißt meine Garderobe muss modular funktionieren. Ich muss einen Schal oder eine Strickjacke überziehen können, ich muss auch mal ein Teil, das Flecken abbekommen hat, austauschen können und ich muss mich in meiner Kleidung bewegen können. Dafür habe ich selten Bedarf für förmlichere Kleidung, ich fühle mich aber dennoch gern hübsch angezogen und das bedeutet, dass ich fast in jedem Kontext vermutlich als „chic“ wahrgenommen würde.

Eine riguros ehrliche Betrachtung meiner Bekleidung in den letzten Monaten hat ergeben, dass meine Outfits zu mindestens 80% aus Tellerrock und Shirt bestehen. Das ist nicht unbedingt, wie ich es mir wünsche. Ich mag sehr gern Kleider und würde sie gern mehr tragen. Aber einerseits ist ein Kleid halt schnell mal als ganzes dreckig und kann nicht teilweise ausgetauscht werden, ich habe aber andererseits auch zu wenig kombinations-schlaue Kleider. Meine Kleider sind fast durchweg gemustert, haben oft Puffärmel und sind farblich weder auf meine Shirts, noch auf meine Strickjacken abgestimmt. Dadurch sind sie für meine Bedürfnisse zu unflexibel.

Was trage ich also genau?

Ich trage im Wesentlichen derzeit 5 Röcke: 1 roter, 1 petrol-karierter, 1 lilaner, 1 blauer. Ergänzt durch einen Jeansrock, der aber unbequem ist und den Probeträgerrock. Jetzt wo die Temperaturen unter 5 Grad waren, trug ich zudem einen Wollrock in rot, einen Wollrock in grau und den wollenen Trägerrock.

 

Dazu trage ich einfach Shirts aus Baumwoll- oder Viskosejersey in schwarz, dunkelblau, petrol und rot oder Feinstrickpullis in blau, grau, schwarz. Ich besitze derzeit 2 tragbare schwarze, 1 petrolfarbenes, 1 rotes, 1 braunes, 1 blaues mit Punkten und ein türkis-gestreiftes. 2 schwarze, 1 blauer, 1 grauer Feinstrickpulli. Außerdem einen blau-weiß-gestreiften und einen petrolfarbenen Cardi und 3 ungeliebte und ausgewaschene längere Baumwollstrickjacken. Die meisten meiner Shirts sind viele Jahre alt und ich flicke sie nach so gut wie jeder Wäsche, z.T. haben sie Löcher…

Falls ich Kleider trage, dann kurzärmelige mit Strickjacke drüber oder Shirt drunter. Z.b. das Stoffwechsel I-Kleid oder eins meiner beiden Anna-Dresses.

Ich trage außerdem natürlich auch Unterwäsche und Schlafanzüge und um die ist es ebenfalls katastrophal bestellt.

Das ist alles in allem gar nicht so wenig, allerdings habe ich mich an vielen dieser Kleidungsstücke auch erheblich satt gesehen, sie sind z.T. Jahre alt und ich trage sie in eingespielten Kombinationen.

Bereits für „Brot und Butter beta“ genäht habe ich: 1 geraden Rock, 1 lila Tellerrock, 1 beerenfarbenen Cardi und 2 der genannten Shirts. Der Cardi löst sich leider schon etwas auf und der gerade Rock ist etwas weit. Außerdem habe ich einen Pullunder fertig gestrickt und einen Walk-Cardigan genäht. Ich habe dabei festgestellt, dass ein neues Teil oft ausreicht, um alte Teile reaktivieren und dem aktiven Bestand hinzufügen zu können. So hat z.B. der beerenfarbenene Cardigan das Stoffwechsel I-Kleid winterfähig gemacht und der Walk-Cardigan nimmt dem Stoffwechsel III-Kleid genug seiner gemusterten sommerlichen Festlichkeit, dass ich es auf einmal häufig trage und nicht zu hell für den Winter finde. Der Pullunder macht viele Outfits weniger grau-schwarz und ich trage ihn sehr oft.

Meine Farbpalette ist klar, und da rüttel ich auch nicht dran: blau, petrol, lila, rot, beere. Ergänzt durch grau und schwarz. Ich kombiniere allerdings nach etwas anfänglicher Befangenheit nun lila und rot und petrol und beere oder petrol und lila – was auch wieder erheblich die Vielfalt erhöht.

Ein großes Kopfzerbrechen bereiten mir Muster. Ich  bin sehr zurückhaltend mit Mustermix, mag aber eigentlich auch nicht „ganz in uni“ rumlaufen. Ich nähe also meist gemusterte Röcke und uni-farbene Shirts (weil Muster-Jersey so schwer in schön aufzutreiben ist) und stehe dann aber oft da und es gibt nur noch Uni-Rock und Uni-Shirt und das finde ich langweilig. Mehr kombinierfreudige Muster wären schon schön. Auch müssten es gar nicht zwangsläufig Shirts sein. Ich mag auch Blusen. Unter der Bedingung, das sie keinen Hemdkragen haben und Elasthan im Stoff ist.

Ich werde im Rahmen des Brot-und-Butter-Nähens etwas zweigleisig fahren. Einerseits fülle ich auf, was ich bis dato viel trage, nähe also Röcke und Shirts. Andererseits nähe ich Ergänzungsteile, die mir erlauben auch mal wieder öfter ein Kleid/was gemustertes zu tragen – auch hier wären das dann Shirts, Cardigans, Blazer oder Pullunder aber auch mal Blusen. Vorzugsweise werde ich dabei Stoffe verarbeiten, die ich schon habe und da kann ich in meinem Schrank ganz bequem im Bereich lila, petrol, beere, grau und schwarz was finden. Blau ist derzeit eher dünn besetzt, aber an blau hängt mein Herz auch nicht so wirklich.

Hätte ich unendlich viel Zeit, würde ich mir eine komplette Batterie von 12-14 Oberteilen, 4-5 Röcken, 2-3 Kleidern und 5 Jacken sowie mehrere Schlafshirts und sehr viele Unterhosen nähen. Konkret plane ich für diesen Sew-Along, also für knapp 3 Monate aber nur folgendes:

  • 5 Oberteile in mindestens 3 Farben und mindestens eins davon eine Bluse
  • 2 Röcke, davon keiner ein halber Teller
  • 1 Trägerkleid, das mit Shirt drunter getragen werden kann
  • 1 Blazer
  • 1 Cardigan
  • 2 Schlafshirts
  • Bonus: ein Jerseykleid

Hui, das klingt viel. Aber ich kalkuliere ein, dass ich zur AnNÄHerung fahre und mindestens ein Nähkränzchen in die Zeit fallen wird, außerdem werde ich präferiert auf bereits abgepauste und angepasste Schnitte zurückgreifen.

Welche Schnitte und Stoffe ich umsetze werde ich dann beim nächsten Treffen in drei Wochen berichten und dann kann ich auch sicher schon erzählen, was ich in der Zwischenzeit so genäht haben werde.

Und nun ihr! Was tragt ihr viel, was braucht ihr dringend, was nehmt ihr euch vor?

Das Linktool öffnet sich bei Klick auf den Button in einem neuen Fenster – das erlaubt wordpress mir nicht anders. Das „Projekt Brot und Butter“ ist ein offener Sewalong, jede ist herzlich eingeladen mitzumachen egal wieviele Teile ihr euch vornehmt, ob gehäkelt, gestrickt oder genäht, solang es sich um Alltagskleidung für euch selbst handelt. Ich bitte allerdings darum, keine Werbung zu verlinken und im verlinkten Blogpost auf die Aktion zu verweisen und einen Backlink zu diesem Post zu setzen. Das Linktool bleibt jeweils eine Woche geöffnet.

#projektbrotundbutter jetzt für alle

Im vergangenen Jahr ging mir irgendwann im Herbst auf, dass ich im Verhältnis viel zu wenig ‚Übergangskleidung‘ habe. Also Kleidung für die ca 10 Monate im Jahr mit Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad, die wir gemeinhin als Übergangszeit in unserer Jahreswahrnehmung klein reden. Aber gerade wer in tendenziell überheiztem Büro arbeitet, braucht recht wenig wollene Gewänder und die ganz flattrig dünnen Sommerfähnchen auch nur in der Freizeit. Ich stellte an mir eine Tendenz fest, mir zu viel außergewöhnliches und zu wenig alltägliches zu nähen, denn klar, das außergewöhnliche macht ja viel mehr Spaß.

Ich habe gerade 10 Sommerkleider und 10 Sommerröcke eingemottet und es warten ebensoviele Winterkleider, die aber eigentlich selbst im Winter oft zu dick sind. Und dazwischen stehen nur einige Röcke und zunehmend löchrig-dünne Shirts und ungeliebte Feinstrickpullis. Dabei ist es die Übergangs- oder eigentlich Jahreshauptbekleidung, die die Hauptrolle in der Kleidungsrealität spielen sollte. Und auch könnte, wenn man sie nicht so stiefkindlich behandeln würde.

Und so proklamierte ich ab Oktober das Brot-und-Butter-Nähen und fertigte tatsächlich immerhin zwei Röcke und zwei Oberteile, einen Cardigan und einen Pullunder, zudem reparierte ich auch noch zwei Röcke. Dennoch ist das #projektbrotundbutter für mich noch lang nicht beendet. Gerade Oberteile brauche ich dringend. Und einige Workhorses meines Keiderschrankes muss ich aussortieren. Daher werde ich dem berühmten Januar-Nähtief mit einer Fortsetzung des Projektes entgegenwirken. Denn im November und Dezember musste das Ganze wegen Wintermantel, Geschenkfabrikation, Arbeitsstress und allerlei gesundheitlichen Tiefschlägen leider ruhen. Und weil ich auf Twitter ein verhaltenes aber positives Echo erhielt, möchte ich euch einladen, dabei zu sein.
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Hiermit rufe ich das #projektbrotundbutter als Sewalong oder Blogchallenge ins Leben. Wer auch schon länger denkt, sein Kleiderschrank brauche mal ein paar mehr Alltagsstücke, ein bisschen Basics, ein paar Workhorses*, Kombitalente für Zwiebellook an all den unentschieden halb kalt halb warmen Tagen, die das Jahr zu bieten hat, der ist hiermit aufgerufen, sich mir anzuschließen und die traditionelle Saure-Gurken-Zeit vor der fiebrigen Frühjahrsnäherei sinnvoll zu nutzen.

Ich bin eigentlich keine große Meisterin auf dem Gebiet des planvollen Nähens, der SWAPs und großer Konzeptnäherei. Ich folge oft der Lust oder dem letzten Stoffkauf, der sofort vernäht werden möchte. Ich beginne meist das letzte Sommerkleid noch im September und den Wintermantel am ersten Schneetag. Ich kann also nicht sehr viel strategisches beitragen. Aber einen groben Zeitplan, ein klein wenig Orientierung, den biete ich schon an. Und ansonsten seid ihr frei, euch eure Ziele so zu stecken, wie es passt. Manche mag – wie ich – eher die Masse in ihrem Schrank missen, anderen mag eher das eine Teil fehlen, das zu vielem passt. Wieder andere haben vielleicht gerade ihren Stil gewandelt und wollen neue Sachen schaffen, die sie bisher noch gar nicht hatten. All das kann uns zu einer besseren Grundausstattung führen, zu einem Kleiderschrank, der uns erlaubt, blind hineinzugreifen und erwas herauszuziehen, das in unseren Alltag passt.

Ich will hier stilistisch keine Grenze setzen. Alltag und Übergangswetter stellen sicher nicht bei jeder die gleichen Erfordernisse. Die inhaltliche Klammer soll allein die Alltagstauglichkeit sein, Brot und Butter eben. Da kann dann durchaus auch ein Blazer dazu gehören. Oder endlich gut sitzende Unterwäsche. Oder eben doch Oberteile, zur Bekämpfung der berühmt-berüchtigten Oberteilschwäche.

Also der Zeitplan:

Ich habe mir überlegt, dass ein Zeitraum von drei Monaten wohl ganz passend ist. Auch würde ich nicht öfter als alle vier Wochen ein Treffen ansetzen, denn wir arbeiten ja nicht engmaschig an einem – alle dem gleichen – Kleidungsstück, sondern jede folgt ein wenig ihrem eigenen Tempo und Rhythmus. Der Wochentag ist dabei nicht ganz so entscheidend, da ich das Linktool eh jeweils eine Woche offen lasse. Daher wie folgt:

Freitag, 8.1.2016: Plan und Konzept
Was brauche ich denn überhaupt? Welche Kleidungsstücke trage ich in heavy rotation, bis sie auseinanderfallen? Welche vermisse ich jedes Mal, wenn ich ratlos am Morgen vorm Kleiderschrank stehe? Fehlen mir nur bestimmte Elemente (Oberteile, Röcke, Hosen, Jacken, Bhs) oder ganze Outfits oder doch das entscheidende eine Teil (ein grauer Blazer, ein schwarzes Strickjäckchen, eine weiße Bluse)? Was hat Priorität? Was kann ich realistisch in knapp drei Monaten schaffen?

Sonntag 31.1.2016: Projekte vorstellen
Jetzt haben wir alle begonnen zu nähen, stricken und häkeln, haben uns Stoffe rausgelegt, konkrete Schnitte gesucht, Material nachgekauft. Zeit unsere Pläne zu konkretisieren, die ersten konkreten Projekte vorzustellen, oder gar schon erste Ergebnisse zu präsentieren. Vielleicht lagen ja noch ein paar Ufos rum, die schnell beendet wurden? Oder ein flott genähtes Shirt gibt uns ersten Aufwind im kalt-grauen Januar?

Sonntag, 28.2.2016: Zwischenstand
Jetzt haben wir ganz sicher schon was fertig, es gar schon getragen und auf Herz und Nieren geprüft. Vielleicht haben wir auch unseren Plan korrigiert. Oder wir kommen nicht weiter und brauchen aufmunternde Worte? Oder wir haben ausgemistet und uns von 3/4 der abgeliebten Schätze getrennt und Platz für frisches geschaffen?

Sonntag, 27.3.2016: Fertig!
Schon sind annähernd drei Monate rum, der Frühling ist da und wir haben ordentlich was geschafft. Keine Temperatureskapaden, keine Waschrückstände können uns mehr etwas anhaben. Wir haben was anzuziehen und können uns jetzt mit Wonne in die Planung von außergewöhnlichem, unpraktischem und Schnickschnack stürzen. Zeigt her eure Brot und Butter-Stücke!

Auf Twitter können wir uns unter #projektbrotundbutter austauschen. Stricken, nähen, häkeln, alles ist erlaubt. Auch umarbeiten, reparieren, fertigstellen**. Alles was euch passt. Ich bitte jedoch darum, keine Werbung zu verlinken und die Aktion adäquat im jeweiligen Post zu erwähnen. Das Bildchen dürft ihr gern mitnehmen!

*Zitat von Mamamachtsachen, die mit ihrem Style Bootcamp eine Möglichkeit gibt, dem ganzen konzeptionell auf den Grund zu gehen.

** wie ich höre wird Muriel auf ihrem Blog Nahtzugabe5cm wieder einen Ufo-Sewalong hosten, das lässt sich doch verbinden.

Me made Mittwoch: Die unendliche Pullunder-Geschichte

Heute trage ich einen recht alten Rock, nämlich meinen Disputationsrock, zusammen mit einem recht neuen Pullunder. Auch dieses Outfit ist wieder klar Kategorie #projektbrotundbutter und dass es das sein könnte, fiel mir gestern abend so spontan ein, dass ich mich endlich aufraffen konnte, die Fäden am Pullunder zu vernähen.

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Der Rock ist von Anfang 2012 und ich trug ihn zu meiner Disputation und seitdem recht regelmäßig ins Büro zu semi-offiziellen Anlässen und auch mal zur Vorlesung. Der Schnitt ist Simplicity 2451, ein Geht-bei-mir-immer-Schnitt. Der Stoff, eine wirklich hochwertige Feingarbardine aus 100% Wolle, war ein kleines Reststück und bei der (vollkommen gerechtfertigten) Geschäftsaufgabe eines recht unfreundlichen und eher nicht gut sortierten Essener Stoffgeschäfts („Stoff Müller“, heute „Stoffe am Kopstadtplatz“) für mich erschwinglich zu kaufen. Und der Stoff ist wirklich toll, er ist auch nach 3 Jahren noch kaum abgenutzt und weder verzogen noch gepillt, ein „Hurra“ auf hochwertige Stoffe.

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Und der Pullunder. Nunja. Ich begann diesen Pullover als Winterstrickprojekt 2012/2013. Das Strickmuster „Cadence“ (Link führt zu ravelry, der war aber auch in der Knitty Fall 2010) war allerdings voller Fehler, so dass ich es sehr ausführlich neu berechnen musste. Zudem strickte ich in sehr viel dünnerer Wolle als angegeben und daher in größerer Größe als meiner benötigten. So schleppte ich mich durch den Kragenmustersatz hindurch, wurde in der Zeit schwangerer und schwangerer und verlegte mich dann, als nur noch rechte Maschen in Runden auf mich warteten lieber auf Babymützchen und Babysöckchen. Der angefangene Pullover wanderte in den Korb, aus dem ich ihn erst im Winter 2014/2015 befreite, als mir aufging, dass Pullunder für mich eine sehr gute Garderobenergänzung sein könnten, als Alternative zum Cardigan und nicht so brüllend heiß wie wollene Pullover. Ich strickte einige Runden und bemerkte dann, dass das Strickmuster vorsah, das Rücken und Brust gleich breit sind. Ja hm, das mag an flachbusigen Menschen mit Ringerschultern funktionieren, bei mir geht das nicht. Also legte ich den Pullover erstmal wieder weg. Dann fasste ich mir ein Herz, strickte nach Vorbild anderer Pullover Abnahmen, denn den Rücken im ganzen schmaler anlegen ging ja nicht mehr, die Maschenzahl folgt ja aus dem Muster. Irgendwann im Sommerurlaub wurde er dann schließlich fertig. Und lag dann unvernäht weiter herum. Bis mir gestern abend aufging, dass ja Pullunder auch total Übergangsgarderobe sind und ich dort ein heimliches Mitglied der #projektbrotundbutter-Gang liegen hatte. Da vernähte ich ratzfatz im Bett noch schnell die Fäden und kann so schließlich nach nur fast drei Jahren den Winter 2012/2013 für beendet erklären. Heureka!

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Die Kombi gefällt mir richtig gut und das Konzept Pullunder geht für mich gut auf, wärmt Schulter und Rücken bei ungemütlichem Wind aber ist nicht zu warm auch im  wohlgeheizten Büro oder ÖPNV. Da muss ich wohl dann doch mal noch ein-zwei grau/schwarz/rote Röcke dazu produzieren, was?

 

Details:

Rock: Simplicity 2451, Gr. 12, Stoff: Wollgabardine in grau, Verbrauch 0,8m. Wiederholungsgefahr: groß

Pullunder: Grob angelegt an Cadence, gestrickt in Gr. XL mit Nadelstärke 3,5 aus Garn Drops Karisma, Verbrauch: 4 (?) Knäuel. Ergibt nach MaPro und Umrechnung die Maße von M. Ist aber dann de facto zu groß. Die Anleitung hat außerdem grandios viele Fehler. Daher eher keine Wiederholung in Sicht obwohl ich das Muster mag und gern Raglan von oben stricke.

Nina zeigt auf dem Me made Mittwoch-Blog ein Ultimate Shirt Dress, das bei mir einen ganz schlimmen Habenwollen-Reflex auslöst, obwohl ich genau weiß, dass mir Hemdblusenkleider an mir überhaupt nicht gefallen.

Me made Mittwoch: Nina Cardigan #projektbrotundbutter

Heute, ganz ausnahmsweise, ein Outfit von Montag. Denn da trug ich meinen neuen Nina Cardigan über altem und geliebten Stoffwechselkleid.
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Ich habe im letzten Jahr einen Nina Cardigan (Style Arc) aus draußen kompatibel dickem Strickstoff für meine Schwester zum Geburtstag genäht. Seitdem will ich eigentlich einen eigenen. Aber es brauchte die Einsicht, dass mir Garderoben-Staples fehlen, bis ich endlich einen nähte. Letzte Woche. Seitdem trage ich ihn quasi ununterbrochen. Und was war der flott genäht. 2 Stunden.

Ich habe den Schnitt in Gr. 36, schneide allerdings Hip Band und Upper Back im Bruch zu und gebe an den Seitennähten je 1cm zu.

Ich finde den Schnitt grandios, weil die Jacke so schön tailliert fällt und deshalb auch mit ausgestellten Kleidern gut kombinierbar ist.
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Den Stoff habe ich als Coupon in Paris gekauft. Der Preis spricht für Polytier, er knistert aber nicht und fühlt sich gut an. Wegen des filigranen Stoffes habe ich die Kanten geoverlockt und dann schmal umgeschlagen abgesteppt. Das sah einfach stimmiger aus als ein Overlockabschluss. Ein zweiter Nina Cardigan aus rotem Walk ist schon zugeschnitten.
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Das Kleid habe ich im Rahmen des ersten Stoffwechsels aus Stoff von FrauCrafteln genäht und ich trage es im Herbst und Frühjahr mit Strumpfhose und Stiefeln fast lieber als im Sommer. Ich mag es sehr.

Und passt das nicht perfekt? FrauCrafteln führt heute auch den Me made Mittwoch an. Und zwar bravourös.

Me made Mittwoch: Projekt Brot und Butter 1

Letzte Woche bloggte ich am Mittwoch Gedanken zur sogenannten Übergangsgarderobe. Also den Arbeitstieren im Kleiderschrank. Wenig beachtet aber zuverlässig. Brot und Butter. Heute kann ich dazu direkt Ergebnisse zeigen, was bin ich strebsam.

Heute ist ein sehr typischer Tag aus dem Vereinbarkeitshamsterrad. Ich habe eine ganztägige Coachingveranstaltung von der ich im Vorhinein nicht weiß, wer und was mich da erwartet. Zeitgleich ist der Mann auf Dienstreise und die Anschlussbetreuung muss also jetzt direkt mal den Ernstfall decken. Ich brauche also Kleidung, die semiformell genug ist, dass ich in einer unbekannten Gruppe OK reinpasse. Die bequem genug ist, Morgenroutine und Kitarun in der Sonderschwierigkeitsstufe ‚allein‘ zu meistern und die am besten auch noch als Rüstung taugt gegen die latente Awkwardness auf solchen Postdoc-Karriere-Vernetzungsevents.

Fotos gibt es nur in Eile vorm Spiegel heute.

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Der Rock ist frisch genäht. Es handelt sich um ein weiteres Exemplar des „Wahlsonntagsrocks“ aus der Knip 2/2013(?). Ich habe festgestellt, dass ich meine beiden Exemplare dieses Schnittes sehr viel trage, obwohl ich die Rockform jetzt nicht soooo sehr mag. Also hat er sich für’s Brot-und-Butter-Nähen qualifiziert qua Erfolg im Alltag.

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Den Stoff (Foto unten) habe ich beim Bloggerinnentreffen in Bielefeld vom Tauschtisch genommen. Bunte Nadelstreifen auf einem schwarzen Mischgewebe. Ich vermute viel Kunstfaser und viel Elasthan. Der Rock ist also bequem und hoffentlich pflegeleicht.

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Ich bin so OK zufrieden. Der Stoff ist weicher als meine anderen beiden Varianten, was den Rock zu weit und etwas labberig macht. Ich habe ihn recht rabiat gekürzt, weil er im Original überknielang war. Jetzt denke ich, 1cm länger wäre besser.

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Hier nun noch der Stoff, vielleicht erkennt ihn ja eine wieder?
Natürlich fehlt es an pinken und türkisen Oberteilen dazu, aber wir wollen nicht so viel meckern.

Die wunder-bezaubernde Ella tanzt heute beim MMM vor und zwar in einem Traumstoff. Guckt mal dort vorbei!