Babyhängematte

Zur Babyhängematte gab es schon einige gespannte Nachfragen. Seit letzter Woche ist sie fertig und hängt probeweise im Wohnzimmer:

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Wir haben erstmals auf einer Hochzeit im letzten Herbst, ein Baby seelig in einer Hängematte schlummern sehen und waren davon schon ziemlich angetan. Herr Siebenhundertsachen ist ein Riesen-Hängemattenfan und würde am liebsten das Sofa zugunsten einer Hängematte abschaffen, da lag es nahe, eine Hängematte als Reisewiege in Erwägung zu ziehen.

Diese erste, die wir gesehen haben, war konstruiert wie eine „normale“ Hängematte und hing in einem Gestell. Nach einer ausgiebigen Internetrecherche stellte sich heraus, dass Babyhängematten ziemlich teuer sind und dass wir lieber nicht so ein klassisches Hängemattenmodell, sondern lieber ein Hängewiegenmodell wollen. Die klassischen kleinen Hängematten sind nicht unbedingt dazu geeignet, sein Kind unbeaufsichtigt darin schlafen zu lassen, da das Kind sich theoretisch – und nach einigen Berichten im Internet auch praktisch – mit der Hängematte umdrehen kann. Zwar kann man das Kind in den Dingern anschnallen, aber mal ehrlich, Visionen von meinem Baby, wie es mit seiner Hängematte in einem Anschnallgurt hängt sind auch nicht unbedingt zu meiner Beruhigung geschaffen. Wir wollen die Hängematte schließlich gern als mobiles Bett nutzen, sowohl innerhalb unserer Wohnung, ähnlich wie einen Stubenwagen, als auch auf Reisen. Die Alternative stellen dann die Hängewiegen aus Stoff dar, die es von einigen wenigen Herstellern gibt und die, meiner Recherche nach, für den Einsatz als Bettersatz geeignet sind.

Die Websites der Hersteller singen eine ellenlange Litanei auf die Vorteile dieser Hängewiegen, die ich jetzt mal unkommentiert lassen möchte. Für uns war eigentlich der Entscheidungsprozess so: 1. Wow, in sowas würd ich auch gern schlafen. 2. Es scheint medizinisch unbedenklich bis positiv und es gibt die Dinger sogar in Krankenhäusern. 3. Das Ding ist platzsparend und gut transportabel. -> Her damit!

Die Konstruktion, die Maße und Umsetzung haben wir uns selbst zusammengereimt. Folgendes Material habe ich verwendet:

3 m ungefärbter Bio-Baumwollnessel
1 geschlachtetes Schafwollkissen bzw. den Wollvlies daraus
Kordel von einem alten Bastrollo vom Schweden
Querstreben eines unser geschlachteten Lattenroste
2 Knebelknöpfe aus Holz
1 Streifen Canvas ungefärbt
25cm Gummiband
1 Karabiner

Die Hängematte wird oben an einer Feder aufgehängt, deren Schwingung angeblich die Schwingung im Mutterleib imitiert. Dies sei mal dahingestellt, uns kommt es schneller vor. Man kann diese Federn für Hängewiegen jedenfalls online kaufen und dies haben wir getan.

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Unsere Wiege hat derzeit eine Liegefläche von 35 * 80 cm. Sie kann aber bis 35 * 100cm erweitert werden, so breit ist die Stoffbahn. Im unteren Bereich ist der Stoff gedoppelt und bildet ein Fach in das man von vorn hineingreifen kann. Hier drin versteckt sich eine kleine Matratze mit Schafwollfüllung, die man getrennt waschen und später durch eine längere ersetzen kann.

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Der Einsatz am Kopfende ist mit einem Gummizug gerafft und am unteren Rand abgerundet. Am Fußende lässt sich die Wiege mit zwei Knöpfen schließen, die jeweils unter einem Streifen Canvas festgenäht sind. Wie gesagt, haben wir in der Länge der Liegefläche noch Spiel eingeplant und werden dann, wenn das Baby größer ist, eine längere Matratze einschieben und eine zweite Knopfreihe weiter außen anbringen. Die Feder trägt ein Gewicht bis 15 Kilo, wir hoffen also, der Minimensch hat länger was von seiner Hängematte.

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Die Holzstrebe oben ist 45cm breit und wurde von Herrn Siebenhundertsachen aus einem Querstreben unseres ausgemusterten Lattenrosts aus Buchenholz gefertigt.

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Derzeit hängt sie mit 2 1,5l Wasserflaschen belastet im Wohnzimmer zur Probe. Wir werden wahrscheinlich auch im Nähzimmer eine Aufhängung anbringen. Für den Einsatz in anderen Zimmern und Wohnungen, wollen wir ein Türreck erwerben, so dass sie prinzipiell in jeder Tür hängen kann.

Die Farbwahl fiel übrigens aus rein pragmatischen Gründen auf natur, es ist einfach die günstigste Variante Biostoff, denn 3m durchgefärbter Bio-Stoff in passender Dicke wären erheblich teurer. Sonst hätte ich vielleicht gelb oder ein helles grün genommen.

Swap Herbst/Winter 12/13

Erstmal möchte ich mich ganz herzlich für all die konstruktiven und ermunternden Kommentare zu meinem Proberock gestern bedanken! Das ermutigt doch sehr, auch mal was unperfektes zu zeigen und über komplizierte Entstehungsgeschichten zu berichten und zeigt mal wieder, wie gut es ist, wenn man auf ein riesiges virtuelles Nähkränzchen zurückgreifen kann. Danke!

Was für ein entzückend praktischer Zufall. Da habe ich letzte Woche noch gejammert, dass es mir an einem virtuellen Whiteboard mangelt und schwupp di wupp haben Immi, Rong und Mema genau das erfunden (ich zitiere von Immi):

Die drei Rong, Mema und Immi planen und nähen zur Zeit Herbst- und Winterkleidung und sind dabei von der Idee inspiriert, dass bei jeder am Ende eine kleine Kollektion zusammen passender Stücke entstehen wird. Wir wollen bei der Auswahl der nächsten Nähprojekte darauf achten, dass die Kleidungsstücke in Farbe und Stil zusammen passen. Dazu braucht es einen Plan.

Wir nähen nach Plan – SWAP – Sewing With A Plan – We produce our collection . Diese Idee ist gar nicht neu in der Bloggerwelt. An unterschiedlichen Stellen wird so vorgegangen, z.B. hier und hier  und hier  und nicht zuletzt gibt es auf PatternReview  seit einigen Jahren die sogenannten Wardrobe Contests (Link Beispiel) . Für unsere Initiative hat jede von uns sich zunächst eine individuelle Farbenpalette ausgesucht und festgelegt, welche Kleidungsstücke erforderlich sind. Dann geht es an die Auswahl der Schnittmuster und der Stoffe.

Mit der Initiative wollen wir uns unterstützen, Spaß haben und gerade so viel Verpflichtung eingehen wie nötig ist, um uns jeweils bei der Stange zu halten.

Mit den Kleidungsstücken, die entstehen, werden wir eventuell am MMMittwoch  teilnehmen, der Bleistiftrock, der vielleicht genäht wird, kann hier gezeigt werden und die Beratung über den Mantel kann beim Wintermantelsewalong oder auch, wenn es Retro Chic sein soll, hier erfolgen. Und wenn zufällig, nein: geplant , Taschen (und was auch immer für neue Themen bis März noch kommen) eine Rolle spielen , wird es hier bei Crafteln gepostet werden können.

Unsere Regeln sind ganz schlicht:

  •  Der SWAP beginnt heute und endet im März 2013
  • Jeden 1. im Monat Oktober, November, Dezember, Januar und Februar gibt es auf dem Blog einen Zwischenbericht
  • Niemand muss jeden Monat etwas nähen, es reicht wenn sie auf ihrem Blog über den aktuellen Stand berichtet
  • Am ersten März werden die entstandenen Kollektionen präsentiert. Das macht jede auf ihrem Blog
  • Um die gemeinsame Initiative zu dokumentieren, haben wir uns ein QR-Code Symbol gegeben, und wir weisen in unseren Blogs auf alle Bloggerinnen hin, die mitmachen.

Noch sind wir zu Dritt. Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind herzlich willkommen. Sie nehmen unser Symbol mit auf ihre Seite, informieren uns darüber im Kommentar hier und los geht es.

Das passt mir sehr gut in den Kram, da bin ich gern dabei. (und ein paar weitere Mitstreiterinnen haben sich auch schon gefunden)

Meine Herbstkollektion hat zwei Hauptlinien.
1. Damit ich mich in meinen anstehenden riesengroßen Vorlesungen nicht ganz so wie eine Hochstaplerin fühle, brauche ich ‚erwachsene Kleidung‘ für’s Büro.
2. Für Rumlümmeltage, Home office, Freizeit und zum fahrradfahren und so weiter brauche ich ein paar Jersey- und Strickkleider, die sich möglichst für Lagenlook eignen.

Ergänzt wird der Plan um ein bisschen Specials.

Farblich hab ich ein festes Spektrum, von dem ich eigentlich nicht abrücke (außer im Sommer weiß. im Winter schwarz als neutrale Komponente). Blau, Petrol, Schwarz, Grau, ein bisschen rot, pink oder lila.

Hier also mein Arbeitsstapel:

Von oben nach unten:

1. Drops Karisma in blau – soll eine kombinationsfreudige Strickjacke werden. Am liebsten ein top-down gestrickte ohne Nähte, wegen durchhalten und so. Materialquelle: Lanade

2. Schon zugeschnitten: Wollkammgarn-Stoff in Nachtblau mit sehr feinem strahlend blauem Karo. Soll ein Knip-Rock Nr. 20 aus der Knipmode 12/2011 werden. Und wird ein Projekt mit Making-Off-Bericht. Materialquelle: Alfatex Vorjahr.

3. Auch schon zugeschnitten: dunkelgraue Wollmischung mit blauem Karo. Wird ein Etuikleid Simplicity 7275 in den Schnitt hab ich letztes Jahr viel Arbeit gesteckt, die sich hoffentlich jetzt bezahlt macht. Materialquelle: Stoffe am Kopstadtplatz, Essen, Vorjahr.

4. Schwarz-graue Wollmischung mit gröberer Streifen-Struktur. Wird ein Etui-Rock mit Gehfalte und großen Taschen in etwa wie Modell 21 aus der Sabrina Woman Herbst 2012. Da rechne ich mit viel Arbeit, weil Schnitt und Anleitung mir sehr undurchdacht vorkommen. Materialquelle: Alfatex, aktuelles Angebot.

5. Ein ziemlich schöner fuchsiafarbener Viskosestrick mit Lochmuster. Soll ein Onion 2017  werden. Ich plane eine Kombination mit schwarzem Jersey für Bündchen und Gürtel. Ggf wäre ein ärmelloses schwarzes Unterkleid dazu sinnvoll. Materialquelle: Alfatex, Teil meines Doktor-Gutschein, Frühjahr.

6. Woll-Viskose-Strick in Petrol. Hier bin ich noch unsicher. Die Menge würde locker für ein Kleid reichen. Z.b. Onion 2036. Oder weiß jemand noch einen enorm tollen Strickkleid-Schnitt? Aber ein langer Cardigan mit Gürtel wär auch schick… Vorschläge? Materialquelle: Alfatex, Reststück, aktuell.

7. Schwarz-weißer wild gemusterter Jersey unbekannter Zusammensetzung vom Stoffmarkt. Das wird mein Versuchsstoff für eine verbesserte Version von Jurk 17 aus Knipmode 2/2012. Ich plane ggf. die Drapierbänder aus einem einfarbigen Stoff zu machen. Falls das gut klappt würd ich dann einen besseren Jersey auf ein zweites Projekt verwenden.

8. Schrillrot-bunter Viskosejersey Typ Desigual vom Stoffmarkt. Soll zusammen mit schwarzem Jersey ein Kleid 23069 von Stoff und Stil werden.

9. Schwarzer Viskosejersey mit Blumen. Wird mein Klassiker-Jerseykleid Jurk 29 aus Knipmode 12/2011. Materialquelle: Stoff und Stil, aktuell.

10. Ein megakuscheliger Wollstoff in grau-lila kariert. Ein Rock? Ein Kleid? Wer weiß? Materialquelle: Stoffmarkt, Coupon.

Das wären 2 Teile pro Monat. Machbar, denke ich.

Die Specials allerdings könnten diesen Plan ins wanken bringen:
Da hätte ich nämlich

1. Eine Weste zum Fahrradfahren, basierend auf der Jacke aus dem Buch ‚Passt!‘ Müsste allerdings in den nächsten Wochen fertig werden, sonst brauch ich sie nicht mehr. Stoff für außen ist bestellt. Innenfutter und Kurzwaren fehlen. (Material Goretex-Segeltuch von ebay.)

2. Ein Cocktailkleid für eine Hochzeit Anfang Oktober. Hier hab ich Stoff und Kurzwaren, aber der Schnitt Vogue 8787 sitzt auf dem Postweg rum und rührt sich nicht vom Fleck. Wenn der Schnitt morgen kommt, nähe ich das am Wochenende beim Nähkränzchen. Wenn nicht, greife ich auf das kleine schwarze zurück und nähe dazu nur einen schicken Bolero. Materialquelle: Stoffe Zanderino, Frühjahr.
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3. Ein hübscher blauer Wollmischstoff. Der könnte ein Weihnachtskleid werden. Dafür muss ich aber den recht komplizierten Schnitt eines bereits heißgeliebten Kleides abnehmen. Materialquelle: Alfatex, Angebot, aktuell.
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Es muss nicht alles fertig werden, aber am ersten jeden Monats gibt es Fortschritte zu sehen.

Me made Mittwoch: Die Probe aufs Exempel

Ich trage heute meinen neusten Proberock Probe und zeige damit gleichzeitig, wohin es mit meiner Herbstkollektion geht. Dieses hier ist ein äußerst zickiges und recht unperfektes Teil, aber drinnen schlummert noch einiges an Potential. Und außerdem: wird ja nicht alles perfekt, machen wir uns nix vor. Muss man auch mal zu stehen.

Um den Schnitt (Rock 20 aus der Knipmode 12/2011) bin ich nun fast ein Jahr rumgeschlichen und hab mich erst nicht getraut und dann war Sommer. Ich hatte sogar schon einen Stoff extra dafür erworben… und weil nun das erklärte Ziel der Herbstgarderobennäherei dieses Jahr etwas erwachsenere Kleidungsstücke sind, musste ich mich jetzt einfach überwinden. So sieht der Rock in der Zeitschrift aus:

Vorab: ich glaube, der Schnitt und ich werden noch Freunde. Derzeit ist unser Verhältnis allerdings eher unterkühlt. Denn das war ganz schön stressig mit uns, und das kam so:

– Ich komme normalerweise mit den holländischen Anleitungen ganz gut klar. Die Knip-Schnitte sind in der Regel auf dem Bogen deutlich mit Markierungen versehen, die technischen Zeichnungen sind gut, da reicht es, wenn man ungefähr versteht, was man tun soll. Nicht so diesmal! Ich habe zwei Abende lang immer wieder die platten Falten gefaltet, gesteckt, betrachtet, mit dem Foto verglichen und bemerkt, dass sie falsch fallen. Ich hatte so viel Faltenchaos in meinem Kopf, dass ich schon nicht mehr schlafen konnte. Als ich es endlich raus hatte, wollte ich mich am liebsten an den Kopf hauen. Ein bisschen wie diese Logik-Rätsel-Zusammensteck-Bauklötze.

– Perfekt sind die Falten nicht, sie sind nämlich trotz genauer Übertragung der Markierungen am Ende dann doch nicht gleich breit geworden. Hmpf.

– Wenn man die Falten einmal hat, ist der Rest eigentlich recht easy zu nähen und war in weniger als 2 Stunden fertig. Dann allerdings die Anprobe: ZU KLEIN! Oder sagen wir: „haarscharf“. Ich habe bei Knip eigentlich immer 38 und muss relativ wenige Anpassungen machen. Falls ja, wie beim Punkte-Jurk, dann weil es mir zu weit ist. Dieser Rock jedoch sitzt ziemlich „spack“ und war dafür gut 15cm zu lang. Will sagen er reichte 15 cm übers Knie hinaus. Ungläubig betrachtete ich mich in dem riesenlangen dafür recht engen Rock und dann die Dame auf dem Foto. Nicht schön. Ich kürze bei Knip immer etwas. Aber doch kein 15 cm. Dabei habe ich in der Länge genau die Knip Norm-Größe von 1,72m… kann mir das wirklich nicht erklären.  Beim abschneiden war ich dann etwas vorschnell, so dass er jetzt kürzer ist als beabsichtigt.

– Außerdem ist der Stoff auf jeden Fall nicht für den Schnitt geeignet. Ich habe eine leicht glänzende feste Baumwollpopeline genommen, die ich günstig im Sommerschlussverkauf ergattern konnte. Definitiv ungeeignet. Der Stoff ist zu steif und fällt deshalb an den Falten nicht sehr gut. Außerdem merkt er sich jede Sitzfalte für den Rest seines Lebens, scheint mir. Man sieht deutlich, dass er nach dem Weg zur Arbeit schon mega knitterig ist und wenn die Falten so bauschen trägt er auf. Trennen hinterließ doofe Löchlein und ribbeln tut er auch noch wie die Hölle. Die Farbe finde ich zwar wunderschön, sie weigert sich aber zu irgendwelchem Nähgarn geschweige denn einem Reißverschluss zu passen. Und ich kauf ja für einen Proberock nicht extra Nähgarn. Es ist auch der erste Stoff, bei dem de heißgeliebte maschinelle Blindsaum meiner Maschine verzogen geworden ist. Bah, böser Stoff!

–  Besonders alltagstauglich ist die Passform übrigens auch nicht.Eigentlich ist der Schnitt da sehr durchdacht, denn unter dem Überschlag hat der Rock in der rechten Seitennaht einen langen Schlitz, den man aber natürlich nicht sieht. Nur ist davon nach der Radikalkürzung natürlich nur noch 2 cm übrig… In Kombination mit dem steifen Stoff und knappen Sitz rutscht der Rock deshalb bei forschem Gang hoch (obwohl gefüttert), an fahrradfahren ist gar nicht zu denken. Das muss aber nicht sein, denn aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, den unteren Vorderrock nur am Taillenband mitzufassen und gar nicht in der Seitennaht, so dass die Beinfreiheit eines „echten“ Wickelrocks entsteht.

Nach dieser Nörgellitanei möchte ich dennoch verkünden: Ich nähe ihn nochmal. Und traue mich dann auch an meinen dafür gekauften Stoff. Denn all diese Probleme sind lösbar und wofür näht man schließlich Probeteile? Für den „echten“ Rock 20 habe ich ein sehr feines Wollkammgarnstöffchen da liegen, nachtblau mit  feinem blauen Karo. Das erscheint mir vom Fall her gut für den Schnitt geeignet und ist auch nicht so steif.  Ich habe das Schnittmuster schon in Taille und Hüfte etwas verbreitert und werde dann auch einen längeren Gehschlitz einplanen und natürlich sofort 10cm weniger zuschneiden. Wenn das alles geändert ist, erscheint mir der Rock als ein sehr guter Bürorock, denn folgende Punkte sprechen für ihn: Er sieht ohne Frage raffiniert aus, man fühlt sich ziemlich schick, wenn man ihn trägt. Mit längerer Falte wird er trotzdem bequem sein, und die versteckte Weite finde ich sehr gelungen. Hat man die Falten einmal verstanden und spart sich den Trenn-und-Kürzspass, ist er auch recht schnell zu nähen.  Bleibt der Nachteil: Keine Taschen.

Hat noch jemand diesen Rock ins Auge gefasst und sich bisher nicht getraut? Falls Interesse besteht würde ich dann nämlich den Entstehungsprozess des nächsten Exemplars etwas dokumentieren.

So, und jetzt geh ich mal gucken, was der Rest der nähenden Damenwelt heute so trägt. Auch blöden Knitterstoff? Oder doch schon Wolle? Gastgeberin ist heute Constanze. Ich bin jeden Dienstag ganz gespannt, wer am Mittwoch im neuen Me Made Blog erscheint.

Auf die Couch

An diesen wirklich kleinen Socken für einen nun schon nicht mehr so frischen Minimensch im Freundeskreis habe ich nun tatsächlich 4 Wochen gestrickt. Ich weiß, dass das eigentlich ne Aufgabe von 2 Stunden ist.
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Davor habe ich 3 Monate an einer Abalone gestrickt. Was jetzt auch weder besondere Strickkunst noch enorm viel Zeit benötigen sollte. Die Fäden sind bis heute nicht vernäht. Ein trauriges Schicksal fristet auch ein Paar Patentsocken für den Gatten, dem nur noch ca. das letzte Drittel des zweiten Socken fehlt. Begonnen vor einem Jahr.

Ich habe es lang nicht wahrhaben wollen, aber das Strickzeug und ich stecken in einer tiefen Beziehungskrise. Ich fürchte wir werden um eine professionelle Paartherapie nicht drumrum kommen.

Also beginnen wir die erste Gruppensitzung. Die meisten Probleme sind ja schon in der Kindheit angelegt. Aber da kann ich wirklich keine Fehler entdecken. Stricken war praktisch mein Einstieg ins handarbeiten. Zwar habe ich eine nähende und häkelnde Mutter, die uns dank Knippie mit lauter hübschen selbstgenähten Sachen ausstattete, aber ich habe früh das stricken für mich entdeckt und strickte mich munter durch die Schulzeit (unter der Bank) an der Seite von meiner lieben Freundin L., mit der gemeinsam ich schließlich sogar das Sockenstricken lernte. Blumen, Perlen , nähen, das alles kam erst deutlich später. Das Strickzeug und ich, unzertrennlich seit 2 Jahrzehnten. Und nun das. Wir finden nicht mehr zueinander. Haben wir uns etwa auseinander gelebt? Ich betrachte glückliche Strickerin-Strickzeug-Paare täglich neidvoll in Blogs und denke „das könnten wir auch haben“. Und wir hatten doch noch so viele Pläne. Ich habe voll der Hoffnung auf einen zweiten Frühling für uns nur das feinste vom feinen im Drops-Supersale gekauft. Allein es nützt nichts. Vielleicht mangelt es mir an Durchhaltevermögen, an der Risikobereitschaft, ein langes Projekt mit ungewissem Ausgang anzugehen… Tatsache ist, wenn wir uns nicht bald zusammenraufen werde ich womöglich eine dünne Strickjacke kaufen müssen, und die Füße des Gatten werden den zweiten Winter in den löchrigen Socken verbringen müssen.

Liebe Therapiegruppe, was sagt ihr? Auch manchmal Probleme mit dem Strickzeug? Ist eine professionelle Therapeutin anwesend?

Sommerausklang

In froher Erwartung des wundervollen Spätsommerwochenendes habe ich tatsächlich letzte Woche doch noch mein letztes geplantes Sommerprojekt fertiggenäht. Das ist auch gut so, denn schließlich hatte ich mir extra die Mühe gemacht an New Look 6069 nochmal Hand anzulegen, da wollte ich das dann auch nochmal umsetzen, bevor ich alle Änderungen gleich wieder vergesse. Also hier nun, New Look 6069 die Zweite. Verbessert und sommer-erprobt:

Zunächst nochmal die Details:

Schnitt: Simplicity New Look 6069/ alias Modell 34 aus „Meine Nähmode“ Frühjahr-Sommer 2012.

Größe: oben 38, unten 40

Stoff: fliegend-leichter Baumwollvoile aus dem Essener Stoffgeschäft, Verbrauch: 1,5m, ich bin eigentlich nicht so der Pink-Typ, aber die Punkte fand ich ziemlich gut.

Kurzwaren: Vlieseline für Beleg und Taillenblende, ein Reißverschluss 60cm, Raschelspitze für den Saum

Schwierigkeitsgrad: leicht, nur die Anleitung wie der Ausschnittbeleg anzubringen ist, ist eher kryptisch und ich hab auch beim zweiten Mal nähen wieder darüber gerätselt.

Arbeitszeit: Inkl. Zuschnitt ca. 3 Stunden (auf mehrere Abende verteilt)

Werde ich den Schnitt nochmal nähen? Im nächsten Sommer bestimmt.

Änderungen:

Beim letzten Mal hatte ich auch das Oberteil in Gr. 40, das passte zwar um die Brust, machte aber Falten am Armausschnitt und war um die Taille erheblich zu weit. Deshalb habe ich dieses Mal Oberteil und Taillenblende in Gr. 38 abgepaust und dann ein FBA um etwa eine Cupgröße gemacht. Es sitzt nun nahezu perfekt.Taille war aber immernoch zu weit.

– Statt Ärmeln die Armausschnitte mit einer Blende aus Schrägband versehen. Die Puffärmel sind zwar total herzig, aber man kann das Kleid dann schlecht mit Oberteil drunter anziehen. Weil ich es aber auch im Frühherbst noch tragen möchte, erschien mir eine ärmellose Variante praktischer.

– Weil ich beim Zuschnitt natürlich vergessen hatte, dass ich die erste Variante etwas zu kurz fand, habe ich den Rock gerollsäumt und dann mit einer kleinen Spitze versehen, dadurch ist die Länge jetzt genau nach meinem Geschmack und süß aussehen tut’s auch. Mit dem Baumwollvoile ging der Nähmaschinenrollsaum mit dem Spezialfuß meiner Janome übrigens reibungslos. Ich blicke voll Freude auf eine Zukunft mit lauter gerollsäumten Futterröcken.

Viele weitere Varianten des Schnitts gibt’s zum Beispiel bei Eben Julia, talentfreischoen und Primavera. Ich mag ihn sehr!

 

Kampf dem Chaos – geplant in den Herbst

Ich bin ja ein eher chaotischer Mensch. (An dieser Stelle beginnen meine Mutter und Schwester so heftig zu nicken, dass sie ein Schleudertrauma bekommen – verdient!) Ordnung halten fällt mir schwer und Ordnung schaffen müssen versetzt mich latent in Panik. Ich laste das zum Teil meinem fotographischen Gedächtnis an. Ich merke mir einfach ganz gut wo ich etwas zuletzt GESEHEN HAB aber deutlich weniger gut, wo etwas logischerweise hingehört. Jetzt ist es nicht so, dass ich Chaos mag. Ich mag es total wenn es ordentlich ist. Ich finde mich halt nur im Chaos ganz gut zurecht. Und natürlich fällt Herrn Siebenhundertsachen ohne fotographisches Gedächtnis das Zusammenleben mit meinem Chaos auch nicht ganz leicht. Komischerweise war ich trotz des äußeren Chaos immer eine sehr ordentliche Schülerin und Studentin, meine Unterlagen waren eigentlich immer sehr ordentlich und strukturiert. Das ist witzigerweise genauso aufs visuelle merken zurückzuführen, denke ich. Weil ich nun doch langsam aus der Pubertät rausbin, den Trotz abgelegt habe und mich selbst vielleicht reflektierter betrachte als früher, habe ich erkannt, dass ich zufriedener bin, wenn es ordentlich ist und dass ich das bewerkstelligen kann, indem ich das Prinzip ordentliche Studentin auf den Rest übertrage. Magischer Helfer hierbei: Das Whiteboard. Jeder sollte ein Whiteboard haben. Was auf einem Whiteboard steht sieht offiziell wichtig und zu bewältigen aus. Meine Diss wäre ohne Whiteboard nie fertig geworden. Weil ich in den nächsten Monaten vor vielen neuen und unbekannten Aufgaben stehe und gleichzeitig eine ganz tolle Forscherin sein muss, ist der September ein wichtiger Monat um alles schön ordentlich zu planen. Deshalb habe ich als erste Amtshandlung das mighty Whiteboard geputzt und befüllt.

Puh, alles gleich viiiiel weniger beängstigend. Ich kann das schaffen. Chacka.

Problem: es gibt zu wenige Whiteboards in meinem Leben. Ich bräuchte noch ein Haushalts-Whiteboard und ein Nähzimmer-Whiteboard und vielleicht noch eins für krude Ideen, die einem nachts kommen. Das unterbemittelte Substitut sind Notizbücher. Denen fehlt es aber leider an ermahnender, still-offizieller Ausstrahlung. Trotzdem fällt mir aber auh das aufräumen putzen etc. sehr viel leichter, wenn ich mir vorher einen Plan gemacht hab. Keine Liste, nein, einen akribischen Ablaufplan. Mit Zeitfenstern für jeden Task und Pufferzonen für Verpeilung . Problematisch ist es mit langfristigeren Plänen. Denn man kann halt das Notizbuch einfach zuklappen nie wieder reingucken und weiter vor sich hin chaotisieren. Dieser Gefahr möchte ich meine Nähpläne für den Herbst keinesfalls aussetzen. Deshalb habe ich sie schön brav in ein Notizbuch geschrieben und nutze jetzt euch, liebe Leser, um die mahnend-offizielle Funktion des Whiteboards und die nötige Öffentlichkeit zu schaffen.

Die Zeichen stehen diesen Herbst auf „Bürokleider“. Ich muss im nächsten Semester viele Vorlesungen halten, ich vertrete meinen Chef. Ein Teil davon sind so riesige Massenveranstaltungen vor mehreren hundert Menschen. Dafür brauche ich erwachsene Klamotten um mich moralisch zu unterstützen. Ich habe mir deshalb einige Röcke und Kleider mit schmaler Silhouette rausgesucht und denke an dünne, eher gedeckte Wollstoffe für die Umsetzung. Hinzu kommt ein Cocktailkleid für eine Hochzeit Anfang Oktober. Außerdem bräuchte ich eigentlich dringend eine lange und warme Weste zum Fahrradfahren. Hier überlege ich, ob ich mal die Jacke aus dem Buch „Passt!“ angehen soll. Bin aber noch unentschieden. Bisher sähe das Whiteboard also so aus:

Vor dem Rock aus der Knip (Nr. 20 – hier die Modellübersicht) habe ich mächtig Bammel. Ich habe den schon vor Urzeiten kopiert aber diese vielen Falten und das auf holländisch – das flößt mir Respekt ein.

Vogue 8787 habe ich leider noch nicht, es ist wohl noch auf dem Postweg aus den USA – ich probiere es jetzt mal in schick aus meergrünem Taft, aber wenn es sich gut nähen lässt, könnte ich mir auch eine Alltagsvariante vorstellen. Der Schnitt hat übrigens Taschen -Vielleicht sind Taschen in nem Cocktailkleid das worauf die Welt gewartet hat? Ich hab den Schnitt wegen des neckischen Wasserfalls ausgesucht und weil er recht hoch geschlossen und damit wohl eher herbst-hochzeits-tauglich ist. Und ansonsten fällt der Schnitt ja zu 100% in mein Beuteschema. Wenn auch nicht ganz in den „schlichte-Bürokleider-Plan“…

Der Rock (Nr. 21) aus der Sabrina Woman Herbst 2012 sieht super aus. Aber ich habe keine hohen Erwartungen an den Schnitt. Was in dieser Zeitschrift geboten wird ist meiner Erfahrung nach einfach bodenlos schlecht. Die meisten „Schnitte“ bestehen nur aus Rechtecken, die an einen Jerseybund genäht werden. Und oft sind auch noch 3-4 Modelle in Wirklichkeit gleich bis auf den Saum. Aber ich finde die Taschen und die Gehfalte süß und werde mich also mal an einer Version versuchen. Hier fehlt mir noch ein Stoff – aber der Stoff&Stil-Katalog ist ja schon da 😉

Simplicity 7275 und Jurk 17 aus der Knip 2/2012 sind erprobt und für gut gefunden, hier erwarte ich keine bösen Überraschungen. Und die Stoffe sind auch schon vorrätig. Wenn dann noch Luft ist, käme das Projekt Fahrrad-Weste dran. Hier fehlt mir aber Schnitt, Stoff, Futter und Erfahrung – also kein besonders guter Startpunkt. Aber jetzt erstmal ran an die Kataloge.

Und nun noch off-topic, quasi als outtakes: Was noch so an meinem Whiteboard hängt:

Urlaubskoffer – Teil 1

An diesem Rock habe ich ca. 6 Monate in Gedanken und ca. eine Woche in der Praxis gearbeitet. Jetzt ist er fertig und gefällt, sehr.
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Und das kam so:
Schon letztes Jahr im Herbst brachte Herr Siebenhundertsachen mir eine Menge Stoffe aus den USA mit. Darunter dieser:
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Ist er nicht herzig? Allerdings ist es ziemlich flutschiges Polyzeugs, das ribbelt wie die Hölle und außerdem ziemlich dünn ist. Eher für Akzente als für vollständige Kleidung geeignet. Und auch nur ein Yard… Ich wusste relativ sofort, dass ich einen Rock mit Kellerfalten aus diesem Stoff will. Aber zuerst war Winter und keine Motivation da für ein Maritimes Sommerröckchen, und dann fand ich lange keinen passenden weißen Stoff. Ich suchte ursprünglich nach einem mit mehr Struktur. Letztendlich fand ich weißes Leinen im Sale. Und so war die Zeit reif.
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Als Basisschnitt habe ich den all-time-favorite Simplicity genommen. Ich habe allerdings den Reißverschluss in die Seitennaht verlegt um hinten auch drei Falten unterbringen zu können. Die vordere mittige Bahn habe ich geteilt. Dann habe ich die Bahnen entsprechend begradigt und dann die Falten so kalkuliert, dass die Saumweite nur etwas weiter ist, als im normalen Zustand des Rockes. Die Falten sind auf der halben Rocklänge zugenäht – ist einfach vorteilhafter.
Hinten sind auch drei Falten und erfreulicherweise sitzt sowohl vorne als auch hinten die Mitte richtig.

Ein schönes Röckchen für Urlaub am Meer, oder?
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Lagebericht meets Zuckerfrei meets Pottgeschichten

Ohoh, gar kein guter Tag heute. Ohnehin war es nicht ganz leicht aus dem Bett zu kommen nach Tortenprobeessen, Nähkränzchen UND Fußball (alles in Personal- und Ortsidentität) gestern abend. Dann war ich schonmal auf und so, da stellte ich fest, dass ich außer einem Strickkleid noch eine Jeans, eine Strickjacke, einen Jerseyschal und Stiefel (!) sowie eine Lederjacke trage. An mir runterschauend kam ich mir ziemlich verkehrt vor. Aber warm war’s trotzdem nicht. Und dann fuhr der Bus an der Bushaltestelle 3 Minuten zu früh an mir vorbei und nahm mich nicht mehr mit! Frechheit!

Also saß ich so 20 Minuten an der Bushaltestelle. In dieser Zeit wurde ich glücklicherweise mindestens 12 Minuten lang von einer älteren Dame zwangsunterhalten. Wer schonmal im Ruhrgebiet in der Öffentlichkeit etwa 1-2 Minuten verweilt hat (Supermarktkasse, Umkleidekabine, Bus, Bahn, Kneipe) der weiß: Leute reden mit einem. Ungefragt. Sie erzählen einem alles. Und ihre Meinung. Die vor allem. Normalerweise mag ich das. Aber nicht, wenn es kalt und früh ist und der Bus doof und ich viel zu viele Klamotten anhabe gemessen an der Jahreszeit und vor allem nicht, wenn derjenige sich als präferiertes Gesprächsthema Zucker aussucht. Es verhält sich nämlich so, dass die geschätzte Dame unterwegs zum Arzt war, wo sie ihren Termin verpassen würde wegen des weggefahrenen Busses. Das schien sie aber nicht weiter zu stören. Demgegenüber stört es sie sehr, dass sie neuerdings auf Zucker achten soll. Denn wo überall Zucker drin ist, ob ich das schonmal bemerkt hätte. Also sie hat das ja dem Arzt erst nicht geglaubt. Aber man ahnt es nicht. Sogar in Senf. Und Ketchup (sprich: Kätschupp). Und in Brot. Wie kann das sein? Zucker im Brot? Wer hat das erlaubt? Ich fühlte mich seltsam an ein Abendessen vor etwa 5 Jahren bei meinen Großeltern erinnert, als meine Oma voller Entrüstung die im Fernsehen vernommene Entdeckung verkündete, dass Weißmehlbrötchen nicht besser sind als Zucker… Ich habe also der Dame brav zugehört und besser mal meine Klappe gehalten. Denn erstens war ich ja nicht als Gesprächspartnerin sondern als Zuhörerin erwählt worden und zweitens musste ich fürchten, mir könnten beim öffnen des Mundwerks unflätige Ausdrücke entwischen.

Denn heute ist ein wirklich wirklich schlechter Tag um mit mir über Zucker zu reden! Nach zwei Ausnahmetagen befinde ich mich in einer ganz schlimmen Zucker-Turkey-Phase! Wir waren vorgestern probeabendessen und gestern probetortenessen. Und morgen hat meine Oma Geburtstag und ich werde ihr den nicht verderben indem ich ihr die Erkenntnisse der Bus-Dame erläutere und keine Sachen mit Zucker essen, sondern ganz brav essen was auf den Tisch kommt. Dazwischen eingequetscht: ein Vernunftstag. Ganz schlimm für den inneren Schweinehund das! Und dann auch noch kalt, müde, Kopfschmerzig und unmotiviert. Merkt ihr wie nett es war, dass ich nix zu der Dame gesagt, sondern nur apathisch genickt hab?

Ich hab überlebt, aber der nächste Bus wurde von einem offenbar aus Athen eingewanderten Irren gefahren, so dass mir dann am Bahnhof angekommen auch noch schlecht war. Dann habe ich bei dm Fotos abgeholt, die waren z.T. leicht fehl belichtet. Trotzdem kein Grund die Negativstreifen so zu schneiden, dass alle Fotos halbiert sind, oder? Und zu guter letzt habe ich mich beim Online-Stoffhändler bitterlich beklagt, weil mein sehnsüchtig erwartetes Stoffpaket nicht pünktlich zum Nähkränzchen da war, nur um zu erfahren, dass es seit Dienstag beim Nachbarn ist und der DPD-Mensch nur offenbar versäumt hat, uns darüber zu benachrichtigen. Nicht mein Tag.

Davon abgesehen habe ich es aber geschafft, ein Wochenende auf der Schwäbischen Alb zu verbringen, ohne Zucker und Fleisch. Das ist etwas schwer vermittelbar und zum Glück war ich gut vorbereitet und hatte z.B. eigenes Brot dabei. Aber ich hab’s geschafft. Jetzt noch morgen der Ausnahmetag und dann kommen erst in zwei Wochen wieder Hindernisse. Außerdem kann ich auch Pläne verkünden:

Am Wochenende putze ich die Fenster! Ganz echt. Und außerdem muss was im Nähzimmer und im Arbeitszimmer geschehen. Einmal hergestellte Ordnung hat dort immer nur sehr kurz Bestand. Ich werte das als Zeichen eines schlechten Ordnungssystems. Wenn diese Pflichtübungen und der sonstige Haushalt erledigt sind, dann werde ich mit Hilfe des wiederentdeckten Stoffpaketes den Blümchenrock und ein Blümchenkleid fertigstellen. Sowie ein lang gewünschtes und gestern angefangenes rotes Kleid mit weißen Punkten. Und dann müsste es dann bitte Sommer werden. Ich versteh sowieso nicht, was mit dem guten alten Automatismus Fußballturnier=Grillwetter passiert ist. Achja und Probedeko, die wird es auch noch geben!

Und jetzt wende ich mich hochgespannt wiederum dem Alltagsgeschehen zu und warte, welche Fiesigkeiten der Tag noch so bereit hält.

Update: Es kamen noch weitere Fiesigkeiten. Welche von der fiesesten Sorte. Solche die einen denken lassen: „Was mach ich eigentlich hier? Plan B ich komme!“ Ich habe das Büro früher als geplant, weil vollkommen entnervt, bei doofem Wetter und der schlechtesten Laune seit langem verlassen. Dann musste ich mir noch die Füße ablaufen um die restlichen Komponenten der Probedeko aka. Omas 80er Geburtstag Deko zu besorgen. Mit steifem Nacken, schmerzenden Füßen und Laune zum heulen bin ich bei Herrn Siebenhundertsachen ins Auto gesunken. Aber zu Hause wurde die Welt fast direkt besser. Zuerst ein paar Erdbeeren geerntet. Dann eigenen Salat und Rucola. Dann das Stoffpäckchen abgeholt und darin vorgefunden wonach ich mich seit Tagen sehnte und dann kam auch noch, überraschend schnell, mein Drops Supersale-Paket. Wie toll ist das bitte?

So kann ich nun die Stick-Spitze an den Blümchenrock nähen, das Kleid aus den schicken türkisen Stoffen für eine Hochzeitseinladung zuschneiden und von warmen roten, blauen und grauen Jäckchen träumen. Hach wie schön.

Awards und Gedanken zum Bloggeburtstag

Ich habe im Verlauf der letzten Wochen gleich zweimal diesen Award erhalten:

Und zwar von Frau 101Dinge und von Mrs. Columbo. Ich habe mich darüber sehr gefreut. Vor allem, da beide Blogs zu den Blogs gehören, die ich schon lang und mit viel Spannung und Anteilnahme verfolge und denen ich das Prädikat „Liebster Blog“ sofort zurückverleihen würde. Die Awards kommen außerdem auch zu einem sehr passenden Zeitpunkt, denn *tusch* heute wird mein Blog ein Jahr alt. Und deshalb nehme ich die Awards nun gleichzeitig als Geburtstagsgeschenk. Und freu mich doppelt. Weil man Geschenke ja bekanntermaßen behalten darf, werde ich die Awards nicht weitergeben. Ich glaube, beide „Verleiherinnen“ haben hierfür Verständnis. Ich finde zum einen die „Kettenbrief-Natur“ dieser Awards im Allgemeinen schwierig. Zudem fällt es mir aber auch schwer, 5 Blogs zu nennen, die ich auszeichnen wollen würde. Ich selbst habe durch Awards und Stöckchen schon viele Blogs „entdeckt“. Aber ich verfolge relativ regelmäßig etwa 50 Blogs, die vielseitig, unterschiedlich und rundum lesenswert sind. Ich kann und möchte da niemand rauspicken.

Ich möchte stattdessen meinen Bloggeburtstag nutzen, um auch ein wenig Reflektion zu betreiben und zu rekapitulieren, worum es hier eigentlich geht. Und vielleicht ergibt sich ja dann von allein auch ein Bild, was ich an all den vielen Lieblingsblogs schätze. Wer weiß.

Als ich das Blog eröffnet habe, waren wir gerade in einer Phase des Umbruchs. Wir waren frisch umgezogen und voller Elan unseren neuen Lebensraum zu gestalten und zu nutzen. Hierbei sollte mein Blog mich begleiten. Unsere neue Wohnung bot viel Raum für die Wiederentdeckung und Kultivierung bisher nur beengt betriebener Hobbies und am Anfang sollte es schon auch viel um die Gestaltung der Wohnung gehen. Dabei habe ich den Blog als Projekt- und Ideensammlung geplant. Um festzuhalten was ich plane, umsetze, verwerfe und wie sich die Projekte entwickeln.

Vieles hat sich hier im Blog im Verlauf des Jahres anders entwickelt als gedacht. Die Wohnungs-Ideen sind ein Stück weit in den Hintergrund gerückt. Das hat vor allem damit zu tun, dass uns die Zeit fehlte, einige Ideen umzusetzen. Und vieles ist ja auch fertig. Über kurz oder lang wird es mal wieder was zum Wohnungs-Thema geben. Aber dafür brauchen wir wohl „Bauferien“, die nicht in Sicht sind. Dafür habe ich den Kübelgarten und das war einer der ganz großen Wünsche für die neue Wohnung, sowie insgesamt der Wunsch nach Natur in unmittelbarer Nähe sich gut erfüllt hat. In Sachen Kübelgarten bleib ich dran und die Dokumentation im Blog hat das Projekt sehr voran gebracht. Das kann ich übrigens allgemein sagen, dass ich Dinge, die einmal per Blog strukturiert und geplant sind, in der Regel auch umsetze. Das gilt insbesondere für’s nähen, das ich niemals als vordergründiges Thema geplant hatte oder gedacht hätte, dass es eine große Bedeutung haben würde. Hier haben Wohnung und Blog zusammen meine Freizeitgestaltung geändert. Es ist toll, dass ich einen festen Platz zum nähen habe und auch ein festes und jederzeit zugängliches Stofflager. Dadurch habe ich am nähen mehr Freude und Ausdauer als früher. Gleichzeitig hat mich die Blogwelt auch gerade in Sachen Kleidung nähen sehr weitergebracht. Vieles, an das ich mich in meinem stillen Kämmerlein nie getraut hätte, erscheint mir nun möglich oder sogar problemlos machbar. Insbesondere im Bereich der Nähblogs schätze ich sehr den regen Austausch und die akribische Dokumentation, die viele lobenswert bewerkstelligen. Gleichzeitig ist hier auch der Punkt, an dem das Blog am ehesten auch  mal Druck aufbaut, der in ein Hobby nicht hinein gehört. Aber ich glaube hier habe ich meinen Weg gut gefunden. Ich empfinde weder die Pflicht jeden Mittwoch am MMM teilzunehmen, noch immer etwas neues zu zeigen. Meine Nähgeschwindigkeit ist eher langsam und ich habe viele Kopfkleider, die sich zeitlich derzeit einfach mit dieser Existenzform begnügen müssen. Aber das macht mich nicht unglücklich, denn ich habe mich stetig weiterentwickelt.

Ein Bereich der für mich von Anfang an als gewichtig eingeplant war, ist das kochen. Zwar musste ich mich vom Sonntagssüß wieder verabschieden. Aber kochen und Rezepte gehören hier fest dazu und das ist gut so. Ich freue mich auch sehr, bei anderen Rezepte zu lesen. Vor allem habe ich mir inzwischen einen ganzen Vegetarier-Zirkel aufgebaut. Und hoffe, hier auch mein Teil beitragen zu können.

Andere Bereiche sind nicht so umfangreich und regelmäßig bestückt, wie geplant: Bücher kommen kurz. „Pott kreativ“ läuft nicht so berauschend an. Das ist dann wohl so. Ich kann halt auch nicht alles machen. Will ich auch nicht.

Ein wichtiger Punkt ist für mich, dass ich mich nach einem Jahr aktiver Teilhabe in „meiner Ecke vom Internet“ wirklich als Teil einer Gemeinschaft verstehe. Nicht mehr nur ich und L. und unser Strickzeug oder ich und Z. und unsere Nähmaschinen oder ich und der Herd. Sondern wir alle, mit Strickzeug, Nähmaschine, Herd, Garten und eben auch: Meinung und Leben. Denn das hat sich für mich sehr klar rauskristallisiert. Das ich mich nicht auf die Ergebnisse von stricken, nähen und kochen beschränken kann oder will. Es geht hier um das ganze bunte zusammengestückelte und da macht es für mich keinen Sinn bei Politik oder Alltag oder Unperfektem Halt zu machen. Ich habe erfreut eine gewisse Tendenz zu Unperfektem  in letzter Zeit auch in anderen Blogs gefunden und mag das so. Ich möchte keine Martha-Stewart-esque perfekte DIY-Idylle mit Garten zeigen. Mein Leseverhalten hat sich hier auch stark verändert und das Tag „just my 2 cents“, das meine Meinung zu diesem und jenem zusammenbündelt, hat sich in diesem Blog etabliert und wird stetig befüttert.

Im letzten Jahr hat sich auch in meinem Leben so einiges getan, auch wenn ich das natürlich nicht alles dem Blog zuschreiben würde. Durch den Umzug in die größere Wohnung mit mehr Natur rundrum und mehr Platz zur Entfaltung aber auch durch den Abschluss der Promotion haben wir einfach wichtige Meilensteine erreicht. Ich höre öfter mal Dinge wie „wie schaffst du das nur alles?“ und „jetzt wo du so viel nähst hast du sicher keine Zeit mehr für … und …“ Aber das würde ich anders sehen. Sicher nähe ich viel mehr als früher und das würde ich auch dem Blog zuschreiben, weil es enorm motiviert, sich mit anderen austauschen zu können. Auch ziehe ich vieles durch, was ich früher vielleicht nicht durchgezogen hätte, z.B. den Zuckerverzicht. Da hilft so eine Leserschaft ja schon, einen bei der Stange zu halten. Aber wir gehen zum Beispiel auch mehr raus. Und fahren mehr weg. Und gekocht und gestrickt habe ich immerschon sehr viel. Natürlich blogge ich, lese Blogs und mache ständig von Sachen Fotos. Dafür schaue ich sehr viel weniger fern. Wir haben seit ca. 5 Monaten nicht mehr auf den analog-Kanal des Fernsehers umgestellt. Das bedeutet, wir haben in den letzten 5 Monaten ausschließlich öffentlich-rechtliches Fernsehen geguckt (hauptsächlich den Tatort und zdf.neo). Früher unvorstellbar. Ich habe den Eindruck, ich bin konsumkritischer geworden. Bewusster im Umgang mit meiner Zeit. Ich setze eher Prioritäten auf solche Tätigkeiten, die mir einen echten Ausgleich geben. Sicher auch, weil man im Blog-Kontext mehr darüber nachdenkt was man so tut und tun will. Das muss ich allerdings noch weiter voran treiben. Denn im Moment nehmen extern gesteuerte Termine und die Arbeit viel viel Raum ein. Manchmal mehr als gut ist. Auch die Hochzeitsplanung ist nicht eben Wellness und Entspannung pur, auch wenn wir uns sehr bemühen, den Ball flach zu halten. Aber im großen und ganzen fühle ich mich sehr wohl hier in meinem virtuellen Zuhause. Und ich freue mich, dass es offenbar anderen auch so geht. Ich bin gespannt, was im nächsten Jahr so passiert. Ihr auch?

Lagebericht Zuckerlos

Es wird langsam mal wieder Zeit für einen Lagebericht. Ich sehe endlich wieder Land im Büro, entweder wir haben uns an das Arbeitspensum gewöhnt, oder es ist weniger geworden, auf jeden Fall schaffe ich es endlich wieder pünktlich nach Hause.

Dafür sind wir allerdings nun so gut wie jedes Wochenende sehr beschäftigt, aber das ist ja z.T. selbst gewählt und meist auch nicht sooooo stressig. Also will ich mich mal nicht beklagen.

Jedenfalls nun zur Lage im Hause Siebenhundertsachen: Der Garten wächst und gedeiht, insbesondere die Kartoffelpflanzen scheinen den festen Willen entwickelt zu haben, Kartoffelbäume zu werden. Auch Zucchini und Kürbis blühen und ranken gar herrlich. Außer gießen ist hier wenig zu tun. Das ist gut, denn drinnen will ja ab und an auch was getan werden.

Zum Beispiel Sachen ohne Zucker gekocht. Das Projekt „zuckerfrei“ läuft mühevoll an. Es fehlt noch bisschen was zur Turnierform, möchte ich mit dem Bundestrainer konstatieren. Das Problem sind weniger die Mahlzeiten an sich. Es ist mehr das zwischendurch. Im Wissen, dass man so gut wie nichts, was in Cafeteria, Bäckerei und anderen Snackshops angeboten wird essen darf, entwickelt man gern mal am Nachmittag einen geradezu unbändigen Hunger auf einen Snack zwischendurch. Ich bin allerdings noch nicht wieder daran gewöhnt, gerüstet mit ausreichend Gemüse, Obst und Nüssen in den täglichen Kampf zu ziehen. Glücklicherweise bin ich morgen im home office. Da kann ich nach Lust und Laune Vollkorn-Brot mit Käse snacken. Und Erdbeeren.

Neu im Hause siebenhundertsachen ist die hausinterne Regel, dass schon am Donnerstag abend der wöchentliche Räum- und Putz-Rundumschlag fällig ist. Das hat den angenehmen Effekt, dass das Wochenende an Erholungswert gewinnt und man auch nicht aus reinern Aufräum-Prokrastination den halben Samstag rumgammelt, weil man sich nicht aufraffen kann. Bisher klappt’s gut. Mal schaun. Den kommenden Samstag nutzen wir vielleicht zu einem Trip in einen großen großen Outdoorladen. Zwecks Erwerb eines Zeltes. Denn wir gedenken im Sommer einen netten Urlaub im Land meiner Sehnsüchte (la belle France) zu verbringen und dies in guter siebenhundertsachen-Tradition wie schon seit immer auf einem Campingplatz. Aber, weil ja die Ansprüche mit der Seniorität und Zahlungsfähigkeit wachsen, nicht mehr in dem Igluzelt mit dem wir vor rund 200 Jahren unseren ersten gemeinsamen Urlaub machten.

Achja apropos Zweisamkeit, Romantik und so: Hochzeit. Wir halten es ja mit dem Brimbrambrorium bewusst etwas zurückhaltend, so dass glücklicherweise keine 200 Festredner zu kontaktiren, Alleinunterhalter zu treffen und Gastgeschenke zu basteln sind. Allerdings ist die Deko zwar in meinem Kopf schon fertig, aber die Beschaffung der Komponenten dauert an. Offenbar wollen derzeit viele Leute Schwimmschalen kaufen. Aber ich jage und sammle fleißig. Die größte Sorge bereitet mir der Anzugkauf für den Anzutrauenden und bereits Angetrauten (ein Glück ist es der selbe, weder zwei Anzugkäufe noch zwei Männer wären gut für meine Nerven).

Morgen steht uns ein Abend in lustiger Gesellschaft ins Haus. Vorher will Pizza bereitet und Einkauf erledigt werden. Spontan habe ich auch ein dringendes Verlangen entwickelt zu alfatex zu fahren (was nicht unbedingt auf dem Weg liegt), denn mein Blümchenrock ist durchsichtig, oh Schreck. Ein hauchfeines Baumwollfutter muss her. Und Spitze. Ich besitze sowas von überhaupt keine Spitze. Und da soll ich auch noch arbeiten morgen. Wo es doch derlei kriegswichtige Besorgungen zu machen gilt.

aber ich schweife ab. Was ist denn nun zu tun, bis nächste Woche Donnerstag Sonnenuntergang? Fenster putzen, Zelte begucken, Schwimmschalen ranschaffen, den Blümchenrock nähen und ein Probeessen ansetzen. Außerdem wär Ordnung im Nähzimmer von sehr großem Vorteil insb. im Hinblick auf den innerhaushaltlichen Frieden. denn der Mann sagt ja zum Nähzimmer Gäste- und Musikzimmer.

Klingt machbar, oder?

Und ihr so? Große Pläne für’s Wochenende oder entspannen und vorm Wetter im Bett verkriechen?