Ein bisschen Geburtsbericht

Das ist jetzt hier eine schwierige Angelegenheit. Ich habe im Prinzip immer nur andeutungsweise von der Geburt des Minimenschen und der Schwangerschaft berichtet. Ich finde dass die Privatsphäre der Kinder es gebietet, ihre Geburt und den Beginn ihres Lebens nicht ohne ihr Einverständnis zu veröffentlichen. Aus dem gleichen Grund gibt es hier auch keine Briefe an die Kinder zu Monats- und Geburtstagen. 

Nun ist es aber so, dass es andererseits wichtig erscheint, ein wenig von den Umständen der Geburt des Mikromensch zu berichten. Ich habe da echt lang drüber nachgedacht und möchte einfach eine kurze Schilderung als eindringliche Warnung da lassen.

Disclaimer: Operation, Geburtskomplikationen

Ich wollte wirklich gern nach der primären Sectio beim Minimensch nun spontan entbinden. Ich hatte dabei von vorneherein vor in ein Krankenhaus mit Level1-Neonatologie zu gehen. Nicht nur weil wir dort bei der Geburt des Minimensch zufrieden waren, sondern auch weil ich mich informiert hatte und wusste, dass eine Spontanentbindung nach Sectio zwar nicht Ultra Mega gefährlich ist, aber eben ein erhöhtes Risiko aufweist (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ja klar, so eine große Entbindungsstation ist ein Massenbetrieb. Es ist da nicht sehr kuschelig, aber der Kreißsaal kann trotzdem gut besetzt sein, und eine Geburt trotzdem selbstbestimmt, davon war ich überzeugt. Ich hatte allerdings noch nie das Bedürfnis nach einer Hausgeburt – nach guter 1:1-Hebammenbetreuung ja das auf jeden Fall. Aber ehrlich, der medizinische Fortschritt hat viel für die Mütter- und Säuglingssterblichkeit getan. Ich verstehe dieses Hochjubeln von „das haben Frauen immer vollkommen allein geschafft“ oder „Naturvölker machen xyz “ nur sehr begrenzt. Denn naja früher und bei Naturvölkern war das mit dem schwanger sein und gebären alles in allem eine recht lebensgefährliche Angelegenheit. Das finde ich eigentlich gar nicht so erstrebenswert. Und es hat sich gezeigt, dass diese Einstellung für uns genau die richtige Entscheidung war.

Denn tatsächlich kam auch der Mikromensch per Kaiserschnitt zur Welt, auf meinen expliziten Wunsch hin, entgegen der Empfehlung der Ärzte, die zu einer Einleitung rieten und entgegen meiner ursprünglichen Vorstellung. 

Und das kam in etwa so:
Als ich 6 Tage nach Termin einen Blasensprung hatte, da hatte ich 6 Tage lang jede Nacht Wehen gehabt. Schmerzhaft, so dass ich nicht mehr liegen konnte und sehr sehr regelmäßig, alle 6 Minuten. Aber jede Nacht waren sie auch wieder weg gegangen, immer nach drei Stunden, so dass mir Hebammen und Ärzte im Krankenhaus versicherten, dies seien – aller Regelmäßigkeit zum Trotz – nur Übungswehen gewesen. Und als ich dann schon nur noch wenige Stunden vor der Einleitung war, befiel mich ein komisches Gefühl. Während ich mit den üblichen drei Stunden Wehen im Krankenhauszimmer auf und ab lief, wälzte ich das ganze im Kopf & googelte herum. Niemand hatte mit mir explizit das Risiko einer Einleitung nach Kaiserschnitt besprochen. Aber da ist ein Risiko (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Es mag im niedrigen Prozentbereich sein, aber es ist deutlich größer als das einer Spontangeburt ohne einleitende Maßnahmen (Link zu Studie, englisch, Fachliteratur). Ich begann mich zu fragen, warum die Wehen nicht blieben, nichtmal nach dem Blasensprung. Hielt mein Körper mich unterbewusst vom spontan gebären ab? Ich bat um ein erneutes Gespräch mit der Oberärztin und meinem Mann. Die Ärztin erläuterte nochmal, dass bestimmte Medikamente auch nach Sectio erprobt seien, dass man keinesfalls von einer Einleitung abraten müsse, das werde oft gemacht. Das OP-Risiko sei ja auch nicht zu verachten. Ich blieb unsicher aber tat mich schwer mit dieser Entscheidung . Und nach Rücksprache mit meinem Mann, der mich sehr ermutigte, meinem Gefühl zu vertrauen, bat ich um einen Kaiserschnitt. Das war hart, denn ich hatte es mir ja anders vorgestellt. Und es das Fachpersonal war geschlossen anderer Meinung. Und es war trotzdem die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Denn der Mikromensch hätte nicht spontan auf die Welt kommen können, da er viermal in seine Nabelschnur eingewickelt war. Und eine Not-Sectio wäre womöglich schief gegangen, da ich unter der alten Narbe enorm viele Verwachsungen hatte, die die OP erheblich erschwerten und eine Not-Sectio wäre nötig geworden, da die Gebärmutterwand nur noch papierdünn war. Gleich drei sehr seltene Umstände auf einmal.

Also: Niemand sollte sich leichtfertig für eine Bauch-OP entscheiden und das ich kann sagen, die zweite Sectio ist bei mir heilungstechnisch kein Spaß. Aber es kann dennoch die richtige Entscheidung sein. Und es ist gut, wenn ein Krankenhaus das mitträgt, selbst wenn es unnötig erscheint. Es ist wichtig auf den eigenen Körper zu hören. Und es ist wichtig nachzufragen, sich zu informieren, nicht passiv den vermeintlich einzigen Weg zu beschreiten. Und es ist verdammt gut, dass es moderne medizinische Versorgung und fähige Operateure gibt. 

Baby-Erstausstattung: meine persönliche Empfehlung

Es gibt Listen zu Babyausstattung zuhauf. Solche die eher das Konsumbedürfnis werdender Eltern befeuern, die vielleicht auch nutzen, dass man so händeringend alles richtig machen will genauso wie solche die betonen, dass man ja quasi nichts braucht und gleich darauf teure bio Wollsachen und Naturkosmetik empfehlen.

Vor der Geburt des Minimensch ahnte ich schon, dass mein Ansatz wohl eher ein pragmatischer sein würde. Allerdings kam der Minimensch dann ja früher und sehr viel kleiner als geplant auf die Welt und wir waren tatsächlich nicht ganz fertig mit dem Vorbereiten. Wir hatten z.B. noch keine Babyschale, das Bettchen war nicht aufgebaut, Windeln in kleinster Größe hatten wir auch nicht da. Und alle vorher gekauften Klamotten waren zu groß. Das ließ sich aber alles schnell regeln. Dennoch bin ich diesmal früher dran mit der Babysachen-Vorbereitung.

Was man wirklich unbedingt sofort braucht:

  • Autositz
  • Bettchen, inkl. Matratzenauflage und Spannbetttuch
  • Schlafsack
  • Windeln in Größe 1 – ruhig mehr als eine Packung
  • Wundschutzsalbe vorzugsweise ohne synthetische Fette, da hat inzwischen ja jede Drogeriemarktkette eine Bio-Serie, das muss nicht immer das teure Anthroposophie-Produkt sein
  • 10 Bodies aus Baumwolle, mehr Langarm als Kurzärmlig, am besten zum wickeln (da braucht es auch mal zwei am Tag)
  • 5 Garnituren Oberbekleidung, also Shirt und Strampler/Hose
  • Dünne Jacke
  • Spucktücher, reichlich
  • Wickelunterlage(n)
  • Baby-Wolldecke
  • Fieberthermometer
  • Wärmestrahler oder Lampe
  • 2 Kapuzenhandtücher
  • Verschiedene Mützchen/Sonnenhüte
  • Wollsöckchen

Das mit den Langarmbodies sollte man im Blick haben. Denn es gibt im Sommer kaum Langarmbodies zu kaufen. Ist Saisonware – sagte man dem vollkommen verdatterten Mann als er Mitte Mai versuchte, adäquat kleine Kleidung für den Minimensch zu kaufen. So ein Mummpitz. Babys zieht man tendenziell langärmelig an und es ist ja auch eher nicht von Mai bis September am Stück 30 Grad. Diesmal habe ich im Frühjahr Langarmbodies zum Wickeln in Gr. 50 und 56 gekauft um unsere Bestände aufzufüllen.

So gut wie alle unsere anderen Babyklamotten sind gebraucht gekauft, die meisten bei eBay. Und sie werden jetzt das fünfte Kind kleiden ohne dass die meisten nennenswert abgenutzt sind. Denn auch wenn man sie viel wäscht, die Trageperiode je Kind ist einfach kurz. Durch den Gebrauchtkauf erspare ich der Welt Ressourcen- und mir Geldverschwendung. Zudem sind auch alle Schadstoffe schon rausgewaschen. Unsere Schlafsäcke und wenige Wollsachen haben wir neu und bio gekauft, bzw. uns gewünscht. Aber eine komplette Marken-Bio-Ausstattung finde ich – persönlich – übertrieben.

Natürlich haben wir viel mehr als 10 Bodies und 5 Kombis an Oberbekleidung – allein schon weil wir noch Sachen geliehen und geschenkt bekommen haben. Aber wirklich richtig dringend notwendig sind wahrscheinlich nur 10/5. Natürlich auch schon in der nächst größeren Größe, denn so mancher Säugling wächst binnen Tagen aus Größe 50 raus.

Was manche auf dieser Liste vermissen werden:

1. Wickelkommode

Wir hatten keine. Wir haben die ersten Wochen den Minimensch mit Wickelunterlage auf dem Bett oder Sofa gewickelt. Als er seinen Kopf selbst halten konnte haben wir begonnen, ihn in Bauchlage auf dem Schoß zu wickeln. Wenn man das einmal kann ist das ein grandioser Life-Hack. Denn man kannwirklich überall sauber und hygienisch wickeln, muss nie einen ekeligen Wickelplatz im öffentlichen Klo erstmal grundreinigen und ist auch nicht auf die gendergebiaste Zurverfügungstellung von Wickelgelegenheiten angewiesen.

2. Babybadewanne

Wir haben den Minimensch in einem Wäschekorb/Wanne gebadet. Das ging wunderbar und das Ding steht jetzt nicht im Weg, sondern kommt seinem Ursprungszweck wieder zu.

Was ich darüberhinaus sehr nützlich finde:

  • Mullwaschlappen (Anleitung folgt)
  • Baby-Hängematte
  • Tragetuch
  • Krabbeldecke
  • Kleine Windeltasche
  • Babyöl ohne synthetische Öle
  • Baby-Sonnencreme (je nach Jahreszeit)
  • Kleine Traubenkern- oder Dinkelkissen
  • Strampel- oder Pucksack mit Gurt-Durchlass für den Autositz

Die Baby-Hängematte war sicher das beste, was ich für den Minimensch genäht habe. Er hat hierin mindestens ein halbes Jahr seine Tagschläfchen gemacht. In den ersten Monaten haben wir sie außerdem als Reisebett mitgenommen, das war sehr praktisch.

Ohne Tragetuch hätte ich nicht gewusst, wie ich Zahnen, Blähungen und diverse Entwicklungsschübe überstanden hätte. Ich könnte auf den Kinderwagen verzichten, auf das Tuch sicher nicht. Allein schon, dass man Tragen kann und dennoch die Hände nutzen ist unbezahlbar. Nach einiger Zeit bin ich dazu übergegangen den Minimensch auf dem Rücken in der Manduca zu tragen, das ist Rücken- und Hüft-schonender geht aber eben erst nach einigen Monaten.

Die Traubenkernkissen waren in der Blähungszeit im Dauereinsatz, heute noch kommen Sie bei Mittelohrentzündung zum Einsatz. Inzwischen wurden sie durch selbst genähte Dinkelkissen ersetzt.

Ein ganz persönlicher Tipp noch: Ich habe allen Stramplern die Füße abgeschnitten und Bündchen angenäht. Einerseits war der Minimensch oft drinnen im Warmen mit nackten Füßen viel zufriedener, andererseits sind die Klamotten dann viel flexibler, man kann sie umgekrempelt schon anziehen, wenn sie noch etwas lang sind und auch noch wenn sie schon ein bisschen kurz werden. Denn am Ende wachsen Babys ja nicht normgerecht und dann passen die Strampler mit Füßen vielleicht nie oder nur kurz, weil das Kind einfach lange oder kurze Beine hat. Das amputieren von Stramplerfüßen war meine erste Nähmaschinen-Handlung nach der Geburt des Minimensch und genau richtig für die erste halbe Stunde Zeit, die ich mir irgendwo für mich rausnehmen konnte.

Es lohnt sich, auch wenn man fest vorhat, zu stillen auch Fläschchen, Sauger und ein Päckchen Milchpulver da zu haben. Auch Informationen einzuholen, welche Apotheken elektrische Milchpumpen vermieten macht Sinn.

Dämonen

Ich habe etwas länger darüber nachgedacht, ob ich hier im Blog oder überhaupt im Internet von meiner Schwangerschaft berichten soll.

Langjährige Leserinnen wissen, dass die Schwangerschaft mit dem Minimensch im letzten Drittel nicht mehr so ganz glatt verlief.  Auch wenn ich das nicht explizit zum Thema gemacht habe, konnte man raus lesen, dass ich einige Zeit vor der Geburt im Krankenhaus war und in wirklich sehr engmaschiger Überwachung. Der Minimensch stellte einfach irgendwann das Wachstum ein, der Verdacht war damals Plazentainsuffizienz. Nun ist ja bekanntlich ein kleines aber gesundes Kind aus ihm geworden. Dennoch bleibt natürlich die Frage „Kommt das diesmal wieder? Vielleicht mit weniger glücklichem Ausgang?“

Dann hatte ich – und das war hier bisher kein Thema – vor einem Jahr eine frühe Fehlgeburt. Daran hatte ich mehr zu knabbern als mir lieb ist und auch das lässt natürlich Zweifel zurück. Darüber schreiben kann ich erst jetzt, wo ein neues Kind unterwegs ist.

Also vielleicht gar nicht so öffentlich über die Schwangerschaft schreiben? Sie aussparen? So sehr privat ist dieses Blog ja dann doch nicht. Und letztlich geht es dabei ja auch nicht nur um mich, sondern auch um die Privatsphäre und das Leben meiner Familie.

Ich habe mich aus zwei Gründen dafür entschieden, es doch zu tun.

Einerseits weil ich ansonsten nicht mehr hätte bloggen können. Ich kann nicht einen Teil meines Lebens ausklammern und dennoch weiter bloggen. Dieses Blog ist meine virtuelle Wohnung. Es gehört zu mir und ich zu ihm. Es hätte mir sehr gefehlt. Und im offline-Leben haben zwangsläufig viele vollkommen Fremde (Nachbarn, Kolleg*innen, Kindergarteneltern,…) an meiner Schwangerschaft teil. Da ist es dann hier im Blog irgendwie doch viel privater und persönlicher.
Andererseits hat mich dieser Post von Frau Frische Brise ermuntert sowie die Offline-Erlebnisse mit vielen Frauen, die selbst eine Fehl- oder Totgeburt, eine komplizierte Schwangerschaft oder eine schlimme erste Zeit mit Baby hatten. Sehr oft, wenn ich zögerlich von meiner Fehlgeburt erzählte, sagten mir andere Frauen „ja. Das habe ich auch erlebt.“ Viele zweimal. Manche ganz traumatisch nach sehr weit fortgeschrittener Schwangerschaft. Das war gut, denn es hat mir geholfen, mich nicht sprachlos zu fühlen. Und diesen Statistiken „Jede dritte Schwangerschaft endet vorzeitig“ Gesichter zu geben.

Ich finde es nach wie vor sehr sinnvoll in den ersten 12 Wochen nicht über eine Schwangerschaft zu reden. Ich war froh, meinem Chef einfach eine Krankmeldung geben zu können, ohne mich genauer erklären zu müssen. Ich finde es wichtig, entscheiden zu können wann ich mit wem über eine Fehlgeburt spreche. Dennoch finde ich es auch nicht richtig, Komplikationen rund um das schwanger werden, schwanger sein und gebären zu tabuisieren oder zweifelhaften Kinderwunschforen zu überlassen. Und so möchte ich auch ermutigen indem ich darüber schreibe, dass es Komplikationen und Hürden gibt. Dass vermutlich jede Schwangerschaft Momente von Unsicherheit und Angst hat (auch in dieser gab es schon einen Schockmoment, der sich zum Glück erledigt hat). Dass nicht jede sofort schwanger wird und bleibt. Dass ich ein Kind verloren habe und das auch nicht einfach so abschütteln kann.

Denn natürlich sitzen die Dämonen der letzten beiden Schwangerschaften neben mir. Mal mehr mal weniger. Am Anfang wagte ich kaum, mich zu freuen. Versuchte mich innerlich erstmal nicht so drauf einzulassen. Und erzählte gleichzeitig nahestehenden Menschen davon, denen, denen ich auch von meiner Fehlgeburt erzählt hatte, damit andere mit uns hofften.

Noch einige Zeit nach der 12. Woche war mein Schlaf unruhig und meine Träume ziemlich wirr, beängstigend und erschreckend. Mit den ersten zaghaften Kindsbewegungen wurde das besser.

Es bleibt die bange Frage „wächst es genug, wird es genug versorgt?“ die ist immer ein bisschen da. Beim Blick auf die Waage und beim Kontrollieren des Bauchumfangs, bei jeder der wirklich zahlreichen Gyn-Kontrollen. Ich achte viel mehr darauf, eiweißreich zu essen, zähle moch akribischer die Koffeindosen nach, nehme Tabletten, beobachte kritisch jede Eintragung im Mutterpass. Dieser Dämon sitzt da, noch einige Wochen mindestens. Das muss ich wohl akzeptieren. Das selbstverständliche „es ist schon alles in Ordnung“-Gefühl aus der ersten Schwangerschaft fehlt mir. Aber das gehört dann jetzt wohl dazu.

Und so wird auch diese Schwangerschaft hier nicht ausgeklammert werden. Auch wenn ich nach wie vor keine Mamabloggerin bin und es hier weder ein Schwangerschaftstagebuch noch Bauchfotos mit Wochenangabe geben wird. Und auch sicher keine Produktempfehlungen und Bauchshooting-Aufnahmen vom Profifotograf. Aber natürlich selbst genähte Umstandskleidung. Und Einblicke in das Leben, das eben derzeit ein Schwangeren-Leben ist. Und sicher auch niedliche Mini-Kindersachen – wenn die Zeit dafür reif ist. Ohne dass diese Schwangerschaft hochglanz-perfekt aussehen soll oder wird. Keine Schwangerschaft ist hochglanz-perfekt. Muss sie ja auch gar nicht sein.

Konsumterror Elternschaft

Was ich eigentlich am allerwenigsten geahnt hätte, bevor ich ein Kind hatte, ist wie riesig die vollkommene Kommerzialisierung des Elternseins ist. Es scheint mir fast so, dass die Baby-Krams-Branche versucht, die bescheidene Geburtenrate durch eineb massive Erhöhung des Pro-Kind-Konsums zu kompensieren. Während ich naiv dachte „Ja so ein Baby braucht ja quasi nix“ scheinen werdende und frische Eltern sich als Zielgruppe in Summe sehr zu lohnen.

Das geht quasi mit dem positiven Schwangerschaftstest los: da bekommt eine eine gesponsorte Hülle für den Mutterpass mit Gimmicks drin. (Bei mir in diesem Durchgang: Stilleinlagen. Braucht eine ja sehr dringend in der 6. Schwangerschaftswoche…) Meine Frage, ob es nicht vielleicht eine einfache klare Hülle gäbe wurde mit Unverständnis quittiert „aber das Heft sieht doch gar nicht schön aus!“ Ja aber dafür ist es doch auch gar nicht da, es ist eine medizinische Dokumentation und kein Kunstprojekt!


Kaum war erstmals ein klopfendes Pixel im Ultraschall zu sehen, folgte – ebenfalls in der Gyn-Praxis – das hier:


Ein Ding außen voller Klischees und innen voller Anregung zum Konsum:


Das pinke Seidenpapier hat für mich noch den größten Nutzen. Ansonsten Gutscheinchen von diversen einschlägigen Marken, eine Broschüre zu Alkohol in der Schwangerschaft, ein Eltern-Probeheft. Viel Altpapier in Altpapier.

Und so ist es überall: Im Wartezimmer der Pränatalpraxis fast nur als Zeitschriften getarnte Werbung der Firma Pampers. In der Hebammenpraxis ein Körbchen mit Proben diverser Naturkosmetikhersteller.Und wehe Facebook hat herausgefunden, dass man etwas zu oft Schwangerschaftsbeschwerden googelte und Umstandskleidung in einem Onlineshop anschaute oder man hat eine der vielen (qualitativ z.T. katastrophalen) Schwangerschafts-Begleit-Apps runtergeladen. Oho, dann geht es erst richtig los.

Später dann, in der Klinik gibt es ein „Willkommenspaket“ voll mit Pröbchen (Stilleinlagen, Brustwarzencreme, Pampers, Creme) und Werbezettelchen, Prozentgutscheinen etc. Außerdem und noch perfider ist wie zufällig jede Windel, die man in den ersten Tagen im Krankenhaus erhält und mit der man also das Wickeln lernt von der Firma Pampers. Und auch bei der Milchnahrung kriegt man, wiederum wie zufällig immer und in jeder Klinik das eine selbe Markenprodukt. Und insbesondere bei der Milch aber auch bei den Windeln wird man dann ja denken: Das läuft ja jetzt gut, das ändere ich nicht – nachher verträgt mein Kind nix anderes.

Natürlich sind Gratispröbchen und Gutscheine was feines. Es gibt ja den Babykram nicht umsonst, da freut man sich, wenn man was umsonst oder günstiger bekommt. Aber gleichzeitig kreieren diese ganzen Sachen in guter Kooperation mit den Zeitschriften für (werdende) Eltern, die vor Product Placement und unzureichend gekennzeichneter Werbung nur so strotzen, ja das Bild, man brauche das alles. Nicht wenige der Damen in meinem Geburtsvorbereitungskurs beim Minimensch fragten voll Sorge „braucht man dies, braucht man das, braucht man jenes.“ Und natürlich sind wir theoretisch alle aufgeklärte Konsumentinnen, die sich von der Werbung nicht alles erzählen lassen. Aber so rund um die Geburt ist man eben dann schon eher ein hormonbeladenes Wrack, vollkommen überfrachtet von der neu gewonnen Verantwortung und mit dem riesigen Wunsch beseelt, ja nix falsch zu machen. Da sagt man schwer nein, zu einem überzeugend dargebotenen Angebot. Natürlich ist das der Sinn von Werbung. Und dass auf Gratis-Informationsseiten und -Apps geworben wird, finde ich nur normal – ich zahle nix, also bin ich die Ware. Aber verantwortungsvolle Betreuung in Arztpraxen, Hebammenpraxen und Krankenhäusern stelle ich mir anders vor. Da wünsche ich mir Neutralität und einen ehrlichen Rat dazu, was ich wirklich brauche und nicht die vollkommen reflektionsbefreite Weitergabe von Werbematerial.

Und was mich ganz besonders stört: das ganze zieht sich auch durch sehr viele der sogenannten „Mami-Blogs“ und auch durch solche, die explizit betonen, dass man ja fast nichts brauche um ein Kind großzuziehen (was stimmt) – fast nichts, außer sauteure Pflegeprodukte von Weleda, drölfzig Ratgeberbücher und Wolle-Seide-Bodys vom Natur-Kleidungs-Riesen. Und wer sich das nicht leisten kann? Tja, Pech, schlechte Mutter.

Dieser Blogpost ist schon sehr lang, daher behalte ich meine eigenen Ratschläge, was man wirklich braucht, mal für mich. Und als Mutter eines fast vierjährigen kann ich sagen: das hört auch nicht mehr auf. Es ist unfassbar, was für hirnrissige Dinge es alle in „extra für Kinder“ oder besser noch „für Jungs“ und „für Mädchen“ gibt, die dann doppelt so teuer, ansonsten exakt genauso oder schlechter sind, als die „normalen“ Produkte für alle. Aber scheinbar wirkt die Maschinerie ja, denn der Absatz belohnt da wohl die Werbestrategen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veggieblogtag #10: Vegetarismus und Schwangerschaft

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Der Veggieblogtag unterstützt die VeBu-Aktion “Donnerstag=Veggietag“. Jeden Donnerstag gibt es hier bei mir, und bei allen BloggerInnen , die mitmachen wollen, etwas themenbezogenes zu lesen, Rezepte, Tipps, lesenswertes. Wer Lust hat darf gern mitmachen und auch das Bild aus der Seitenleiste mitnehmen. Hinterlasst gern einen Kommentar. Alle Rezepte pinne ich auch bei Pinterest auf dieses Board. Mehr Infos zur Aktion auch in diesem Blogpost. Ich freue mich sehr über eure Beteiligung.
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Heute bei mir mal kein Rezept. Ich hoffe, das übernimmt heute jemand anderes. Denn ich erzähl jetzt hier mal was zum Thema „Was esse ich in der Schwangerschaft?“

Schon bevor ich überhaupt schwanger war, schwang dieses Thema oft in Unterhaltungen über vegetarische Ernährung mit. Fragen wie: „Aber wenn du schwanger wärst, würdest du doch sicher Fleisch essen, oder?“ Und auch: „Aber habt ihr keine Angst, dass eure Kinder Mangelerscheinungen bekommen?“ höre ich leider gar nicht selten.

Zunächst mal haben weder meine Frauenärztin noch die deutsche Gesellschaft für Ernährung irgendwas gegen vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft einzuwenden. Im Gegenteil gilt es heute weitgehend als anerkannt, dass vegetarische Ernährung im Allgemeinen gesünder ist, als welche mit Fleisch. Auch für Schwangere und kleine Leute. Meine Mutter hat zum Beispiel 3 Schwangerschaften vegetarisch verbracht und wir sind alle offenbar wohlversorgt und proper geworden. Wir wurden auch als Kinder rein vegetarisch ernährt.

Natürlich hat man in der Schwangerschaft einen gewissen Zusatzbedarf an Vitaminen und Mineralstoffen und so ab der Hälfte auch an Eiweiß. Allerdings kann man diesen Zusatzbedarf ohne Probleme auch vegetarisch decken. Umgekehrt kann man trotz Fleisch erheblich mangelernährt sein – denn auf die empfohlenen Mengen an Obst, Gemüse und Ballaststoffen kommt lang nicht jeder.

Laut den Unterlagen, die ich von meiner Krankenkasse bekommen habe, habe ich insbesondere einen Mehrbedarf an B-Vitaminen, ungesättigten Fettsäuren, Folsäure, Jod, Eisen, Calcium, Magnesium und Vitamin D. Zudem wird eine ballaststoffreiche und etwa ab der 20. Woche auch eiweißreiche Ernährung empfohlen. Einzig die B-Vitamine und Eiweiß könnten überhaupt über Fleisch gedeckt werden. Allerdings sind auch in Milchprodukten und in Soja B-Vitamine enthalten. Und Eiweiß lässt sich ohnehin pflanzlich decken und dies wird auch Mischköstlerinnen empfohlen (z.B. in den schon angesprochenen Handreichungen meiner Krankenkasse), weil tierische Produkte oft eben auch viele gesättigte Fettsäuren und Cholesterin im Gepäck haben.

Was habe ich also konkret Ernährungs-technisch verändert?

  • Wegen der Ballaststoffe und der Vitamine achten wir möglichst darauf, alle Mehlspeisen aus Vollkornmehl zu machen. Bei Pasta kann ich mich ja dazu nicht durchringen, aber bei allem anderen fällt mir das nicht weiter schwer. Also gibt’s Vollkornbrot, Vollkornpizza, Vollkornkuchen.
  • Zusätzlich ersetze ich in allem, was ich backe 10-20% des Mehls durch Sojamehl. So erhöhe ich automatisch meine Eiweißzufuhr. Das Brot wird dann übrigens saftiger, ich denke, das werde ich beibehalten…
  • Ich plane mir jeden Tag einen Joghurt ein, zum Frühstück oder nachmittags. Außerdem bemühe ich mich, statt Unsinn mit viel Zucker und wenig sonstigem Inhalt, als Zwischenmahlzeit Nüsse und Obst zu essen. Nüsse sind gut als Lieferanten der ungesättigten Fettsäuren.
  • Das Frühstück besteht nun öfter statt aus Brot aus Hirsebrei. Auch das etwas, wo ich mich durchaus dran gewöhnen könnte. Hirse ist eiweißreicher als anderes Getreide und enthält sehr viel Magnesium. Ich steh ohnehin auf Hirse und andere „ungewöhnliche Getreide“. Als weitere Magnesiumquelle werden Bananen vorgeschlagen. Ich mag keine Bananen. Aber im Multisaft, im Müsli oder im Smoothie habe ich sie integriert, wär ja irgendwie auch unfair, dem Minimensch meinen Geschmack aufzudrängen, oder?
  • Abends versuche ich bewusster darauf zu achten, dass immer auch eine Eiweißquelle dabei ist. Also Tofu oder andere Sojaprodukte, oder, und das wirklich gern, Hülsenfrüchte. Hülsenfrüchte sind sehr reich an Mineralstoffen, total vielseitig und lecker.

Ich nehme, im Gegensatz zu dem, was mir meine Ärztin, als Sprachrohr des Pharmavertreters, gesagt hat, seit der 15. Woche nicht mehr täglich Schwangerenvitamine sondern nur ca. alle 3 Tage, ausschließlich Vitamin D nehme ich täglich. Im ersten Trimester und schon vor der Schwangerschaft habe ich schon Folsäure und Jod genommen, da dies für die Hirnentwicklung empfohlen wurde. Auch Magnesium, das unheimlich viele Schwangere praktisch blanko, ohne dass ihr Bedarf festgestellt wird, nehmen, nehme ich nur ab und zu. Ich habe trotzdem bisher weder Wadenkrämpfe noch besonders viele Dehnungsschmerzen, mein Blutbild war bei jeder Kontrolle astrein und ich habe, ganz im Gegensatz zu den meisten Frauen, hervorragende Eisenwerte. Der Minimensch ist auch ganz proper. Eine vollwertige, gesunde Ernährung auch ohne Fleisch scheint also völlig auszureichen.

Man sagt ja, dass man in der Schwangerschaft essen soll, worauf man Lust hat, weil der Körper dadurch einen Mangel signalisiert. Ich habe bisher eigentlich keine merkwürdigen Gelüste, umgekehrt vertrage ich aber auch eigentlich alles. Ich habe einige Male Fleisch gegessen, weil ich eh irgendwo eingeladen war oder es sich anderweitig anbot, allerdings festgestellt, dass Fleisch, genauso wie Süßigkeiten, mein latent vorhandenes Sodbrennen verschlimmert. Mein Körper scheint es also nicht unbedingt besonders gern zu haben, wenn ich Fleisch esse, dass ich Zucker tendenziell schlecht vertrage ist ja ohnehin nichts neues.

Und jetzt noch ein Mini-Rezept, als Zugabe, ohne Foto: Hirsebrei zum Frühstück

3 EL Hirse mit 1 TL Honig und etwas mehr als der doppelten Menge Milch aufkochen (dabei ist es wirklich nicht notwendig, das ganze überkochen zu lassen, so wie ich heute morgen…), auf kleinster Flamme ca. 15 Min weich köcheln lassen, danach sollte noch etwas zusätzliche Milch vorhanden sein, sonst nach belieben noch Milch zugeben. 1 EL gehackte Mandeln oder Nüsse und geriebenes, geschnittenes oder püriertes Obst nach Geschmack zugeben. Ich nehme z.B. 1/2 Banane und 1/2 Apfel oder eine Handvoll Beeren. Im Winter finde ich es auch sehr lecker, etwas Zimt oder Vanille mit zuzugeben. Im Sommer kann man das ganze auch lecker mit Joghurt verrühren und kalt essen.

Mehr Infos zu Vegetarismus und Schwangerschaft hier und hier. Nährwerttabellen gibt’s z.B. hier.