Farbenspiele und Geschenkgedanken

Mein heutiges Outfit vom Dienstag sieht so aus:
image

(Der Minimensch findet Fotos mit Selbstauslöser neuerdings sehr toll und kam immer passend zum Auslöserton noch angerannt)

Ich zeige es heute aus zwei Gründen. 1. Als ich letzte Woche meinen roten Pullunder zeigte, kam auf Twitter eine Diskussion über mögliche Kombi-Möglichkeiten für Rot auf. Ich versuche ja gerade, mich von blau-petrol-grau-schwarz  zu Beerentönen und Rot hin zu erweitern. Dabei fällt mir auf, dass ich dadurch auch beim kombinieren umdenken muss. Bei blau passen alle Schattierungen zusammen, dadurch kombiniere ich meist sehr monochrom. Bei rot wären mir verschiedene Rottöne vermutlich zu viel, so fällt mir immer nur die Kombi mit Schwarz und grau ein. Da ich heute im home office bin, habe ich mal ein wenig farblich meine Komfortzone verlassen und schaue, wie mir das gefällt.
2. Ich zeige das Outfit heute und nicht Mittwoch, weil der Rock zwar selbst genäht ist, aber nicht von mir. Er war ein Geschenk meiner Freundin L. Der Stoff hat eigentlich ein blasses Rot, nicht so pink wie auf dem Outfitfoto, eher so:
image

Das herannahende Weihnachtsfest war für mich auch wieder Anlass, über selbst genähte Geschenke nachzudenken. Tatsächlich verschenke ich fast nie selbst genähtes. Ausnahme sind Babyklamotten oder Windeltäschchen. Ansonsten verschenke ich zwar jedes Jahr selbst gemachte Kleinigkeiten, aber eher Essen, Likör, Sirup, Chutneys oder Kekse, gepflanztes, gebasteltes aber nie genähtes. Warum? Darauf angesprochen würde ich stets sagen „Es würde das niemand zu schätzen wissen.“ Und tatsächlich gibt es sicher viele, auf die das zutrifft. Andererseits wissen diese Leute Handarbeit vielleicht generell nicht zu schätzen. Aber die, die den Wert eines Hand gemachten Geschenkes zu schätzen wissen, die können sich doch meistens dann das Ganze auch selbst machen. Oder?
Nun. Würde L. so denken, hätte ich diesen Rock nicht. Und auch keinen ähnlichen. Ich hätte den Schnitt (Crescent Skirt von Sewaholic) für mich nicht genäht. Und den Stoff hätte ich mir auch nicht geleistet. Ich trage den Rock aber gern und viel und habe ausgesprochen Freude daran. Was sagt uns das? Womöglich macht man sich manches nicht selbst. Weil man es nicht kann, nicht auf die Idee kommt oder es hinten anstellt. Und da ist es doch schön, eine nähende Freundin zu haben, die einem ein so wertvolles Geschenk macht. Vielleicht nähe ich ja doch noch 1-2 Geschenke…

Me made Mittwoch: Cambie dress love

Ich habe ein neues Kleid genäht, das ich uneingeschränkt liebe. Das an sich ist schon eine Erwähnung wert, denn in letzter Zeit überwogen ja die Pannen und eher halbgaren Ergebnisse. Zudem ist es auch noch ein Fall von „was lange währt wird endlich gut.“ Der Stoff ist nämlich einer der ältesten in meinem Lager (außer Erbstücken, die schon woanders lang lagerten) – ich kaufte ihn im Februar 2012 in Israel auf der Stoffstraße in Tel-Aviv (nahe des Kamel Market, falls jemand mal hinkommt). Tatsächlich hüte ich sogar noch einen der dort gekauften Stoffe. Diesen streichelte ich nun wirklich lang. Denn ich finde ihn wirklich wirklich schön und ich hatte nur 1,10*2,00m was nun selbst für meine Verhältnisse knapp ist um ein Kleid daraus zu bekommen. Ein Tellerrock war schon mal nicht drin. Etwa seit irgendwann 2013 habe ich eine Kopie des Cambie Dress von sewaholic patterns. Und auch diese schmachtete ich lang an und wusste nicht recht, aus welchem Stoff. Nun hab ich aber beschlossen, dass ein schöner Stoff im Lager mir gar nix bringt und halb schöne Probekleider auch doof sind und so wagte ich den tollen Stoff mit unbekanntem und von vielen übel beschimpftem Schnitt. Und es war gut so:
image

Da ich weiß, dass Sewaholic-Schnitte weit ausfallen und ich hier auch nochmal explizit gewarnt wurde, habe ich zuerst das Futter zusammengesetzt, angepasst und dann die Änderungen auf die Schnittteile übertragen, erst dann hab ich das Oberkleid zugeschnitten. Viel musste ich aber gar nicht ändern. Lediglich die Abnäher anpassen und den Rock etwas verlängern.
image

Ich bin sehr begeistert vom Schnitt, es hat mich sehr verwundert, wie leicht es ging, das Futterkleid und Oberkleid komplett miteinander verstürzt sind sogar am Reißverschluss und das ganz ohne Kochlöffel, offene Seitennähte oder ähnliches. Man näht beide komplett fertig bis auf die Ansatznaht zwischen Träger und Vorderteil und wendet dann durch die Träger – einfach und genial. Leider habe ich ob dieser verblüffenden Erfahrung vergessen, auch den Ausschnitt zu paspeln. Aber nun gut. Ist auch so schön.
image

Nach einem halben Tag im Büro sitzen ist es jetzt unter der Brust und am Taillenband etwas weit. Dafür ist es sehr bequem und ich nehme an, nach der Wäsche ist das wieder weg. Die Träger werde ich noch etwas kürzen. Minimale Kritikpunkte wären, dass der Ausschnitt einen Hauch absteht und ich einen minimalen Versatz im Taillenband am Reißverschluss habe. Aber das ist mir vollkommen schnurz. Ich liebe dieses Kleid. Es wird zahlreiche Geschwisterchen bekommen. Denn das beste ist: Es nähte sich wundervoll schnell. 4 Abende a je 1-2 Stunden, inkl Zuschnitt, Anpassungen und …
image

… einer handgeknüpften Garnschlaufe oberhalb des Reißverschlusses. Das kam so: Ich wollte eigentlich, da der Ausschnitt weit genug ist, den Reißverschluss ein Stück nach unten versetzt einsetzen und darüber zunähen. Ich finde das sehr angenehm und hübsch (und außerdem hatte ich nur noch 40cm-Reißverschlüsse). Allerdings, geht das exakt nicht bei dem tollen Wendemanöver. Also trennte ich das Stück oberhalb des RV wieder auf und verstürzte den Schlitz mit dem Futter. Und so hat das Kleid jetzt oben einen wirklich hübschen Schlitz und einen wirklich hübschen Knopf und eine verdammt tolle Garnschlaufe.
image

Die Details:

Schnitt: Cambie Dress von sewaholic

Größe: 10, Oberteil vorn in 12

Stoff: Baumwollpopeline

Änderungen: Oberteil um 1 cm gekürzt, Taillenband um 1,5cm verbreitert, Abnäher im vorderen Oberteil verbreitert, Rückteile am RV 1cm verschmälert, Rock 5cm verlängert (Blindsaum, 3cm)

Und nun gebe ich ab an Meike, deren Viskose-Gefluche fast genauso klingt wie meins letzte Woche. Es wäre wirklich schön wenn wir herausfänden, wie eine der Viskose das nervige Verziehen abgewöhnen kann, denn ein schönes Material ist es allemal.