Zuschnitttetris

Als Mutter des Begriffes „Zuschnitttetris“ wollte ich schon lang mal ein paar Tricks diesbzgl verbloggen. Ich bin ja damit quasi Stoffknauserbotschafterin. Allerdings hatte ich dann bei vielen Projekten genug Stoff, so dass es etwas dauerte, bis sich die Gelegenheit ergab. Doch beim Osterrock sich dann doch wieder ein leichter Stoffmangel. Allerdings ist das nur Zuschnitttetris Level 1: Stoff mit feinem Muster und ohne Richtung. Ich hatte einen 90cm Rest, den ich eigentlich für einen schmalen Rock vorgesehen hatte, wollte aber Simplicity 2451 nähen, der laut Umschlag 1,50m in meiner Größe braucht.
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Ich kann übrigens keine Grundwerte nennen, sowas wie „ich komme immer mit 75% der Stoffmenge hin“. Ich habe aber fast noch nie die angegebene Stoffmenge gebraucht. So bin ich übrigens zur Stoffknauserin geworden. Nachdem ich einige Male 30-50cm Stoff übrig hatte, habe ich begonnen weniger zu kaufen. Denn wie ärgerlich ist bitte so ein Rest von 30cm? Da kann eine ja gar nix mehr mit anfangen. Es ist sehr Hersteller-abhängig wieviel Stoff ich sparen kann, außerdem hängt es auch von der Anzahl der Schnittteile ab. Ich kaufe meist für Röcke 1m, für Kleider 2m aber ich bin damit auch schonmal auf die Nase gefallen. Risiko gehört dazu.

Doch erstmal die Zuschnitttetris-Grundregeln:
1. Stoff ohne Richtung im Muster eignet sich besser zum Zuschnitttetris
2. Je mehr kleinere Schnittteile, desto besser
3. Vorher Saum- und Armlänge ausmessen. Wer später den Rock um 10cm kürzt, hätte diese am Stoff sparen können.
4. Schnitte mit enthaltener Nahtzugabe sind leichter eng aufzulegen
5. Nicht sichtbare Teile (Bundbeleg, Taschenbeutel, Unterkragen) können gut aus Stoffresten anderer Stoffe zugeschnitten werden – ich finde das sogar sehr schön.
6. Werden viele Teile im Bruch zugeschnitten, zwei Brüche auf die Stoffbreite legen, also jeweils 1/4 zur Mitte hin falten.

Profis kennen noch folgende Tricks:
7. Belege stückeln
8. Kleine Teile schräg auflegen
9. Mit Schrägband säumen
10. In einfacher Stofflage zuschneiden

Und hier nun also mein Rock:
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Wie man sieht, habe ich die Teile jeweils oben-unten-gedreht aufgelegt, das spart viel Verschnitt. Der Stoff liegt doppelt, alle Teile sind laut Schnittangabe gedoppelt bzw im Bruch.
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Außerdem habe ich die Taschenbeutel und Saumbelege aus einen Rest Baumwollstoff zugeschnitten.
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Dadurch bin ich genau mit dem Stoff ausgekommen. Hier noch die Reste:
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Wenn ich demnächst mal ein Kleid mit knappem Stoff hab, zeige ich auch nochmal, wie man größere Teile platziert.

Stoffparadies in unscheinbarem Gewand

Ich habe jahrelang nur in Stoffgroßmärkten wie alfatex, auf dem Stoffmarkt und online Stoff gekauft. Kleine Stoffgeschäfte haben mich vielfach enttäuscht. Entweder sie führten vorrangig Gardinenstoffe in Oma-Farben und glänzten durch unfreundlichst mögliche Beratung (Beispiele in Essen, Köln und Witten fallen mir sofort ein, ich nenne mal keine Namen und sage nur vorsichtig „Gardinenhaus“) oder sie waren auf Kinderstoffe und Patchwork spezialisiert und alles in allem zu teuer und zu niedlich.
Doch nun habe ich tatsächlich ein Stoffgeschäft-Kleinod entdeckt, das ich seither sehr regelmäßig besuche: „Petras Stoffelchen“ (Achtung, die Website ist exakt so skurril wie der Name schon vermuten lässt) in Witten. Ein sagenhaftes Lädchen. Zwar ist auch dieses Geschäft auf Patchwork spezialisiert und führt mehrheitlich Markenstoffe und hat entsprechende Preise, aber es gibt eben auch eine ordentliche Auswahl an Bekleidungsstoffen und vor allem eine Riesenauswahl an Kurzwaren. Nach wie vor ist für den normalen Stoffkauf für mich zwar alfatex meine erste Anlaufstelle (vor allem aus Preis-Erwägungen), aber ich schaue oft für Kurzwaren, vor allem für Knöpfe hier vorbei und nehme dann auch immer mal kleinere Stücke Kinderstoff oder Reststücke für mich mit. Die Atmosphäre im Laden und die Beratung sind absolut wunderbar. Aber seht erstmal selbst:
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Das Geschäft besteht aus zwei winzigen Räumen, die wirklich bis unter die Decke vollgestopft sind mit Stoff. Nicht selten müssen die beiden Verkäuferinnen auf Höckerchen oder Leitern steigen, um das gesuchte zu organisieren. Am tollsten finde ich den riesigen Knopfschrank, der farblich sortiert eine sehr große Knopfauswahl beinhaltet, die man so in größeren Stoffgeschäften mit mehrheitlich massen-kompatibler Ware wohl nicht findet. Ich habe bisher immer passende Knöpfe gefunden und vor allem auch fachkundige Beratung bekommen. Auch das Garnsortiment ist riesig und es findet sich wirklich jede Farbschattierung, die man sich nur wünschen kann. Dabei ist der Preis für das Markengarn nicht außergewöhnlich hoch.
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Der vordere Raum birgt Bekleidungsstoffe. Hier liegt durchaus ein Schwerpunkt auf Kinderjerseys, allerdings in wirklich sehr schönen Motiven und hervorragender Qualität, aber es finden sich auch Uni-Jerseys in allen Farben des Regenbogens meist in 2-3 verschiedenen Qualitäten/Materialzusammensetzungen und auch wirklich schöne Bekleidungswebstoffe. Das Geschäft führt vor allem Markenstoffe von Polytex, Swafing und Westfalenstoffe sowie den bekannten amerikanischen Quiltstoff-Herstellern. Entsprechend liegen die Meterpreise zwischen 12 und 40 Euro, ein Unijersey wird vermutlich schon 15-17 Euro kosten. Preise, die ich für mich nicht leichtfertig auf den Tisch lege, aber für ein Geschenk zum Beispiel durchaus erwäge. Besonders erwähnen möchte ich die Bündchenware, die es hier in ca 30 Farben uni und gemustert gibt und die vor allem von wirklich exzellenter Qualität ist. Da will ich eigentlich nie wieder andere kaufen. Abgeschnitten wird ab 10cm, eine schöne Abwechslung zum üblichen „erst ab 30cm“ in größeren Geschäften.
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Auch im vorderen Raum, rund um den Zuschnitttisch, sind alle Kurzwaren untergebracht. Hier scheint mir, dass die Besitzerin wo immer möglich Alternativen zum Prym-Sortiment sucht, zumindest gibt es recht viel Nicht-Prym in den Fächern und Kisten. Die Preise liegen für die Kurzwaren und Knöpfe im vollkommen normalen Rahmen, oft sogar günstiger als im 0815-Stoffladen. Auch viel Quilting-Zubehör gibt es zu kaufen. Rüschen und Bänder gibt es auch in großer Zahl, vor allem Kinder-Motive, aber Schrägband ist in Satin und Baumwolle in ca. jeweils 15 Farben vorrätig, und wenn ich den Minimensch dabei hab, muss ich immer sehr aufpassen, dass er mir nicht irgendwelche abgefahrenen Webbänder aufschwatzt. Es gibt wohl auch einige Schnittmuster von deutschen Kinderschnittdesignerinnen, aber da mich das nicht wirklich interessiert, habe ich da noch nicht genauer drauf geguckt.
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Das hintere Zimmer ist komplett voller Patchworkstoffe. Obwohl ich ja nicht quilte und also hier noch nie etwas gekauft habe, finde ich das Zimmer wunderschön zum angucken. (und sehr schlecht zu fotografieren).
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Neben der Stoffauswahl und dem schönen Kramladen-Charakter haben es mir vor allem die beiden Ruhrpott-original-Verkäuferinnen angetan. Beiden merkt man an, dass sie gern und viel selbst nähen, so dass sie eine gute und engagierte Beratung machen dabei aber eben, regionstypisch, kein Blatt vor den Mund nehmen. Ich wurde im Geschäft schon mehrfach auf meine Kleidung angesprochen und nach den Schnitten gefragt. Mit schlampigem Verhalten, wie etwa „ach die Garnfarbe passt schon, ich such nicht weiter“ kommt man schonmal gleich nicht durch und wird direkt mal zur Akkuratesse gezwungen („nein nein, da finden wir noch was besseres. Schauen sie mal das. Oder das. Das passt viel besser“). Auch wer etwa plant eine Babydecke aus nur einem Stoff zu nähen, wird gern zurechtgewiesen, dass das ja wohl ein wenig zu unspektakulär wäre und zumindest mal ein paar Quadrate jawohl drin wären („kommen Sie, ist doch ein Geschenk, legen Sie sich mal was ins Zeug“). Am besten hat mir aber die Erklärung der einen Dame dazu, warum sie ihre Kleidung selbst näht, gefallen:

Da hab ich eine Indianermentalität: Was ich selbst machen kann, muss ich nicht tauschen.

Großartig, oder?

 
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Dieser Post gibt allein meine Meinung wider und wurde nicht gesponsort oder mit dem Geschäft abgestimmt.

Stoffschrankeinblicke

Seit einigen Wochen gibt es Kleidungsfotos vor neuer Kulisse. Nicht der graue Büroschrank sondern manchmal auch ein schöner alter Weichholzschrank. Dieser Schrank ist mit uns neu in diese Wohnung eingezogen nachdem er vorher lang bei meinen Eltern in meinem alten Zimmer stand. Zuvor war er der erste Kleiderschrank meiner Eltern und dann mein Kleiderschrank zuhause. Nun schmückt er (dank väterlicher Aufarbeitung im neuen Glanz) unser Wohnzimmer und beherbergt unsere Bettwäsche und Handtücher sowie *tusch* mein Stofflager.
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Ein kleiner Blick gefällig? Voilà:
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Zuoberst liegen links ‚erwachsene‘ Jerseys, daneben Unterwäschelycra, daneben Futterstoffe. Darunter folgen Kinderstoffe, 2 Stapel Jersey, ein Stapel Webstoff. Dann kommen Winterstoffe, sortiert nach Farben und darunter Sommerstoffe, ebenfalls farbsortiert. Zuunterst folgen Einlagen, Probe/Nesselstoffe, Leder und Dekostoffe.

Dieser Stoff war der Inhalt von 4 Umzugskisten, 1 weitere Kiste barg kleinere Reste, die aber noch groß genug sind als Taschenbeutel oder Innenbund verwandt zu werden. Diese bewahre ich in einem Regal am Nähtisch auf. Außerdem habe ich noch eine kleine Truhe mit Kleidung, die nochmal wieder verwertet werden kann. Insb. Hosen und T-Shirts.

Jetzt wo die Stoffe so sortiert sind, ist mein farbliches Beuteschema blau-petrol-grau noch viel augenfälliger. Ich glaube, ich werde mal vermehrt nach kaltem Rot, Beerentönen und lila Ausschau halten.

Stoffwechsel: Die große Abschlusspräsentation

Heute zeigen wir, endlich, was aus unseren Stoffen geworden ist und enthüllen, wer hinter den tollen Stoffen steckte. Ich freu mich schon wie verrückt.

Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber trotz recht großzügigen Zeitplans, bekannten Schnittes und früh eingetroffenen Stoffes wurde es bei mir ganz schön knapp. Fertig wurde mein Kleid Donnerstagabend, Freitagmorgen drehte es eine Runde im Kurzwaschgang und am Abend führte ich es, frisch von der Leine, zu einem Sommerfest aus, sah darin das wenig schöne aber doch packende Viertelfinale. Jubelte für Mats Hummels. Und schoss danach im schwindenden Abendlicht unseres Wohnzimmers noch schnell verknitterte Fotos.  Ziemliche Punktlandung also. Neben mangelnder Nähzeit, Ablenkung durch hoch brisante Fußballbegegnungen und dem Schmetterlingskleid, dass den Nähfluss blockierte, war daran sicher auch großer Respekt schuld. Die Tatsache, dass der Stoff eben einmalig und besonders ist, weil eine andere ihn sorgfältig ausgesucht hat, führte bei mir zu einer gewissen Anschnitthemmung, die ich sonst auch bei teuren Stoffen nicht hab und zu relativ akribischer Verarbeitung (also für meine Nähschlampenverhältnisse).
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Aber nun zum Kleid: Genäht habe ich eine weitere Variante von New Look 6069, einem Schnitt, den nicht nur ich sehr als Sommerkleid schätze, sondern z.B. auch Eben Julia, Frau Knopf und Melleni/talentfreischön. Der Schnitt war als Modell 33-35 im Meine Nähmode-Heft 2/2012 und ich nähte quasi direkt nach erscheinen schon zwei Varianten mit Punkten davon, die ich gern und viel trage. Gerade weil ich den Schnitt kenne und sehr mag, schon länger den Wunsch nach einer weiteren Variante verspürte, erschien er mir gut für das Stoffwechsel-Kleid geeignet. Ich wollte es nicht mit einem neuen Schnitt versauen und sichergehen, dass ich das fertige Kleid auch gern tragen würde. Ich bin eigentlich keine große Seriennäherin, zu neugierig bin ich, neues auszuprobieren. Aber manche Schnitte bewähren sich einfach. In meinem Fall neben NL 6069, der Rock Simplicity 2451, das Kleid Simplicity 7275, die beiden Knip-JerseyJurks aus 3/2012 und 12/2011 und der Kniprock aus der 1/2013.
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Nun ist es ja schon 2 Jahre her, dass ich den Schnitt zuletzt nähte. Ich hatte damals ein FBA am Oberteil vorgenommen und mir leider nur recht kryptische Notizen auf der Klarsichthülle gemacht, was ich sonst noch geändert hatte. Ich glaubte also, ich hätte Routine mit dem Schnitt, in Wirklichkeit musste ich aber einiges doch nochmal an Hand der vorhandenen Kleider, der Blogbeiträge und der kryptischen Notizen rekonstruieren. Dabei unterlief mir ein Fehler, aber dazu später  mehr.
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Es war eine Wonne, den schönen Baumwollstoff zuzuschneiden und zu vernähen, nach dem Krampf mit den Schmetterlingen. Er verrutschte nicht, behielt brav alle Markierungen und löste sich nicht beim anschauen direkt auf. Traumhaft. Ich hatte außerdem dicke genug, um den Rock etwas weiter auszustellen und eine Handbreit zu verlängern und habe noch ein Stück über, aus dem ich mit etwas Zuschnitttetris vielleicht noch eine kurzärmelige Bluse gequetscht bekomme. Vor dem Zuschnitt habe ich die Oberteil-Teile mit meinem Grundschnitt abgeglichen, für hinten habe ich daraufhin einfach direkt das Grundschnitt-Teil zugeschnitten und am vorderen die Armlöcher angepasst und die Brust-Taillendiskrepanz etwas erhöht. Aus meinem Notizen schloss ich, dass ich das vordere Oberteil um weitere 2cm verlängern sollte und schnitt dies entsprechend zu (ihr ahnt es schon, oder?).
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Das nähen ging in der Tat sehr flüssig, da zeigte sich dann doch die Routine. Einzig die Hinzunahme von Paspeln verkomplizierte es etwas. Und natürlich meine sonst ungekannte Akribie im Umgang mit Markierungen. Bei der ersten Anprobe des Oberteils wurde dann aber schnell klar, dass ich das Schnittteil wohl bereits verlängert hatte und somit nun 2cm zu viel unter der Brust herumbeulten. Schön. Also Naht mitsamt Paspel wieder getrennt, Oberteil gekürzt, neu genäht. Ich hatte mir außerdem überlegt, mal den etwas längeren Ärmel zu nehmen, denn mit den kleinen Ärmelchen meines roten Kleides war ich nie recht glücklich. Aber herrjeminee. Wie unglaublich schlimm sahen diese Puffärmel aus. Sehr seltsam unproportional und fürchterlich altbacken. Also Ärmel wieder raus und andere zugeschnitten – die vom Schmetterlingskleid, die sind nämlich super. (Obwohl ich unbedingt auch mal Tulpenärmel wie Lotti ausprobieren möchte). Neben diesen unnötigen Umwegen vermurkste ich auch noch den Reißverschluss, ist mir ewig nicht passiert, aber gut. Schlussendlich ist das Kleid fertig und gefällt mir überragend gut. Ich bin sicher, es wird viel getragen. (und ich nähe ihm auch noch Knöpfe auf und ein Label ein – das hab ich nämlich im Eifer des Gefechts vergessen. ) Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich die Länge mag. Meine anderes beiden NL6069 enden, so wie der Schnitt vorsieht, knapp über dem Knie. Das fand ich immer etwas kurz. Nun finde ich dieses aber vielleicht doch zu lang. Was meint ihr?
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Und hier nun erstmal ein riesiges Danke an meine Stoffaussucherin Frau Crafteln. Ich habe mich sehr über den Stoff gefreut, er passt toll zu mir und dein Brief war richtig super! Danke auch für deine Umsicht Paspeln, Knöpfe, Spitze und Reißverschluss gleich dazu zu packen, dadurch ist das Kleid nun wirklich toll geworden! Ich wusste, dass das Paket von ihr ist, obwohl ich extra meinen Mann den Zettel habe ziehen und sie benachrichtigen lassen. Ich erkannte Schrift und Adresse auf dem Paket noch bevor ich den Inhalt in Augenschein genommen hatte. Ich bin da etwas spleenig mit Schriften und Frau Crafteln zeigte ja Notizen vom Konstruktionsunterricht in ihrem Blog- daher. Hat jemand auf sie als Absenderin getippt?

Zeit auch, die ganze Aktion noch einmal Revue passieren zu lassen. Kinder, hat das ein Spaß gemacht. Zwar war es etwas aufwändig, das ganze zu organisieren, aber das war es 20890183126398 Mal wert. Es ist so schön zu sehen, wie viel Spannung und Spaß für alle darin steckte den Stoff auszusuchen, mitzuraten wer wen bewichtelt hatte und den empfangenen Stoff zu etwas besonderem werden zu lassen. Ich finde es sehr schön zu sehen, wieviel Gedanken und Sorgfalt in die Stoffwahl gesteckt wurde, wie toll alle Stoffe zu ihren Empfängerinnen passten, wie genau auch auf individuelle Belange und Wünsche eingegangen wurde, wie mitgefiebert, beraten und Anteil genommen wurde. Einfach großartig diese Nähnerdcommunity, toll dass ich da dazu gehöre! Ich hoffe, es hat euch anderen auch nur in etwa genauso viel Spaß gemacht, wie mir, und ihr seid nicht auf die letzten Meter im Stress versunken!

Und nun: Bühne frei! Defiliert mit euren neuen Kleidern hierhin und verratet uns auch, auf wen ihr als Absenderin eures Stoffes tippt. Möge das Bewundern und wilde Rumraten beginnen! Und bitte vergesst nicht, euch eurer Empfängerin im Kommentar zu erkennen zu geben – wir sind doch nun alle gespannt wie die Flitzebogen, oder etwa nicht?

Das Linkup ist eine Woche geöffnet. Bitte stresst euch nicht mit der Fertigstellung, zeigt zur Not auch unfertiges, Hauptsache, wir sehen oder erahnen, was aus unseren Stoffen wurde!

Stoffwechsel: Mein Stoff

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Dieses schöne Päckchen kam bei mir schon etwa zur Halbzeit an. Ich wusste beim ersten Blick auf das Etikett, von wem es kommt, denn ich erkannte die Handschrift. Ich bin irgendwie gut im Erkennen von Schriften und habe das beim Klausuren korrigieren schon fast zu einem kleinen Spleen kultiviert. So sah ich das Paket und wusste … ist meine Stoffsucherin. Das stört mich übrigens gar nicht, denn so habe ich die Absenderin bei der Stoffsuche gleich vor Augen, das hat was.

Der Inhalt des Paketes und des langen Briefes, den ich noch dazu erhielt, hat mich sehr glücklich gemacht.
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Ein wunderschöner Stoff. Diese kleinen Herzen, die man erst auf den zweiten Blick erkennt sind total toll.

Meine Stoffsucherin hat sich viele Gedanken um die Farbwahl gemacht. Sie hat zuerst nach petrol gesucht. Aber lila trage ich ja auch viel und gern, da lag sie schon ganz richtig. Ich habe selbst noch nie einen schwarzgrundigen Stoff gekauft, obwohl mir schwarz hervorragend steht und ich viel schwarz trage. Warum, weiß ich gar nicht genau. Vielleicht habe ich immer gedacht „zu dunkel“ oder bisher einfach wenige schwarzgrundige Stoffe gesehen, die trotzdem ein adäquat frisches Muster hatten? Dieser Stoff ist jedenfalls nicht zu streng und ich bin sehr gespannt, wie ich mich in einem schwarzen Sommerkleid fühlen werden. Kombinationssachen wie lila Schuhe, einen lila Gürtel hätte ich auf jeden Fall.

Und was kam dann noch zum Vorschein:
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Alles was das Kurzwaren-Herz zu diesem Stoff begehrt. Als Extra, für meinen Aufwand bei dieser Aktion. Wie toll ist das denn bitte? Ich wäre selbst bestimmt nicht so umsichtig gewesen, mich so komplett einzudecken, hätte ich den Stoff selbst gekauft. Nein ich hätte irgendwann mangels Paspel oder Reißverschluss ein halb fertiges Kleid liegen gehabt. Und jetzt kann ich so richtig aus dem Vollen schöpfen. Sehr großes Hachz hier! Große #nähnerd-Romantik das alles! Ein bisschen wie Herzblatt, nur viel besser!
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Was soll nun daraus werden? Ich hatte ja selbst deklariert, mich vielleicht ganz evtl. mal an Oberteilen versuchen und ansonsten einen Onion 3033 nähen zu wollen. Nun, tja, öhöm. Ich fürchte, das wird nix. Für Onion 3033 und eine passende Bluse habe ich mir, rein zufällig und praktisch unfreiwillig, schon Stoff gekauft, als ich auf der Suche nach Stoff für meine Stoffempfängerin bei alfatex auf der Suche war (und fündig wurde). Und ich finde den Stoff auch einfach so schön, dass ich ihn in ein tolles Kleid verwandeln muss. Es geht nicht anders. Und es ist zum Glück auf genug davon da, da war meine Stoffsucherin nämlich sehr sehr großzügig. Sie hatte nämlich auch ein Kleid im Kopf. Ein Hemdblusenkleid wünscht sie sich. Ich bin noch nicht ganz sicher. Vielleicht finde ich die Kombi aus Hemdblusenkleid und dem lieblichen Muster zu bieder. Ich denke derzeit in Richtung eine Vogue 8787. Da bin ich aber noch in der Testphase, und nur wenn mir das sehr sehr gut steht, darf dieser Stoff auch eins werden. Der Schnitt frisst allerdings eine raue Menge Stoff, das muss ich erst noch mal nachmessen und überlegen. Sonst werde ich auf meinen Alltime-Favorite New Look 6069 zurückgreifen. Keine Experimente mit dem Schätzken!

Ihr seht: Ich bin schwer verliebt und freue mich, den Stoff zu verarbeiten. Nun muss ich nur noch die Zeit finden. Danke liebe #nähnerd-Freundin!

Stoffwechsel: Zeigt her eure Stoffe

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Ich habe schon vor über einer Woche mein sehnsüchtig erwartetes Stoffpäckchen bekommen, was war das für ein tolles gespanntes Gefühl. Da kommt einfach eines Tages ein Päckchen, das man nicht erwartet und drin ist ein wunderschöner Stoff. Dazu bekam ich auch noch einen langen Brief. Wie Geburtstag oder sogar besser. Einige mussten bis zum letzten Tag warten, andere bekamen schon früh Post. So weit ich das verfolgen konnte, sind nun alle Stoffe eingetroffen oder zumindest unterwegs (wer noch keinen hat, bitte melden! Ich höre dann nach!) und so eröffne ich heute die Stoffparade.

Heute geht es darum, den erhaltenen Stoff zu zeigen und Pläne zu schmieden, was daraus werden soll. Hatte eure Aussucherin auch schon Ideen? Habt ihr schon ein Kleidungsstück vor Augen? Hättet ihr den Stoff selbst ausgesucht oder ist er vielleicht sogar ein wenig ungewohnt? Müsst ihr noch mit ihm warm werden oder war es Liebe auf den ersten Blick. Und habt ihr eine Ahnung, von wem er kommt? Nicht verraten, wer es ist natürlich, wir anderen wollen ja auch noch raten.

Ich habe den Eindruck, es werden doch auch einige Kleider und keineswegs nur Röcke und Oberteile dabei heraus kommen, obwohl erst alle nach einem kleineren Risiko und einer begrenzten Stoffmenge verlangten. Aber wenn wir uns da ja alle einig sind, ist das doch auch schön…

Nun zeigt mal her, was ihr bekommen habt. Ich platze schon vor Neugier! Meinen eigenen Stoff stelle ich wieder in einem getrennten Post vor.

Das Linktool ist eine ganze Woche geöffnet, damit auch die, die erst gestern ihren Stoff bekommen haben, noch sinnieren können, was es werden soll.

Nicht wundern: Der Link führt auf eine externe Seite, da wordpress.com – aus guten Gründen – keine eingebetteten Skripte zulässt.

Stoffwichteln – Wer hat Lust?

Seit dem Bloggerinnentreffen in Bielefeld lässt mich eine Idee nicht mehr los: ein nähnerdiges Stoffwichteln.

Inzwischen sind ja die nähnerds sehr gut vernetzt und es geschieht gar nicht so selten, dass Stoffpakete quer durch die Republik reisen und eine Bloggerin für eine andere einkaufen geht. Am Tisch in Bielefeld kamen wir über verworrene Gesprächswege auf Nähchallenges, thematisch vorgegebenes Nähen, Kettentauschpakete für Bastelutensilien und swaps zu sprechen und sponnen daraus die Idee eines Stoffwichtelns, also dass eine Bloggerin für eine andere einen Stoff aussucht, den diese dann verarbeitet. Das ganze hat mich nicht mehr losgelassen und ich habe die vergangene Woche darüber nachgegrübelt, wie sich das realisieren ließe. Denn fest steht: ich fände es enorm spannend zu sehen, was jemand, der mich mit hoher Wahrscheinlichkeit nur vom Blog kennt für mich aussuchen würde und wie mich dann ein solcher Stoff inspirieren könnte und langsam in meinem Kopf zu einem Kleidungsstück würde. Genauso spannend stelle ich mir vor, einen Stoff auszusuchen, mich in die andere Bloggerin hineinzuversetzen und zu versuchen, möglichst ihren Geschmack zu treffen.

Es gibt ja viele Tauschaktionen in der Blogosphäre, wie etwa Adventskalenderwichteln, Postkartenaktionen, „Post aus meiner Küche“ und natürlich auch die bei Quilterinnen beliebten Bees. Aus Amerika kenne ich auch z.B. das Tauschen von selbst gedruckten Stoffen. Und, noch viel krasser als was ich hier vorschlage: Die sew bossy initiative, bei der nicht nur ein Stoff sondern auch noch Schnitt und Zubehör vorgegeben werden.  Da müsste doch auch ein Stoffwichteln machbar sein, oder?

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Stoffproben in einem Handelskontor in Genf

Meine Idee sieht etwa wie folgt aus: Ich würde das ganze auf Kleidungsstoffe begrenzen wollen und auch Stoffe mit sehr spezieller Verwendung, wie Mantelstoffe, Walk oder Brautsatin ausschließen. Schließlich soll aus dem Stoff zeitnah ein Kleidungsstück entstehen können, das die Stoffempfängerin auch gern trägt.

Es gäbe zunächst eine Anmelderunde, bei der jede, die mitmachen möchte eine Art Nähsteckbrief ausfüllt, in dem sie angibt, was sie prinzipiell gern näht und verarbeitet, welche Materialien sie kategorisch ausschließen würde. Das ist vor allem wichtig, damit auch Teilnehmerinnen mitmachen können, die nicht seit 5 Jahren Kleidung verbloggen und deren Stil daher vielleicht nicht ganz so evident ist. Ich würde dennoch eine Mindestanzahl an verbloggten Kleidungsstücken fordern, vielleicht 10? Dieser Steckbrief würde dann verlinkt und wäre die verbindliche Anmeldung.

Ich würde dann, unter Aufbringung sämtlichen Zufalls dessen ich fähig bin, die Bloggerinnen matchen und jeder Teilnehmerin ihre Stoffempfängerin mitteilen. Natürlich nicht umgekehrt, denn wir wollen ja nicht Bestellungen aufgeben, sondern uns überraschen lassen, oder? Daher sollten die Spielregeln beinhalten, dass man sich seiner Stoffempfängerin erst mit Versand des Stoffpakets zu erkennen geben darf. Sollte es irgendwelche Rückfragen zum Steckbrief geben, würde ich die als Mittlerin weitergeben.

Dann müssen natürlich noch die Rahmenbedingungen abgeklärt sein. Also, es sollte Kleidungsstoff sein und die Menge sollte auch ausreichend sein, um daraus ein Kleidungsstück zu nähen. Ich würde aber keine feste Menge vorgeben, da ja der Stil der Empfängerin sehr den Stoffverbrauch beeinflusst. Es macht keinen Sinn, jemandem, die nur Tellerröcke trägt, ein 80cm-Stück zu schicken. Umgekehrt mag jemand, die gern kleine schmale Kleider trägt von 5m Stoff auch etwas überfordert sein. Stattdessen halte ich eine Budgetobergrenze für sinnvoll. Das finanzielle Risiko sollte überschaubar bleiben. Wer dann denkt er möchte 3m verschicken, der muss vielleicht zu einem günstigeren Stoff greifen.  Umgekehrt kann man aber vielleicht auch jemandem mit nur einem Meter eines etwas edleren Stoffes eine Riesenfreude machen. Ich hab zunächst gedacht, wir könnten uns einigen, dass wir mindestens 1m maximal 3m verschicken und dass die Gesamtkosten 25 Euro nicht übersteigen dürfen. Aber vielleicht habt ihr andere Vorschläge. Wenn aber eine einen perfekten Stoff auf dem Flohmarkt für 2 Euro ergattert, fände ich das auch ok, es geht ja nicht nur um den pekuniären Wert des Stoffes sondern um den Wert für die Empfängerin, das wäre zumindest meine Meinung. Also, was sagt ihr zu diesem Punkt? Bitte diskutiert lebhaft!

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Antike Stoffproben in einem Handelskontor in Genf

Es bräuchte außerdem einen Zeitrahmen. Vielleicht 1 Monat für das Besorgen des Stoffes? Oder ist das zu lang? Und danach 1 Monat um daraus ein Kleidungsstück zu fertigen? Oder länger?

Ich würde sagen, nach einem Monat sollten die Stoffe bei der Empfängerin sein, diese sollte dann ihren Stoff und ihre Ideen dazu posten. Vielleicht ergeben sich dann noch spontane Nachtausche, wie beim schrottwichteln?

Und dann würden wir uns noch ein drittes Mal verabreden, um zu zeigen, was aus unserem Stoff geworden ist.

So jetzt ihr! Brainstormt mit mir, sagt was euch zusagt und was nicht? Hättet ihr Interesse? Ich binde eine Umfrage ein, um erstmal abschätzen zu können, mit wievielen Teilnehmerinnen zu rechnen wäre, ihr könnt mehrere Antworten anklicken. Was ihr da eingebt ist erstmal noch völlig unverbindlich! Bitte erläutert in den Kommentaren, was ihr denkt, was ihr anders haben wollen würdet.

Stoffe, Stoffe, Stoffe, Pläne, Pläne, Pläne

Wie schon bei den Wochenblicken erzählt,? hatte ich am Freitag Baby-frei und war in der Zeit unter anderem ausgiebigst bei Alfatex, wo reichlich Stoffe reduziert waren. Das war auch gut so, denn ich hatte mir vorher fest vorgenommen, große Stücke zu kaufen. Also nicht nur groß im Sinne von größer als 1m, was sonst meine Definition von groß ist, sondern so richtig GROSS, so 4m. Der helle Wahnsinn.

Und nach mehr als einstündiger intensiver Entscheidungsfindung, inkl. (virtueller) Beratung durch die #nähnerds auf Twitter und das fachkundige Personal vor Ort, bin ich mit dieser Beute nach Hause gegangen:
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Insgesamt 19 Meter Stoff. Wow!

Von oben nach unten:

1,5 m Viscosejersey in Petrol. Daraus soll ein Shirt nach dem kostenlosen Schnitt von Deer&Doe werden. Nicht dass ich keinen einfarbigen Jersey im Lager hätte. Aber er ist so schön weich, und so schön petrol. Und 6,90€ – der musste mit.

Darunter 2mal Futter aus Acetat. Einmal eisblau mit Webpunkten, einmal rot. Je 2,5 m.
Dann folgt darunter:
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2m Viscosegabardine in schönstem Lila, superweich und hübsch. Wird ein Kleid, welches weiß ich noch nicht. Kostete 3,90 €/m

Gefolgt von:
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2,5m Baumwoll-Rips mit Elasthan in Nachtblau. Der gehört zum eisblauen Punktefutter und gemeinsam sollen sie ein Jackett werden. Das Probeprobejackett quasi. Sollte es gut werden würde es zu einer Reihe Kleidern und Röcken passen, die ich bereits besitze und damit ein gutes Fürjedentagjackett sein. Wenn nicht is auch nicht schlimm, denn auch dieser Stoff kostete nur 3,90€/m. Das Futter war somit teurer als der Oberstoff, es kostete 6€/m.

Jetzt kommt das erste wirklich große Stück:
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4m Stretchflanell aus Baumwolle/Wolle/Elasthan (so stand es drauf, eine unpräzise Angabe gemessen an Alfatexstandard) in anthrazit mit hellgrauem und (kaum sichtbarem und auf dem Foto vollkommen verschwundenem) bordeauxrot-metallischem sehr dezentem Karo. Dazu rotes Futter, muss jawohl. Das wird das Probekostüm. Denn. 3,90€/m für diesen wirklich schicken hochwertigen Stoff.

So, und jetzt das Schätzchen des Einkaufs:
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4m Gabardine aus 100% Wolle in hellem aubergine. Um diesen Stoff schlich ich schon bei meinem letzten Einkauf herum, da war er auf 10 Euro reduziert und ich erwog ein 2m-Stück für ein Kleid zu kaufen. Jetzt kostete er nur noch 6,90€ . Da konnte ich ihn UNMÖGLICH dort zurücklassen. Das geht doch nicht. Er wäre enttäuscht gewesen, hatte ich ihn doch bereits zum 2. Mal zum ‚Auswahlstapel‘ gelegt. Man kennt das vom Schulsport, wer immer als letzter noch da steht kriegt irgendwann einen Knacks. Das kann ich nicht verantworten. Und weil ich mich brav durchgerungen und auch davon ein Riesenstück gekauft habe, gabs zur Belohnung reizende und haargenau passende Knöpfe. Träumchen.

19 Meter Stoff also. Ich muss das Lager umsortieren. Aber im Bereich Winterstoffe gab es tatsächlich nur noch 3 Stücke von ansehnlicher Größe in meinem Regal. Ich bin also mit mir im Reinen.

Wer übrigens mal in die Verlegenheit kommt Alfatex Bochum einen Besuch abzustatten, der möge mir 1. Bescheid geben und 2. Empfehle ich folgende Strategie: Zuerst einmal nur gucken, was es gibt. Insbesondere auf den Rabatttischen aber auch im Futterregal und bei den Wollstoffen. Auch hier im Regal finden sich oft noch Schnäppchen. Die Wühltische sind meist nach Preis (3,90, 5,90, 6,90, 10 €) und grob nach Farbe, aber nur sehr rudimentär nach Material sortiert. Meine Baumwollstoffe kuschelten z.B. mit einigen Ballen eines ekeligen Materials aus 100% Poly namens Sport-Jersey. Immer gibt es unglaublich viel Schund, Schlimme schlimme Muster auf schlimmen Polymateralien. Aber mitten dazwischen hervorragende Wollkammgarne, Leinen, hochwertige Viscosestoffe und Baumwollstretch. Die Preisspanne reicht von 1,99 bis 25 Euro per Meter und es gibt wirklich auch Stoffe, die mit 25 Euro günstig sind. Gerade im Bereich Wolle/Seide ist Alfatex gut sortiert und liegt preislich günstig. Man sollte Zeit haben, genau hinzugucken. Dann fang ich an, mir einen Stapel auf dem Schneidetisch zu bauen. Ich setze mir vorher ein Budget und entscheide dann unter den Stoffen meines Stapels, welche ich nehme, bis mein Budget ausgeschöpft ist. Ich könnte immer viel mehr mitnehmen, aber habe mich auch schon oft hinreißen lassen, Stoffe von minderer Qualität mit dazu zu nehmen. Und es immer bereut.

Stoffrausch

Am vergangenen Samstag war ich seit längerem mal wieder bei Alfatex. Ich habe einige neue Schnitte mit für mich großem Stoffverbrauch und wollte daher nach geeigneten Winterstoffen gucken, außerdem hatte eine Sichtung meiner Futtervorräte ergeben, dass nicht mehr viel Futter da war. Und naja, ich hatte im Gefühl, es würde sich lohnen.

Es ist bei Alfatex immer ein wenig Glückssache, was man findet. Und eine Frage von Geduld und etwas Erfahrung. Es gibt einige Sa
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chen, die man immer finden kann. Dazu gehören hochqualitative Wollstoffe zu sehr bezahlbaren Preisen und auch gutes Futter. Und es gibt sehr oft Angebote. Das nimmt dann schnell wühltischhaften Charakter an und man muss sehr genau gucken um die Spreu vom Weizen zu trennen. Da liegen dann gern mal feine Wollstoffe neben 100% Poly mit Pailletten. Das kann eine im ersten Moment ziemlich flashen. Hinzu kommt, dass Alfatex Bochum auch nicht unbedingt in bester Lage ist, er teilt sich den Parkplatz mit einem Netto, einer Zoohandlung, einem Kik und einer Disko, die für Schlägereien bekannt ist. Exquisite Stoffschätze würde man dort kaum vermuten. Dennoch weiß ich von Leuten, die auch schon in andere. Alfatex-Filialen waren, dass die Auswahl und Qualität in Bochum eher besser sind als anderswo. Was nicht gut funktioniert ist, mit einem sehr konkreten Wunsch hinzugehen, sowas wie „Ich will einen Viskosestoff mit Hahnentrittmuster in lila“. Selbst Sachen, die man für Standard halten würde wie „roter Baumwolljersey“, „blaue Bündchenware“ oder „Vichykaro in pink“ sind keineswegs immer verfügbar. Dafür findet man, wenn man ergebnisoffen sucht oft wahre Schätze zu sehr gutem Preis. Meine Strategie ist immer, mir vorher grob Stoffqualität und Farbspektrum zu überlegen und mir eine Grenze zu setzen, was ich maximal ausgeben will insgesamt. Das mach ich meist, indem ich nicht mehr Geld mitnehme. Dann drehe ich erst eine Sichtungsrunde durch die Angebotswühltische, merke mir hier und da was, gehe dann beim Futter und bei den Wollstoffen vorbei und nehme dann von den Angeboten, was ins Budet passt. Ich kaufe eigentlich nur runtergesetztes und meine Schmerzgrenze liegt bei 10 Euro/m, oft bleib ich weit darunter.

Am Samstag unverhofft der Jackpot: 20% auf alle Waren. Huiuiui. Da musste ich sehr an mich halten und habe mehr ausgegeben, als sonst. Dafür bin ich aber auch mit 8m Stoff und12m Futter nach Hause gegangen.

Zunächst ein kleiner Einblick in sehr typische Alfatex-Stoffe:
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Wollkammgarn in grau, blau, schwarz und braun findet sich immer in breiter Vielfalt. Da könnte man sich für viele Kostüme eindecken. Die Preise sind etwa das normale Alfatex-Spektrum. Die 20% gingen davon noch runter.

Auch bei den Angeboten viel Wolle und Wollgemisch. Ich hätte mindestens 6 oder 7 Kandidaten zum mitnehmen gehabt.

Gewonnen haben diese beiden.
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Der obere ist Wollkammgarn mit feinem blauen nicht fotografierbarem Muster, sehr weich und leicht. Er wird ein Kleid, aber ich weiß noch nicht was für eins. Ich wollte eigentlich keinen blauen Stoff mehr kaufen, aber für 6,90 plus Rabatt brach mein guter Vorsatz zusammen.

Der untere war sehr genau, was mir schon länger im Kopf rumspukte. Petrol. Hach. Und Karo. Hach. 70% Wolle, etwas Poly, etwas Viskose, etwas Elasthan. Auch 6,90 und ein heißer Anwärter fürs Weihnachtskleid. Ich habe die für mich schon fast obszön riesige Menge von 3,5m gekauft, das hab ich wohl erst einmal zuvor getan.
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Außerdem ein Woll-Mohair-Strick in staublila, für eine Jacke, Schnitt noch unklar.
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Und dann viel Futter, denn da waren meine Vorräte sehr dezimiert und Futter muss man im Vorrat haben, find ich. Bei Acetat gibt es immer viel Auswahl, auch oft gemusterten, wie der obere. Ist der nicht toll? Ansonsten graublau, blau und seegrün.

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl, allerdings platzt mein Stoffschrank und ich werde wohl mal ausmisten müssen, fürchte ich.