Auf den Nadeln: März

Seit zwei Sonntagen taucht in den Sonntagssachen nach gefühlt einem halben Jahr ein neues Strickstück auf. Gestrickt in angenehm dicker Nadelstärke 5 aus Resten: 

Es wird eine Babydecke. Für einen Zuwachs in der Minigeneration im Hause 700Sachen. Sie wächst schnell und wird wohl schon lange vor dem Mini-Minimensch fertig sein. 

Stand vor zwei Wochen

Ich stricke nach dem popelig einfachen kostenlosen Strickmuster Garter Stitch Baby  Blanket. Im Gegensatz zur ersten Schwangerschaft ist es mir diesmal ein Bedürfnis schon früh etwas für das Baby zu machen, um es greifbarer zu machen. Also habe gleich nach Ablauf der ersten risikoreichen zwölf Wochen Wolle zusammengesucht und angefangen.  Da ich aber meine Schnecken-Eigenschaften im Bezug auf das stricken kenne, musste es auf jeden Fall schnell und mit dicken Nadeln zu stricken sein.

Ich stricke aus Resten die irgendwo im Bereiche Worsted Weight (NS 3-4) liegen mit doppeltem Faden und Nadelstärke 5. Das Garn der Hauptfarbe (türkis) habe ich vor ca 10 Jahren von meiner Oma bekommen und sie hatte es sicher 10 Jahre oder länger im Schrank liegen. Leider haben alle Knäule etwas Fraß von der langen z.t. inadäquaten Lagerung und ich muss immer erstmal einige Meter vom Knäuel abwickeln. Da ich aber immer noch 9 Knäule von den ursprünglich 18 hab, reicht das locker. Das weiße Garn habe ich mir kurz nach dem Abi gekauft, mit einem weißen leichten Sommerpulli mit Lochmuster  im Sinn – das überstieg aber meine Fähigkeiten und auch den Glamour meines Lebens etwas und so lagert diese Wolle nun auch bereits 15 Jahre. Der Rest stammt von verschiedenen Projekten der letzten Jahre. Es ist schön gedankenlos an einem so einfachen Projekt zu stricken, das schnell wächst und dabei lang gelagerte Wolle mit Geschichte endlich einer sinnvollen Bestimmung zuführt. Das beruhigt und entspannt mich. Und zu komplexerem bin ich im Moment eh nicht in der Lage. 

Stand heute

Sonntagssachen 6/2017

Nach Geburtstagsfeier und spät ins Bett am Vortag, den Morgen verbummelt mit stricken (in angenehmer Nadelstärke 5,5), Puzzle machen und Bücher vorlesen. Blumen auf dem Frühstückstisch. Team Rettungsgasse gewesen, andere eher nicht so. Den Winter vom Jahreszeitentisch verjagt. Asiatisch gekocht. Nägel lackiert. Gelesen.

Sonntagssachen 5/2017

Als das Kind mich weckt erfreut festgestellt, dass es 1. nicht halb sechs ist und 2. das Kind bislang in seinem eigenen Bett geschlafen hatte. Einen Eisbär gebastelt. Gefrühstückt. Brot gebacken. Beim Spaziergang festgestellt, dass in unserer Gegend ein sehr eifriges Mitglied der Sozialistischen Arbeiter-Jugend wohnt. Vor-Karnevals-inspirierter Sonntagskaffee. Das nicht endende Stricktuch. Vorlesen. Restwollknäule für ein neues Projekt rausgesucht. Krallen an das Protoceratops-Kostüm genäht. 

Sonntagssachen 4/2017

Frühstück. Koffer packen. Reiseproviant bewachen. Schokokekse backen. Nähpläne schmieden. Zuschnitt. Köstlicher Kichererbseneintopf. Nähen für die Seele und gegen die Sorgen um die Welt. 

Brot backen

Schon ewig wollte ich hier mal wieder berichten, wie ich derzeit unser Brot backe. Selbstgebackenes Brot gibt es hier ja schon seit ca 3 Jahren, seit ich nämlich das Topfbrot entdeckte. Tatsächlich ist Topf-Brot eine ziemlich sichere Bank und vor allem sehr bequem. Nicht kneten, einfach warten, fertig. Ich buk nach diesem Rezept, abgewandelt in Vollkorn und ohne Essig, einige Jahre recht okay unser Brot. Aber oft gab es dann doch gekauftes. Weil die Zeit nicht reichte oder auch, weil der immer gleiche Geschmack dann doch langweilig wird. Außerdem wird normales Hefebrot recht schnell trocken und so richtig gut schmeckt es dann doch nur frisch.

Es begab sich allerdings, dass mich irgendwann – angefixt von der Drehumdiebolzeningenieurin – der Ehrgeiz befiel auch Brötchen selbst zu backen. Nicht so sehr weil wir keine leckeren Brötchen in Laufweite bekämen, mehr so aus Prinzip. Ich wollte das einfach gern können. Mit dem Rezept von Drehumdiebolzens ging es bei mir nicht zufriedenstellend, andere Temperatur in der Küche, keine Gärstufe, Dinkelmehl, who knows. Die Brötchen wurden platt. Als nächstes probierte ich das Rezept von Herrn Grün. Effekt der selbe: Plattbrötchen. Ich vermutete, es läge evtl. am Dinkel (da Weizenallergiker im Haus, hier das Standard-Mehl) googelte mich so durch das Internet auf der Suche nach Über-Nacht-Brötchen und stieß auf die Dinkelbrötchen vom Blog Hefe und mehr. Und die gelangen auf Anhieb gut. In der nächsten Woche probierte ich die Kieler Semmeln. Ein voller Erfolg. Wir waren richtig gehend begeistert und seitdem werden hier oft Brötchen auf der Basis dieses Rezeptes gebacken.


Und damit war ich dann drin im Kaninchenloch. Schnell buk ich auch die ersten ihrer Hefebrote nach und war begeistert. „Schmeckt wie gekauft“ sagte der Mann anerkennend. Und tatsächlich, richtig knusprige, lockere Brote. Und das obwohl ich stets einen Teil des Mehls durch Vollkornmehl ersetzte. Den Anfang machte, glaub ich, das Buttermilch-Brot. Und so nach und nach probierte ich mich durch viele der Hefebrote in dem Blog und fast jedes gelang sehr gut. Was ich an dem Blog sehr schätze, ist dass es erklärt _warum_ welche Zutat ins Brot kommt, was die Eigenschaften beeinflusst. So fällt es auch leicht, Variationen auszuprobieren und abschätzen zu können, ob diese gelingen könnten.

Schnell entwickelte ich also erneute Lust, es mal mit Sauerteig zu probieren und bekam von meiner Mutter einen Sauerteig, den ich nun gemäß der Anleitung regelmäßig füttere. Auch süßen Starter habe ich inzwischen gemacht. Ich nehme inzwischen schon auch Abkürzungen, setze nicht alles exakt so um wie im Blog, aber finde die Vielfalt und Präzision der Rezepte nach wie vor sehr bereichernd. Inzwischen habe ich mir Gärkörbchen angeschafft, was nochmal eine deutliche Verbesserung der Brote gebracht hat und auch Backmalz ist hier eingezogen. Zuletzt kam zum letzten Geburtstag noch ein Backstein dazu. Und so wird nun doch tatsächlich schon wieder seit fast einem Jahr so gut wie jedes Brot selbst gebacken, und dabei aber nicht immer das selbe. Das ist sehr schön.

Ich backe meistens Sauerteigbrot auf Basis von Roggensauerteig. Aber es passiert natürlich, dass das Brot alle ist und dann muss es schneller gehen, dann greife ich gern auf die Nur-mit-Hefe-Kategorie zurück. Bisher habe ich in der Regel Brote gebacken, die ohne Form gebacken werden. Brote aus der Kastenform erinnern den Mann und mich beide an die selbst-gebackenen Vollkornbrote aus unserer Kindheit und wir freuen uns dann doch irgendwie zu sehr, dass mir nun gelingt, Vollkornbrote mit knuspriger Kruste zu backen.

Die persönlichen Top 5 aus dem Blog Hefe und mehr sind:

Der Buttermilch-Laib

Das Märchenkönig-Brot

Das Bier-Saaten-Brot

Der westfälische Bauernstuten (ein Gedicht!!)

Kekkis Alltagsbrot

Aber es gibt noch genug Techniken und Zutaten, die ich noch nicht probiert habe…

 

Me made Mittwoch: Der Gertie-Blazer

Am vergangenen Wochenende war ich wieder auf der anNÄHerung, dem welttollsten Nähtreffen, in Bielefeld. Und weil das ja letztes Jahr ganz gut geklappt hat, wollte ich dieses Jahr auch wieder einen Blazer nähen. Den schon vielfach genähten Blazer aus dem ersten Buch von Gertie Hirsch. Brav hatte ich ein Probeteil gemacht und die Brustpartie im Vorfeld angeglichen. Auch das vielfach erwähnte Problem des zu engen Schößchenbeleges konnte ich schon am Probeteil lösen: Schneidet man das rückwärtige Belegteil im Bruch statt als zwei Teile zu, verwendet aber das vorgesehene Schnittteil, so passt der Beleg absolut perfekt. So weit so gut. Versäumt hatte ich den Blick auf den Rücken.

In Bielefeld startete ich mit dem Blazer erst am Samstagmorgen, da ich das Buch zuhause liegen gelassen hatte und Frau buntekleider es mir netterweise am Samstag dann von zuhause mitbrachte. Die Abnäher und Paspelknopflöcher hielten mich dann recht lang auf, der Rest war zackig genäht, so richtig komplex ist der Schnitt ja nicht. Allerdings beulte dann das Endergebnis etwas im Rücken. Dank umfangreicher Beratung der Nachbarinnen entschied ich, Taille und Hüfte etwas rauszulassen, dadurch wurde es etwas besser. Theoretisch hätte ich den oberen Rücken und auch den vorderen Taillenbereich noch verschmälern können, aber ich fürchtete „Overfitting“ und wollte dem Blazer die Bewegungsfreiheit nicht nehmen. Heute denke ich, ein bisschen enger würde er mir besser gefallen.

 

Nichtsdestotrotz mag ich das Ergebnis und trage es heute erstmals im Büro. Der Stoff ist Woll-Viskose-Gabardine von Alfatex, gekauft vor 3 Jahren und nun endlich zum ersten Teil des geplanten Kostüms vernäht. Dazu muss unbedingt noch ein Tellerrock. Das Kleid das ich darunter trage ist zu wenig ausladend um dem Schößchen was entgegen zu setzen, finde ich.

 

Hier noch einmal der Blick auf das Kleid. Es handelt sich um Butterick 5951, das sog. Tina-Kleid. Das hab ich vor kurzem in meinem Schrank gefunden und hatte es bis dahin erst einmal angehabt. Dabei sitzt es eigentlich ganz gut und gefällt mir zumindest ok. 

Aber die Ärmel waren zu eng – das hab ich nun behoben, indem ich die Ärmel einfach abgetrennt hab und die Armlöcher mit Schrägband verstürzt und das dann innen angehext. Nun kann und werde ich das Kleid zumindest tragen – auch wenn es ein paar Schwächen hat. Die kommen daher, dass ich das Kleid vor unserem Umzug im Winter begonnen, dann halbfertig eingepackt und zwei Monate später im Frühjahr fertiggenäht hab, da war es mit dem langen Ärmeln im Prinzip schon zu warm und entsprechend gering war meine Lust es fertig zu stellen. Deshalb steckte es dann auch in einer wenig geöffneten Schrankseite – es war einfach mit Lustlosigkeit verbunden. Ich finde es aber ein prinzipiell gutes Bürokleid. Die Viskosegabardine fällt schön, ist warm und macht auch längere Meetingsgut mit, der hohe Ausschnitt gefällt mir heute besser als vor 2 Jahren. Nur für unter diesen Blazer ist es nicht ganz gut, weder im Rock noch am Ausschnitt. Aber zusammen mit meinem Meandering Vines Shawl und einem Plaintain-Top aus Merinojersey halten sie mich stylish warm bei diesen arktischen Temperaturen.

 

Und nun zum MMM mit Luise, die auch mit einer simplen Änderung ein tragbares Teil aus einer Schrankleiche gemacht hat.

Sonntagssachen 3/2017

Der Sonntag begann auf der anNÄHerung, dem weltbesten Nähtreffen in Bielefeld – mit dem annähen der Knöpfe an meinen neuen lila Blazer. Und dem Kräuseln von vielen vielen (ich glaube 25m) Metern Feintüll für einen schwarzen, bildschönen Petticoat. Dann zusammenpacken der Kleinteile, der Nähmaschine und der vertauschten Stoffe. Und alles ab ins Auto. Schwerer Abschied von all den tollen nähnerds und ab auf die Autobahn – hier schon heimische Industrieidylle. Zuhause ziemlich müde rumgekramt, den Adventskranz auseinandergenommen. Und dem Kind beim malen zugesehen. Lecker bekocht worden. Und zum Abschluss ein Guns’n Roses-Konzert auf prime geguckt. Sehr früh ins Bett gefallen…

Me made Mittwoch: Lieblingsteil 2016

Heute startet der Me Made Mittwoch in das Jahr 2017 und fragt – nun schon traditionell – nach dem Lieblingsstück des letzten Jahres. Ich dachte, als ich das Thema sah zunächst  (wie eigentlich jedes Jahr) „och letztes Jahr hab ich doch nur ganz wenig und nix besonderes genäht“ – dann ging ich mal meine Posts des vergangenen Jahres durch und stellte fest: „Huch, ganz schön tolle Sachen dabei.“ Daher nun hier meine Lieblingsteile:

Das allerwelttollste Gesamtoutfit ist dieses:

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Das Outfit ist aus verschiedenen Gründen das Gewinneroutfit des Jahres. Zum einen vereint es zwei neu entdeckte Schnitte, die für mich gut funktionieren: den Falten-Tellerrock nach eigenem Schnitt und die Vintage-Bluse aus der Knip. Beide Schnitte sind absolut super, weil sie zu meinem Stil passen und mir eine Variante des „Tellerrock+Shirt-Outfits“ eröffnen, mit dem ich sonst 95% der Zeit zumlaufe. Außerdem mag ich die Farben des Outfits sehr sehr sehr. Der Stoff der Bluse war ein wundervoller Glücksfund, sie passt super zu vielen meiner Röcke und beides passt super zu diesen schönen Schuhen.

Das komplizierteste, was ich im vergangenen Jahr genäht habe, war mein Blazer:

wp-1456317748740.jpegAuch den trage ich sehr oft – unter anderem zu dem besagten Rock – weswegen er auch noch keinen passenden Rock aus dem selben Stoff bekommen hat. Das müsste ich dann wohl mal machen.

Und dann noch das Kleid, für das ich am meisten Komplimente bekommen habe, das ist nämlich mein Far-from-perfect-1940s-TeaDress:

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Das Kleid ist wirklich noch nicht perfekt angepasst, der Schnitt hat noch Luft nach oben. Dennoch erhalte ich immer sehr viele Komplimente, wenn ich es trage. Ich glaube, das liegt an der Kombination aus dem verspielten Schnitt und dem eher strengen Anzugstoff, das fällt auch „Laien“ als was besonderes auf. Den Schnitt werde ich definitiv noch einer weiteren Optimierung unterziehen und nochmal nähen, denn ich trage das Kleid oft, gerade auch, weil es sich auch gut mit Blazer drüber macht.

Und damit genug der Rückschau und auf zum Me Made Mittwoch-Blog. An dieser Stelle ein dickes Danke an das unermüdliche Team hinter dem Me made Mittwoch. Ich finde es immernoch, auch nach nun 6 Jahren Nähbloggerinnendasein, eine sehr große Bereicherung diese Plattform zu haben und bin unendlich dankbar für vieles, das daraus erwachsen ist. Ich erahne, dass es sehr viel Arbeit ist, das zu wuppen und finde umso wichtiger, das anzuerkennen!

Sonntagssachen 2/2017

Der Tag beginnt mit Zeltbau. Croissants und Milchhörnchen zum Frühstück. Am Vormittag ersetzen wir die letzte Baufassung der Wohnung durch diese vom Mann gemachte Lichtinstallation – ja, das ist sehr hell. Und ab ins Auto eine Fahrt durch den Nebel. Ich stricke weiter am letzten Weihnachtsgeschenk 2016. Am Ziel des Ausflugs gab es gutes Essen, eine Einführung in orthodoxes Weihnachten und die Übergabe der Mini-Minimenschklamotten in Gr. 50/56 an Freundin Z. zur Nutzung durch den bald erwarteten dortigen Minimensch. Ach und Schiffe im Nebel. Wieder zuhause hatte der freundliche Haussklave schon mal den Abwasch gemacht. Und ich beginne endlich mit den Vorbereitungen für die Annäherung. (Ein gewisser Trend zu „auf den letzten Drücker“ ist erkenntlich…). Zum guten Schluss noch ein von oben sehr gelungenes, von unten leider fest gebackenes Brot dem Ofen entnommen.