Me made Mittwoch: Der Gertie-Blazer

Am vergangenen Wochenende war ich wieder auf der anNÄHerung, dem welttollsten Nähtreffen, in Bielefeld. Und weil das ja letztes Jahr ganz gut geklappt hat, wollte ich dieses Jahr auch wieder einen Blazer nähen. Den schon vielfach genähten Blazer aus dem ersten Buch von Gertie Hirsch. Brav hatte ich ein Probeteil gemacht und die Brustpartie im Vorfeld angeglichen. Auch das vielfach erwähnte Problem des zu engen Schößchenbeleges konnte ich schon am Probeteil lösen: Schneidet man das rückwärtige Belegteil im Bruch statt als zwei Teile zu, verwendet aber das vorgesehene Schnittteil, so passt der Beleg absolut perfekt. So weit so gut. Versäumt hatte ich den Blick auf den Rücken.

In Bielefeld startete ich mit dem Blazer erst am Samstagmorgen, da ich das Buch zuhause liegen gelassen hatte und Frau buntekleider es mir netterweise am Samstag dann von zuhause mitbrachte. Die Abnäher und Paspelknopflöcher hielten mich dann recht lang auf, der Rest war zackig genäht, so richtig komplex ist der Schnitt ja nicht. Allerdings beulte dann das Endergebnis etwas im Rücken. Dank umfangreicher Beratung der Nachbarinnen entschied ich, Taille und Hüfte etwas rauszulassen, dadurch wurde es etwas besser. Theoretisch hätte ich den oberen Rücken und auch den vorderen Taillenbereich noch verschmälern können, aber ich fürchtete „Overfitting“ und wollte dem Blazer die Bewegungsfreiheit nicht nehmen. Heute denke ich, ein bisschen enger würde er mir besser gefallen.

 

Nichtsdestotrotz mag ich das Ergebnis und trage es heute erstmals im Büro. Der Stoff ist Woll-Viskose-Gabardine von Alfatex, gekauft vor 3 Jahren und nun endlich zum ersten Teil des geplanten Kostüms vernäht. Dazu muss unbedingt noch ein Tellerrock. Das Kleid das ich darunter trage ist zu wenig ausladend um dem Schößchen was entgegen zu setzen, finde ich.

 

Hier noch einmal der Blick auf das Kleid. Es handelt sich um Butterick 5951, das sog. Tina-Kleid. Das hab ich vor kurzem in meinem Schrank gefunden und hatte es bis dahin erst einmal angehabt. Dabei sitzt es eigentlich ganz gut und gefällt mir zumindest ok. 

Aber die Ärmel waren zu eng – das hab ich nun behoben, indem ich die Ärmel einfach abgetrennt hab und die Armlöcher mit Schrägband verstürzt und das dann innen angehext. Nun kann und werde ich das Kleid zumindest tragen – auch wenn es ein paar Schwächen hat. Die kommen daher, dass ich das Kleid vor unserem Umzug im Winter begonnen, dann halbfertig eingepackt und zwei Monate später im Frühjahr fertiggenäht hab, da war es mit dem langen Ärmeln im Prinzip schon zu warm und entsprechend gering war meine Lust es fertig zu stellen. Deshalb steckte es dann auch in einer wenig geöffneten Schrankseite – es war einfach mit Lustlosigkeit verbunden. Ich finde es aber ein prinzipiell gutes Bürokleid. Die Viskosegabardine fällt schön, ist warm und macht auch längere Meetingsgut mit, der hohe Ausschnitt gefällt mir heute besser als vor 2 Jahren. Nur für unter diesen Blazer ist es nicht ganz gut, weder im Rock noch am Ausschnitt. Aber zusammen mit meinem Meandering Vines Shawl und einem Plaintain-Top aus Merinojersey halten sie mich stylish warm bei diesen arktischen Temperaturen.

 

Und nun zum MMM mit Luise, die auch mit einer simplen Änderung ein tragbares Teil aus einer Schrankleiche gemacht hat.

Sonntagssachen 3/2017

Der Sonntag begann auf der anNÄHerung, dem weltbesten Nähtreffen in Bielefeld – mit dem annähen der Knöpfe an meinen neuen lila Blazer. Und dem Kräuseln von vielen vielen (ich glaube 25m) Metern Feintüll für einen schwarzen, bildschönen Petticoat. Dann zusammenpacken der Kleinteile, der Nähmaschine und der vertauschten Stoffe. Und alles ab ins Auto. Schwerer Abschied von all den tollen nähnerds und ab auf die Autobahn – hier schon heimische Industrieidylle. Zuhause ziemlich müde rumgekramt, den Adventskranz auseinandergenommen. Und dem Kind beim malen zugesehen. Lecker bekocht worden. Und zum Abschluss ein Guns’n Roses-Konzert auf prime geguckt. Sehr früh ins Bett gefallen…

Me made Mittwoch: Lieblingsteil 2016

Heute startet der Me Made Mittwoch in das Jahr 2017 und fragt – nun schon traditionell – nach dem Lieblingsstück des letzten Jahres. Ich dachte, als ich das Thema sah zunächst  (wie eigentlich jedes Jahr) „och letztes Jahr hab ich doch nur ganz wenig und nix besonderes genäht“ – dann ging ich mal meine Posts des vergangenen Jahres durch und stellte fest: „Huch, ganz schön tolle Sachen dabei.“ Daher nun hier meine Lieblingsteile:

Das allerwelttollste Gesamtoutfit ist dieses:

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Das Outfit ist aus verschiedenen Gründen das Gewinneroutfit des Jahres. Zum einen vereint es zwei neu entdeckte Schnitte, die für mich gut funktionieren: den Falten-Tellerrock nach eigenem Schnitt und die Vintage-Bluse aus der Knip. Beide Schnitte sind absolut super, weil sie zu meinem Stil passen und mir eine Variante des „Tellerrock+Shirt-Outfits“ eröffnen, mit dem ich sonst 95% der Zeit zumlaufe. Außerdem mag ich die Farben des Outfits sehr sehr sehr. Der Stoff der Bluse war ein wundervoller Glücksfund, sie passt super zu vielen meiner Röcke und beides passt super zu diesen schönen Schuhen.

Das komplizierteste, was ich im vergangenen Jahr genäht habe, war mein Blazer:

wp-1456317748740.jpegAuch den trage ich sehr oft – unter anderem zu dem besagten Rock – weswegen er auch noch keinen passenden Rock aus dem selben Stoff bekommen hat. Das müsste ich dann wohl mal machen.

Und dann noch das Kleid, für das ich am meisten Komplimente bekommen habe, das ist nämlich mein Far-from-perfect-1940s-TeaDress:

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Das Kleid ist wirklich noch nicht perfekt angepasst, der Schnitt hat noch Luft nach oben. Dennoch erhalte ich immer sehr viele Komplimente, wenn ich es trage. Ich glaube, das liegt an der Kombination aus dem verspielten Schnitt und dem eher strengen Anzugstoff, das fällt auch „Laien“ als was besonderes auf. Den Schnitt werde ich definitiv noch einer weiteren Optimierung unterziehen und nochmal nähen, denn ich trage das Kleid oft, gerade auch, weil es sich auch gut mit Blazer drüber macht.

Und damit genug der Rückschau und auf zum Me Made Mittwoch-Blog. An dieser Stelle ein dickes Danke an das unermüdliche Team hinter dem Me made Mittwoch. Ich finde es immernoch, auch nach nun 6 Jahren Nähbloggerinnendasein, eine sehr große Bereicherung diese Plattform zu haben und bin unendlich dankbar für vieles, das daraus erwachsen ist. Ich erahne, dass es sehr viel Arbeit ist, das zu wuppen und finde umso wichtiger, das anzuerkennen!

Sonntagssachen 2/2017

Der Tag beginnt mit Zeltbau. Croissants und Milchhörnchen zum Frühstück. Am Vormittag ersetzen wir die letzte Baufassung der Wohnung durch diese vom Mann gemachte Lichtinstallation – ja, das ist sehr hell. Und ab ins Auto eine Fahrt durch den Nebel. Ich stricke weiter am letzten Weihnachtsgeschenk 2016. Am Ziel des Ausflugs gab es gutes Essen, eine Einführung in orthodoxes Weihnachten und die Übergabe der Mini-Minimenschklamotten in Gr. 50/56 an Freundin Z. zur Nutzung durch den bald erwarteten dortigen Minimensch. Ach und Schiffe im Nebel. Wieder zuhause hatte der freundliche Haussklave schon mal den Abwasch gemacht. Und ich beginne endlich mit den Vorbereitungen für die Annäherung. (Ein gewisser Trend zu „auf den letzten Drücker“ ist erkenntlich…). Zum guten Schluss noch ein von oben sehr gelungenes, von unten leider fest gebackenes Brot dem Ofen entnommen. 

Neujahrssachen 2017


Deutlich zu früh für meinen Geschmack vom aufgekratzten Minimensch geweckt worden, gekuschelt, gegrantelt und schließlich Tiere gestapelt. Und einen Hubschrauber konstruiert. Sehr viel später gefrühstückt. Gestrickt. Den Minimensch bei Opa, Oma und dem Neujahrskonzert gelassen und einen langen und flotten Waldgang gemacht. Dabei viele vom Eis bezauberte Kunstwerke gesehen (und Rehe). Sehr viel vorgelesen. Karten gespielt. Selbst ein paar Seiten gelesen. 

Weihnachtssachen 2016

Am 1. Feiertag waren wir den halben Tag auf dem großen Familienweihnachten, da hab ich das fotografieren vergessen. Deshalb jetzt Sachen vom 1. und 2. Feiertag.

Weihnachtsbaum. Festliche Frühstücke. Geschenke verpackt und ausgepackt. Geschichten vorgelesen. Das Weihnachtskleid angezogen. Ingwer aus dem Wohnzimmer geerntet (der stand da, wo der Weihnachtsbaum jetzt steht.). Einen Morris aus leichtem Walk zugeschnitten. Einen Lichter-guck-Spaziergang gemacht. 

Weihnachtskleid-Finale 2016

Ich habe fast alle Termine des Weihnachtskleid-Sewalong 2016 geschwänzt und auch zum Finale bin ich reichlich spät. Das liegt daran, dass ich dieses Jahr relativ viele selbst gemachte Weihnachtsgeschenke verschenkt habe, bis einschließlich 22.12. gearbeitet habe und zugleich relativ oft abends ziemlich müde war. Aber, ich habe mein Weihnachtskleid fertig genäht und am 1. Feiertag getragen und es ist toll.

Ja und ich habe es bisher nur im Spiegel fotografiert, mit Kuschelsocken an. 

Dafür aber auch von hinten:

Der Stoff ist von Coupons St. Pierre in Paris, ein Satinjaquard, der innen kuschelig und wunderschön festlich ist. Ich habe den 3m-Coupon mit Freundin Z. geteilt und hatte somit nur 1,50m für mein Kleid. 

Genäht habe ich einen Patternhack aus dem Oberteil von Elisalex (By Hand London) und einem halben Teller. Mit Seitennahttaschen. 

Weil mich das Futter in allen meinen Elisalexen in den Wahnsinn getrieben hat und weil dieser Stoff von innen sehr angenehm ist, habe ich einen Beleg an Hals- und Armausschnitten statt Futter verwandt. Ich habe außerdem am Rückenteil die Naht oberhalb des Reißverschlusses einige Zentimeter zugenäht. Der Halsausschnitt ist dicke weit genug zum reinschlüpfen und der hintere Ausschnitt wirkt so viel schöner als mit einem Häkchen. 

Ansonsten nähe ich Elisalex in Gr. 10, verlängere das Oberteil aber um 3cm und gebe im Stoffbruch des Vorderteils ca 1/2 cm zu. Weil ich eigentlich Kleider nur mit Taillennaht statt Taillenband nicht so schön an mir finde, trage ich das Kleid mit einem Satinband in der Taille. Darunter trage ich ein leichtes Petticoat.

Genäht habe ich das Kleid komplett in der Woche vor Weihnachten als Mann und Kind verreist waren. Und weil ich die Handsäume von anderen immer so bewundernswert finde, habe ich das Kleid mit der Hand gesäumt. Ich habe Saum und Armlöcher mit Schrägband verstürzt und das dann von Hand von außen unsichtbar umgenäht. Das hab ich am Heiligabend nach der Bescherung gemacht.  

Ich bin rundum zufrieden und werde das Kleid Silvester gleich nochmal tragen. 

Und ich hab auch schon ganz viele schöne Weihnachtskleider auf dem Me made Mittwoch-Blog gesehen

Sonntagssachen 39/2016

Ausgeschlafen. In der gut durchgezogenen Mandarinenmarmelade gerührt, die sich im Verlaufe des Tages noch als störrisch erweisen sollte. Weihnachtspost geschrieben. Gefrühstückt. Die vierte Kerze angezündet. Nativity modern interpretiert.Gestrickt. Beim Weihnachtsbaumkauf den Eseln Hallo gesagt. Mafia-Spielkarten gebastelt.Eine sehr leckere Apfeltarte gebacken. Extrem produktiver Wichtelwerkstattsonntag!

Me made Mittwoch: Morris

Ich trage heute trug letzte Woche einen neuen Sweatblazer über einem alten Shirt und einem Rock aus dem Frühjahr 2016. Da Wiebke heute beim Me made Mittwoch die Gretchenfrage „Jersey oder Webstoff“ thematisiert, grabe ich die Fotos von letzter Woche aus, aus denen dann doch kein Blogpost mehr geworden war. Ich bin eigentlich eine Webstoffperson. Ich trage wirklich sehr selten Jerseykleider und sehr gern Webstoffkleider und -röcke. Aber ich trage natürlich Shirts und ich mag nicht so sehr gern Blusen. In meinem Job trage ich tatsächlich relativ häufig einen Blazer. Selten ist tatsächlich formelle Kleidung im engeren Sinne notwendig aber oft möchte ich etwas mehr als ein schnödes Shirt anhaben. Auch weil es öfter etwas zugig im Büro ist und ein Schal nicht reicht, mich zu wärmen. Daher greife ich in letzter Zeit wieder häufiger zu meinen Einzel-Blazern aus Cord, Samt oder eben Sweat. So schien es mir eine gute Idee, mir noch ein paar Sweat-Blazer zu nähen, als etwas schickere Strickjacken quasi, schön kurz für über weite Röcke passend. Dies ist nun der erste Versuch – den ich zunächst dann doch noch stark optimierungsbedürftig finde.

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Das Schnittmuster von Grainline-Studio habe ich schon länger. Ich ließ es auch schon vor einiger Zeit plotten, aber so richtig aufraffen konnte ich mich auch nicht. Nun habe ich doch mal einen Versuch gewagt. Den Sweat, der nicht angeraut ist, habe ich als „Sommersweat“ im Internet bestellt und dachte erst er sei zu dünn. Er hat sich von der Dicke her aber als richtig erwiesen, allerdings hat er sich leider in der Verarbeitung recht deutlich gedehnt, das kann aber auch an meinem Unvermögen liegen, mit der neuen Nähmaschine die passenden Einstellungen zu wählen. Die vorgesehene Verstärkung aller Belege war für diesen Stoff unbrauchbar. Trotz dünnster Gewebeeinlage waren die Belege im Verhältnis zum sonstigen Blazer viel zu steif und verhielten sich höchst unschön, so dass ich sie größtenteils im Nachhinein wieder herausgerupft habe. Für die nächste geplante Version aus Indoor-Walk werde ich auf jeden Fall auf die Verstärkung der Belege verzichten.

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Ich betrachte die Jacke mehr so als Beta-Variante, besonders gut finde ich sie nicht, aber ich sehe, der Schnitt hat für meinen Anwendungsfall Potenzial. Folgendes würde ich für die nächste Variante ändern:

  • Insg. eine Größe kleiner zuschneiden, den Rücken evtl. sogar 2 Größen kleiner (ich habe meine übliche Größe 12 genommen, die auch nach Brustumfangsangabe richtig war, die Jacke ist aber – für meinen Geschmack – zu weit.)
  • Die Ärmel deutlich verlängern. Ich trage sie hier gekrempelt, weil sie schon ohne Umschlag gut 5 cm zu kurz waren. Das muss ich oft machen und denke zu selten dran.
  • Bei Sweat, Walk und ich denke auch Romanit werde ich auf die Einlage in Reversbelegen, Kragenteilen und vor allem Saum werde ich definitiv weglassen. Nicht nur war das unschön beim nähen, weil sich die nicht verstärkten Teile gedehnt hatten und dann nicht mehr auf die verstärkten passten – es fiel auch total doof und nahm dem Blazer alles legere.
  • Schultern verschmälern – auch eine Standardänderung, die ich gern mal vergesse.

 

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Wenn ich das alles ändere könnte es aber eine durchaus alltagstaugliche Alternative zu gekauften Strickjäckchen sein. Ich werde aber alternativ auch noch den Schnitt „Lady Grace“ ausprobieren, der Teilungsnähte und ein echtes Revers und Knöpfe hat – möglicherweise wird er dann „blazerhafter“ – wir werden sehen.

Sonntagssachen 38/2016

Der Mann lag fiebrig erkältet im Bett, der Minimensch war um sechs zu mir ins Bett gekrochen und auf meinem Arm liegend wieder eingeschlafen – entsprechend mobil und energiereich begann der Sonntag. Geschichten vorgelesen. Adventskalenderpäckchen ausgepackt. Versucht uns zusammenzuraufen und anzuziehen denn wir waren erst auf einem Geburtstagsbrunch und dann auf einem Adventscafé eingeladen. Bei ersterem gab es Tannenbäume auf dem Tisch und Lego zum spielen. Außerdem die WELT, in der erschreckenderweise drin stand, Marx habe evtl gar nicht unrecht gehabt – ich verdauen das immer noch. Erst am Abend kamen der Minimensch und ich zum kranken Mann zurück nach Hause, zündeten die Dritte Kerze an. Und machten Wäsche. Nach Insbettbringen war ich dann eigentlich auch schon bettreif – aber wer macht dann die Weihnachtsgeschenke? Also einen Espresso getrunken. Und endlich was zugeschnitten, was gebastelt und was genäht. Geheim alles, versteht sich.